Dienstag, 18. Oktober 2011

Wieder daheim



Alle paar Monate findet in Israel eine ein- oder mehrtägige Periode statt, während der das ganze Land am Fernseher oder am Radio hängt und Nachrichten verfolgt. Heute war es die Rückkehr Gil’ad Shalit's aus islamistischer Gefangenschaft bei der Hamas in Gaza. Zwar waren wir heute an der Bar Mitzwa unseres Enkels Eran, aber sogar dort drückten die Gäste an ihren Smart-Phones herum, um Live-Berichte zu suchen und die News weiterzugeben.

Selten noch war es leichter die ethische Distanz des Zivilisationsverständnisses zwischen Israel und seiner freien Gesellschaft und der islamisch-arabischen Welt mit ihrer Kultur der Todessehnsucht, des Märtyrertums zu verstehen. Richard Herzinger schreibt: „Es zeigt den fundamentalen Unterschied zwischen einer offenen, demokratischen Gesellschaft und einem zynischen kollektivistischen Unterdrückungssystem.“. Weiter schreibt Herzinger: „Welchen Kontrast bietet ein solches Wertesystem zu den Maximen einer (Un-) Kultur, die den “Märtyrertod” als oberstes Ideal namentlich für junge Männer propagiert und sich nicht scheut, sie im Namen einer Religion als “Selbstmordattentäter” zu missbrauchen! Nichts hat diesen Gegensatz so bösartig auf den Punkt gebracht wie die islamistische Parole: “Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.”

All das wird und wurde heute demonstriert. Die grosse Freude des gesamten Landes über die Rückkehr „seines“ Sohnes Gil’ad aus der Gefangenschaft und die obszönen Festlichkeiten, mit denen die aus israelischen Zuchthäusern entlassenen arabischen Massenmörder von ihren islamistischen Herrschaften und deren hirngewaschenen Untertanen gefeiert werden. Auf der einen Seite freut sich ganz Israel über die Rückkehr Gil’ads in die Freiheit und auf der anderen Seite entzücken sich palästinensischen Massen über die Rückkehr ihrer geliebten Kindsmörder. Neu ist das alles nicht, denken wir an Samir Kuntar, der sich noch heute im Libanon feiern lässt, weil er einen Vater und seine kleinen Kinder mit dem Gewehrkolben erschlagen hat.

Ein weiteres Phänomen ist in diesem Zusammenhang erschienen. Allen, besonders Israels Entscheidungsträgern, ist klar, dass das Freilassen von 450 hauptberuflichen Massenmörder und Terroristen, denen die Möglichkeit verschafft in ihren angestammten Beruf als Killer wieder tätig zu werden. Die Alternative zu diesem Abkommen wäre das Todesurteil für Gil’ad Shalit gewesen. Für einmal hat Nethanyahu menschliche Grösse bewiesen und die einer freien Gesellschaft, die Menschenleben über alles stellt, entsprechende Wahl getroffen. Diese Wahl fördert das Vertrauen unserer Soldaten in ihre politische und militärische Führung, den sie beweist, dass sie ihre Wehrmänner auf dem Schlachtfeld nicht sich selbst überlässt, sondern alles tut, um sie verletzt oder nicht, nach Hause zu bringen. Mit anderen Worten, Israel sieht seine Soldaten nicht als zu verheizendes Kanonenfutter, sondern als jenen Teil der Bürger, der Israel das Überleben sichert und dafür sein Leben riskiert. Im Gegensatz zur arabischen Terrorszene ist der Märtyrertod kein Ideal, sondern tunlichst zu vermeiden.

Terror hat in Israel bisher tausende von Opfern gefordert. Meist sind es Zivilisten, die im Gegensatz zu Soldaten, sich nicht wehren können. Zugedröhnte Selbstmordattentäter sind die Ausnahme, auch wenn sie einen grossen Teil der Opfer verursachen. Familien der Opfer reagieren verschieden. Es gibt solche, die Vereinigungen Hinterbliebener von Terroropfern beitreten und sich gegenseitig helfen, Versöhnung suchen und Kontakte miteinander pflegen. Das gilt ebenso für jüdische, wie auch für arabische Familien, denn auch arabische Israelis werden zu Terroropfern. Oft arbeiten Juden und Araber in solchen Selbsthilfegruppen zusammen und beweisen Charakterstärke, die nicht den Hass pflegt, sondern die Verständigung. Es gibt auch andere, wie jene Familienmitglieder die beim Selbstmordattentat in der Pizzeria Sbarro in Jerusalem Angehörige verloren hatten. Ich weiss man sollte mit ihnen darüber nicht streiten und, auch wenn sie von Versöhnung und Grosszügigkeit nichts hören wollen, sie verstehen. Doch als eine solche Familie, die die Freilassung Gil’ad Shalits vor Israels Obergericht (erfolglos) angefochten hatte, vor Gericht über dessen Vater Noam herfiel und ihn anklagte ihr Leid zu ignorieren, platzte auch mir der Kragen. Als ob Rachegelüste ihre ermordeten Familienmitglieder zurück bringen würden – eine Frage die ihnen Noam Shalit selbst stellte.

Es gibt also zweierlei Wege, sich als Angehörige von Terroropfern diesem Schicksal zu stellen:

Hass und allem, was Hass in einem Menschen aufkommen lässt

oder

mit der Suche nach Versöhnung und der Einsicht, dass Rache niemandem nützt und nur die Seele verhärtet.

Immerhin, meine eigene Erfahrung mit Hinterbliebenen von Terroropfern unter Bekannten und Freunden ist, dass Hass mehrheitlich abklingt, auch wenn die Antipathie gegen Palästinenser in Israel in den letzten Monaten und Jahren exponentiell gewachsen ist. Das verwundert nicht, da palästinensische Hassgesänge gegen Juden nicht am Abklingen sind, sondern zunehmen.

Heute, da auch jüdischer Terror gegen unschuldige Palästinenser, deren Olivenhaine, Moscheen, Häuser und auch ihr Leben in Mode zu kommen scheint und als „Price Tag“ (Preisschild) von fanatisierten Westbankjuden praktiziert wird, müssen wir Israelis besonders vorsichtig sein, palästinensischen Terror gegen jüdischen Terror auszuspielen, so wie es gelegentlich von jüdischen Polit-Extremisten getan wird. Nur schon in reinen Opferzahlen und dem Niveau rücksichtsloser Brutalität sind die Palästinenser diesen Juden weit voraus. Das macht jüdischen Terror aber keineswegs akzeptabler und er muss mit aller Kraft bekämpft werden. Jüdische Terroristen sind für Israel eine Schande, denn sie bringen uns auf ein ethisches Niveau, das uns in unheimliche Nähe des ethischen Niveaus unserer Feinde positioniert. Auf diese Art darf Israel sich unter keinen Umständen in diese Region der Gewalttätigkeit, Korruption und reaktionärer Religionen integrieren.

Trotzdem und zum Abschluss: ich bin heute besonders stolz auf unser Land, einer, das wenn es darauf ankommt, Insel der Humanität in einer sonst trostlosen Umgebung ist. 

Baruch HaBah, Gil’ad Shalit. Jetzt darfst du wieder Sohn deiner Eltern sein, statt Sohn aller Israelis. Oh, zudem Gratulation zu deiner Beförderung vom Korporal zum Sergeant-Major.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Stephen und Micheline – ein Vergleich



Während ich diesem fünfminütigen Video der Rede des kanadischen Premierministers Stephen Harpers zuhörte, schloss ich die Augen und stellte mir seine Worte aus dem Munde der Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey kommend vor. Es ging einfach nicht. Nicht wegen Harpers merkwürdigem Kanadafranzösisch, das er neben seinem sonst englischen Vortrag spricht, sondern weil ich mir schlicht keinen Schweizer Bundesrat vorstellen kann, der bedingungslos für Grundsätze einsteht, wie es eben Harper für Israels Überleben tut. Kein Wort über gute Dienste, humanitäre Tradition (ich denke da an die wenigen Hunderttausend nach Deutschland zur Entsorgung zurückgejagten Juden - ja ich weiss, 30'000 wurden gerettet), nicht einmal jüdische Bankkonti werden von Harper erwähnt.

Harper verteidigte schon im Zweiten Libanonkrieg (kein Ruhmesblatt der israelischen Regierung, auch wenn die Motivation dazu einleuchtet) Israels Recht sich zu verteidigen. Er nennt den islamistischen Massenmord in Mumbai an Hindus, Christen, Juden etc. von 2008 „einen Affront gegen die Werte, die zivilisierte Menschen einigen“. An Durban Konferenzen II und III weigert sich Kanada teilzunehmen. Seine Unterstützung Israels will er weiterführen „ungeachtet möglicher Kosten“. Man stelle sich einen Schweizer Bundesrat vor, der solches sagen würde, ohne sich erst mit der Schweizer Banquiervereinigung zu beraten. Mein eine Kippa tragender Onkologe, der in Wien studiert hat und Wienerisch mit einem hebräischen Akzent spricht, brachte das einmal auf den Punkt (obwohl ich mit seinen politischen Ansichten nicht einig gehe), indem er meinte die Schweiz habe vom Hitlerkrieg eigentlich vor allem gut verdient und sich über die Redlichkeit ihrer Anpasser- und Profiteurenmentalität auch nach dem Krieg nie Gedanken gemacht. Das im Gegensatz zu Deutschland, das sich mit den Verbrechen seiner fürchterlichen Naziherrschaft und allem was dazugehörte, auseinandersetzte und als Staat Konsequenzen zog. Zwar bin ich nicht ganz mit Dr. Steins Gedanken einverstanden, doch etwas ist da dran – antisemitische Leserkommentare in den Websites Schweizer Tageszeitungen beweisen das täglich. Und interessanterweise gibt es nur sehr wenige Stellungsnahmen dazu aus den Redaktionen dieser Zeitungen.

Nehmen wir an, die Schweiz hätte sich während dem Zweiten Weltkrieg korrekt benommen und sich vor allem auf ihr Überleben als Staat gekümmert. Es ging ja nie um die Vernichtung der Schweizer – mit Ausnahme derer jüdischen Bürger. In den dreiundsechzig Jahren der Existenz Israels geht es aber genau um das – um das physische Überleben seiner jüdischen Bürger. Noch nie war es so deutlich wie heute – der allenfalls zu entstehende Staat Palästina, soll, wie von Abu Masen und seinen Mannen immer wieder bestätigt, völlig „judenrein“ sein. Das ohne sich sogar auf Ahmedinejad zu beziehen. Das soll vorerst für das Palästina der Westbank und Gaza gelten, doch da ein kommender Friedensvertrag, wie bestens und vielfältig belegt, in den Augen eben dieser Nachbarn nur die Basis für den nächsten Schritt abgeben soll – die bescheidene Erweiterung dieses Staates bis zu den schönen israelischen Stränden des Mittelmeers.

Die von der Schweiz seinerzeit abgeschobenen Juden konnten sich nicht wehren. Das hat sich gründlich geändert – die Juden Israels wehren sich und das finden heute viele schwer zu akzeptieren - ist der kanadische Premierminister Stephen Harper eine Ausnahme? Hoffentlich nicht.

Micheline, willst du nicht auch zu Harpers Kreis der Erleuchteten gehören? Einer kleinen, doch wirklich ehrenwerten Gruppe. Wobei mir in den Sinn kommt, dass du bis heute noch eine Antwort an die unterschreibenden jüdischen Schweizer in Israel des Offenen Briefes an dich vom 9. September 2011, schuldig bist. Der Brief erschien in der Wochenzeitschrift „Tachles“ desselben Datums. Unser Brief war sehr höflich – das Ausstehen deiner Antwort ist es nicht.

Mit sozialdemokratischem Gruss, Genosse Paul Uri Russak, Mitglied der israelischen Arbeitspartei

Freitag, 7. Oktober 2011

Zu Yom Kippur



Der Yom-Kippur Krieg 1973


Obwohl 1973 in der Schweiz lebend, war ich auch Bürger Israels. Am 1. Oktober 1973 flogen wir nach Israel um die Bar Mitzwa unseres Sohnes Jehoshua zu feiern. Am 4. Oktober griffen Ägypten und Syrien Israel an und der Yom-Kippur Krieg war ausgebrochen. Wenige Tage später wurde ich eingezogen, während viele andere im Ausland lebende Israelis nach Hause geschickt wurden. Anscheinend war ich schon dazumal populär. Ich blieb im Aktivdienst für 8 Wochen, dann erst durfte ich nach Hause in die Schweiz zurückkehren. Ich bin bis heute meinem damaligen Arbeitgeber Swissair dankbar, meine Familie in dieser Situation umfassend unterstützt und mein Salär auch während dieser Zeit in "fremden" Kriegsdiensten, weiterbezahlt zu haben. Die Anklage gegen mich beim Zürcher Divisionsgericht 6 wurde eingestellt. Der Untersuchungsrichter zeigte Verständnis und auch Sympathie. Da ich auf Grund israelischer Gesetze eingezogen worden, ohne mich offiziell freiwillig zu melden (gewehrt hatte ich mich allerdings auch nicht), hätte ich mich nicht strafbar gemacht.

Meine Aufgabe war es, in einem sehr grossen Armeelager täglich morgens um sechs einen Eisenbahnzug in Empfang zu nehmen, der mit im Kampf beschädigtem schwerem Kriegsgerät beladen war. Ich untersuchte jeden kaputten Panzer, jede Kanone, jedes Raketenträgers etc. darauf, ob sie nicht mit Sprengfallen vermint wären und musste mit Unterschrift bestätigen, es sei koscher. Eine Sprengfalle hatte meinem Vorgänger, wie mir gesagt wurde, bildlich den Kopf gekostet – der Grund dafür mich, da Sprengspezialist, einzuziehen. Zudem entfernten mein Chauffeur und ich die Munition dieser Fahrzeuge und brachten sie anschliessend zu einem Munitionsdepot. Die Tatsache, dass sich in vielen Panzern tote Soldaten, Israelis und Araber befanden, war einer der Gründe, die mir noch für sehr viele Jahre Schlafstörungen verursachte.Dazu ist nur hinzuzufügen, dass ich für die herbeigerufenen Chewra Kaddischa Männer des Militärrabbinates noch immer grosse Hochachtung habe. Sie machten keinerlei Unterschied zwischen arabischen und jüdischen Gefallenen, beerdigten die Muslime temporär und riefen die Zuständigen ihrer Religion das Nötige zu veranlassen. Ausdrücklich sagten sie mir: "Für uns sind alle Toten gleich und wir behandeln Muslime mit der gleichen Achtung wie Juden". Dies Aussage habe ich nie vergessen. Vielleicht ist es interessant zur Kenntnis zu nehmen, dass der Oberrabbiner der Armee zu jener Zeit Mordechai Piron war, in späteren Jahren Rabbiner der Israelitischen Cultursgemeinde Zürich. Dieser Respekt gegenüber toten Feinden ist heute weit weniger vorhanden. Grund dazu ist die Radikalisierung des militärischen Klerus in den letzten Jahren.

Ganz besonders seit wir wieder in Israel leben, kommen diese Erinnerungen an Yom-Kippur hoch. Soweit zur Feier des Tages.

Zu Tode differenzieren

Das Wort „differenzieren“ steht gemässe Duden für:


Wiederholt wird mir vorgeworfen, ich drücke mich in meinen Texten nicht differenziert genug aus. „Du musst doch differenzieren und nicht alles in einen Topf werfen“ sagt man mir. Als ob ich gerade das tue. Differenzieren ist schön, eine seiner Eigenschaften ist Massentrends und Massenverbrechen in einen Haufen Einzelfälle zu zerlegen, um damit zu vermitteln, alles nur als Einzelfälle statt als Ausdruck einer kleinen, grossen oder gar weltumspannenden Gruppierung zu sehen. Zu differenzieren wird in den heutigen Tagen besonders im Zusammenhang mit arabischem Terrorismus oder dem damit verwandten Konflikt zwischen den Palästinensern (früher Südsyrern) und Israel verlangt. Wer nicht genügend differenziert wird zum Islamophoben ernannt.

Millionen Muslimischer Frauen in Ägypten, Sudan, Somalien etc. werden beschnitten. Ein Eingriff, der ihre Gesundheit und Sexualität schädigt und ihren Status als Menschen zweiter Klasse in ihrer Kultur mit noch mehr Nachdruck bestimmt. Differenzieren wir das, ist jede dieser Frauen ein Einzelfall, der als kulturelle Eigenart ihres Volkes verstanden und akzeptiert werden muss. Das, statt diese „kulturelle Eigenart“  als das zu bezeichnen, was sie ist, nämlich als Menschenrechtsverstoss erster Güte.

Zum Thema Ehrenmorde fand ich im Blog „Politically INcorrect“ zu-tode-differenziert/folgendes: „Winfried Hassemer, früherer Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, sorgt mit der Forderung nach einer strafrechtlichen Relativierung von “Ehrenmorden” für Wirbel. In einem Interview von Spiegel Online sprach sich der frühere Strafrechtsprofessor für mildere Strafen aus. Hassemer sagte wörtlich: “Ich finde, bei einer derartigen Tat müssen auch der soziale Kontext und die Sozialisation des Täters bedacht werden.“ Die auf deutscher Leitkultur basierenden Strafgesetze Deutschlands werden damit unterlaufen und die heutigen zivilisatorischen Errungenschaften relativiert und beschädigt.

In der selben Quelle fand ich einen Abschnitt der auch, ohne Araber zu bemühen, den unbedarften Drang nach Differenzierung, koste es was es wolle, schön beschreibt:

„Wenn ein Mafiakiller einen Richter tötet, ist das nicht sein Beruf? Muss man das nicht differenzieren? Hat der gute Killer das nicht so gelernt, ist es nicht aus seiner Sicht Recht und Ordnung, was er tut? Und wenn eine überforderte Mutter und ihr gewaltbereiter Ehemann ihre beiden Kinder im Schrank einsperren, und qualvoll verhungern lassen, ist es dann nicht das Ergebnis ihrer Sozialisation, ihres sozialen Kontext? Und wo wir schon dabei sind, zu differenzieren: sollten wir dann nicht auch mal die Schuldfrage der Deutschen überdenken? Schließlich war es eben die Kultur der Nazis, Juden zu töten. Und wenn es ihre Kultur war, kann es denn noch böse gewesen sein?“

Noch überzeugender ist folgende Aussage aus demselben Blog:

„So kann man alles zu Tode relativieren, wenn man nur will. Und dabei fast nebenbei die Werte unserer Kultur auf dem Scheiterhaufen seiner eigenen Verblendung verbrennen. Unsere Werte sind nicht relativ, sondern absolut. Mord ist schlecht, ist böse. Unumstößlich, unveränderbar. Denn das Ableben eines Menschen lässt sich nicht relativeren!“.

Dieser Missbrauch des Differenzierens trägt viel zur heutigen durch „Politische Korrektheit“ verursachten Misere bei, in der Schwarz weissgewaschen, Weiss schwarzgewaschen und aus Bösem Gutes herbeigeschwafelt wird. Differenzieren ist eine gründliche Art zu denken, so lange diese Gründlichkeit nicht ins Lächerliche gezogen wird – so wie oben beschrieben. Dann ist sie nicht nur übel, sondern vernebelt unsere Sicht und gefährdet damit unsere Zukunft.

Montag, 3. Oktober 2011

Das Ottawa Protokoll



Im Zusammenhang mit dem Palästinamarathon der UNO (die Debatte haben wir vielleicht noch vor uns) vor einigen Tagen und überhaupt mit dem herrschenden Judenhass ist ein bisher ziemlich unbekanntes Dokument bekannt geworden.

Das sogenannte Ottawa Protokoll vom 20. September 2011 zum Kampf gegen Antisemitismus. Darin stehen Dinge, von denen Demokraten und Juden- und Israelfreunde in der Schweiz nur träumen können. Doch ein Denkanstoss für die Weisen von Bern ist dieses Dokument allemal.
 
Hier einige Punkte zum Protokoll:

·       „Jene, die das jüdische Volk hassen und zerstören wollen, hassen im Grunde auch uns und wollen uns genau so zerstören [wie das jüdische Volk].

·       „Das Protokoll ist eine Erklärung, dass diese Art von Hass in diesem Land nicht toleriert wird.“ (es bleibt abzuwarten, was die kanadische und andere Regierungen zu tun beabsichtigen. Uri)

·       Selbstverständlich basiert Kanadas Unterstützung Israels auf dem Prinzip, Freunden beizustehen, ganz besonders wenn diese Demokratien sind und Menschenrechte achten (das könnte relativiert werden, da die Umstände zwischen Israel und seinen teilweise recht barbarischen Nachbarn, doch ein wenig anders sind, als Kanadas).

Zweitens, die Rede von Kanadas AussenministerJohn Baird, einem der zwei kanadischen Minister, die das Protokoll unterschrieben haben, an der UNO-Generalversammlung am 26. September 2011 selbst.  Diese Rede ist ein direktes Resultat dieses Protokolls.

Dann fand ich noch die Stellungsnahme zum Ottawa Protokoll eines Vertreters der famosen Jüdischen Stimmen für einen gerechten Frieden, mit Namen Terry Greenberg aus Vancouver, der sich in seinem Israelhass beschnitten fühlt. Es ist interessant sein eigentlich recht zusammenhangloses Zeug zu lesen, denn es hilft, die wirre und vereinfacht populistische Motivation dieser Art Juden besser zu verstehen, gibt es doch auch eine Filiale in der Schweiz, mit der ich mich gerne anlege, mich jedoch unterfordert, denn den unbalancierten Stuss ihrer Website und ihrer gar nicht mehr lustigen Aktivitäten amüsieren mich längst nicht mehr. Terry Greenberg und seine Kumpane können sagen, was sie wollen, so lange sie durch ihre Hetzerei nicht direkte Gewalt erzeugen – doch Meinungsfreiheit bleibt auch jenen Juden erhalten, die überleben wollen, ob in Israel oder sonst wo in dieser Welt.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Das grössere Ziel kann nicht auf einmal erreicht werden!



Da ich leider immer wieder darauf hinweisen muss, dass der Durchschnittsisraeli der palästinensischen Führung und ihrem Volk wenig traut, wie auch meine zweite These im Zusammenhang von Frieden und palästinensischem Judenhass, fand ich bei Memri eine Bestätigung beider, wie sie einfacher nicht sein kann:

Am 23. September 2011 war von Abbas Zaki, Mitglied es Fatah Zentralkomitees (also den „moderaten“Palästinensern) bei Al-Jazzera unter anderem Folgendes zu hören: „Nethanyahu und Obama sind Drecksäcke und das grössere Ziel könne nicht auf einmal und in einem Schritt erreicht werden“. Das grössere Ziel, wie jedermann weiss, ist die Vernichtung Israels.

Hier weitere Ausschnitte aus diesem Interview:

  • Abbas Zaki: “Das Friedensabkommen soll auf den Grenzen vom 4. Juni 1967 basieren. Wenn wir sagen, dass die Siedlungen auf diesen Grenzen basieren sollen, weiss der Präsident [Abbas], wissen wir und alle, dass das Hauptziel nicht auf einmal erzielt werden kann."
  • "Wenn Israel sich von Jerusalem zurückzieht, 650'000 Siedler evakuiert und die Mauer abbricht – was soll aus Israel werden? Es wird sich auflösen."
  • "Wer ist nervös, besorgt und wütend? Nethanyahu, Lieberman und Obama, die Drecksäcke. Warum erwähne ich das? Weil wir glücklich sein müssen, wenn Israel besorgt ist."
  • "Wenn wir sagen, dass wir Israel von der Landkarte wegwischen wollen …, das ist schwierig. Es ist öffentlich nicht akzeptiert, das zu sagen. Behaltet es für euch."
  • "Ich will Entschlüsse, mit denen alle einverstanden sind. Ich sage der Welt, dem Quartett und Amerika: ihr habt versprochen und ihr wurdet als Lügner entlarvt."
Bei dieser Gelegenheit lohnt es sich, noch einige zusätzliche von Memri weitervermittelte Fernsehattraktionen aus der arabischen Welt zu geniessen: 
  • Zum Beispiel der Bericht und das Interview mit Mitgliedern der ägyptischen Nazipartei http://www.memritv.org/clip/en/3131.htm. Ernst zu nehmen ist sie (wenigstens noch heute) nicht und der Interviewer machte deshalb aus seinem Herz auch keine Mördergrube. Wenn man den drei Möchtegernnazis zuhört, merkt man wieder einmal, dass Intelligenz bei Ideologen dieser Art nicht zu finden ist, sondern Wunschdenken und Vorurteilen Platz macht. Der Interviewer war mir sympathisch, er scheint tatsächlich gut über Nazis, deren Ideologie und die Katastrophe, die sie über die Welt brachten informiert zu sein.
  • Im Gegensatz zum Interviewer ägyptischer Nazis greift das palästinensische Zentralkomitteemitglied Taysir Khaled zum alten Trick, die armen Palästinenser mit den Juden des Holocausts zu vergleichen. Zudem behauptet er, es gäbe weltweit 18 Millionen Palästinenser. Das heisst, wenn man die israelischen Palästinenser weglässt, es noch immer rund 16,5 Millionen staatenlose palästinensische Flüchtlinge gibt. Wow! 
  • Zuletzt noch ein Interview mit dem ägyptischen Geistlichen Wagdi Ghoneim, der sagt, Demokratie sei Häresie. Auch meint er, Ägyptens Christen hätten kein Anrecht auf gleiche Rechte. 
Die hier zitierten Leute sind Meinungsmacher der palästinensischen und arabischen Welt, wenige von vielen. Den meisten ist gemeinsam, dass sie hassen. Nicht nur Juden, sondern alle, die nicht so sind wie sie selbst.

Mittwoch, 28. September 2011

Kommentar zum Eintrag vom 27.9.2011 Vernunft statt Frieden



Auf meinen gestrigen Eintrag, meiner Besprechung eines Artikels des australischen Kommentatoren Greg Sheridan, wurde mir umgehend vorgeworfen, ich hätte mich damit auf die Seite Nethanyahus begeben. Meine Antwort an diesen wirklich guten Freund und Schreiber dieses Vorwurfs, möchte ihr hier wiedergeben, jedoch ohne ihn beim Namen zu nennen.


Lieber Freund,

Du vergleichst meine heutige Position mit der Nethanyahus. Vergleichen wir die beiden und du wirst erkennen, wie falsch du liegst. 

  •  Nethanyahu untergräbt Bemühungen zu Friedensverhandlungen (Abbas ja auch). Nethanyahus Motivation ist sehr eindeutig: er will die besetzten Gebiete behalten, denn das ist Teil seiner Ideologie, die auch sein hundertjähriger Vater Zeit seines Lebens vertrat. Offen kann Nethanyahu das nicht sagen, denn er würde sich damit bei Obama und den Europäern völlig unmöglich machen. Diese Ideologie nimmt das Beherrschen eines fremden Volkes in kauf, unabhängig von Ethik und demographischen Bedenken. Dazu kommen die Sicherheitsaspekte, die nun tatsächlich real sind, aber mehr als Ausrede gebraucht werden, denn als tatsächliche Begründung. 

·      Meine Motivation ist nun wirklich total verschieden. Ich sehe, genau wie Yeshayahu Leibowitz vor Jahrzehnten, das Herrschen über ein anderes Volk als unethisch und korrumpierend. Geschrieben habe ich das oft genug. Israelis, die sich auf der Westbank angesiedelt haben, sind mehrheitlich aus ideologischen grossisraelischen Gründen dort, einer Ideologie, die mit dem humanistischen Zionismus Herzls und vor allem der Gründergenerationen Israels nichts zu tun hat, sondern auf biblischer Grundlage besteht. Wir müssen aus der Westbank abziehen, doch können nicht, aus Gründen, für die wir teilweise selbst schuld sind. Israel hätte von Anfang an dort nicht siedeln dürfen und die Besetzung bis zu einem wirklichen Friedensvertrag rein militärisch halten sollen. Aber im Nachhinein sind wir immer gescheiter. Das wäre eine Zwischenlösung bis die palästinensische Volksseele ihren Judenhass überwunden hat.

Ich weiss, dass sich die von dir erwähnten Israelis wie Amos Oz, David Grossman und Yoel Marcus (du kannst, wenn wir schon dabei sind, auch A.B. Yehoshua, dessen Bekanntschaft ich gerade an einem Anlass mit Arabern gemacht habe und Ari Shavit dazu zählen. Nur bei Barenboim bin ich mir nicht sicher), und  auch nicht zu einem einseitigen Abzug aus den besetzten Gebieten hinreissen lassen, dafür kennen sie die Lage zu gut. Wie du schreibst, wollen auch sie Kompromisslösungen und ehrliche Verhandlungen. Aber eben, sie bleiben auf dem Boden und sind nicht willig, unverantwortliche Risiken einzugehen.

Ich bin fast täglich wieder erstaunt mit welcher Sicherheit Juden und Nichtjuden, vor allem Medien und gewisse NGOs aus dem Ausland, von Israel Dinge verlangen, die sie für ihre Länder nie erwägen würden. Es kostet sie ja nichts, mit den Schäden müssen sich ja nur Israel und seine Bürger auseinandersetzen. Zudem ist es tatsächlich so, dass die heutige Israelkritik grösstenteils aus einer Abneigung zu Israel und seinen Juden stammen, während die palästinensisch-arabischen Hintergründe des Hasses grosszügig ausgeblendet werden. Wir Israelis empfinden diese Haltung reine Besserwisserei, sogar Arroganz.

Ich finde Barry Rubins Stellungsnahme stark und auf den Punkt gebracht. Er setzt sich mit der Realität auseinander. Das macht ihn nicht zum Paranoiden. Warum er sich in diesem Aufsatz nicht mit der Siedlungssituation auseinandersetzt verstehe ich genau – er sieht sie als das was sie ist, nämlich eine von den Palästinensern vorgeschobene Ausrede Verhandlungen aus dem Weg zu gehen. Die zehn Monate Baustopp, die von ihnen völlig unbenutzt vorbeigingen, sind einer der Beweise dafür.

Nicht jeder, der blauäugig die Friedensmantra betet hat damit recht. Wenn mir jemand, was öfters geschieht, wenn ich in der Schweiz bin, sagt: „Ich bin für Frieden“ kommt mir die Galle hoch. Auch ich bin für Frieden, aber zum Selbstmord verpflichtet mich das nicht. Doch Aussenstehende, die das sagen, lehnen jegliche Verantwortung ab, denken vielleicht an den Benzinpreis und den profitablen Waffenhandel mit Terrorregimen oder sind schlichte Gemüter, die dem Pazifismus unter allen Umständen gedankenlos frönen.

Noch eine kleine Bemerkung zu den Medien. Warum bezieht eine NZZ oder der Tagi (die BaZ hat sich gebessert) nie redaktionell Stellung zu völlig rassistischen Leserkommentaren? Ich weiss, Viele werden erst gar nicht veröffentlicht, doch die noch zu lesenden sind schlimm genug. Es genügt nicht, irgendwo hinzuweisen, dass Leserbriefe nicht die Stellung der Redaktion seien, doch wirklich Stellung zu ethischen Verstössen zu beziehen ist, so denke ich, Pflicht. Beruht das auf Schweizer Neutralität (schlimm genug), Opportunismus oder gar stillschweigender Zustimmung zum Schmutz, der zu lesen ist? Wie nennt man das? Einerseits hat es mit Spaltung zu tun, verräterisch sind die Gut-Böse und Schwarz-Weiss Konnotationen, aber auch mit Verleugnung von nun mal vorhandenen Teilaspekten. Die werden ganz munter abgewehrt und über den Umweg des Autors als: selbstgerecht, unfair und undifferenziert "erkannt".

Zum Abschluss ein kleiner aber wichtiger Hinweis. Es hat mich ein wenig genervt in deinem Brief folgendes zu lesen: "Du weisst, Israels Schicksal liegt mir am Herzen, und ich habe gute jüdische Freunde, hier in der Schweiz und in Israel und in Amerika." Mit diesem Satz macht sich jeder Nichtjude als Freund von Juden unglaubwürdig. Diese Aussage hat eine sehr lange Geschichte und gilt heute als Goldstandart eines Antisemiten, der nicht wissen will, dass er einer ist. Jeder Jude wird dir das bestätigen, es ist eines der Dinge, die aus der neueren jüdischen Geschichte gelernt worden sind. Das man damit auch gelegentlich falsch liegen kann, gebe ich zu und mir liegt fern, dir etwas unterzuschieben, von dem ich weiss, dass es nicht der Fall ist. Doch ist es gut, darüber bescheid zu wissen.

Also, bis zur nächsten Bratwurscht mit Röschti/Härdöpfelsalat im Kropf. Den Chropf zu leeren wird dann nicht mehr nötig sein.

Herzlichst

Dienstag, 27. September 2011

Vernunft statt Frieden?

 
Meine Beschäftigung mit dem Thema "Hass" im Mittleren Osten ist keine Besessenheit, sondern Ausdruck meiner tiefsten Überzeugung, sowie Ausdruck meiner Sorge um unseren Staat und besitzt absolut keine nationalistische Komponente. Zufällig stiess ich auf einen Artikel in der Zeitung „The Australian“ vom 24. September 2011. Geschrieben wurde er von Greg Sheridan. Dieser kommt zu den gleichen Schlüssen wie ich, nämlich, dass solange die arabische Welt ihren inhärenten Rassenhass gegen Juden allgemein und gegen Israel im speziellen, nicht überkommt, ist Israel schlecht beraten einen ausschliesslich auf äusseren Druck beruhenden Friedensvertrag mit den Palästinensern abzuschliessen. Sheridan bringt es auf die folgenden vier Punkte:
  1. Israel kann sich nicht auf ein Abkommen einlassen, solange der palästinensische Partner nicht in der Lage oder willens ist, das Einhalten eines Vertrages durchzusetzen, das die Sicherheit Israel garantieren soll. 
  2. Ein versagender oder ein nicht durchgesetzter Friedensvertrag könnte die Situation stark verschlechtern, auf eine Art, die schlimmer wäre, als der heutige Zustand.  
  3. Israels Sicherheitssituation hat sich in den vergangenen Monaten verschlechtert, durch Einflüsse, die nichts mit dem Israel-Palästina Konflikt zu tun haben. Dieser neue und verschlechterte Kontext lässt es nicht zu, dass Israel existenzielle Risiken eingeht. 
  4. Kein dauerhafter Frieden ist möglich, so lange Israels Gegner so stark mit ihren Juden- und Israelhass durchtränkt sind und Israel als Staat der Juden unter keinen Umständen akzeptieren.
 Sheridan gibt noch eine kürzliche Erfahrung aus Kairo zu besten, die er aus erster Hand von einem britischen Journalisten hörte:

Dieser, weder Israeli noch Jude, ging in Kairo spazieren, wurde von hinten gestossen und fiel fast um. Als der Angriff vorüber war, drehte er sich um und fand sich fünf Männern gegenüber, von denen einer versuchte, ihm ins Gesicht zu schlagen. Der Journalist fragte die Männer, ob das die Art sei, Gäste ihres Landes zu behandeln und war geschockt über die Entschuldigung: „Sorry, wir dachten, sie wären Jude“.

Donnerstag, 22. September 2011

Hass und Frieden, die Mutter der Oxymorone


Gestern hatte Präsident Obama seine grosse Israelrede in der UNO. Unter anderem hob er einen Punkt hervor: „Israels Kinder werden erwachsen, wissend, dass in der gesamten Region, in der sie leben, anderen Kindern beigebracht wird, sie zu hassen“ (meine Übersetzung). Das ist der Hauptgrund warum das israelische Volk – einige linke Extremisten abgesehen – den Palästinensern nicht traut, nicht trauen kann. Die wichtigste Bedingung für einen arabisch-israelischen Frieden muss sein:

Araber müssen aufhören ihren Kindern hassen beizubringen.

Auch wenn Obama damit den arabischen Hass auf uns Juden und auf Israel meint, sagte er es als Beispiel für den allgemeinen Begriff arabischen Judenhasses. Denn ebenso tödlich ist der Hass auf Amerika und auf den Westen gesamthaft, auf dessen Kultur und dessen freie Gesellschaft – dem schlimmsten Dorn im islamistischen Auge.

Wer tatsächlich glaubt, man könne mit Menschen in Frieden leben, die ihre Nachbarn tödlich hassen und deren Vernichtung fast täglich herbeibeten, die die Tradition nationalsozialistischen Judenhasses vor fast hundert Jahren übernahmen und heute weiterführen, dem ist nicht zu helfen. Die „Weisen von Zion“ und alle die vielen anderen antisemitischen Lügen werden von der Kanzel der Moscheen gepredigt und im arabischen Buch- und Filmhandel erfolgreich verkauft. Hörer und Leser glauben all diesen Dreck – denn er wird ihnen von ihren islamischen und politischen Führern (in diesen Gesellschaften nicht zu unterscheiden) als Tatsache bestätigt und empfohlen.

All das hat nichts mit Nethanyahu zu tun, sondern beruht auf fast hundertjähriger und wachsender Indoktrination. Es kann keinen glaubhaften Frieden zwischen der islamischen und arabischen Welt geben, bevor dieser angelernte Hass nicht überwunden wird. Sogar wenn Israel den wegen seiner deutschen Wortkunst im deutschen Sprachbereich so geschätzten Uri Avnery zum Ministerpräsidenten krönen würde, gäbe es keine Änderung in dieser Haltung. Nethanyahu, ohnehin der falsche Mann am falschen Ort, wurde zum Watschenmann der arabischen Welt. In meiner Phantasie über Uri Avnery als Ministerpräsident, würde diese Position diesem automatisch zufallen. Dazu gehört die in der arabischen Welt kaum vorhandene individuelle Zivilcourage – etwas, das gerade Uri Avnery auszeichnet, ist er doch ein jüdischer Israeli.

Der Waffenstillstand am Endes des Zweiten Weltkriegs mit Deutschland in 1945 wurde erst möglich, als die Naziführung, ihre Partei und Armee zerstört waren. Frieden gab es erst, als das deutsche Volk sich vom Nationalsozialismus löste. Ähnlich sollte es auch mit dem Faschismus der arabischen Feinde Israel geschehen. Wie kann Israel neben einem arabischen Staat in Frieden existieren, in dem täglich in Schulen und Medien zum Hass gegen Juden und deren Zerstörung gerufen wird? Aus den Hoffnungen, die mit dem arabischen Frühling aufkamen und sukzessiv wieder verschwinden, könnte die Enttäuschung eines islamistischen Winters werden.

Samstag, 17. September 2011

Interessante Tage

Ignazio Silone
Folgendes habe ich dankend dem Bernd Dahlenburg geklaut:

Untenstehendes Zitat wird dem italienischen Schriftsteller Ignazio Silone zugeschrieben, gilt aber historisch nicht als gesichert. Das ist schon lange her, doch anscheinend kannte er seine Pappenheimer. Ja sogar falls dieser Satz nicht von Silone stammen sollte, da gibt es Zweifler, ist er noch immer gut. Denn gerade dieser Tage, in denen die einem antijüdischen Neofaschismus frönenden Grünen und Linken (nicht alle, aber dennoch viele in der Schweiz) und zur gleichen Zeit behaupten Antifaschisten zu sein, passen diese Worte, wie keine andere:

„Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus.
Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“

Leonard Cohen

Leonhard Cohen, der grosse Liedermacher und alte Jude (so nennt er sich selbst, obwohl er erst siebenundsiebzig ist) aus Montreal in Kanada (wie meine Lea), singt in seinem wundervollen Lied „Anthem“ den Refrain:

Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack, a crack in everything
That's how the light gets in.

“There is a crack in everything, that’s how the light gets in” heisst schlecht und recht ins Deutsche übersetzt: „Überall findet sich ein Spalt, eine Ritze, aus der das Licht eindringt“. In anderem Worten: nicht aufgeben, überall gibt es ein Licht, eine Lösung zu finden. Der volle Text kann unter dieser Internetadresse gelesen werden: http://www.azlyrics.com/lyrics/leonardcohen/anthem.html. Wenigstens ich verstehe diese Worte als Aufforderung nie aufzugeben, es gibt auch in dunkelsten Momenten ein Licht der Hoffnung. Schön wär’s natürlich wenn Herr Nethanyahu sich dafür einsetzen würde – wohl etwas zu viel verlangt, von diesem Zigarren rauchenden Herren, der für das Überleben Israel leider momentan verantwortlich ist.

Leonard Cohen ist ein „Pop-Sänger, der nie schreit, nie seine Stimme erhebt und dessen selbstgeschriebenen Texte und Musik eine Tiefe erreichen, die mich immer wieder zutiefst rühren. Übrigens, auf seiner letzten Tournee besuchte er auch Israel – nach wenigen Tagen war das Konzert ausverkauft. Barry, unser Arzt, hatte das Glück noch zwei Karten erhaschen zu können und berichtete mir begeistert und gerührt von einem einmaligen Erlebnis.

Mit Freunden bei Basalton

Schön und noch persönlicher war der Überraschungsbesuch von sieben Schweizern aus dem Berner Seeland. Ich kannte nur zwei von ihnen als Leser meines Tagebuchblogs, die nun endlich mal den Schreiber dieser Wortschwalle persönlich kennenlernen wollten. Für Lea und mich sind das wunderbare Erlebnisse, die wieder beweisen, dass ich mit meiner Arbeit auf dem richtigen Weg bin und meine Berichte gerne gelesen werden.

Nicht nur trafen wir uns zu einem sehr guten, wenn auch fleischlosen Abendessen im elegant renovierten Restaurant der Kelterei Carmel in unserem Städtchen. Wir unterhielten uns und ich lernte Menschen kennen, die sich um Israel sorgen und seine Probleme verstehen, neue Informationen aufsaugen und ihrem schon beachtlichen Wissen hinzufügen. 




Die mobile Arbeitsbude von Dagan
 
 


Am Tag darauf führte ich vier von ihnen auf einen bescheidenen Ausflug. Erst besuchten wir den Bildhauer Dagan Shklovsky in seinem Skulpturengarten im Kibbuz Ein Carmel, keine zwanzig Autominuten von Zichron Ya’akov entfernt. Auf dem Gelände, das den Namen „Basalton“ trägt, stehen seine zahlreichen Werke und noch nicht bearbeitete Steine (vielleicht sollte man Felsen sagen), alle aus Basalt der Golanhöhe.

Dagan Shklovsky’s Werke sind nicht gerade in einer Papiertüte nach Hause zu tragen. Jedes wiegt Tonnen – entsprechend sind seine Verkaufszahlen nicht gewaltig. Er ernährt sich, wie andere Bildhauer, durch Auftragsarbeiten für Grabsteine.

Dagan Shklovsky

In seinen Basaltstatuen ist sehr viel tieferes Gedankengut, Originalität und Kreativität zu sehen. Vielen seiner Frauenköpfe verpasst er medusaaartige Frisuren, Männerköpfe sind meist bärtig, im assyrischen Stil gezopfte Bärte und Haare, vielfach verwoben mit anderen Figuren, sogar Tieren. Schlangen und Delfine sind auszumachen. Die Skulpturen sind detailliert doch relativ grob gehauen. Hervorgehobenes, wie Augen, werden poliert und erscheinen deshalb dunkel. Man steht davor, blickt oft nach oben, weniger nach unten und ist überwältigt über diese fehlerfreie Handwerkskunst. Die einzigen und seltenen „Fehler“ sind Löcher oder Sandbestände im Basalt, die erst während der Bearbeitung zum Vorschein kommen. Doch auch sie tragen irgendwie zum tiefen Gesamteindruck bei.

Dagan schien sehr glücklich über unseren Besuch zu sein. Er verwickelte besonders meine zwei Freundinnen und Matthias, den pensionierten Arzt, in ein langes Gespräch und beantwortete viele Fragen. Dagan wurde 1965 im Kibbuz Merchavia geboren, einem geschichtsträchtigen Kibbuz der Haschomer Hazair Bewegung, in der auch ich gross geworden bin.

Sein Rohmaterial erhält Dagan Shklovsky auf grossen Lastwagen. Er sucht sie nicht aus, sondern macht mit dem was ihm gebracht wird genau das, was er in jedem der Steine „sieht“. Obwohl ich mich in dieser Sparte nicht auskenne, nehme ich an, dass jeder talentierte Bildhauer dasselbe tut, sein Endprodukt schon in seinem noch ungehauenen Stein sieht, bevor er die Arbeit beginnt. Dagan arbeitet gerade an einer fast drei Meter hohen Katze, über die er sein Sonnendach aufgebaut hat.

Dagan beginnt die Arbeit damit, ein tragbares Blechdach zum zu bearbeitenden Stein zu bringen, denn diesen kann er ohne schwere technische Hilfsmittel nicht bewegen. Je nach Grösse des Steins kann die Bearbeitung von drei bis zwanzig Monate oder mehr dauern. Das Entstehen eines seiner ganz grossen Werke, die Gesichter seiner gesamten Familie, er selbst, seine Frau und die Kinder, hatte mir damals Gelegenheit gegeben, alle paar Wochen den Fortschritt der Arbeit zu verfolgen.

Ich war schon viele Male bei Dagan zu Besuch. Nicht immer ist er dort. Aber wenn er da ist, wird man oft in ein langes Gespräch verwickelt. Leider wissen nur wenige Menschen von seiner Arbeit und seinem Skulpturenpark – es wäre wert, dass besonders Besucher aus dem Ausland zu ihm fahren würden, denn seine Arbeiten sind beeindruckend und, eben, einfach schön. Nur gleich mitnehmen kann man sie nicht. Hier seine sehr einfache und leider wenig informative Website: http://basalton.com.




Unseren Ausflug schlossen wir mit einer Fahrt durch die verbrannten Wälder des Carmelberges ab. Wir fuhren am Kibbuz Beit Oren und am schönen Carmelgefängnis vorbei. Auch sahen wir an der Strassenseite ein temporär aussehenden Memorial für die vierzig Toten des verbrannten Autobusses, junge Menschen die bei der Evakuierung des Gefängnisses hätten helfen sollen. Nach einer kurzen Pause in Ussefiya fuhren wir nach Hause. Meine Freunde erlebten Unübliches und waren zufrieden. Und ich war zufrieden mit Freunden zusammen gewesen zu sein, die Israel lieben und unterstützen, ohne deswegen ihren Sinn für die Realität verloren zu haben.

Samstag, 10. September 2011

Im Nahen Osten nicht viel Neues



Der Hintergrund

Ich mag unter den israelischen Parteien den Likud nicht, noch weniger die Faschistoiden der extremen Rechten, angefangen bei Lieberman bis hin zu den Araber und sogar moderate Linke hassenden Siedlertypen und parasitären Extrafrommen. Leser meiner Zeilen wissen das und das Warum brauche ich daher nicht zu wiederholen.

Aber trotz dieser extrem ideologischen Landschaft der rechten Seite von Israels politischem Spektrum ist seine Situation der „Isolation“ nur relativ wenig auf seine eigene Politik zurückzuführen, im Gegensatz zu dem was uns Kommentatoren einzureden versuchen. Diese übertrieben dargestellte israelische Isolation in der Welt hat vor allem einen Grund: die westliche Welt versteht bis heute nicht, in welch hypergewalttätigen und irrationalen Ecke der Welt der kleine demokratische Staat Israel sich behaupten muss! 

Israel lebt in einer Region, deren Zivilisation und auch Kultur sich seit fünfhundert Jahren nicht mehr entwickelt hat. Sie ist also in der Situation Europas vor fünfhundert Jahren stehen geblieben. Eine Aufklärung des Islams und seiner Gesellschaft hat es nie gegeben, Literatur wird im Vergleich zum Rest der Welt (auch ehemalige Kolonien sind dabei), in Mengen herausgegeben, die gerade im Vergleich zu industrialisierten Ländern (also nicht nur dem Westen) einen kleinen Bruchteil derer Menge Literaturerzeugnisse beträgt. Das ist eine Tatsache, die sich schwer mit der wundervollen Literaturgeschichte der alten arabischen Welt verträgt. Vom Analphabetismus ist fast die Hälfte der arabisch Menschen dieser Welt betroffen. Noch nie war es so leicht zu beobachten, wie die arabische/islamische Gesellschaft mit ihren fast 400 Millionen Seelen der Gewalttätigkeit verfallen ist, wie sehr Frauen auf schlimmste Art und Weise, entrechtet, unterdrückt und getötet werden. Andersgläubige werden verfolgt und ihre Religionen sind oft verboten. Die Zahl der Christen nimmt dramatisch ab, in Irak sind es seit dem Sturz Saddam Husseins gerade noch 40% der früheren Zahl, in der palästinensischen Westbank fliehen Christen in den Westen - in Bethlehem sind statt den früheren 80%, gerade noch etwas 20% der Einwohner Christen. Der Islam, die Leitreligion der arabischen Welt, hat sich seit Jahrhunderten nicht entwickelt und trägt nichts dazu bei, die arabische Gesellschaft zu modernisieren. Weder sozial, wirtschaftlich oder gar wissenschaftlich. Diese Gesellschaften sind rückwärtsgewandt und arabische Menschen, die sich Fortschritt und Freiheit wünschen, müssen sich zu deren Realisierung vorwiegend ins Ausland absetzen. Obwohl man, vielleicht sogar mit Recht, denken kann, dass die grosse Mehrheit der arabischen Völker friedlich leben und arbeiten möchte, wird die arabische und islamische Welt heute von deren extremistischen und gewalttätigen Gruppen vertreten – moderate Kräfte sind terrorisiert und schweigen. All das ist hervorragend dokumentiert, wie in den Human Development Reports der UNO.
 
Die Situation

Gelegentlich, wenn ich Grossdemonstrationen in arabischen Städten im Fernsehen verfolge, in den Hunderttausende oder Millionen hysterischer Menschen toben und Parolen der Gewalt gegen den Westen, die USA und Israel (meist im Multipack) schreien, erinnere ich mich an alte Nachrichtenfilme aus Nazideutschland, in denen Massenaufmärsche zu sehen sind – ähnlich in Konzept und Aussage, auch wenn die Nazis viel ordentlicher und im Stechschritt marschierend zu sehen waren. Noch sind wir nicht so weit wie Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg verlor und es fertigbrachte, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen (was Japan bis heute nicht getan hat). Nach dem Krieg und bis heute, will keiner je ein Nazi gewesen sein. Aber so weit, dass kein Araber je Jihadist gewesen sein will, sind wir im Nahen Osten noch lange nicht. Vorher muss noch einiges geschehen, vor allem in der arabischen Psyche, Erziehung und Politik.

Die demokratische Welt des Westens ist/war sich gewohnt mit arabischen Tyrannen – seien sie Könige oder (meist militärische) Diktatoren - zu leben und sie zu Partnern für ihre Geschäfte zu haben. Zurzeit wurden und werden einige zu Fall gebracht, ohne dass jedoch demokratische Verhältnisse am Horizont zu erkennen sind. Ob sich das in der Anerkennung Israels als demokratischer Staat der Juden auswirken wird oder nicht, bleibt noch unklar.
Auch wenn die heutige Regierung Israels mit Lieberman und Nethanyahu der Welt nicht den Eindruck besonderer Friedensliebe vermittelt und mit einigem Recht, als unversöhnliche, arrogante Vertreter des Grossisraelgedankens gesehen werden, sind sie nur bedingt für den Zustand der sogenannten „Isolation“ Israels verantwortlich. Was Friedensverhandlungen mit den Palästinensern betrifft, sollte es heute jedem wirklich vorurteilslosen Betrachter klar sein, dass weder Mahmud Abbas noch Bibi Nethanyahu einen wirklichen Frieden wollen. Ersterer führt Arafats Tradition der Verlogenheit fort, der Zweite kann sich nicht von seiner ideologischer Besessenheit lösen. Verhandlungen sollen Selbstzweck sein und übertrieben gesagt, noch einige Generationen weitergeführt werden. Abbas will, so sagte er öffentlich, allerdings nur in Arabisch, die Zweistaatenlösung als ersten Schritt der Ausweitung seines Palästinas bis ans Mittelmeer sehen. Nethanyahu versteckt sich hinter Israels Sicherheitsansprüchen, damit die Siedlungen in der Westbank bleiben.

Neu ist hingegen die Lage gegenüber dem arabischen Frühling, vor allem in Ägypten und der weiter schreitenden religiös-reaktionären Entwicklung der Türkei. Dass es sich hier um eine geplante Aktion Erdogans gegen die Existenz eines jüdischen Staates handelt, sollte inzwischen jedem seit dem Zwischenfall am 29. Januar 2009 an der WEF in Davos und den nachfolgenden Vorfällen klar sein. Seither führt die türkische Regierung ihre antiisraelischen Aktionen planmässig fort. Das hat weder mit Nethanyahu oder Liebermanns kaum je klugen Kapriolen zu tun, sondern mit Erdogans Hass auf Atatürks humanistisches Erbe, das er zerstören will, um seinen Anspruch auf die Führung der islamischen Welt wahr zu machen.

Gestern Nacht fand in Kairo ein Angriff auf die israelische Botschaft durch einen ägyptischen Mob statt. Sechs Botschaftsangehörige mussten evakuiert werden und das Botschaftspersonal musste sich mit Hilfe der ägyptischen Regierung nach Israel retten. Täter waren vordergründig die ägyptischen Revoluzzer, die den „arabischen Frühling“ eingeleitet hatten. Wie ich nun von verschiedenen Quellen höre und lese, waren die wenigen hundert hysterischen Angreifer direkt aus der grossen Moschee gekommen, in der sie, so hörte ich eben, dazu motiviert worden seien. Ob das stimmt, weiss ich nicht, doch es demonstriert, wie weit schon islamische Reaktionäre Ägyptens die Aspirationen der Demonstranten der ersten Stunde abgelöst haben.

Sonntag, 4. September 2011

Verschiedenes

Gilgulistik

Mein Enkel Gil in Zürich, noch keine sechs Jahre alt, hat immer das letzte Wort. Man ruft ihn meist Gilgul. Gilgulismen, Originelles aus seinem Mund, gibt es inzwischen zuhauf. Den Neuesten will ich hier wiedergeben. Er ist Weltklasse:
Beim Abendessen ermahnt seine Mutter (meine Tochter) Michal, ihren älteren Sohn Matan (bald 11), nicht so schnell zu essen. Einen kurzen Moment später wird Matan wieder ermahnt: „Iss nicht so schnell“, diesmal von Gilgul, seinem kleinen Bruder. Michal sagt ihm, das soll er nicht tun, Matan sei sein Bruder und nur Mami oder Papi dürfen ihm solches sagen. Gilgul: „Wenn ich gross bin, werde ich auch Kinder haben und dann darf ich sie ermahnen, denn dann bin ich der Papi“. Michal: „Richtig, aber jetzt bist du noch klein und tust das nicht!“ Gilgul: „Aber ich muss doch üben!“. Das als Einstieg.

Zwischen Antisemitismus und Israelkritik

In der Zeitschrift Cicero ist unter diesem Titel ein Artikel und Buchauszug erschienen, dessen Aussagen, sagen wir mal, zu neunzig Prozent auf die Schweiz übertragbar sind. Es geht um den Antizionismus der deutschen Linken. In der Schweiz könnte man vielleicht sagen der Grünen und Teilen der Linken (SP).

Der Text ist eine gekürzte Version eines Kapitels des gleichnamigen Buches von Timo Stein und gibt in relativer Kürze die Entwicklung des linken Antizionismus und Antisemitismus wieder. Im Klappentext dieser nur 120 Seiten dicken Broschüre steht:

„Antisemitismus ist bei weitem kein allein am rechten Rand vorkommendes Phänomen. Der Antizionismus, der sich mit Beginn des arabisch-israelischen Sechs-Tage-Krieges innerhalb der Linken durchzusetzen begann, generierte in seiner radikalsten Ausprägung antisemitische Inhalte. Dieser antizionistische Antisemitismus in der Linken ist bis heute aktuell und bis hinein in die Antiglobalisierungs-Bewegungen zu verfolgen. Timo Stein zeichnet den Antisemitismus von links historisch-analytisch nach und benennt Ursachen und Quellen.“ Lesen lohnt sich.

Von der vor allem durch die sozialistischen Kibbuzim ausgelösten Begeisterung für Israel wird der Leser bis zum als Antizionismus getarnten Judenhass der heutigen Tage geführt.

Die Parallelen zur Schweiz sind frappant. Namen und Organisationen könnten mit Leichtigkeit ausgewechselt werden. Die „Juden und Jüdinnen für den gerechten Frieden in Palästina“ sind gedanklich und in ihren Aktivitäten fast identisch mit der unappetitlichen Zeitschrift „Der Semit“ des Abraham Melzer. Lesen lohnt sich hier nicht, doch sollte man grundsätzlich darüber informiert sein. Menschen wie diese, die der jüdischen Gesellschaft nichts Positives beizutragen haben, sondern mit extremistischer Zerstörungswut nur niederreissen wollen, was andere erbaut haben, geben anständigen Juden einen schlechten Namen. Ich frage mich immer wieder, was sie motiviert. Aber auf eine befriedigende Antwort bin ich noch nicht gekommen, ausser vielleicht eine stark gestörte Wahrnehmung gepaart mit dem verwirrten Drang sich damit zu profilieren. Mit Gutmenschentum hat das viel zu tun, mit gutes tun aber nichts.

Wie man Alte über den Tisch zieht

Lea und ich sind vor einem Jahr von unserem zweistöckigen Häuschen in eine Wohnung umgezogen, Treppensteigen ist für Lea schwierig geworden. Jetzt können wir ohne eine einzige Stufe ins unsere neue, lichte und geräumige Wohnung gelangen – traumhaft.

Trotzdem wollte ich, einfach aus Prinzip, wissen wie es in den in Israel heute sehr populären und offenbar überfüllten Altersresidenzen aussieht und zu welchen Bedingungen man dort unterkommt. Ich war vor Jahren einmal Verwandte in der Altersiedlung „Century Village“ in Deerfield Beach besuchen und war beeindruckt. Seinerzeit bezahlten sie für eine geräumige und sehr bequeme Zweizimmerwohnung mit Lift und stufenlosem Zugang US$ 24'000. Die Preise haben sich bis heute vervierfacht, im Durchschnitt kostet heute eine Wohnung US$ 100'000. In Israel sind das heute etwa 400'000 Schekel. Kosten für Reinigung und ähnlichem sind ca. US$ 250 monatlich. Dieses Century Village besitzt drei 18-Loch Golfplätze und ein enormes Zentrum mit Theatersaal (1000 Sitzplätze) und Festsaal mit 3000 Plätzen, in dem die Omas und Opas Bar/Batmizwas und Hochzeiten ihrer Enkel feiern können. Dazu kommen etwa 20 Schwimmbecken. Golf und Schwimmen sind in den Kosten inbegriffen, die vielen Kurse, die Bibliothek etc. auch. Es gibt keinen Supermarkt, keine Geschäfte, die Pensionäre sind so gezwungen in die Stadt zu fahren um einzukaufen, womit sie den Kontakt zur Aussenwelt nicht verlieren. Heute wohnen dort, so las ich, rund 30'000 Rentner, zu 90% Juden. Man findet sie oft in Gesellschaft ihrer schwarzen, in weiss gekleideten Pflegerinnen an der Sonne sitzen und ihre alten Knochen wärmen.

Hier in Israel funktioniert das anders. Wir besuchten das Pensioniertendorf in Nordiya, wo wir zu einem Symphoniekonzert der Symphonietta Raanana eingeladen waren und wollten uns schlau machen. Auch wollte ich endlich wissen, wie so ein Dorf in Israel aussieht, was es kostet und was es bietet. Es liegt nahe dem Damenzuchthaus Neve Tirza.

Mit einem amerikanischen Retirement Village lässt es sich in keiner Weise vergleichen. Zwar sind die von uns besuchten Wohnungen sehr hübsch, aber auch klein. Die Anlage ist schön und sehr luxuriös aber Golfplätze gibt es keine und es ist nur ein einziges Schwimmbecken vorhanden. In der Grösse lässt sich natürlich nichts vergleichen. Was mich jedoch erst stutzig machte und dann verärgerte ist die Finanzierung. Man kann nicht einfach eine Wohnung kaufen, sondern man überreicht dem Heim einen festgelegten Preis als Depot. Nehmen wir ein Beispiel, das sich leicht rechnen lässt: das verlangte Depot beträgt 1'500'000 Schekel und wird nicht verzinst, ist aber an den Teuerungsindex gebunden. Jährlich nimmt das Heim 3% des Depots als Miete vom Kapital und das für zwölf Jahre. Dann ist ein Drittel des Depots weg. Zudem zahlt der Pensionär eine monatliche Servicegebühr von ca. 8'000 bis 10’000 Schekel, je nach Grösse der Wohnung, beinhaltend wöchentliche Reinigung, Wäsche, Strom, Kurse, Benützung der Anlagen und die Sicherheitsleute. Auch das ist an den Teuerungsindex gebunden.

Jahreskosten dieses Beispiels sind also rund 140'000 Schekel, d.h. monatlich fast 12'000 Schekel. Essen in der Wohnung oder im Esssaal gehört nicht dazu, Krankenversicherung, Steuern etc. auch nicht. Sollte man, Gott behüte, nach zwölf Jahren noch immer leben, behält das Heim die Zweidrittel des Depots in seiner Obhut, aber zieht keine jährliche 3% mehr ab. Dir Frage ist: was tut diese Altendorfverwaltung mit diesem riesigen Kapital von zig Millionen Schekel aller Mieter. Sie verzinst sie nicht und darf anscheinend damit tun was sie will, an der Börse damit spekulieren - was immer am profitabelsten ist. Wenn dann die Alten einmal unter der Erde sind, erhalten die Erben den restlichen Zweidrittel des Depots, immer teuerungsgebunden und wie erwähnt, völlig zinslos.

Da in Israel die USA stets als das grosse nachahmenswerte Beispiel für fast alles herhalten muss, scheint noch niemandem aufgefallen zu sein, dass die dummen Alten in Israel für diese, wenn auch luxuriöse Art zu Wohnen viel zu viel zahlen. Mit einem Bruchteil oben erwähnter Summe kann man sich eine sehr schöne Wohnung kaufen und eine live-in Haushalthilfe halten. Wird man altersschwach und ist auf Pflege angewiesen, liegt statt der Haushalthilfe auch ein Pfleger/in drin. Und wird man zum wirklichen Pflegefall muss man auch in Nordiya die schöne Wohnung aufgeben und ins angebaute Pflegeheim ziehen.

Als ich mir überlegte unter so vielen Alten zu wohnen, dachte ich, unter solchen Umständen würde ich kein Jahr überleben, freiwillig meine Freiheit und einen grossen Teil meines Kontaktes zu Aussenwelt verlieren – auch wenn man theoretisch frei ist zu tun, was man will – sogar mit eigenem Auto. Das ist das Eine.

Als Zweites finde ich die unverschämte Art, wie sich solche Luxusaltenabsteigen finanzieren, ein über den Tisch ziehen argloser Pensionäre. Und keiner sagt was.

Also nichts für mich.

Montag, 29. August 2011

Nahost à la carte



Erst ein paar dankende Worte für meine mein Tagebuch lesenden Freunde, die, wie ich hörte, sich um mich Sorgen machten. Seit gut zwanzig Tagen habe ich nichts mehr geschrieben – das passiert und sollte eigentlich kein Grund zur Besorgnis sein. Auch wenn das ausgerechnet in einer Zeit geschieht, in der in arabisch-jüdischen Gefilden viel passiert. Aber trotzdem, beruhigt euch, es geht mir recht gut. Hier bitte, Gedanken zu zwei aktuellen Themen:

Terror

Im Negev werden Menschen terrorisiert, umgebracht, Autobusse in die Luft gejagt, israelische Ehepaare aus nächster Distanz mit Wonne erschossen. Also wehrt sich Israel und bringt es fertig fünf Stunden nach den Anschlägen an der ägyptischen Grenze, an der nicht einmal ein anständiger Zaun vorhanden ist, die Haupturheber dieses Terrortages zu liquidieren. Doch statt ein der israelischen Armee spendiertes "Bravo", las ich in der Schweizer Presse Titel wie „Israel bombardiert Gaza“ als wäre dies aus Spass geschehen. Warum Israel solches tut wird bestenfalls, wenn überhaupt, am Ende solcher Artikel beiläufig erwähnt. Leider kommen bei derartigen Aktionen oft Zivilisten zu schaden, denn Terroristen fühlen sich bekanntlich unter Frauen und Kindern am wohlsten. Dazu gibt es einen politischen und taktischen Grund. Dass Unbeiteiligte bei israelischen Verteidigungsaktionen verwundet oder gar getötet werden, kratzt weder Hamas, Hisbullah oder andere Jihadisten. Denn eigene Zivilisten werden als Kanonenfutter betrachtet, das dann zur Begründung des permanenten palästinensischen Judenhasses benutzt wird. Nichts an diesem System der Verwurstung der eigenen palästinensischen und arabischen Zivilbevölkerung ist neu. Zurzeit kann jeder, der seine Augen nicht vor Tatsachen verschliesst, mitverfolgen wie in Syrien und Libyen solches in einem ungleich grösseren Rahmen täglich rund um die Uhr geschieht. So wird es bestimmt noch viele Monate weiter gehen.

UNO

Aus Gründen, die ich nicht verstehe, vermittelt die israelische Regierung den Eindruck, die rechtlich unverbindliche UNO-Abstimmung - es sei denn dieser palästinensische Alptraum (das ist er, denn dieses Palästina könnte ja nicht auf eigenen Füssen stehen und müsse auch weiterhin auf geschnorrtem Geld existieren), würde im Sicherheitsrat akzeptiert - kümmere sie nicht. Dieser Drang, einen weiteren korrupten Bettelstaat in den nahöstlichen Wüstensand zu setzen, wird von vielen Staaten der gleichen Art, wie auch von einigen politisch korrekten europäischen Ländern, die bis heute noch nicht begriffen haben, dass damit niemals Frieden in dieser Region erreicht werden wird, unterstützt.
Ich und die Mehrheit meiner Freunde stehen für die Zweistaatenlösung ein – einen arabischen (seit Arafat „palästinensischen“) Staat neben einem jüdischen – so wie es die UNO-Resolution 181 in 1947 bestimmt hatte. Hier geht es, wie bei Radio Eriwan, ums Prinzip. Nur, solange palästinensischen Absichten nicht zu trauen ist, wird es diesen Staat nicht geben. Israel ist, manchmal, lernfähig. Als es seinerzeit um den Abzug aus Gaza ging, standen sehr viele Leute, darunter auch ich, dafür ein und hofften damit ein Zeichen der Erwartung friedvollen Verhaltens zu setzen. Wir banden blaue Bänder an unsere Autos, damit unsere friedvollen Absichten demonstrierend – die Gegner fuhren mit orangefarbigen Bändern herum - mein Auto wurde teildemoliert. 

Amerikanische Juden investierten Millionen, um dem nun vom israelischen Joch befreiten Gaza soweit wie möglich wirtschaftliche Unhängigkeit zu garantieren – alles nützte nichts, der seit fast hundert Jahren anerzogene und durch nichts zu kontrollierende Judenhass liess nur zu Israel mittels Raketen zu verwüsten und die meisten der intakt zurückgelassenen Landwirtschaftsbetriebe zu zerstören. Daraus haben vernünftige Israelis lernen müssen, dass trotz schönen Phrasen in englischer Sprache des Mahmud Abbas und seiner politischen Kollegen, Israel auch den heutigen palästinensischen Politikern nicht trauen kann. Denn in arabischer Sprache sagen sie anderes, meist das Gegenteil – alles wohl dokumentiert. Wie zum Beispiel, das sie einen palästinensischen Staat in der Westbank nur als ersten Schritt zur Eroberung des restlichen „Palästinas“, also Israel, sehen. Diese Situation hat dazu beigetragen, Israel rechtsgerichtete nationalistische Regierungen zu geben, denn das Volk fürchtet sich davor, von der heutigen Warte aus gesehen mit Recht, sich palästinensischen Raketen aus der Westbank auszusetzen. Das ist der Grund, dass sich Israel über die UNO-Abstimmung nicht sehr begeistern kann, auch wenn es den Palästinensern vielleicht den eigenen Staat gönnen würde. Ich und viele meiner Schweizer Freunde hoffen, dass der Bundesrat in der UNO nicht blauäugig diesem palästinensischen Wunsch zustimmt. Nach den Erfahrungen der Schweiz mit arabischer Politik, ich denke da an Libyen, müsste Bundespräsidentin und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey über ihren eigenen Schatten springen und Rückgrat zeigen. Ob ihr die bis anhin 133 Unterzeichner der „jüdischen“ Petition der Damen Spiegel und Weil genügend Rückenwind zu tapferem Agieren geben werden, wage ich zu bezweifeln.

So, das reicht für heute. Allen einen lieben Gruss.