Freitag, 22. April 2011

Pessachgedanken



Der wirklich Status quo

Dazu als Einstieg ein Filmchen aus London, in dem auf sehr deprimierende Art und Weise vorgeführt wird, mit welcher Barbarei Israel und die Kulturwelt konfrontiert sind. Selbstverständlich werden darauf viele reflexartig und wie aus der Kanone geschossen antworten: „Ja, aber das sind nur einige Verrückte. Die muslimische Mehrheit ist lieb, denkt pluralistisch und strebt nach Demokratie“. Dazu ist höchstens zu sagen, dass bisher noch keine wirklich demokratisch und pluralistisch denkende Muslime bemerkbar geworden sind – auch wenn oberflächliche Seelen die heutigen Bestrebungen zu einer arabischen Demokratie, diese durch die Demonstranten in Ägypten, Libyen, Syrien und wie sie alle heissen, vertreten sehen. Zwar wünsche ich von ganzen Herzen, dass wirkliche Freiheit und nicht die in meinen Augen aufs wirtschaftliche beschränkte Freiheit dem arabischen Volk gegönnt wird – nur glauben werde ich das erst, wenn ich es sehe. Das Eingreifen des Militärs in Ägypten lässt solche Hoffnungen allerdings schwinden, auch wenn sie dem Einfluss der Muslimbrüder vorzuziehen ist.

Der Staat der Palästinenser

Deprimierend ist in diesen Wochen und Monaten der Erfolg der palästinensischen Welt in der Delegitimisierung Israels. Zwar habe ich jeden Glauben auf einen Erfolg allfälliger Verhandlung zwischen Israel und den Palästinensern verloren, ganz besonders jetzt, wenn die Aussicht besteht, dass Letztere ihren Staat von der UNO ohne die geringste Gegenleistung gratis und franko ins Haus geliefert bekommen werden. Vergessen wir allerdings nicht, dass 1947 mit der UNO-Resolution 181 Israel gegründet wurde. Israel wird, falls dieser palästinensische Staat zu Stande kommt, diesen sicherlich nicht angreifen, doch macht es sich Sorgen um die Zukunft. Wird es Raketen und Mörserbeschuss geben, wird der Terror wieder zunehmen, gegen den man sich wehren muss? Der feine Unterschied dieser Staatsgründung im Vergleich zur Gründung Israels ist der, dass Israel sich nach der von ihr akzeptierten UNO-Abstimmungsresultat erst seinen Staat erkämpfen musste, denn die arabische Welt wollte ihn sofort vernichten. Die Tatsache, dass die arabischen Angreifer zum Teil von früheren Nazioffizieren kommandiert worden waren, ist heute kaum noch bekannt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass der aus den Zwanzigerjahren stammende muslimische Judenhass der Muslimbrüder von der Naziideologie mitgetragen wurde und heute von Hamas weiter geführt und verkündet wird.

Zu einem nicht unwesentlichen Teil ist die israelische Regierung für den heutigen Stand der Dinge selbst verantwortlich. Nicht nur, weil sie Verhandlungen aus dem Wege geht – die Palästinenser tun genau dasselbe und zum verhandeln braucht es halt mindestens zwei. Ich klage Nethanyahu und Lieberman an, nichts zu unternehmen, um der Welt ohne weinerliche Opferspiele offen Hintergründe und Fakten auf den Tisch zu legen. Auf eine umfassende Art, unter Mithilfe der zahlreichen Freunde Israels, auch jenen, die es wagen, Israel gelegentlich zu kritisieren. Denn unkritische Freunde sind keine wahren Freunde, sie sind was im jüdischen Volksmund „Tocheslecker“ (siehe Google) genannt wird. Auch wenn Israel auch heute noch ein Licht unter den finsteren Gesellschaften und Staaten des Nahen Ostens ist, gibt es noch viel zu verbessern. Es müssen antidemokratische und rassistische Entwicklungen bekämpft werden, die Israel mehr bedrohen, als die islamistische Gefahr. Gegen Gefahren von aussen gibt es die Armee. Gegen die Gefährdung von innen sind Israels Bürger selbst gefordert, denn sie bestimmen den Charakter des Staates. Der Staat Israel darf nicht stagnieren oder gar einer reaktionären Politik verfallen, die gerade unter der gegenwärtigen Regierung von Nethanyahu und Lieberman zu Recht als grosse Gefahr für den Staat gesehen wird.

Ich finde es ein Armutszeugnis für die Regierung Nethanyahus, dass sie starr auf den kommenden September schaut, an dem vielleicht ein palästinensischer Staat von der UNO „bewilligt“ und ausgerufen werden wird. Sie tut nichts. Statt die Stunde zu nutzen und als erste auf die Palästinenser der Westbank zuzugehen (lassen wir Gaza für einmal auf der Seite) und ihnen positive und produktive Vorschläge zu unterbreiten, Hilfe bei der Staatsgründung anzubieten und sich positiv zu benehmen, statt in stiller Panik zu motzen, Wir wissen nicht wie sich Abu Mazen und seine Mannen die Gründung und die Führung eines eigenen souveränen Staates vorstellen und wie sie sich verhalten werden. Aber Israel darf nicht zulassen, als Miesmacher und Spielverderber dazustehen. Das kann sie ruhig der Gegenseite überlassen. Die rechtsextreme Regierungsideologie des Alles-oder-Nichts-Nationalismus ist nicht mit sicherheitspolitischen Bedenken zu verwechseln. Die Regierung braucht Druck von Seiten ihrer Freunde und Israel darf nicht in die palästinensische Tradition verfallen keine Gelegenheit auszulassen, eine Gelegenheit zu verpassen.

Die doppelte Nakba

Ich möchte hier kurz ein Thema besprechen: das der Flüchtlinge. Nicht nur der seit Jahrzehnten professionellen Flüchtlinge palästinensischer Provenienz, sondern der jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Staaten. Denn mit kaum einem Thema in diesem Zusammenhang wird so viel Schindluder getrieben und unterschlagen. Keine anderen Flüchtlinge wurden je mit so reichen finanziellen Mitteln übergossen, auch wenn grosse Teile dieser Mittel in die Bankkonten ihrer eigenen palästinensischen Elite geflossen ist.

Der arabische Angriff auf Israel in 1948 produzierte etwa 700’000 arabische Flüchtlinge, die sich vor allem in Israels Nachbarstaaten niederliessen und dort in Flüchtlingslager gepfercht worden waren. Zwar sind von diesen Flüchtlingslager heute nur wenige noch wirkliche Elendsquartiere, aber gerade diese werden, wie das Beispiel Gaza zeigt, als solche gepflegt und zu politischen Zwecken manipulativ der weltweiten Öffentlichkeit vorgeführt, damit den Eindruck prägend, sämtliche Palästinenser lebten im Elend. Soweit das stimmt, ist dies die von arabischen Staaten seit jeher vertretene Politik. Sie ist besonders im Libanon zu beobachten, der diesen Flüchtlingen seit 1948 Eingliederung und Einbürgerung verweigert und sie künstlich im Flüchtlingsstatus hält.

In 1948 lebten in arabischen Länder rund 850'000 Juden.

Aden: 8’000
Algerien: 140’000
Ägypten: 75’000
Irak: 135’000
Libanon: 5’000
Libyen: 38’000
Marokko: 265’000
Syrien: 30’000
Tunisien: 105’000
Jemen: 55’000
(Quelle: American Jewish Yearbook 2001, Philadelphia: 
The Jewish Publication Society of America, compiled by the American Sephardi Federation)

Orientalische (heute sephardisch genannt wollende) Juden lebten seit Jahrtausenden in diesen Ländern und waren dort, im Vergleich zu ihren europäischen (aschkenasischen) Brüdern, gut integriert, soweit ihr Status als Nichtmuslime dies zuliess. In Nordafrika gehörten sie mehrheitlich zur unteren Mittelklasse, während in den mittelöstlichen Ländern wie Irak, Syrien, Ägypten sie zu grossen Teilen zur Oberschicht gehörten, oft einflussreich und vermögend. In den Jahren nach der Gründung Israels wurden in arabischen Ländern jedoch Pogrome veranstaltet und Juden und ermordet. Sie wurden enteignet und aus dem Land verjagt. Die Mehrheit von ihnen endete mittellos in Israel, wo sie, in einem schwierigen und langjährigen aber erfolgreichen Prozess zu israelischen Bürgern wurden. Wie europäische Juden zur gleichen Zeit und in den Jahrzehnten vorher.

Die rund 850'000 Juden aus arabischen Ländern wurden integriert. Sie jammerten, sie machten viele unangenehme Erfahrungen, doch sie wurden zu Israelis. Weil sie es wollten und weil der Staat der Juden alle jüdischen Flüchtlinge als Heimat und als Zuflucht dient, der hauptsächliche Grundsatz seiner Existenz. Von diesen Flüchtlingen träumt keiner von einer Rückkehr in die „Heimat“ – in den Irak, nach Ägypten, nach Jemen, Syrien oder Libanon. Sie hängen sich keine Schlüssel ihrer ehemaligen Häuser in Bagdad, Alexandrien, Sana’a, Damaskus oder Beirut um den Hals. Sie wurden nicht in Flüchtlingslager gepfercht, sie erhielten, wie jeder andere Jude, die sofortige Bürgerschaft Israels. Und vor allem, sie nehmen am bürgerlichen Leben des Staates der Juden teil, in der Politik, als Akademiker, Militärs und Geschäftsleute. Anderen blieb der soziale Aufstieg eher verwehrt – wie in jedem anderen Land auch, machte nicht jeder Karriere. Doch sind sie in Israel Teil eines Sozialstaates, der sich Bürgern in Not annimmt. Sie sind in die israelische Gesellschaft integriert, ihr politischer Einfluss ist gestiegen und sie träumen nicht davon, als hauptberufliche Flüchtlinge zu leben, Rachegelüste zu pflegen und von der Rückkehr in ihre zurück gelassenen Häuser und Ländereien nachzutrauern. Sie sind kritischer gegenüber Arabern, mit der Begründung, sie würden sie doch weit besser kennen, als ihre aschkenasischen Mitbürger.

Damit will ich eigentlich nur eines feststellen. Es gab zwei Nakbas. Eine selbstverschuldete arabische und eine unverschuldete jüdische. Auch wenn die Opfer der zweiten an „Wiedergutmachung“ aus der arabischen Welt nicht interessiert sind, muss die israelische Regierung der Welt diese jüdische Nakba in Erinnerung rufen. Wie die Juden Europas haben die Juden der arabischen Welt ihren Gastländern während den Jahrtausenden ihres Aufenthaltes viel beigetragen, kulturell, wirtschaftlich und wissenschaftlich. Dann wurden sie enteignet, verfolgt und verjagt.

Palästinensische Flüchtlinge wurden zu Leidensprofis, unterstützt von der UNO, der EU und den USA und als Berufsflüchtlinge weitergezüchtet durch die gesamte arabische Welt, also von ihren Brüdern. Jüdisch-orientalische Flüchtlinge hingegen wurden zu produktiven vollwertigen Bürgern des Staates Israels, die zwar nicht vergessen haben woher sie oder ihre Eltern kamen, doch ihre Anstrengung gilt dem Aufbau ihrer eigenen Existenz durch eigene Arbeit in einem Land, in dem sie sich zu Hause fühlen, zusammen mit Juden aus anderen Teilen der Welt. Für einmal müssen sie sich nicht als Minderheit fühlen, sich nicht dauernd erklären, beweisen und verteidigen – sie sind Teil des Souveräns eines demokratischen Staates.

Sonntag, 10. April 2011

"Mutprobe"


Der Killer der Familie Fogel (Eltern und drei Kleinkinder) in Itamar sei schon vor einigen Tagen gefasst worden. Er sei ein ehemaliger „Mashtap“, ein Kollaborateur mit den Israelis, gewesen, der bereute und in die Herde der Hamas zurückkehren wollte. Aber diese stellte ihm eine Bedingung. Zum Tatbeweis müsse er eine jüdische Familie umbringen. Was er bekanntlich tat. Also warten wir ab. Entweder es stimmt oder ist erfunden – möglich ist beides. Das Schicksal enttarnter Kollaborateure ist fotografisch vielfach belegt: erst werden sie öffentlich erschlagen oder erschossen, ihre Leichen durch die Strassen geschleift und dann an den Füssen an Strommaste gehängt. Die Geschichte ist nicht offiziell, sie ist noch ein Gerücht und wird es so lange bleiben, bis die Sicherheitskräfte mit einer Bestätigung herausrücken. Aus wohl politischen Gründen werden solche Vorfälle von israelischen und palästinensischen Behörden oft unterdrückt.

Wie gesagt, noch ist es ein Gerücht. Israelis fragen sich noch immer, wie eine solche Untat möglich ist, wie Menschen so barbarisch handeln können. Vielleicht hat der Familienmord in Itamar wenig mit Hass des Mörders zu tun, sondern mehr mit dessen Furcht für seine eigene Familie, verständlich zwar, aber seine Tat nicht entschuldigend. Das bestialische Verhältnis zu menschlichem Leben aus jihadistischen Kreisen wie der Hamas, ihr brennender Hass auf Juden und selbst auf jüdische Säuglinge, macht obige Story verständlich. Neu wäre sie nicht, aber was immer der Hintergrund sein mag - die Familie Fogel bringt sie nicht zurück.

Nun soll mir aber ja keiner kommen und von den bösen Siedlern faseln, die solches auf sich selbst brächten. Wie immer man zu diesen stehen mag, es entschuldigt keinen Mord. Apologetisch-ideologisches Geschwätz, wie es nach der Tat schon zu lesen war, ekelt mich an.

Dienstag, 5. April 2011

Carpe Diem


Erst möchte ich auf einen Artikel der New York Times (auch International Herald Tribune) erschienen Artikel aufmerksam machen. Darin wird ein Thema beschrieben, das mitbestimmender Teil meines Lebens in Israel geworden ist: die Kunstgalerie Umm El-Fahm und ihr Gründer und Leiter Said Abu-Shakra, heute einer meiner engsten Freunde. Ich bitte, diesen Bericht zu lesen. Es geht auch um das geplante Museum für zeitgenössische arabische Kunst. Wichtig ist Saids Aussage, dass dieses Projekt ohne sehr wesentliche arabische Unterstützung nicht gebaut werde: “I can’t imagine building it without the help of both communities,” he said. “The goal is not just to build the museum; it’s to do it together.” (Ich kann mir den Bau [des Museums] ohne Mithilfe beider Gemeinschaften [der arabischen und der jüdischen] nicht vorstellen). Das Ziel ist nicht nur das Museum zu bauen, sondern es zusammen zu tun. In anderen Worten, ohne substanzielle Mithilfe aus arabischen Kreisen werde er nicht bauen – etwas, das Said wiederholt betont.

Zur Sache:

Für jeden ersichtlich, zeigt die arabische Revoluzzerwelle, wie wenig der Araber-Israelis Konflikt mit den wirklichen Problemen der arabischen Welt zu tun hat. Natürlich wollen Gruppierungen und Individuen, die ideologisch gelähmt keinerlei Einsichten, seien diese noch so klar und überzeugend, das nicht wahrnehmen. Besonders wenn diese nicht in ihr politisch eingleisiges Auffassungsvermögen passen.

Dann kommt Richter Goldstone und widerruft die Grundlagen seines UNO-Bericht über den Gazakrieg und, so könnte man sagen, behauptet das Gegenteil. Man muss es dem Richter lassen, Mut hat er, denn inzwischen ist ihm sicher bewusst geworden, ab sofort ganz oben auf der Abschussliste verschiedener arabischen Extremistenclubs wie Hamas und Hisbollah – die ihn bisher als einen Hauptzeugen für ihre Lügenpropaganda verehrt haben – zu stehen.

Dann kommt die fast vollständige internationale Mediengemeinschaft, die bisher bewusst und mit Wonne arabischen und palästinensischen Lügengeschichten aufgesessen ist. Sie sind es vor allem, welche die Gräuelgeschichten israelischer Untaten verbreiteten und kaum arabische Menschenrechtsverbrechen, in deren Welt ein tagtägliches Vorkommnis, zur Kenntnis nehmen. Menschenrechtsverletzungen sind in ihrer Sicht ausschliesslich für antiisraelische Propaganda da – jetzt, wenn diese Welt plötzlich offiziell sehen darf, was alles blossgestellt wird – warten wir auf ein wenig Umdenken. Goldstones Einsicht wird den Schaden, den er mit seiner Kommission unserem Land zugefügt hat nicht wiedergutmachen können. Moshe Dayans in diesem Zusammenhang oft zitierte Aussage „Nur ein Esel ändert nie seine Meinung“ trifft auch hier zu.

Trotzdem, Goldstone hat eines fertig gebracht: Er schlug einen weiteren Nagel in den Sarg der Sage ausschliesslich israelischer Schuld an der Lage der arabischen Nation. Damit sollten die Gemeinschaft israelkritischen Linken und Grünen Europas, der Israelhasser an amerikanischen Hochschulen und der bigotten UNO-Menschenrechtsorganisation ihre Hosen osenHosen gänzlich verloren haben – auch wenn sie psychologisch unfähig sind, das zu realisieren. Das nach dem die heutigen „wundervollen“ Vorgänge in der arabischen Welt, diese Tatsache der gesamten Welt demonstrieren. Allerdings, eine Reaktion oben erwähnter Kreise ist deshalb ausgeblieben, sie sind wohl noch immer im Schockzustand und sprachlos. Denn diese, die bisher sämtliche Werte auf den Kopf gestellt, die Legitimität von Selbstverteidigung ins völlige Gegenteil gekehrt haben, ja die offene israelische Gesellschaft als Apartheid bezeichnen und die arabischen Diktaturen (ob islamisch oder nicht) als Demokratien beschreiben, wird der Boden unter den Füssen weggezogen. Die gegenwärtige Offenlegung der katastrophalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände in der arabischen Welt bestätigt eigentlich nur, was jeder der will, im Arab Human Development Report 2002 der UNO hätte lesen können.
Leider hat Israel für die neue Lage die falsche Regierung. Mit Alles oder Nichts wollenden Rechtsextremisten und der ausschliesslichen an sich selbst interessierten Ultraorthodoxie, die Israels heutige Aussen- aber auch Innenpolitik bestimmen, ist es unmöglich versöhnlich aber dennoch kraftvoll Friedenspolitik zu machen. Fehlt es Israel wirklich an Kraft, Willen oder Vorstellungskraft, den Tag zu nutzen und der Welt am lebenden Beispiel die wirkliche Lage im Nahen Osten vorzuführen und überzeugend zu erläutern. In der arabischen Welt geschieht revolutionäres, weltbewegendes. Eine bescheidene Revolution im israelischen Regierungsdenken ist nicht zu viel verlangt, um, sobald sich die Lage geklärt hat, mit den neuen arabischen Machthabern das Gespräch zu suchen. Zwar kann ich mir einige israelische Politiker für diese Aufgabe vorstellen, doch dazu müsste in der Regierung selbst und in der Knesset ein massives, auf Frieden durch Kompromiss gerichtetes Umdenken stattfinden. Noch sind wir nicht so weit. Ob sich in der in Erneuerung befindenden arabischen Nachbarschaft ein Partner finden lässt, wird sich herausstellen, es ist noch zu früh dazu, der Rauch hat sich noch lange nicht verzogen. Es sei aber gestattet zu fragen, ob Nethanyahus Regierung wirklich Pläne für Israels politische Zukunft der Vernunft vorbereitet.

Dienstag, 29. März 2011

Zweifel und Hoffnungen


Dieser Wochen und Monate wird jeder der sich als Jude politisch aufgeschlossen und liberal einstuft (im Volksmund also „Links“ bezeichnet) und den israelischen Extremismus der Siedler und der Ultraorthodoxie als weit gefährlicher für die Zukunft Israels sieht, als die Gefahren von arabischer und islamischer Seite, vor schwere Proben gestellt. In diesen Monaten beschliesst (oder möchte beschliessen) die Knesset vier rassistische Gesetze, die implizit gegen unsere arabischen und liberalen, eine demokratische Politkultur vertretende Bürger vorgesehen sind. Zwei dieser Gesetzesvorlagen sind schon angenommen worden, die beiden anderen werden, wie es aussieht, auch durchkommen. Es sind folgende Vorlagen, allesamt eine faschistoide Weltsicht vertretend, die auf extremistischem Nationalismus und damit verbundener pervertierter Religion fussen:


1. Die „Nakba“ Vorlage, soeben angenommen, verbietet das öffentliche Gedenken an die von den palästinensischen Arabern erlittene Katastrophe in 1948. Ob die Flucht als Panik oder aus Ermunterung dazu aus arabischen Kreisen jener Zeit oder eben als Vertreibung bezeichnet wird ist nicht eigentlich relevant. Ebenso wenig wie die Schuldfrage – obwohl ich denke, dass die Nakba das eindeutig hausgemachte Resultat falscher arabischer Politik und Volksverhetzung ist, die damit das palästinensische „Flüchtlingsproblem“ begründete. Hie und da hat die israelische Armee sicher ein wenig nachgeholfen, wie Benny Morris in seinem Buch „1948“ bestätigt, doch grundsätzlich war es der arabische Angriff auf das eben gegründete Israel, der diese Flucht auslöste. Aber jeder Mensch und jede Gemeinschaft muss das Recht besitzen, ihre eigene Geschichte so zu interpretieren, wie sie sie erlebt hat. Ich sehe dieses absolut antidemokratische Gesetz als Spiegelbild der Holocaustleugnung, die uns Juden verleumdet und beleidigt - eine moderne Variante des Judenhasses.

2. Ein weiteres Gesetz dieser Art – inzwischen aber nur vorläufig in einer Schublade in Wartestellung ist das Gesetz, das die freie Niederlassung, Eckpfeiler einer Demokratie, einschränken soll. Kleine Ortschaften im Norden und im Süden des Landes, mit weniger als 400 Einwohnern, sollen bestimmen dürfen, ob Personen dort wohnen dürfen – es gibt dafür eine Personenprüfkomitee. Man stelle sich vor, Schweizer Juden müssten Anträge stellen, ob sie vielleicht in einem kleinen Schweizer Dorf wohnen dürften, in Kauf nehmend als gesellschaftlich ungeeignet abgelehnt zu werden. Dieses Gesetz zielt, wie könnte es anders sein – auf Israels Araber. Auf Grund der Kritik gegen diesen Gesetzesentwurf, wurde die Anwendung auf Nord- und Südisrael beschränkt. Zwar soll dieses Gesetz Schutz vor rassistischem und religiösem beinhalten – doch wie immer: man schlägt den Sack und meint die Katze.

3. Ein Gesetzesentwurf, der jedem israelischen Bürger vorschreibt, den Staat Israel als jüdischen demokratischen Staat per Treueid zu unterstützen. Dieser Gesetzesvorschlag taucht wiederholt aus der Versenkung auf und falls die wachsende Entdemokratisierung des Landes durch politisch Rechtsextreme anhält, wird sie bestimmt wieder aufs Tapet gebracht.

4. Ein Gesetz, das israelischen Bürgern, die als Terroristen verurteilt worden sind – die Staatsbürgerschaft entzieht. Damit ist natürlich nicht Yigal Amir, der Mörder Rabins gemeint oder der Siedler, der seine arabischen Arbeiter umgebracht hatte – es ist ausschliesslich gegen arabische Bürger gedacht, aber allgemein gehalten, um den versteckten Rassismus dahinter, nicht allzu offensichtlich werden zu lassen. Gruss an die SVP.

Das ist nur eine kleine Auswahl rassistischer Gesetzesvorlagen, die von rechtsextremistischer Seite auf unser Parlament zurollen. Alles kann diskutiert werden und soll es auch. Doch diese Welle hat eigentlich nur einen einzigen Zweck – unsere arabischen Bürger zu delegitimieren. Die israelische Linke in der Knesset – die Vertreter der Arbeitspartei, Meretz, viele Mitglieder von Kadima und sogar einige wenige Veteranen des Likuds – sind heute schwach und trauen sich nicht wirklich Stellung zu beziehen. Sie nahmen nicht einmal in genügender Zahl an der Parlamentabstimmung über das Nakba-Gesetz teil. So stimmten bloss 25 Abgeordnete dagegen, mehr waren nicht anwesend. Solange der Einfluss der Siedlerideologen und der sie unterstützenden religiösextremistischen Rabbiner und nationalistischen Politiker die Politik der Regierung bestimmen, wird sich nichts ändern und Israel wird sich in wenigen Jahrzehnten aus der Reihe wirklicher demokratischer Staaten verabschieden müssen. Ich bin der Meinung Bassam Tibis, der in einem Radio-Interview meinte, die erfolgreichen Unruhen arabischer Demokratiebewegungen beruhen fast ausschliesslich auf dem Drang auf ein besseres materielles Leben und nicht, wie von uns westlichen Idealisten falsch wunschgedacht, auf dem Wunsch nach moderner Demokratie, politischen Freiheiten und Meinungsvielfalt. Der herrschende islamistische Würgegriff in diesen Ländern, lässt das nicht zu. Ich denke, dass gerade diese nie öffentlich ausgesprochene westliche Falscheinschätzung die Gefahr einer islamistischen Machtübernahme zu einer realistischen Möglichkeit verschweigt oder verniedlicht. So nach dem geflügelten Wort: „Eine Stimme, eine Wahl, einmal“ – dann zurück zur Tyrannei unter anderem Personal. Die heutige Blüte politischer Macht der religiös und politisch Rechten in Israel macht diese nicht zu den alleinigen Gegnern von Frieden und Verständigung. Sie sind nicht allein in ihrer Abneigung auf Frieden zwischen dem Staat der Juden und den Palästinensern. Wenn man die Masse der antisemitischen Ausbrüche aus der arabischen Welt – hier ein Müsterchen: http://vimeo.com/16779150 - kommt man an Zweifeln an der Möglichkeit diesen Judenhass auch nur im mindestens zu überkommen, nicht herum. Es handelt sich nicht um einige wenige Spinner, sondern um die bestimmende Strömung innerhalb der arabischen Welt und sie wird von den Machthabern dieser Länder nicht bekämpft, ist sie doch bis anhin das Ventil zum Schutz eben dieser Machthaber gewesen. Als zweites Ventil gibt es heute den Wunsch arabischer Massen nach Freiheit, was immer diese darunter verstehen wollen. Die Maslowsche Pyramide (siehe Grafik) könnte uns einen Hinweis auf die wirklichen Aspiration der arabischen Revoluzzer verschaffen. Zur Zeit geht es ihnen, so scheint es mir, vor allem oder gar ausschliesslich um die untersten zwei Ebenen: physiologische Grundbedürfnisse sowie Schutz und Sicherheit.

Auch wenn heute in der arabischen Welt Demokratie verlangt wird, gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass sich der Hass der arabischen Strasse gegen Juden und Israel, und wenn wir schon dabei sind, auch gegen Christen und andere Nichtmuslime, verändert hat. In keinem der Länder, in denen gerade Revolutionen stattfinden, sind die Ziele bisher klar definiert worden. Vielleicht weil in keinem dieser Länder ein klares politisches Programm zu erkennen ist, aus dem nicht nur hervorgeht welche Ziele die Revoluzzer eigentlich verfolgen und vor allem, wer in diese Staaten als neue aber wirklich demokratisch gewählte Führungsriege überhaupt in Frage kommt. Die Sorge Israels und anderer demokratischer Staaten, dass die Macht der bisherigen in jeder Beziehung korrupten Diktatoren durch frömmelnde „Demokratien“ im Stil Irans abgelöst werden könnten, ist noch nicht entkräftet.

Mittwoch, 23. März 2011

Wenn Religion and Rassismus sich vereinigen

Folgenden Tagebucheintrag schrieb ich Mitte Februar. Irgendwie wurde er vergessen und nicht in den Blog eingefügt. Das hole ich hier nach:

Uri Themals Klarstellung in unserem gemeinsamen Interview vom 7.2.2011, dass Religion – er spricht von den drei monotheistischen Religion Judentum, Christentum und Islam – mit Demokratie nicht zu vereinbaren ist, wird in Israel wie kaum je bevor, fast täglich bewiesen. Die dieser Tage modischen faschistoiden Gesetzesvorlagen, die von den herrschenden Rebben, vor allem der aschkenasischen Konfession, und auch säkularen Rechtsextremisten, ausgedacht und vorgelegt werden, belegen diese These. Nicht alle diese Versuche beruhen auf religiösem Hintergrund.
Hier ein populäres Beispiel: Extremisten des Likuds and rechts davon wollten eine Gesetz durchbringen, mit dem sogenannt linke NGOs untersucht werden können um herauszufinden, wer sie finanziert. Eine Idee, die völlig dem Gedankengut eines US-Senator McCarty entsprungen sein könnte. Auch Lieberman und Nethanyahu sprachen sich erst dafür aus. Doch die Diskussion und Empörung über diese Gesetzesvorlage, die allen demokratischen Grundlagen widerspricht, führte dazu, dass Nethanyahu kalte Füsse bekam. Erst hob er die Abstimmungsdisziplin für seine Partei auf. Als er feststellte, dass die Vorlage auf einmal vom Parlament keine Mehrheit erhalten könnte, versenkte er diese in eine tiefe Schublade und die Angelegenheit war vom Tisch. Mit anderen Worten: eine zutiefst undemokratische Gesetzesvorlage wurde auf zutiefst demokratische Art abgeschossen, noch bevor sie sogar zu einer Diskussion im Parlament kam. Wieder einmal zeigte sich Israel als demokratischer Staat - auch Faschistoides wird diskutiert und entsprechend seinem Wert in den Mistkübel der israelischen Geschichte geworfen. Hoffentlich gibt es da in der Zukunft keine Ausnahmen.
Widmen wir uns lieber unseren revolutionierenden Nachbarn. Wie die sich momentan noch zurückhaltenden Muslimbrüder in Aegypten, die ihrer islamo-faschistischen Ideologie in Gaza einen politischen Probelauf gestatten. Dort werden deren Gräuel live angewandt und die Welt könnte, wenn sie wollte, von Armstuhl aus zusehen, wie Islamisten Nichtislamisten, aber auch normale sunnitische Muslime und Christen verfolgt, einen Anschauungsunterricht bietend, wie ein Aegypten oder auch ein Palästina der Muslimbrüder à la Al Banna, Sayed Qutb und deren palästinensischen Partner, dem Jerusalemer Grossmufti ihrer Zeit, Mohammed Amin Al-Husseini, auszusehen hat. Al Banna und Qutb wurden exekutiert, der Grossmufti floh zu den Nazis und verbrachte den Zweiten Weltkrieg in Berlin. Vielleicht ist es interessant zu vermerken, dass der in Genf lebende Tarik Ramadan, Enkel des Muftis, heute seinen Opa reinzuwaschen und dessen Judenhass, Holocaustbegeisterung und Vorliebe für nazistischen Rassismus zu relativieren sucht.
Unter dem Titel „Hitler Put Them in Their Place“ publizierte dieser Tage Dr. Harold Brackman eine Studie über Aegyptens Muslimbrüder und ihrem Jihad gegen Juden, Judentum und Israel.(http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/HITLER-PUT-THEM-IN-THEIR-PLACE_BRACKMAN_FINAL.PDF) Aus dem einführenden Kapitel „Was die Brüderschaft glaubt“ einige Zitate, von mir aus dem Englischen übersetzt:
Nüchterne Warnungen
  • Eine Globale Bedrohung: „Ein radikalisiertes Verständnis des Islam hat die Welt ergriffen, möglicherweise weitergreifend als alle anderen in der vierzehn Jahrhunderte dauernde Geschichte des Islams und es hat jeden ernsthaften Rivalen verjagt oder zum Schweigen gebracht (Daniel Pipes (2002)
  • Eine muslimische Einschätzung: „Das Problem der Muslimischen Brüderschaft ist die, dass sie keinerlei Scham besitzt. Der Anfang all dieses religiösen Terrorismus, dem wir Zeuge sind, beruht auf ihrer Ideologie des Takfir (dem verleumden anderer Muslime)….. Die Gründer dieser gewalttätigen Gruppen wuchsen in der muslimischen Brüderschaft auf und jene die mit Bin Landen und al-Qaeda sind taten dies unter dem Mantel der Brüderschaft“. (Dr. Ahmad al-Rab, ehemaliger Erziehungsminister von Kuweit, 2005)
In eigenen Worten

  • · Todeskult: „Schande und Ehrlosigkeit sind das Resultat der Liebe zu dieser Welt. Deshalb bereitet euch für den Jihad vor liebt den Tod. … Der Tod ist eine Kunst und die hervorragendste aller Künste, wenn sie von einem geschickten Künstler praktiziert wird.“ (Hassan al-Banna, ca. 1940)
  • · Gewalt: „Geschichte wird nicht ohne Gewalt geschrieben. Ruhm baut keine Denkmale ohne Totenschädel. Ehre und Respekt kann nicht gesichert werden, wenn es dafür keine Grundlage mit Krüppeln und Leichen gibt“. (Abdullah Azzam, Lehrer der Brüderschaft und von Osama bin Laden, 2003)
  • · Demokratie: „Demokratie widerspricht und bekämpft den Islam. Wer immer zur Demokratie aufruft, bekämpft Gottes Plan und den Islam“. (Mustapha Masour, Oberster Geistiger Führer der Brüderschaft, 1981)
  • · Tötet die Juden: „Das Versailles Abkommen war für die Deutschen wie auch für die Araber eine Katastrophe. Aber die Deutschen wissen wie man Juden los wird … Die Deutschen schadeten noch nie einem Muslim und sie bekämpfen unseren gemeinsamen Feind, der Araber und Muslime verfolgte. Aber mehr als alles andere, sie haben das jüdische Problem gelöst. Araber! Erhebt euch und verteidigt eure heiligen Rechte. Tötet die Juden wo immer ihr sie findet … Gott ist mit euch.“ (Mohammad Amin al-Husseini, Grossmufti von Jerusalem, 1943)

Freitag, 18. März 2011

Iran v. Japan

Hier bitte ein Bömbchen von Hendryk Broder, auf das er von einem anderen denkenden Menschen gebracht worden ist. Wie recht er hat - aber wer dachte denn schon daran.

Donnerstag, 17. März 2011

Artikel im Journal21


Im Journal21 wurde mir nun schon zum dritten Mal Gelegenheit gegeben einen Artikel zu veröffentlichen.


Samstag, 12. März 2011

Eine Empfehlung

Im vergangenen Dezember und Januar veröffentlichte die für mich beste politische Monatzeitschrift „Cicero“ einen Blog aus Israel aus der Feder von Ingo Way. Hier als Beispiel seine Beschreibung des Gideon Levy, dem Haaretz-Journalisten, der sich eine Marktnische in Sachen antiisraelischer Verleumdungen und Übertreibungen erbaut hat und darin sehr gut lebt und noch besser verdient. Ausserhalb Israels wird er von der Israelkritik frönenden Fangemeinde als Halbgott verehrt und tatsächlich ernst genommen. Gideon Levy ist einer der humorlosesten Menschen, die ich je kennen gelernt habe (ich treffe ihn gelegentlich und stets zufällig in der Galerie oder an kulturellen Anlässen) – aber jedem das Seine, auch seine einmalige Humorlosigkeit sei ihm unbenommen. Hier was Ingo Way über ihn schreibt, als extremes Beispiel der arabischer Entmündigung durch israelische Gutmenschen aus Medien und Kunst:

Auf die Spitze getrieben wird diese Haltung von Gideon Levy. Der Starkolumnist der Tageszeitung Haaretz gefällt sich seit Jahren in der Pose des einsamen Propheten, der im eigenen Land nichts gilt – und das, obwohl er zu den bestbezahlten Journalisten des Landes zählt. Levy geht im persönlichen Gespräch sogar so weit, zu behaupten, die Palästinenser würden in Konzentrationslagern leben. Als ihm dann Unmut entgegenschlägt, mit dem er anscheinend nicht gerechnet hat, rudert er zurück: Er wolle Israel keineswegs mit Nazideutschland vergleichen. Als sich die Atmosphäre ein wenig beruhigt, rudert er wieder vor: „Allenfalls mit dem Deutschland des Jahres 1933, als die Entrechtung und Ausgrenzung der Juden langsam losging.“ Eben dies hat Levy schon vor acht Jahren in der Haaretz geschrieben. Und wenn 2003 für Israel 1933 war, dann müsste, wenn Levys Analogie taugt, heute 1941 sein. Und noch immer gibt es in Israel keinen Nationalsozialismus und keine Konzentrationslager, und er, Levy, kann munter seine Artikel veröffentlichen.

Hier bitte
der Link zu Ingo Ways Blog – es macht Freude israelische Realität zu entdecken.

Sonntag, 6. März 2011

Spitaltage 2

Heute früh rief mich Ahmad, mein erster Zimmergenosse an und wollte wissen, wie es mir gehe. Zudem richtete er Grüsse aus von Said Abu-Shakra und von seinem Chef Sami. Arbeiten darf er noch längere Zeit nicht, seine Nieren lassen das nicht zu.

Mohammad, mein neuester Zimmergenosse meint, dass die Amerikaner in Irak schon eine Million Araber umgebracht hätten, der Saddam Hussein scheint in seinen Augen ein Lieber gewesen zu sein. Die fast zehntausend Kurden von Halabja seien nicht von ihm vergast worden, sonders es seien die Iraner gewesen. Also ging ich ins Internet um mich schlau zu machen. Es scheint darüber tatsächlich eine Diskussion gegeben zu haben, doch am Ende war es halt doch der Saddam Hussein, das war jedenfalls der Schluss der sich damit befassenden Gremien. Beiden, den Iranern und den Irakern (und auch den Türken) ist gemeinsam, dass sie Kurden nicht mögen und diese traditionell verfolgen und unterdrücken. Weit wichtiger als diese Aussage meines Zimmergenossen Mohammed war seine Absage an den heutigen Islam, der mit dem wahren Islam nichts zu tun habe. Der wahre Islam sei zwar nicht demokratisch aber gerecht und behandle Juden als Gleichberechtigte. Nur scheint mir, dass diese schöne Zeit schon seit Jahrhunderten vorbei ist und die heutigen Probleme auf dem faschistoiden Islamismus von heute beruhen. Schön, immerhin steht Mohammed jeden Tag um fünf Uhr früh zum Gebet auf und klettert dann wieder ins Bett zurück um weiter zu schlafen. Das ist gut so und tut niemandem weh. Doch brachte ich es nicht fertig bei ihm Grundlagen demokratischen Denkens zu entdecken. Religion und Demokratie sind einfach nicht unter einen Hut zu bringen, sei es bei uns Juden, dem Islam und dem Christentum. Beim Abschied schenkte er mir seinen wunderschönen grünen Gebetsteppich und ich muss mir überlegen, was ich mit diesem Schmucksstück tun soll. Einen Ehrenplatz in unserer Wohnung ist er sicherlich wert.

Wenn wir schon bei arabischer Demokratie sind: genau so wenig wie Juden, die von einem jüdischen und demokratischen Staat schwafeln – einem Oxymoron per se – scheint ein grosser Teil der westlichen Welt wenigstens öffentlich überzeugt, die arabische Welt habe Demokratie entdeckt. Bisher in Tunesien, Ägypten, Bahrain, Libyen, Jemen und wo ich es vielleicht schon vergessen habe, sind Millionen Menschen auf die Strasse gegangen und haben gegen ihre nationalen Tyrannen gemeutert. Sie haben politische Meinungsfreiheit ausgeübt, zum Teil mit enormem Erfolg. Aber wie geht es weiter? Von der Gleichberechtigung der Frau und Minderheiten, von rechtsstaatlichen Grundsätzen, von Freiheit für alle und von allen Religionen und all den anderen Grundsätzen demokratischen Verhaltens, von Gewaltentrennung usw. hört man nichts. Wenn es bei der Ausübung des demokratischen Demonstrationsrechts bleibt, hat vielleicht vor allem der Pöbel gewonnen. Irgendeine Diktaturform, sei es Armee oder Islamisten, könnte zurückkehren und so weitermachen, wie ihre gestürzten Vorgänger. Es bleibt zu, hoffen, dass sich in diesen Ländern möglichst schnell eine demokratische nicht korrupte Führerschaft entwickelt, die diese arabischen Menschen in die Praktiken und Grundsätze demokratischen Lebens einführen können. Denn kaum ein Volk ist so traditionslos mit freiheitlichen Lebensformen, wie das arabische. Ich denke da besonders freudig an den unter heftigem Beschuss stehenden Jean Ziegler, dessen Talent für alles Ausreden zu finden und die Schweiz für alles Böse unter der Sonne verantwortlich zu machen. Man wirft ihm heute seine Freundschaft zu Ghadaffi vor, doch hört Mal Freunde: habt ihr seine nicht weniger grosse Freundschaft zu Saddam Hussein vergessen, zu dessen Apologeten er sich hochstilisiert hatte?

Vor zwei Stunden wurde mir Zimmerpartner Nummer 4 vorgestellt. Heissen tut er Simando und ist jüdischer Tscherkesse (warum soll es das nicht geben, gibt es doch auch jüdische Schweizer). Ein lustiger kleiner Mann mit Dächlikappe, der sich umsonst freute mit mir Russisch sprechen zu können. Als Tscherkesse spricht er kein Jiddisch, mit dem wir uns hätten behelfen können, denn die Juden von dort sprechen Farsi, die Sprache der Perser, was ihn zu einem orientalischen Juden macht. Soeben hat ihn die Schwester wieder verlegt, er brauche ein Zimmer mit Monitor. Schade, ich hätte gerne Tscherkessisch gelernt. Sein Nachfolger ist schon da, er heisst Chesi.

Freitag, 4. März 2011

Spitaltage


Um multikulturellen Erfolg in Israel zu sichten, genügen wenige Tage Spitalaufenthalt. So wie ich gerade in diesen sonnigen Tagen, an denen ich gerne etwas anderes täte.

Seit Montag befinde ich mich im Hillel Jaffe Spital in Hadera in einem Zweierzimmer im Neubau des Spitals. Mein erster Zimmergenosse hiess Achmad und wurde gestern entlassen. Ahmad ist Student und arbeitet in Umm El-Fahm im neuen und wirklich feinen Restaurant Kanari. Dieses Lokal gibt es seit drei Monaten und Sami, der Besitzer, ist für den frommen und konservativen Ort eine Ausnahmeerscheinung. Allerdings wohnt er im benachbarten Ara, wo
weniger konservative Sitten herrschen. Sami scheint etwa 40 Jahre alt zu sein, spricht tadelloses englisches Englisch, denn er hatte lange Jahre in England studiert und gearbeitet und ist ein moderner Mensch zu sein, wie Du und ich. Er lernte in England ein spanisches Mädchen aus Teneriffa auf den kanarischen Inseln kennen. Sie heirateten und er liess sich auf ihrer heimatlichen Insel nieder, eröffnete eine Süssigkeitenfabrik und ein Restaurant. Sie haben drei Kinder, seine christliche Frau trat zum Islam über. Da Sami seine Kinder in der arabischen Kultur, die in Israel etwas weniger oppressiv ist als in den umliegenden Ländern, aufwachsen lassen will, kehrten sie nach Israel zurück. Ausnahmen, wenn ich schon von oppressiver arabischer Kultur schreibe, wie der gerade wieder mal in einem Gefängnis einsitzende Scheich Ra'ed Salah, bestätigen die Regel, auch wenn sich der Scheich alle paar Monate kurz aufbläst, zu hasserfüllten Krawallen aufruft, die ihn meist ins erholsame Zuchthaus bringen, wo er gerade jetzt wieder residiert, wie mir Ahmad lachend erzählte. Warum unsere jüdischen Faschisten wie Baruch Marzel und Ben Arie dem Scheich nicht die Ehrenmitgliedschaft in ihrem Extremistenverein angeboten haben, ist mir noch immer unverständlich, verfolgt er doch dieselben Ziele, spiegelbildlich gesehen. Er ist deren Geistesbruder in Rassenhass und überdrehtem Nationalismus. Vielleicht weil Sami bei seinen Aufenthalten in England und Spanien als Geschäftsmann lebte und weder Zeit noch Neigung für palästinensischen Patriotismus besitzt, scheut er sich nicht in Umm El-Fahm auch Juden gegenüber zu sagen, was er wirklich denkt. Doch dazu in einem anderen Tagebucheintrag.

Hier im Hillel Jaffe Spital läuft nichts ohne arabische Mitarbeiter. Fast alle Ärzte in unserer Abteilung sind Araber, der Chefarzt Dr. Jarkovsky ist keiner, sein Stellvertreter, Dr. Abu Much ist einer und beide gleichen sich im Äusseren und auch in ihrer Art uns Patienten gegenüber, wie ein Ei dem Anderen. Ich habe hier noch keinen nichtarabischen Assistenzarzt getroffen, jedoch einige Stageure, die in Deutschland studieren. Das Pflegepersonal ist gemischt: Schwestern und Pfleger arabischer Herkunft, einige russische Juden beigemischt, Sabres habe ich noch keine gesichtet. Die Putzfrauen sprechen Russisch. Alles funktioniert tadellos, d.h. alles, was menschliche Betreuung und Interaktion betrifft. Das Haus 2 des Hillel Jaffe Spitals ist neu, doch irgendwie scheint die Planung nicht ganz der Wirklichkeit zu entsprechen. Unser Zweierzimmer – in Israel eigentlich ein Luxus - ist als Einzelzimmer konzipiert, die Dreierzimmer als Zweierzimmer, das luxuriöse Badezimmer (für zwei) lässt aus den Hähnen das Wasser nur gerade tröpfeln. Wirklich wichtig ist jedoch die Tatsache, dass wir Patienten ernst genommen werden, auch wenn der materielle Luxus ein wenig zu wünschen übrig lässt. Bisher hat sich noch niemand darüber aufgeregt.

Soeben habe ich den Zimmerpartner Nummer Drei bekommen, Muhammad, ein netter Mann mittleren Alters. Sein Vorgänger, Moshe, blieb nur gerade eine Nacht, denn er hatte „bloss“ eine Lungenentzündung. Er hinterliess mir, ich war gerade nicht im Zimmer als er sich verabschiedete, Getränke und Gebäck. Der Neue, Mohammad, packte als Erstes einen wunderschönen grünen Gebetsteppich aus, legte ihn vor der Türe ans Fenster und betete. Wie ist er zu beneiden, denn obwohl es in der Abteilung genügend Muslime gibt, hatte er nicht den Drang einen Minjan der Muslime (wenn es so etwas überhaupt gibt) zusammensuchen zu müssen. Offen gebe ich zu, darüber wenig Ahnung zu haben, doch ist mir verschiedentlich schon aufgefallen, wie frei Muslime dem Gebot fünfmal täglich zu beten, nachkommen. Im Olivenölladen von Umm El-Fahm bat mich der Inhaber um einige Minuten Zeit, um dieser Pflicht nachzukommen, im Frucht- und Gemüsestand an der Landstrasse Nummer 4 in benachbarten Faradis geschah mir dasselbe – beide benutzten jedoch statt einem schönen Teppich plattgedrückte Kartone. Muhammad war schon sechsmal auf den Hadsch nach Mekka und ist inzwischen Reiseleiter für diesen Pilgertrip geworden. Muhammad ist, wie ich, zur Beobachtung hier, allerdings hat er seine Angiographie schon hinter sich. Er schnarche nicht und scheint, im Gegensatz zu Ahmad, ein guter Schläfer zu sein, sodass ihn mein Schlafgetöse nicht stören sollte.

Soeben ruft eine Hilfsschwester: „Chewre, bou le’echol!“ (Freunde, kommt essen!). Tatsächlich, es gibt warme Hühnerschenkel, sogar zwei, mit Hühnersuppe (ebenfalls warm) mit Fideli statt Matzeknödel, denn es ist Erew Schabbat. Ich setze mich an den runden Tisch. Eine Dame mittleren Alters (hoch in den Achtzigern) stellt mir ihre junge Tochter vor (hoch in Fünfzigern, aber blond und schön füllig). Ich verkneife mir zu sagen, ich sei schon vergeben, erhebe mich wie der Gentleman, der ich bin und höre mich sagen: „Na’im meod“ (sehr angenehm), schüttle zwei Hände, setze mich wieder hin, würge schnell meine zwei Pouletschenkel hinunter und flüchte zurück ins Zimmer, jedoch nicht vergessend, „Schabbat Schalom“ zu sagen. Hier geht es gesittet zu, in diesem Spital der Jeckes und der Araber.

Noch weiss ich nicht, wann ich hier herauskomme. Ferien stelle ich mir anders vor, etwa in Arosa im Tiefschnee oder auf der sommerlichen Alp. Vielleicht klappt das noch.

Freitag, 18. Februar 2011

Werte

Franklin D. Roosevelt sagte einmal: “Beurteilt mich nach den Feinden, die ich mache“ (Judge me by the enemies I make). Dann sagte er auch: „Radikaler = Ein Mensch, der mit beiden Beinen fest in der Luft steht.“. Beide Zitate finde ich umwerfend und haben mit den heutigen politischen Zuständen zu tun. Bestimmt überall, aber ganz besonders dort, wo es um politische Konstellationen und Korrektheit geht.

Beurteilt mich nach den Feinden, die ich mache


US-Präsident Roosevelts Feinde war die japanische Kriegsmaschinerie, die, weil sie die USA angriff und so den Zweiten Weltkrieg gegen Nazis und Faschisten auch in den Pazifik zog. Roosevelt musste sein Land überreden auch gegen Nazideutschland in den Krieg zu ziehen, was auch diese zu seinen Feinden machte und den Ausschlag zum Sieg gegen den deutschen Barbarismus bewirkte. Auch wenn wir uns seit langem klar sind, dass weder Roosevelt noch der Rest der Alliierten ihren Krieg gegen Hitler für die Juden geführt haben, als Nebenresultat ihres Sieges wurde Hitlers Vernichtungsfeldzug gegen uns abgebrochen, wenn auch sechs Millionen tote Juden zu spät. Also sagen wir, Roosevelts Feind war die weltweite faschistische Barbarei. Dafür gebührt ihm Ehre. Fast so sehr wie Winston Churchill. Vergessen wir nicht, dass vor allem die Vertreter des amerikanischen Kapitalismus, die an ihrem Handel mit Deutschland verdienten und andere antisemitische Nazisympathisanten des Landes sich gegen die amerikanische Teilnahme in diesem Krieg aussprachen.

Heute kann jeder zionistische Jude dasselbe sagen: “Beurteilt mich nach den Feinden, die ich mache“. Wer sind sie denn, diese Feinde? Die arabische Welt, der Islamismus, die hysterischen „israelkritischen“ Grünen und Linken, die ihrem „Terrorverständnis“, wie es Broder so schön erklärt hat, Ethik und Moral auf den Kopf stellen. Für diese Israelkritiker sind Terrorangriffe auf Kindergärten, Schulen, Spitäler, Hotels und Einkaufszentren reine Selbstverteidigungsmassnahmen, während israelische Selbstverteidigung gegen Raketen der Hamas und Hisbollah brutale Angriffe auf unschuldige Terroristen sind. Alles von terroristischer Seite kommende wird verstanden und ideologisch unterstützt. Tote Werte wie Kolonialismus werden bemüht, arabischer Sklavenhandel und islamistischer Massenmord als kulturelle Werte dargestellt, die, wer weiss, vielleicht von der Unesco geschützt werden sollten. Also, bitte, dass sind unsere Feinde, die nebenbei auch noch den Holocaust leugnen. Auch wenn wir einen Liebermann und einen Nethanyahu besitzen und beide zurzeit nicht loswerden können, wird politischen Aussagen unseres Liebermann, so dumm, rücksichtslos und rassistisch sie auch sind, oder Nethanyahus schlaue Politik der Friedensverweigerung unvergleichlich weit mehr Platz im öffentlichen internationalen Bewusstsein verschafft, als Massenmorde in Darfur, wie Steinigen, Hängen, Erschiessen in Iran, wie die totale Unterdrückung der Frau in Afghanistan. Also, bitte, solche Feinde zu haben bringt Ehre, denn das bringt trotz Liebermann und Nethanyahu, etwas Ordnung in die Perversion menschlicher Werte.

Radikaler = Ein Mensch, der mit beiden Beinen fest in der Luft steht

Dieses Zitat beschreibt unsere Feinde und ihre Sympathisanten aufs Genaueste. Vor allem die Sympathisanten. Man lasse sich diese Aussage auf der Zunge zergehen: „Ein Radikaler ist ein Mensch, der mit beiden Beinen fest in der Luft steht“. Ganz besonders gefällt mir das „fest“. Der Radikale schwebt ohne es zu merken. Er hat den Bodenkontakt verloren und da er das nicht merkt, kann er (der Radikale unserer Tage) seine Phantasien frei von störenden Fakten, voll von ideologischem Unsinn und vor allem voll von eigenen und fremden Vorurteilen walten lassen. Ich denke diese Beschreibung gilt für Radikale aller ideologischer Schattierungen und aller Themen, die uns beschäftigen. Nur eben Radikale = Gutmenschen = nützliche Idioten, die sich mit Dingen existenzieller Natur abgeben, können Leben kosten, wie bei uns im sandigen Nahen Osten. Sie werden nicht einmal merken, dass die politischen Vorgänge in der arabischen Welt der vergangenen Wochen, rein gar nichts mit Israel, Zionismus und Juden zu tun haben, obwohl Versuche diese mit der ägyptischen Revolution zu verbinden in den Medien zu finden sind. Das ist nicht einmal neu: was haben der Krieg im Irak oder Afghanistan, die Menschenschlächtereien in Darfur, die Demonstrationen in Bahrain und Jemen, ja die antiisraelischen Hassgesänge aus dem Iran und der Hisbollah – all das wird von diesen Radikalen ignoriert oder vielleicht bösartig bewusst übersehen.

Arabische Revolution

Nur ein paar Worte über die arabischen Revolutionen dieser Tage. In Ägypten gingen die Demonstrationen relativ gewaltlos über die Bühne. Doch schon heute wurde die Ansprache des Muslimbruders und Hamas Aktivisten Yusuf al-Qaradawi, einem waschechten und brandgefährlichen Radikalen und wichtigstem Mann dieser üblen Vereinigung, vom Tahrirplatz in Kairo live übertragen. Alarmierend, wie er versuchte die Armee zu preisen und zu besänftigen. Er bereitet die Übernahme der Macht durch die Muslimbrüder vor und plant Ägypten in einen revolutionären antiamerikanischen islamistischen Staat sunnitischer Art zu verwandeln. Seine Chancen stehen bestimmt nicht schlecht. Er lobte den Vorsitzenden des Komitees zur Erstellung der neuen ägyptischen Verfassung – wenn diese ihm gefallen sollte, ist das ein sehr schlechtes Zeichen für die nahe Zukunft. Wieder einmal könnte Israel die Zeche innerarabischer Politik zu bezahlen haben. Einer von Qaradawis Hauptaussagen war, dass er einer ähnlichen Demonstration in Jerusalem entgegensehe. Eine Weitere ist die Aufforderung die ägyptische Grenze zu Gaza voll zu öffnen, was eine Allianz mit Hamas und unlimitierte Waffenlieferungen an diese bedeuten würde. Bis zu den ägyptischen Wahlen im Herbst wird die Armee darauf achten, dass solches nicht passiert. Was aber wird nach den Wahlen geschehen?

Zusammenfassend gesehen werden die sogenannt weichen arabischen Diktatoren, wie am Beispiel Mubarak vorexerziert, von den USA und Europa fallen gelassen. Bahrain, Jemen scheinen die nächsten Opfer dieser Politik zu werden, die, falls die jeweiligen Armee sich nicht einmischt, den Nahen Osten zu einem noch vermehrt stinkenden Sumpf religiösen Hasses, Rassismus und unbegrenzter Gewalt machen wird. Sollte der in Israel wachsende Rechtsextremismus liebermannscher, ultraorthodoxer und siedlerischer Art nicht unter Kontrolle gebracht werden, wird sogar unser Staat Israel nicht mehr beanspruchen können, das einzige Licht der Vernunft in der uns umgebenden Finsternis islamistischer Barbarei zu sein.

Sollte ich mich geirrt haben, wird sich niemand so sehr freuen, wie ich selbst.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Politischer Islam und ein Blick in Vergangenheit und Zukunft

Seit Arabien das Revolutionieren entdeckt hat überbieten sich westliche Regierungen in vorauseilendem Gehorsam und westliche Medien sind zu ebenso gehorsamen Apologeten des politischen Islams – dem fundamentalistischen Islam, der die Welt bedroht – mutiert. Allen voran die Schweiz, die Mubaraks Schweizer Bankkonten (falls es solche gibt) sperren lässt, obwohl sie mit dem gestürzten Diktator bis anhin gute Geschäfte gemacht hatte. Doch „la vache qui rit“ und ihre Bundesräte gaben der Welt eine Lektion in Realpolitik, von der vielleicht auch Kissinger noch etwas lernen könnte. Man stelle sich vor, ähnliches wie die ägyptische Revolution würde in Iran passieren, das im Unterschied zu Ägyptens autoritärem Regierungsstil, einer totalitären islamistischen Diktatur frönt, am besten vergleichbar, wenigstens im islamischen Bereich, mit dem Reich der Hisbollah und der Hamas, letztere ein Ableger der ägyptischen Muslimbrüder, die nun von westlichen Sympathisanten in den Medien hochgejubelt werden. Dabei wird vergessen, dass diese Moslembrüder, die Ende der Zwanzigerjahre im vergangenen Jahrhundert von Beginn an ihren Judenhass am Nationalsozialismus ausgerichtet hatten und diesem bis heute anhängen, allerdings diese erst in Gaza durch ihre Hamasjünger praktisch anwenden können, denn dort haben sie Macht. Juden werden von dort mit Raketen traktiert, Christen mit Mord- und Brandanschlägen, wie auch Bücherverbrennungen (eine andere nazistische Tradition) und das gemeine Volk wird mittels Religions- und Sittenpolizei, Denunzianten terrorisiert. Inzwischen, so wissen wirkliche Fachleute, ist die Führungsriege der Hamas nicht weniger korrupt wie ihre Vorgänger der Fatah. Allerdings wird immer wieder bemerkt, dass Hamas doch durch die freiesten demokratische Wahlen der arabischen Welt (Chimelli, TA 12.2.2011) an die Macht gekommen ist – was stimmt. Unerwähnt bleibt, dass jeder Wähler Gazas eine Stimme hatte, einmal abstimmen durfte und das war’s. Solange Hamas an der Macht bleibt, wird es solche Wahlen nicht wieder geben. Nach diesen demokratischen Wahlen brachte Hamas die Mitglieder der Fatahopposition schlicht um, stürzte sie von Hochhäusern und errichtete einen kleinen aber feinen islamofaschistischen Einparteienstaat, von Islamisten der Welt beneidet und von westlichen Gutmenschen (ich habe diesen Ausdruck schon lange nicht mehr benutzt, als Alternative dazu schlage ich „nützliche Idioten“ vor) bewundert. All das wird von Journalisten wie Claudia Kühner und Rudolph Chimelli in der Ausgabe des Tages-Anzeigers vom 12. Februar 2011 unterschlagen.



Mubarak war, wie alle arabischen Herrscher, ein Diktator, der sich auf Kosten seines Volkes privat bereichert haben soll – etwas, das erst nach seinem Fall zum Thema wurde. Er war ein Freund der internationalen Gemeinschaft aller Politiker, die ihn allerdings wie eine heisse Kartoffel fallen liessen, als es ihm an den Kragen ging. Garantiert ein Schock für die Herren Assad, Ghaddafi, König Abdullah von Saudiarabien und dem kleinen und wirklich sympathischen König Abdullah von Jordanien, um einige zu nennen. Genau gesehen führte Mubarak nur die politische Tradition der ägyptischen Diktatoren Nasser und Sadat fort. Nasser war weit brutaler und rücksichtsloser – aber sein Volk liebte ihn, obwohl er es nicht weniger an der Nase führte und und mit seinem „Sozialismus“ in den Ruin trieb. Auch soll er nicht korrupt gewesen sein, was er mit Adolf Hitler, Stalin, Mao Tse Dong, Pol Pot - um einige Namen ehrlicher Massenmörder zu nennen – gemeinsam hatte.

Der Staat Israel besitzt ein mustergültiges Gesundheitssystem westlicher Art, das Teil des israelischen Wohlfahrtssystems ist, wie Pensionskassen, Arbeitslosenversicherung und was sonst noch dazu gehört. Nun schreibt auch der oben erwähnte Rudolph Chimelli in seinem Artikel „Schluss mit der Heuchelei“ in seinem oben erwähnten Tagiartikel unter anderem wortwörtlich über den politischen Islam, womit er die Muslimbrüder meint: „Obwohl sie verboten waren, haben die Muslimbrüder ihr Netzwerk von Ambulatorien, Kindergärten, Sozialhelfern über das ganze Land ausgebreitet. Im Gegensatz zu den Funktionären des Regimes stehen die Brüder nicht im Ruf, zu stehlen. …“. Das war und ist in vielen Ländern so, in denen totalitäre Ideologien mit solchen sozialen Angeboten auf Menschenfang gehen, weil die Bevölkerung von ihrer korrupten Regierung vernachlässigt wird. Oder gar, wie in Nazi-Deutschland, soziale Dienstleistungen als Teil der totalitären Ideologie dem Volk angeboten wird, wenn auch nur für Arier.

Wie viele denke ich, dass das ägyptische Volk erst einen kleinen Teil der Demokratie entdeckt und benutzt hat: den der freien Meinungsäusserung und den freie Versammlungs- und Demonstrationsrecht. Von anderen Teilen demokratischen Lebens ist noch nicht die Rede: sei es Rechtsgleichheit für Frauen und Minderheiten, Gewaltentrennung der Legislative, Exekutive und Judikative, Religionsfreiheit (für und von), um nur einige zu nennen. Ich hoffe das ägyptische Volk wird den Weg dazu finden, auch wenn Grundbedingungen wie der gegenwärtige Analphabetismus und steinzeitliche religiöse und kulturelle Zwänge diesen Weg lang und schwierig machen.

Zum Schluss noch einige historische Beispiele zum Thema Demokratie in islamischen Ländern:

• Erinnert euch an die iranische Revolution, als viele verschiedene Menschen in die Strassen strömten und Freiheit verlangten? Mahmud Ahmadinejad ist jetzt Präsident.

• Erinnert euch an den Beiruter Frühling, als Menschen in die Strassen strömten und Freiheit verlangten? Heute regiert Hisbollah den Libanon.

• Oder nochmals: Erinnert euch and die freien Wahlen der Palästinenser? Hamas tyrannisiert heute Gaza.

• Erinnert euch an den Wunsch für Demokratie in Algerien? Hunderttausende wurden im folgenden Bürgerkrieg ermordet.

In Ägypten und auch in Tunesien muss es nicht so werden. Aber diese Beispiele beängstigen. Die Binsenwahrheit, dass Demokratie sich mit Religion - ganz besonders mit fundamentalistischen Varianten - sich nicht verträgt, wurd durch die moderne Geschichte eindeutig bewiesen. Die Kombination Demokratie und Religion ist ein klassisches Oxymoron und gilt für Christentum, Judentum und heute besonders aktuell, für den Islam.

Montag, 7. Februar 2011

Ein Interview zum wachsenden Rassismus in Israel

Meiner Sorge zum sich verstärkenden Rassismus in Israel, vor allen von orthodoxer Seite, habe ich schon mehr als einmal Ausdruck gegeben. Heute möchte ich meinen Freund Uri Themal in einem Interview vorstellen. Uri Themal teilt meine Sorgen und wir möchten versuchen die israelische Gesellschaft etwas aufzumischen, damit dieses für Israel relativ neue, aber für seinen Charakter zerstörerische Phänomen politisch diskutiert wird. Denn für Juden sind Rassismus und autokratische Staatsform ein Tabu und so soll es auch bleiben.

Weiter möchte ich meine Leser bitten, wenn möglich ihre Kommentare statt mir per e-mail zu senden, diese direkt in den Blog einzufügen. Das geht sogar anonym, was mir zwar nicht gefällt aber akzeptiert wird.

Seit er sich 2007 in Israel niederliess, war Uri Themal pädagogischer Direktor bei Berlitz Israel. Davor lebte er in Australien, wo er einer der Initianten der dortigen Politik des Multikulturalismus war und als Generaldirektor einem Ministerium im Staate Queensland vorstand, das für Multikulturalismus in diesem Staat verantwortlich war. Er war einer der Gründer multikultureller Medien und Initiant der Integrationspolitik für Flüchtlinge, wofür er mit dem Australischen Orden ausgezeichnet wurde.
Uri Themal wurde 1940 in Berlin geboren und hat mit seinen Eltern den Krieg dort als Illegale überlebt. Uri hat Politologie studiert und ist ausgebildeter Reformrabbiner.


Interview mit Uri Themal

Uri Russak: Wir beide sehen den wachsenden Rassismus jüdischer Israeli gegenüber Minderheiten, vor allem unseren israelischen Arabern aber auch Flüchtlingen aus Afrika und Gastarbeitern aus Fernost gegenüber. Wie konnte sich eine solche Situation im Staat der Juden entwickeln?

Uri Themal: Es ist wirklich schwer zu begreifen und es schmerzt jeden, der das Judentum liebt. Wie sich gerade in Israel ein solches Phänomen entwickeln konnte, hat mit seiner politischen Geschichte zu tun.
Seit Staatsgründung war es nur möglich mit Hilfe von Koalitionen Regierungen zu bilden. In jeder Regierung musste auch religiösen Parteien Platz eingeräumt werden. Da es in Israel keine echte Trennung zwischen Religion und Staat gibt, haben diese Parteien viel Macht. Es gibt in Israel keine Verfassung und wird sie wahrscheinlich auch nie geben. Es gibt zwar ein Grundgesetz, aber dieses gibt nur einen gesetzlichen Rahmen. Wenn dieses Grundgesetz verletzt wird, muss das Oberste Gericht entscheiden. Das heisst, dass es bisher nie eine echte Debatte gab, welchen Charakter der Staat haben soll oder auf welchen ethischen, moralischen und philosophischen Prinzipien er aufgebaut ist. Das Gericht entscheidet nur gerade die bestimmten pragmatischen Fragen, die ihm vorgelegt werden.
Eine Verfassung würde Debatten über den Charakter des Staates verlangen und gerade deshalb wird es wahrscheinlich nie eine geben. Die Debatte würde wohl nie über die Präambel hinwegkommen, in der die Natur des Staates definiert wird: Sind wir ein jüdischen Staat oder ein Staat der Juden? Wenn Netanyahu erklärt, dass wir ein jüdischer demokratischer Staat sind, muss erklärt werden, was das bedeutet. Bisher gibt es kein gemeinsames Verständnis darüber.

UR: Wie verträgt sich Rassismus und Fremdenhass mit Zionismus und Judentum? Ist er diesen nicht diametral entgegengesetzt?

UT: Ja. Rassismus und Fremdenhass sind mit dem Judentum nicht zu vereinbaren. Schon in der Torah wird betont, dass wir den Fremden lieben und schützen müssen, ja, dass er so behandelt werden muss, wie der im Lande ansässige. Dieses Gebot erscheint öfter in der Torah als viele andere, die mit Ritual oder Kriminalität zu tun haben. Aus der Torah bekommen wir auch das Prinzip der Nächstenliebe und vom Talmud Hillels goldene Regel, anderen nicht das anzutun, was uns selber verhasst ist.
Auch mit Zionismus sind Rassismus und Fremdenhass nicht vereinbar. Der politische Zionismus oder jüdischer Nationalismus, entwickelte sich als Reaktion auf 2000 Jahre Judenhass. Die antisemitische Dreyfussaffäre im Frankreich des 19. Jahrhunderts führte schließlich dazu, dass Herzl als Lösung die Gründung eines jüdischen Staates im historischen Land des jüdischen Volkes sah. In anderen Worten, der Staat wurde gegründet um Juden die Möglichkeit zu geben, sich dort vor Rassismus zu schützen. Es ist beschämend, das sechzig Jahre später, gerade hier Hillels Regel auf den Kopf gestellt wird: Hier wird jetzt anderen angetan, was uns verhasst ist!

UR: Wo sind die jüdischen Werte?

UT: Die jüdischen Werte sind da, aber werden verschieden vertreten. Es ist ironisch, dass heute die Werte von Humanität, Gerechtigkeit und Freiheit von den säkularen und liberalen Juden vertreten werden. Es sind die radikal orthodoxen Gemeinden und Parteien, die ihre Existenz damit rechtfertigen, dass sie die Torah und das Judentum schützen, behüten und bewahren wollen, die diesen Hass, Rassismus und Xenophobie verbreiten. Ich frage mich, wo sie das im Judentum finden? Bestimmt nicht in der Torah, die ich lese und auch nicht in meiner jüdischen Tradition!

UR: Wohin führt diese sich fast täglich weiter verbreitende Einstellung des jüdischen Israelis?

UT: Sie führt zur Rechtfertigung jener, die erklären, dass Israel ein Apartheidstaat sei, den man boykottieren muss. Schlimmer noch, sie führt zu interner Spaltung. Wir sind nicht mehr ein Staat, sondern mehrere: säkulare Juden, ultra-orthodoxe Juden, liberale Juden, christliche und muslimische Araber, Drusen sind die großen Gemeinden. Dazu kommen noch Minderheiten wie Fremdarbeiter, Flüchtlinge kommen. Das alles wird zusammen gehalten durch das „Sicherheitsproblem“. Da Israel dauernd von äusseren Feinden bedroht wird, versuchen fast alle im Land irgendwie offene Konflikte zu vermeiden. Sollte aber dieser Rassismus und Fremdenhass konkretere Formen annehmen, gibt es keine Garantie, dass es nicht zu offenen Konflikten kommt. In diesem Falle ist Israels Sicherheit und sogar seine Existenz bedroht, besonders wenn solche Konflikte von den äusseren Feinden ausgenutzt werden.

UR: Wir leben in einer Region religiöser und politischer Extremisten, die die Welt bedrohen. Ist das vorliegende Phänomen jüdischen Rassismus eine Art Anpassung an unsere Umgebung?

UT: Von den Ultra-orthodoxen bestimmt, obwohl nicht bewusst. Es gibt für mich kein unterschied zwischen einem Shaaria Staat wie Iran oder Saudi-Arabien und einem Halachastaat wie ihn die Ultra-Orthodoxen wollen.

UR: Warum findest Du, dass wir jüdischen Israelis uns gegen den Rassismus aus den eigenen Reihen wehren müssen?

UT: Ich bin ein Überlebender der Shoah, ein bewusster liberaler Jude und Zionist. Ich glaube an die jüdischen Werte und Prinzipien, sowie an die historische Notwendigkeit und Richtigkeit der Gründung des Staates Israel. Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie diese Werte von Mitgliedern meines Volkes missbraucht und verraten werden. Wenn wir unseren Selbstrespekt erhalten und den Respekt der Welt wieder gewinnen wollen, müssen wir unser eigenes Nest säubern.

UR: Wie manifestiert sich dieser Rassismus und Fremdenhass in unserem Land?

UT: Die Regierung ist machtlos oder hat nicht den politischen Willen Rassismus und Fremdenhass zu bekämpfen, obwohl diese teilweise aus den eigenen Reihen stammen. Unser Innenminister, selbst ein ultra-orthodoxer Jude, will Fremdarbeiter und Flüchtlinge vertreiben und schürt den Hass gegen diese. Orthodoxe Rabbiner, die vom Staat bezahlt werden und zu einem grossen Teile Beamte sind, veröffentlichen Hetzbriefe, dazu aufrufend Arabern keine Wohnungen zu vermieten, ihnen kein Land und Häuser zu verkaufen und sie nicht als Arbeiter anzustellen. Sie entscheiden auch, wer vom Staat als Jude anerkannt wird und daher, wer nach Israel einwandern darf, wer hier als Staatsbürger leben kann, wer hier wen heiraten darf und in welche Schulen ihre Kinder gehen können. Das sind nur einige Beispiele, die ich mit großer Sorge beobachte.

UR: Was kann man dagegen tun?

UT: Da die Regierung fast nichts dagegen unternimmt, muss jener Teil der Bevölkerung, der sich um den Staat und seine Existenz Sorge macht, handeln. Es laufen jetzt schon Klagen vor dem Obersten Gerichtshof, die von NGOs eingebracht wurden. Es muss auch Bürgerinitiativen geben, die Druck auf die Regierung ausüben, im Sinne von Demokratie und jüdischen Werten zu handeln. Diesen Hetzrabbiner muss gekündigt, die Ultra-orthodoxen Parteien müssen aus der Koalition entfernt und Antidiskriminierungsgesetze müssen effektiv durchgesetzt werden. Öffentlicher Druck muss zu Neuwahlen führen, wenn diese Regierung nicht im Stande ist Diskriminierung zu verhindern.

UR: Warum müssen wir uns vor einer Relativierung hüten?

UT: Relativierung ist immer eine Gefahr: Wir sind vielleicht nicht so schlimm wie manche, aber auch nicht besser als viele. Unsere biblischen Propheten wollten, dass wir ein leuchtendes Beispiel für die Völker der Welt sein sollten. Folgendes ist die Antithese der Relativierung: Wir müssen Massstäbe setzen für ethisches und moralisches Verhalten, für Humanität und Gerechtigkeit und danach handeln. Der Olympiasieger misst sein streben nach Erfolg nicht am Verlierer sondern am vorherigen Gewinner und versucht besser zu sein. Relativierung ist eine Ausrede und oft eine Rechtfertigung dessen, was sich nicht rechtfertigen lässt. Wir alle sind mit dem Dialog des Schuldigen aufgewachsen: wenn wir etwas taten, was unsere Eltern uns verboten hatten, benutzten wir die Ausrede, dass andere das auch taten. Wenn ich das sagte, antwortete meine Mutter immer: “Wenn andere ins Wasser springen, tust du das auch?“ Wir Juden sollten uns nicht an den Maßstäben anderer messen und dürfen nicht Menschenrechte verletzen, bloß weil es andere auch tun. Wir dürfen uns besonders nicht am Verhalten unserer Feinde messen. Mit wem vergleichen wir uns? Mit Iran, Saudi-Arabien? Wenn wir das tun, verlieren wir unsere Existenzberechtigung als Staat.

Seit 3500 Jahren haben wir die Werte gesetzt, die heute von den westlichen Demokratien vertreten werden, Werte, die als Grundlagen unserer Zivilisation dienen. Wie vergleichen wir uns mit den Nationen und Völkern, die diese Werte vertreten? Im Moment werden wir von ihnen nicht sehr respektiert. Die Reaktionen schwanken zwischen denen, die uns noch tolerieren bis zu jenen, die uns verachten auf der anderen Seite und dann gibt es viele ehemalige Freunde, die mit uns nichts mehr zu tun haben wollen.

UR: Wird humanistisches Benehmen der Juden von der Umwelt überhaupt wahrgenommen und wenn ja wie?

UT: Die Umwelt schaut mit Sorge auf Israel. Unser Verhalten gegenüber den Palästinensern wird täglich beobachtet und von den internationalen Medien berichtet. Die Schikanen der Siedler gegenüber ihren palästinensischen Nachbarn werden berichtet und der Häuserbau in den Siedlungen ist in ständiger Debatte. Das stellt Israels Rechtstaatlichkeit, sowie seinen Humanismus in Frage.

Vielleicht werden die internen rassistischen Einzelheiten verdrängt von den dramatischen Schlagzeilen anderer Ereignisse wie der Aufstand in Ägypten, Fluten in Australien und Brasilien oder dem Krieg in Afghanistan, aber das bedeutet nicht, dass die Welt davon nichts weiss. Heute kommen Informationen aus persönlichen Quellen und gehen um die Welt mit dem Internet. Diese Informationen formen heute die Weltmeinung fast stärker, als öffentliche Medien.

UR: Welche Massnahmen schlägst Du vor, um diesen Rassismus, der in Israel nun auch schon Gesetzesvorlagen produziert, zu bekämpfen. Was können wir tun und wer muss noch zusätzlich mitziehen?

UT: Wir müssen die Öffentlichkeit in Israel warnen und mobilisieren. Es gibt, Gott sei Dank, noch viele, bestimmt jetzt noch eine Mehrheit, die diese Erscheinungen verabscheut. Diese Kräfte müssen sich zusammen tun und gegen diesen Rassismus öffentlich kämpfen. Jene, die Zugang zu Medien haben, müssen ihre Stimmen hören lassen. Jene, die konkrete Fälle vor Gericht bringen können, müssen es tun. Jene, die Mitglieder von politischen Parteien, die gegen diese Entwicklung sind, müssen ihre Knessetmitglieder dazu bewegen, auf parlamentarischem Weg dieses Krebsgeschwür zu entfernen. Wir alle müssen handeln!

UR: Falls sich dieser israelische Rassismus weiter ausbreitet, siehst Du die Zukunft des Staates der Juden als moderner demokratischer Staat gefährdet?

UT: Ja, wie schon gesagt, ich sehe eine große Gefahr für den Staat Israel. Interner Bürgerkrieg und externer Angriff können zusammen kommen und den Staat zerstören. Aber auch Apathie kann den Staat gefährden, wenn wir den Extremismus nicht beseitigen.

UR: Wie definierst Du und was hältst Du von Begriffen 1. jüdisch-demokratisch, 2. jüdischer Staat und 3. Staat der Juden

UT: Ich glaube, dass alle diese Begriffe problematisch sind.

1. Liberal-jüdisch und demokratisch sind gut miteinander zu verbinden. Viele der jüdischen Werte sind auch Werte der Demokratie. Aber in Israel sehen sich die Ultra-Orthodoxen als die einzigen, echten und legitimen Vertreter des Judentums. Ihre selektive und enge Interpretation des Judentums ist autoritär, demagogisch und anti-demokratisch. Daher werden wir nie eine echte Demokratie sein, solange diese Richtung in der Regierungskoalition sitzt, antidemokratische Gesetze entwickelt und mitbestimmt und Beamte von Steuergeldern bezahlt, die offen gegen alle diskriminieren, die nicht in ihr Bild vom jüdischen Staat passen.
2. Wir sind kein kompletter jüdischer Staat. Zwar gibt es jüdische Elemente, aber das an sich macht nicht den jüdischen Staat: Hebräisch ist die Landessprache, öffentliche Feiertage sind die jüdischen Feiertage, jüdische Bibel- und Geschichtskenntnis sind Pflichtfächer in den Schulen und Eheschliessungen, Zivilstatus und Ritualfragen sind völlig in den Händen des Rabbinats. In absoluter Form würde der jüdische Staat auf jüdischen Gesetzen beruhen und, wie gesagt, würde das zu einer katastrophalen Theokratie führen, die von Natur aus antidemokratisch und autoritär ist.
3. Israel wurde als Staat für Juden gegründet, mit historischer Berechtigung. Aber es ist nicht der Staat der Juden. Mehr Juden leben ausserhalb Israels, als in Israel selbst; in Israel leben Minderheiten, deren grösste die der israelischen Araber von rund 20% ist. Israel ist also ein besonderer Fall und die Frage, ob es ein jüdischer Staat oder ein Staat von Juden ist, muss noch geklärt werden. Inzwischen sollten wir einfach Israel sein, ein demokratischer, pluralistischer Rechtsstaat, der durch Anwendung seiner traditionellen Ethik, Humanität und Gerechtigkeit die Loyalität aller Mitbürger verdient und fördert.




UR: Lieber Uri Themal, ich danke Dir für das Gespräch.

Sonntag, 6. Februar 2011

Ägypten


Zu den Geschehnissen in Ägypten möchte ich mich nicht allzu sehr auslassen. Es kommen mir nur gerade zwei Dinge in den Sinn, die mir zu schaffen machen.

Erstens gab oder gibt es noch Einbrüche und Raub in das einzige Museum, zu dem ich aus nicht ganz erklärbaren Gründen, eine gewisse Liebe empfinde. Dem ägyptischen Museum in Kairo. An das was dort zu sehen ist, trotz oder vielleicht gerade wegen dem dort herrschenden leichten Durcheinander – in der Schweiz würde man sagen „Puff“ – erinnere ich mich mit Nostalgie. Seine Exponate und deren Geschichte, die mir vor Jahren von einem höchst sympathischen Archäologen anlässlich meines fast sechs Stunden dauernden Besuches in Deutsch erklärt worden waren, sind mir noch
heute in lebhaftester Erinnerung. Dieses weltweit einzigartige Museum ist heute gefährdet. In den heute dort herrschenden Unruhen, manche nennen es Revolution, kam es schon zu Raub und Zerstörung (siehe Bild). Das bringt mich geradewegs zur Gefahr, welche die Machtübernahme in Ägypten durch die muslimische Brüderschaft in sich bergen könnte. Noch erinnere ich mich an die Zerstörung der zwei Buddha-Skulpturen und anderer buddhistischer Kunst durch die barbarischen Taliban in Afghanistan. Auch die alten Ägypter waren keine Muslime – dass zwischen dem Aufkommen des Islams und den Hochkulturen des Buddhismus und des alten Ägyptens der Pharaonen Jahrtausende liegen, nehmen Islamisten – wie die Geschichte der heutigen Zeit beweist – nicht zur Kenntnis. Das macht mir mehr Sorge, als die Diktatur Mubaraks. Auch nach dreissigjähriger Diktatorenkarriere ist er ein Mensch – also vergänglich, da hilft nichts. Geschichtliche Zeugnisse, die im ägyptischen Museum liegen, sterben nicht – aber sie können mutwillig zerstört werden.

Meine zweite Sorge in Sachen Ägypten ist die Art und Weise wie in der westlichen Presse und Öffentlichkeit die Repression gegen die Muslimbrüder beweint wird. Werden sie wohl ausschliesslich eingesperrt, weil sie fromm sind und auf ihre Art gottesgläubig? Das eben diese Muslimbrüder ihre koptisch-christlichen Mitbürger – die echten Erben der pharaonischen Zeit – jährlich zu Tausenden morden, dass sie seit ihres Bestehens seit Ende der zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, dem Judenhass frönen und den ideologischen Anschluss an den deutschen Nationalsozialismus suchten – das wird geschickt vergessen und der mitfühlenden westlichen Öffentlichkeit unterschlagen. Deshalb hält sich mein Mitgefühl für diese muslimischen Reaktionäre in Grenzen und meine Sorge über deren mögliche Machtübernahme in Ägypten wächst. Gründe dafür gibt es in der neueren Geschichte unserer Region mehr als genug.


PS: Folgender Vermerk wurde mir soeben in Englisch zugestellt:

"Sollten im Laufe der revolutionären Ereignisse in Ägypten die Pyramiden beschädigt oder gar zerstört werden, nehmen sie bitte zur Kenntnis, dass wir diese nicht noch einmal bauen werden.
Hochachtungsvoll, wir Juden"

Mittwoch, 2. Februar 2011

Gruusig


Dieses schöne Zertifikat versinnbildlicht den jüdischen Rassismus politisch extrem rechts stehender religiöser Kreise. Geschäfte in Jerusalem, bei denen es an der Wand hängen wird, wird bescheinigt, dass sie ausschliesslich Juden beschäftigen und, Gott behüte, keine Gojim. Wie viele andere Unverschämtheiten dieser Art wird dieser „Hechscher“ (Kaschrutbescheinigung) des Rassismus nur an Betriebe abgegeben, die von der extremistischen Organisation „Lahava“ (Flamme) erst auf Herz und Nieren geprüft worden sind.

Hier der wichtigste Wortlaut: „Dem Inhaber dieses Geschäftes wird bescheinigt, dass er nur jüdische Arbeitnehmer und keine Feinde beschäftigt“. Listen der Geschäfte, die dieses Zertifikat erhalten haben, sollen in Inseraten in der Presse bekannt gegeben werden.

Die Initiative dazu stammt aus Kiriat Arba. Die Initianten rufen unter anderem jüdische Frauen auf, keine romantische Beziehungen zu arabischen Männer zu haben. In den jüdischen Quartieren Pisgat Ze'ev und Neve Ya’akov, wo neben russischen Einwanderern viele Bratzlaver Chassidim wohnen. hängen inzwischen entsprechende Plakate, schreibt Haaretz.

Sonntag, 30. Januar 2011

Ein geruhsames Wochenende


Lea und ich verbrachten ein sehr geruhsames Wochenende. Draussen schien wechselhaft die Sonne oder es regnete. Nur der Aufstand der Ägypter gegen ihren Präsidenten, wurde in allen Newsstationen des Fernsehens pausenlos durchgehechelt. Für einmal wird nicht einmal Israel angeklagt, dazu eine Verschwörung angezettelt zu haben. Zwar ist es ohne weiteres möglich, dass ein durchgeknalltes jihadistisches Hirn auch diese „Wahrheit“ in die Welt setzen könnte.

Alle reden richtigerweise über den Wunsch des ägyptischen Volkes in einer Demokratie zu leben, so wie es die Tunesier vor kurzem taten. Nur halt eben, mit der Definition, mit grundsätzlichem Verständnis einer Demokratie hapert es in der muslimischen und arabischen Welt gründlichst. In diesen Staaten wird Demokratie auf gewalttätiges Demonstrieren und auf das Abhalten von Wahlen reduziert. Dass es weitere, ja noch wichtigere demokratische Werte gibt, ohne die Demokratie nur ein hohles Wort bleibt, scheint nicht bekannt zu sein. Denken wir an zivile Rechtsstaatlichkeit, an Bürgerrechte- und Pflichten, an Meinungs- und Pressefreiheit, an die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern, an Schutz und gleiche Rechte für Minderheiten, an Menschenrechte und, das sage ich, die religiöse Freiheit, ja sogar die Freiheit von Religion (ein demokratisches Recht, das auch in unserem jüdischen Staat gehörig schief hängt). In der arabischen und muslimischen Welt sind das Begriffe, die weder mit deren Traditionen und noch weniger mit islamischen Gesetzen zu vereinbaren sind. Genau so wenig wie mit dem Analphabetismus und anderen kulturellen und wirtschaftlichen Verspätungen, wie sie wiederholt auch in den UNO Berichten über die soziale Entwicklung der arabischen Welt zu lesen sind.

Zwar kommentieren im israelischen Fernsehen viele gescheite Köpfe zum Thema, wir sehen uns auch CNN, BBC, France 24 und sogar Fox TV an. Was uns naturgemässe interessiert, ist die Frage, ob nach Mubarak muslimische, gar jihadistische Kräfte an die Macht kommen könnten. Das würde die Situation im Mittleren Osten generell und für Israel besonders beträchtlich verändern.

Das Pew Research Center’s Global Attitudes Project publizierte Anfangs Dezember 2010 Resultate einer Umfrage unter Muslimen in verschiedene muslimischen Ländern, deren Zahlen Besorgnis erregen. Die Umfrage wollte wissen, welcher Rolle Muslime dem Islamismus als politische Kraft einräumen und wie viele von ihnen die drei jihadischen Terrororganisationen unterstützen. Hier eine kleine Zusammenfassung aus dem Bericht, den ich zur Lektüre empfehle:

Die Resultate sind erwartungsgemäss bestürzend. In Bezug auf Ägypten, dem Herkunftsland des heutigen Jihadismus in der Form der Muslimbrüder, wird die palästinensische Hamas, einer Filiale der Muslimbrüder, von 49% der muslimischen Bevölkerung bewundert. In Ägypten werden koptische Christen seit Jahrzehnten zu Tausenden verfolgt und getötet, in Gaza der Hamas werden Christen umgebracht, ihre Bücher verbrannt und Kirchen angezündet. Wie vielen Israelis der religiöse Blutdurst der Hamasbande das Leben gekostet hat, brauche ich hier zu wiederholen. Wenn ich das jordanische Resultat der Pew Umfrage betrachte, sehe ich ohne Wohlwollen, dass Hezbollah und Hamas von weit über der Hälfte der Muslime verehrt werden und auch Al-Qaeda von einem Drittel der Befragten geschätzt wird. Solche Resultate bestätigen einmal mehr meine oft gemachte Behauptung, das der Frieden zwischen diesen zwei Ländern ein Frieden zwischen Israel und den Regierungen Ägyptens und Jordaniens sind. Der Hass derer Bevölkerungen auf Israel bleibt ungebrochen.

Wenn ich diese Resultate sehe verschwindet der Glaube an arabische und muslimische Demokratie. Sogar, wie im Pew Bericht steht, dass in der Mehrheit der Länder, die Befragen Demokratie als bevorzugte Staats- und Regierungsform sehen. Ein weiterer Beweis, dass sie nicht die geringste Ahnung haben, von was sie reden.

Dienstag, 25. Januar 2011

Zurück aus Zürich


Wir waren bis vor wenige Tage fast vier Wochen in Zürich, vor allem als Babysitter. Enkel Matan (10), verbrachte die Festtage im Winterlager des Haschomer Hazairs, so waren wir diese Tage mit Juniorenkel Gil (5) und seinen Eltern allein. Unser längster Ausflug führte ins Sauriermuseum in Aatal im Zürcher Oberland, zusammen mit Gilgul, gerade fünf Jahre alt geworden. Er geht in den Kindergarten der Israelitischen Cultusgemeinde Zürichs, lernt dort unter anderem Hebräisch und Beten. Wir zwei, Gilgul und ich, fuhren auch zur Migros in Adliswil. Dort stand er auf dem Einkaufswagen und sang jüdische Gebete, die er mit einem schallenden „Amen“ abschloss. Als gehören kleine Buben, die hebräische Gebete von sich geben, zur normalen migroschen Einkaufatmosphäre. Ich war gerührt, auch wenn niemand lächelte oder gar sagte: „Nei au, wiä härzig“.

Noch bevor wir Israel Richtung Schweiz verliessen, hatte sich die politische Atmosphäre im Staat der Juden verbittert. Hass geht um. Seit seiner Gründung sieht sich Israel als Licht der Menschheit, als Staat der Juden, der gegen alles Menschenfeindliche wie Faschismus und Rassismus steht und damit in vielem tatsächlich ein Vorbild sein wollte und konnte. Damit ist es erst mal vorbei. Wir Juden, seit zweitausend Jahren Opfer von Rassismus, Fremdenhass, religiösen und anderen Vorurteilen müssten eigentlich besser als alle anderen wissen, was menschlicher Hass in diesen Proportionen bewirkt. Jüdischen Rassismus und Rechtsextremismus gibt es heute in der Form neuer Gesetzesvorschläge, in der inoffiziellen Behandlung israelische Minderheiten, im sozialen, mit einem Gesetzesentwurf, mit dem Kommunen berechtigt würden, Leuten, von denen sie finden, sie seien gerade dort, wo sie wohnen möchten, nicht integrierbar, die Niederlassung zu verweigern. Damit trifft man gerade jene arabischen Mitbürger (gegen die sich das Gesetz ja richtet), die wirklich alles tun wollen, um sich in Israel zu integrieren, statt auf Scheich Ra’ed Salah zu hören und sich zu verweigern. Oder den Gesetzesvorschlag, der alle Neubürger per Treueschwur zu staatlich verordnetem Patriotismus verpflichten will. Da man solche Gesetze nicht ausschliesslich gegen Araber erlassen kann, denn das sähe geradezu peinlich in ihrer rassistischen Absicht aus, sollen alle neue Staatsbürger diesen heiligen Eid schwören.

Noch vor unserer Abreise nach Zürich, las ich in der Zeitung „Haaretz“ eine Umfrage habe ergeben, dass 52% der israelischen Bürger rassistische Massnahmen dieser Art gutheissen, dass sie Araber hassen, weil sie Araber sind und nicht, weil sie judenfressende Jihadisten wären. Auch wenn der Spruch weitgehend stimmt, dass nicht alle Araber und Muslime Terroristen seien, aber alle Terroristen Araber und Muslime sind – aber pauschal ein Volk auf diese Weise zu verunglimpfen, muss gerade von uns Juden, die als Opfer damit seit Jahrhunderten zu Fachleuten geworden sind, vehement abgelehnt werden.

Israel, der einzige moderne, demokratische und erfolgreich funktionierende Staat im gesamten Mittleren Osten (nicht nur im Nahen Osten der Mittelmeerküste), muss gerade deshalb unterstützt werden. Nicht weil dieser Staat für Überlebende des Holocausts besteht – der politische Zionismus ist weit älter, die historischen Ansprüche sind so alt wie das jüdische Volk. Das Interesse der freien Welt muss in der Unterstützung dieses einzigartigen Landes, das, wie jedes demokratische Staatswesen, Fehler hat und Fehler macht, liegen. Umsomehr, als die gesamte freie Welt heute vom Jihadismus bedroht wird und oft genug auch schon attackiert worden ist. Nur, da wiederhole ich mich wieder mal, wollen viele Mitbürger eben dieser freien Welt nicht einsehen, dass jihadistische Angriffe auf sie das selbe Ziel haben wie Angriffe auf Israel: die Zerstörung der offenen Gesellschaft, der persönlichen Freiheiten, die Zerstörung des Christen- und Judentums, die von der finstersten Art des Islams abgelöst werden soll. Denn der offene Islam der Blütezeit arabischer Macht, meldet sich nicht – vielleicht gibt es ihn nicht mehr oder seine Vertreter werden vom heute am Ruder zu sein scheinenden Steinzeitislam eingeschüchtert. Diese Tatsache ist nicht zu übersehen: Die arabische Welt hat Angst. Angst führt zu Hass und der mehrheitlich ungebildeten Massen werden von ihren Regierungen und deren Medien zur eigenen Machterhaltung manipuliert. Als Resultat erleben wir den intensive Hass auf unsere westliche Zivilisation – auf die freie Welt als Ganzes und auf den „grossen“ (USA) und den „kleinen“ (Israel) Satan.

Bei jeder Rückkehr aus der Schweiz nach Israel geschieht das Selbe. Vielleicht ist es ein Kulturschock. aus der von einigen als arrogant empfundenen israelischen Sicht können die Mini- oder Pseudoprobleme der Schweiz im Vergleich zu den existenziellen Problemen Israels amüsieren oder ärgern. Meist entscheide ich mich fürs Erstere. Sogar wenn die Verbindung zwischen dem weltweiten islamistischen Terror und seiner Bedrohung westlicher Lebensart und dem gegen Israel gerichteten Terror grundsätzlich geleugnet oder bestenfalls übersehen wird. Auch die Schweiz und das gesamte Europa hat ernsthafte Zukunftsprobleme – doch aus kurzsichtigem wirtschaftlichen Opportunismus (schon einmal da gewesen) oder aus falschem Besserwissen, werden diese unter den Teppich gekehrt.

Fairerweise will ich hinzufügen, dass die heutigen Regierungen Israels ähnliches tun. Sie verkaufen die Zukunft des Landes an unsere eigenen jüdischen Reaktionäre, der Ultraorthodoxie, die, falls sie Lebensweise und religiöses Steinzeitgehabe nicht der Moderne anpasst, den jüdischen Staat einem schmerzvollen Ende zuführen wird. Heute, in ihrer explodierenden Fruchtbarkeit den jüdischen Staat in wenigen Jahrzehnten eine haredische Mehrheit bescherend, müsste die Staatsführung alles tun, diesem Bevölkerungsteil den Weg zu moderner Bildung, zu eigenem Beitrag für den Staat, der allen gehören soll, aber von ihnen ideologisch abgelehnt wird, zu ebnen. Warum das so ist, ist ein Thema für einen anderen Tagebucheintrag.