Samstag, 27. Oktober 2012

Jerusalemer Hypotheken 1918 und Friedrich Dürrenmatt



Ich wühlte wieder einmal in Friedrich Dürrenmatts "Zusammenhänge" (Arche 1976) und dachte etwas über seine Gedanken über Israel zu schreiben, denen das grosse kleine Buch gewidmet ist. Noch heute schätze ich diesen humorvollen und umfassend kreativen Mann, der im Zweiergespann mit dem sauertöpfischen Max Frisch die damalige Schweizer Literaturszene beherrschte. Da erinnerte ich mich vor gut zehn Jahren über Dürrenmatt geschrieben zu haben und fand untenstehenden Tagebucheintrag auf einer Sicherheitskopie. In 2003 war ich noch kein Blogger, meine Tagebuch lesenden Freunde bekamen jeden Eintrag einzeln per e-mail zugestellt. Der erste Teil meines Artikels ist die Geschichte einer von Lea betreuten alten Dame namens Sarah (i.A.), die gerade heute wieder Zustände in Erinnerung ruft, wie wir sie eigentlich gerne hätten und, ich könnte mir vorstellen, es im Ruhigen und Diskreten vielleicht noch immer gibt.

Persönlich bin ich Dürrenmatt nur einmal nahe gekommen, als er am 22. November 1990, zusammen mit Vaclav Havel in einer Bundeskarosse sitzend, mich an der Ecke Seestrasse/Bahnhofstrasse in Rüschlikon fast überfuhr. Er war auf dem Weg in Hotel Belvoir in Rüschlikon, wo er dann seine höchst umstrittene Rede "Die Schweiz - ein Gefängnis" hielt. Hätten Uris Reflexe diesen nicht mit einem Sprung vom Fussgängerstreifen zurück auf's Trottoir gerettet, hätte diese Rede, wenn überhaupt, nur mit Verspätung gehalten werden können. Das Auto und zwei weitere, also der gesamte Konvoi - mussten aus Sicherheitsgründen mit Höchstgeschwindigkeit fahren - so wurde mir etwas später erklärt. Soweit, mein Einfluss auf Dürrenmatts Karriere.

Aus Uris Tagebuch 7.1.2003

Vor fast Hundert Jahren 

Meine Lea macht für die Stadt Zichron Ya’akov Sozialarbeit und betreut eine neunzigjährige Dame namens Sarah, Amerikanerin, aber in Jerusalem geboren. Lea ging mit ihr in ein Kaffeehaus an der Mejasdim Strasse zum Zvieri und ich ging mit. Sarahs Langzeitgedächtnis ist noch voll da und sie erzählte aus der Zeit, als sie sieben Jahre alt war, das muss um 1918 gewesen sein. Ihre Eltern seien sehr arm gewesen, hatten aber Gelegenheit in Jerusalem an der Agrippas Strasse beim Machane Jehuda Markt ein kleines Haus zu bauen. Ein Charedi aus Mea Schearim offerierte ihrem Vater, so erzählte sie, eine Hypothek für ein Jahr zu 18% offiziellem Zins plus nochmals 24% Zins „unter dem Tisch“, wie sie sich ausdrückte. Sarah erklärte nicht, warum ihr Vater auf diese Bedingungen einging, doch nachdem das Jahr um war bestand der Charedi auf die volle Rückzahlung mit dem ganzen Zins, was der Vater nicht konnte. Die Familie habe geweint und der fromme Geldverleiher schlug vor, der Vater solle seine Tochter auf die Strasse betteln schicken. Doch dann sei ein Wunder geschehen. Zwei Tage später habe es an der Türe geklopft. Es sei ein Araber aus Bethlehem gewesen, mit Namen Habib Salem. Er habe gehört, sagte er, die Familie sei in Not und brauche eine Hypothek. Er wolle helfen und offerierte eine Hypothek für fünf Jahre zu minimalem Zins. Der Vater habe dieses Darlehen pünktlich zurückbezahlt und das Haus steht noch heute – im heutigen Herzen der Stadt Jerusalem, Agrippas nahe der King George. Solche Initiative  arabischer Menschen findet man bis heute, doch hört man dieser Tage eher von Lösungen medizinischer Probleme wie Implantationen. Da funktioniert es in beide Richtungen: arabische Nieren werden Juden eingepflanzt, jüdische Lebern gehen in arabische Bäuche. Und immer mit vollem Einverständnis, ja auf Initiative der Spenderfamilie und im Bewusstsein mit einer solchen lebensrettenden Massnahme eine politische Aussage gemacht zu haben. 

Dürrenmatt und Israel
In meiner Büchersammlung bin ich auf ein schon vergessenes Buch gestossen: Friedrich Dürrenmatt’s „Zusammenhänge“, Essay über Israel. Eine Konzeption, herausgekommen 1976 beim Arche Verlag in Zürich. Es ist in den heutigen Tagen wieder hochaktuell, Dürrenmatt schrieb über Tatbestände und Beobachtungen, die genau so gut in die gegenwärtige Zeit passen würden. Er war damals Staatsgast Israel’s und hatte viele Reden zu halten. Er beschrieb, wie er mitten in der Nacht die Vorrede zur noch in der Schweiz geschriebenen Hauptrede für den nächsten Tag umschrieb, um dann herauszufinden, dass sich die Situation schon wieder geändert hatte und er mit der neuesten Fassung dieser Vorrede zur eigentlichen Rede, der Zeit hinterherlief. Hier ein paar Kostproben aus diesem kostbaren Buch:

Über das Wort Schalom (Friede): „In Wirklichkeit wird jedoch schon das Wort Friede so oft ausgesprochen, dass es beinahe einer Kriegserklärung gleichkommt.“

Über Ideologie: „So klar zuerst der Unterschied zwischen Existentiellem und Ideologischem schien, so widersprüchlich ist er jetzt geworden.“ (Das sollten sich die ideologischen Israel- und Judenkritiker hinter die Ohren schreiben)

Über die Notwendigkeit eines jüdischen Staates: „Gesetzt, ich unternähme es, einem Russen, einem Franzosen, einem Schweizer usw. gegenüber von der Notwendigkeit ihres Staates zu reden, würden sie, so angesprochen, mich verständnislos anglotzen. Ihre Staaten brauchen keine Bestätigung ihrer Notwendigkeit......... Die  Lage des Staates Israel: Er ist zwar, aber er scheint vielen nicht notwendig zu sein, je mehr und mehr störend, man wäre froh, wenn er nicht wäre, auch jene wären glücklich über seine Nichtexistenz, die seine Existenz bejahen“. (beim Letzteren fallen mir Schweizer Juden ein).

Über das jüdische Volk und den jüdischen Staat: „Das jüdische Volk überlebte allein durch die Permanenz seiner Kultur während fast dreitausend Jahren. Seine Staatsgründungen waren Episoden, seine bleibende Konstante war nicht der Staat, sondern das Volk.“ (Das wird einigen Zionisten nicht gefallen).

Christen und Juden: „Als Christ zu Juden sprechen und als Jude einem Christen zuhören zu müssen, geht nicht ohne Verlegenheit ab, nicht etwa weil Sie Juden sind, sondern weil ich Christ bin; wobei die Verlegenheit dadurch entsteht, dass ich zwar ein schlechter Christ sein kann oder keiner, ein Kommunist oder Atheist, Sie aber Jude bleiben müssen, auch wenn Sie Kommunist oder Atheist sind. Sie können bestenfalls ganz schlechte Juden sein, Zionisten, und dann sind Sie erst recht gute Juden. Doch diese Absurdität, derzufolge ich mich einem Zustand der Freiheit befinden soll, nicht das sein zu müssen, was ich bin, während Sie in einem Zustand der Unfreiheit zu verharren haben, das zu sein, was Sie sind ....“
Heute: „Das jüdische Drama ist nicht zu Ende, es beginnt von neuem. War vorher das Volk zu retten, ist nun die Rettung zu retten“.

Religion: „Der Jude und der Christ stehen immer in Unrecht Gott gegenüber, das verbindet sie, der Muslim und der Kommunist handeln mit Recht, gemäss Allahs Willen der eine, gemäss dem immanenten Gesetz der Gesellschaft der andere“. (Das waren noch Zeiten, Kommunismus war eine religiöse Macht).

Europa: „Die Schwierigkeit, heute in Europa für Israel Stellung zu beziehen, und die Isolation, in die dieser Staat geraten ist, hat verschiedene Gründe. Schämte man sich nach dem Zweiten Weltkrieg, Antisemit zu sein, wurde man mit Stolz nach dem Sechstagekrieg Philosemit, wagt man nun erleichtert nach dem Jom-Kippur-Krieg, Antizionist zu werden. Kein Mensch ist heute mehr Antisemit, man versteht nur die Araber. Der Siegesrausch der Araber vor dem Sechs-Tagekrieg ist vergessen, vergessen die Sperrung des Golfs von Akaba durch Nasser, vergessen die Prahlereien Arafats, vergessen, dass jedermann den Angriff der Araber vermutete, vergessen der gewaltige Aufmarsch der ägyptischen, jordanischen und syrischen Truppen, ................... Vergessen das alles, die Juden hätten die Araber nur nicht ernst nehmen sollen, es war alles gar nicht so gemeint gewesen“. (Das trifft auf heute genauso zu, wie in den Siebzigerjahren).

Missbrauch der Sprache: „Man soll nicht den Namen Gottes missbrauchen, man soll nicht den Namen des Volkes missbrauchen, man soll keinen Namen missbrauche, man soll die Sprache nicht missbrauchen“.

Gott und die Theologen: „Der Fehler der Theologen ist oft, dass sie zuviel reden. Gott liegt gänzlich ausserhalb jeder Rede ................“

Palästinenser: „Ohne Israel wären die Palästinenser Jordanier und Ägypter geblieben, sie sind nur dank Israel Palästinenser.“

Israel und seine Freunde: „Daran muss sich die Politik des Staates Israel halten, was immer für Opfer auf ihn zukommen: dass seine Notwendigkeit immer glaubhafter dadurch werde, dass sie als eine gerechte Sache erscheine. Daran haben wir zu arbeiten, Ihr, die Ihr in diesem Staat lebt, und wir, die wir Eure Freunde sind.“ (Vielleicht ist das der Massstab, an dem Israels Freunde zu messen sind).

Zum Abschluss: „Was uns für dieses Land streiten lässt, ist nicht seine Notwendigkeit, die sich mit jeder Dialektik (die in Wahrheit Sophistik ist) begründen lässt, sondern die Kühnheit seiner Konzeption: In ihr wird die Kühnheit des Menschseins sichtbar. Israel ist damit ein Experiment unserer Zeit, eine ihrer gefährlichsten Belastungsproben. Nicht nur die Juden, auch die Araber werden mit diesem Experiment getestet, mehr noch, wir alle.“ 

Das waren ein paar aus dem Buch gezerrte Zitate – im Zusammenhang gelesen, wären sie noch interessanter, als es sich hier liest. Wohlgemerkt, diese Zeilen stammen aus 1976. Als wäre es heute. Friedrich Dürrenmatt war ein gewaltiger Schreiber und Maler. Er fehlt.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Aktuelles




Über kaum etwas anderes wird so viel getäuscht, verfälscht und gelogen wie über Israel generell und über sein Verhältnis zu seinen arabischen Bürgern und den Palästinensern in der besetzten Westbank. Es ist schwierig geworden, diese von
den Medien dem meist völlig unwissenden Leser durch unseriöse Berichterstattung eingedrillte Sicht zu korrigieren. Nicht dass Israel ein Unschuldsengel ist, ebensowenig wie
die palästinensische und islamische Welt ausschliesslich aus Terroristen, bigotten Scheichs, Imamen und hysterischen Massen besteht, die lynchen wollen. Doch über das Ganze gesehen werden durch journalistische Ignoranz (eigentlich
ein Oxymoron erster Güte, doch leider wahr), verbunden mit der Tendenz jedem zu glauben, der sich als Opfer darstellt oder aus ideologischer Böswilligkeit Tatsachen auf den Kopf stellt.

Die Situation des Nahen Osten ist für die meisten zu einem Glaubensartikel geworden, losgelöst von Fakten. Was bleibt sind leere Behauptungen für den Gläubigen, festgemauerte Dogmen. Deshalb finde ich es heute fast schon müssig mit ausländischen „Israelkritikern“ zu diskutieren, ihnen Hintergründe und Kontext erklären zu wollen. Sie wissen schon alles und das selbstverständlich besser. Ein
Hodgepodge falscher Informationen und lieb gewonnener Vorurteile, zum Teil aus Grossvaters Zeiten.

Ein traditionelles Beispiel: gerade heute sind über siebzig Raketen aus Gaza auf israelische Städte geflogen und haben viel Schaden angerichtet. Es gab Verletzte. Auf dem Nachrichtenfilm ist genau zu sehen, wie Raketen aus eng bewohntem Gebiet Richtung Israel fliegen. Ein wirklich unheimliches Bild, im nächtlich schwarzen Himmel diese Flugkörper mit brennendem Schweif, ihre tödliche Last nach Israel fliegen zu sehen, wie es die Fernsehnachrichten zu Nachtzeiten sendeten. Neun davon seien abgeschossen worden. Nur auf Grund der Tatsache,
dass in Israel gesetzlich jedes Haus und jeder Ort einen Luftschutzraum besitzen muss, gab es keine Todesopfer. Ich nehme an Israel wird heute Nacht reagieren, es wird Opfer geben, so wie von den Terrorbrüdern der Hamas geplant.
Dort wird es auch Tote geben, Märtyrer also, palästinensische Zivilisten, die verheizt werden, um dadurch tolle Schlagzeilen in der internationalen Presse zu produzieren, in denen suggeriert wird, Israel habe wieder einmal grundlos die
armen Gazaner angegriffen.

Die über dreihundert Millionen Araber der Welt werden als Opfer dargestellt, die von den sechs Millionen Juden Israels terminal bedroht werden. Warum hasst die arabisch-muslimische Welt mit Inbrunst Israel und alle Juden, eine Tatsache, die täglich erneut in arabischen und muslimischen Medien vermittelt wird. Diese arabische Opferpsychose ist ansteckend - grosse Teile der der eigentlich zivilisierten Weltbevölkerung (vor allem westliche Industrieländer)
scheint das heute zu glauben. Besonders in Europa scheinen wesentliche Teile der Bevölkerung einen starken Nachholbedarf für Judenhass zu haben, dem sie heute
wieder frönen können, nach dem er Jahrzehnte als Tabu unterdrückt worden ist. Durch das nur einige Jahrzehnte
alte Palästinensertum, den durch den Anspruch auf
Jerusalem erweiterte Islam und den nach Europa
importierten Islamismus, ist er heute wieder freigesetzt
und blüht.

Israel, so heisst es, hat heute weltweit eine schlechte
Presse. Lassen wir die Zeit vor der israelischen S
taatsgründung zur Seite. Seit dieser, wenn nicht gerade richtiger Krieg herrscht, wird Israel von arabischem Terror heimgesucht. Was viele nicht wissen wollen, ist, dass arabischer Terror gegen Juden schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhundert zum täglichen Brot der Juden im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina gehörte. Nur
bis in die siebziger Jahre hiessen die Terroristen erstens Fedajin und dann Araber. Nie Palästinenser. Nachher hiessen sie „Befreiungskämpfer“ und wurden zu Palästinensern. Beiden war und ist gemeinsam, gerne Juden zu töten, mit Vorliebe wehrlose. Nichts hat sich daran geändert, ausser eben die Sicht darauf von Aussenstehenden. Bis zum Sechstagekrieg 1967 waren Israelis Helden, die sich erfolgreich verteidigten und, als wäre das ganze Land ein Kibbuz gewesen, als würde Israel die moderne
humanistische Zivilisation des Abendlandes verteidigen
(was es auch tat) und es wurde dafür geliebt, gelobt und verstanden. Im 1967er Krieg eroberte es Feindesland, aus
dem es angegriffen worden war. Das nimmt man ihm bis
heute übel, denn viele dieser Israelkritiker wollen nicht verstehen, dass dieser unverschämte Staat der Juden nicht Selbstmord begehen will um den globalen Ölpreis niedrig zu halten und den palästinensischen Terror zu belohnen. Tote Juden werden heiss geliebt, denn sie wehren sich nicht.
Heute sind Palästinenser – israelische Araber ausgenommen – Opfer ihrer eigenen Machenschaften und sie werden nun
dafür geliebt, gelobt und verstanden. Die bisherige Welt ist auf den Kopf gestellt – obwohl sich, um zu wiederholen,
wenig geändert hat. Nur eines vielleicht: Israel besitzt sein einiger Zeit ein rechtsradikale Regierung. Dazu meine ich Nethanyahus Kindergarten, in dem zum grossen Leidwesen vieler Israelis und Juden, rechtsextremistische Rechtsextremisten und ultraorthodoxe religiöse Fanatiker einen Grossteil israelischer Politik bestimmen. Sie erlassen anti-demokratische, gar rassistische Gesetze, die teilweise, wie ähnliche Gesetzesvorhaben der SVP in der Schweiz, internationalen Menschenrechtsgesetzen widersprechen. Da die systematische Friedensverweigerung Arafats und seines Nachfolgers Mahud Abbas, sowie derer Terrorpolitik haben viele Israelis verbittert hat und diese ihr Wahlverhalten entsprechend geändert haben, kann ohne einen
unschuldigen Sündenbock zu brauchen, behauptet werden, dass die unnachgibige palästinensische Politik jeglichem Verhandlungsabschluss aus dem Weg zu gehen, der Hauptverursacher dafür ist. Weder Ehud Barak, Ehud
Olmert noch Arik Sharon (Bill Clinton gehörte auch dazu) hatten verstanden, dass die palästinensische Führung nur
ein Ziel akzeptieren kann: ganz Palästina, möglichst ohne Juden. Das ist der Grund, dass ein Kompromiss für sie unakzeptabel ist und alle bisherigen Verhandlung von Beginn an zum Misserfolg verdammt waren. Zweitens, ich halte mich hier an Meron Benvenistis Worte, die israelische Gesellschaft hat sich verändert, sogenannte „weisse“ Israelis mit humanistischer Bildung gibt es immer weniger, das demographische Gewicht hat sich zu Gunsten orientalischer Juden verändert unter denen es weit weniger friedensbereite Menschen gibt. Denn sie behaupten die arabische Mentalität besser zu kennen, als wir, hätten sie doch seit Jahrhunderten in arabischen Ländern gelebt. Auch das beeinflusst das Wahlverhalten der Bürger und bringt nationalistische, demokratiefeindliche Kräfte an die Macht, säkulare und religiöse.

Auch zur Zeit sozialdemokratischener Regierungen der Gründerväter (vor Menachem Begin als Ministerpräsident)
gab es israelische Nationalisten. Sie waren aber nicht an der Regierungsmacht und hatten wenig Einfluss auf die Politik. Hier eine ausgezeichnete Definition des Nationalismus:

Übersteigertes Bewusstsein vom Wert und der Bedeutung
der eigenen Nation. Im Gegensatz zum
Nationalbewusstsein und zum Patriotismus (Vaterlandsliebe) glorifiziert der Nationalismus die eigene Nation und
setzt andere Nationen herab. Zugleich wird
ein Sendungsbewusstsein entwickelt, möglichst die ganze
Welt nach den eigenen Vorstellungen zu formen.
(Quelle: Thurich, Eckart: pocket politik. Demokratie
in Deutschland. Überarb. Neuaufl. Bonn: Bundeszentrale
für politische Bildung 2011)

Ben Gurion und seine Gründerkollegen erkannten die Gefahr des übersteigerten Nationalismus, ganz im Gegensatz zu heutigen israelischen Regierungsriegen aus der rechten und rechtsextremistischen Parteilandschaft, die das Land dem Rechtsextremismus der Siedler und der Ultraorthodoxie verkauft hat.

Es gab arabischen (heute palästinenischen) Terror unter
den sozialdemokratischen Regierung von Ben Gurion, Eshkol, Golda Meir, Peres und Rabin. Es gab ihn auch unter Begin, Shamir, Barak, Scharon und Nethanyahu. Immer hat sich
Israel gewehrt, nur mit der Differenz, dass heute die Israelis die bösen sind – denn noch immer wehren sie sich. Zwar gibt es den kleinen Unterschied, dass heute Israel die palästinensische Westbank besetzt hält und besiedelt. Das mag auch ich nicht, aus Gründen jüdischer Ethik und israelischer Politik, im Sinne der Prophezeiung von
Yeshayahu Leibowitz s.A. Doch es sei einmal gesagt: das hat mit palästinensischer Judenfeindschaft kaum etwas zu tun,
es würzt sie bestenfalls ein wenig. Palästinensischer Hass auf Israel braucht keinen Grund. Zwar wird die sogenannte
Nakba vorgeschoben, da die arabische Welt den Begriff  „Eigenverantwortung“ nicht kennt.

Vor einigen Tagen schrieb ich einem Freund folgende Zeilen:

"Meinungsfreiheit über alles ist grossartig, doch die gilt
auch für uns, die Angegriffenen. Wir müssen uns in der Oeffentlichkeit vermehrt Gehör verschaffen und nicht
feige verkriechen. Die Tageszeitungen scheinen Kommentare von Kritikern von Israelkritikern ungern zu veröffentlich. Lieber den bedenklich verlogenen, vor Hass strotzenden
Mist antisemitischer Ignoranten. Noch nie war der Judenhass in den antiisraelischen Kommentaren so klar und so extrem. Sie spiegeln neben Judenhass auch Ignoranz in allem was im Nahen und Mittleren Osten vorgeht, um den Islam und die Palästinenser wider. Doch inzwischen bin ich überzeugt,
dass Broder recht hat: Israelkritik ist immer Judenhass, nur anders und moderner verpackt. Traurig ist, dass die meisten Medien diesem Vorschub leisten. Dass alles hat mit Nethanyahus Politik nicht das geringste zu tun - in der Vergangenheit funktionierte Judenhass ebensoschön: bei Rabin und Oslo, bei Barak und Camp David, bei Olmert, der Abbas praktisch alles anbot - immer wurde verdreht und gelogen - so wie heute. Nicht aus Naivität, sondern aus bewusster Bösartigkeit. Uri"

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Zweimal zum selben Thema


 
Für Israel an der Bahnhofstrasse Zürich

Eine Freundin, Schweizer Israel-Aktivistin vom Scheitel bis zur Sohle, war wieder am Israel-Stand, den ich am 2. Mai 2012 in diesem Tagebuch beschrieben hatte. Da mein mässigender Einfluss auf Schweizer Judenhasser fehlte, hatte sie zum wiederholten Mal ein Aha-Erlebnis, das einmal mehr demonstriert, wie bewusst dumm und ignorant sein wollend, diese Judenhasser sind. Könnte es sein, dass Dummheit Hass erzeugt? Der Ausdruck „Scheiss-Juden“ und zahllose andere „Komplimente“ dieser Art waren schon in der Nazizeit sehr populär und haben überlebt. Ob diese Zeiten zurückkehren – diesmal mit Allahs Hilfe? Kaum, denn im Unterschied zu jenen Jahren, haben wir Juden (und dessen heute angewendetes Synonym „Israelis“) heute auch in der Schweiz Freunde, die sich für Israel stark machen und weit dies weit energischer, mutiger und undiskreter, ja vor allem „politisch unkorrekter“ tun, als viele unserer eigenen Stammesgenossen (diskrete Ausnahmen mag es geben). Hier bitte das angekündigte Briefli unserer Israelfreundin, die unbenannt bleiben will.

Hallo Uri

Wieder mal was von mir, bevor mein PC endgültig aussteigt. Heute war ich wieder am Stand in Zürich. Wie immer während der Arbeitszeit, flanieren mehr Araber und Afrikaner durch die Bahnhofstrasse, als Schweizer.
 
Zwei junge Muslime riefen uns "Scheiss-Juden" zu.

Den Vogel hat aber der junge Araber, der nach eigenen Angaben an einem Schalter der Zürcher Stadtverwaltung arbeitet, abgeschossen: Schuld an den weltweiten Ausschreitungen sind nach seiner Überzeugung natürlich die Juden. Als ich ungläubig nachgefragt habe, weil ich ausschliessen wollte, dass ich was falsch verstanden hatte, hat er nochmals ausführlich bekräftigt, dass hinter diesen Protesten die Juden steckten, die Demonstranten seien gar keine Muslime, das seien Juden, welche den Islam schlecht machen wollten. Und solche Leute arbeiten nun schon auf unseren Verwaltungen. Reiner Wahnsinn.

Liebe Grüsse, auch an Lea

 
Respekt? Mohammed aus Amerika

Aus eigener Erfahrung weiss ich wie wichtig Respekt im zwischenmenschlichen Umgang in der arabischen Gesellschaft ist. Respekt für die Alten, von dem wir uns ein Stück abschneiden könnten. Respekt für sich selbst, den sich viele junge arabische Frauen vom zukünftigen Ehemann wünschen, Respekt für ihre eigene Religion – auch wenn meist übertrieben und nur für eben die eigene - und einiges mehr.

Eine weitere Art des Respektes ist jedoch in der heutigen muslimischen Welt völlig abwesend. Der Respekt vor anderen Religionen. In Saudi Arabien gibt es keine christliche Kirchen, Bibeln (Altes und Neues Testament) darf nicht importiert werden, auch private Gottesdienste sind verboten. Aus Respekt für andere Religionen wurden in Afghanistan zwei riesige uralte Buddhastatuen zerstört. Die buddhistische Welt, vornehm und höflich wie sie ist, war verletzt, doch es gab weder blutige noch unblutige Demonstrationen.

In Pakistan und Bangladesh werden Christen verfolgt und wegen Apostasie zum Tode verurteilt. In Nigeria werden Christen verfolgt, getötet und Kirchen verbrannt. In Gaza werden Christen umgebracht, Kirchen und Bibeln zerstört. Im Iran werden religiöse Minderheiten seit 1979, der Machtübernahme durch Khomeinis Islamisten, verfolgt. In Aegypten werden Kopten zu Dutzenden gelyncht, aber kein Hahn kräht danach.

Respekt für andere Religionen ist in der islamischen Welt sind kaum zu finden. Gerade deshalb ist die unerhörte Frechheit der enorm gewalttätigen "Demonstrationen" gegen den Mohammed-Film aus Amerika Proteste unglaubwürdig, unabhängig von der Qualität dieses Films. Auch wenn nun berichtet wird, es seien jeweils nur einige wenige Tausend Demonstranten gewesen – die Tatsache, dass die betroffenen Regierungen diese nicht verurteilten und dagegen nicht wirklich etwas unternahmen, macht sie und vielleicht die Bevölkerung als Ganzes mitschuldig. Die antiamerikanischen Demonstranten und Brandstifter traten in Aktion, weil ihnen gesagt worden war, in Amerika sein ein antiislamischer Film produziert worden. Gesehen hat ihn kaum einer von ihnen. 

Unsere eigenen Werte, also die Werte einer freien Gesellschaft, sind diametral verschieden zu den Werten authoritärer, je totalitärer islamischer Gesellschaften, dass sich diese Auseinandersetzung zu einem Zusammenstoss zwischen kulturellen und menschlichen Werten entwickelt hat. Den Werten der Freiheit und Toleranz gegenüber den Werten von Ignoranz, Gewalt statt Dialog und kultureller Beschränktheit. Solange sich das nicht ändert, bleibt die Krise zwischen kultureller Aufgeschlossenheit und gegenseitiger Toleranz gegenüber mittelalterlichem Sektierertum und Hass gegenüber dem Anderen ungelöst.  

In einer kürzlichen Ausgabe der deutschen Zeitung „Die Welt“ fand ich folgenden Abschnitt, der das zusammenfasst: 

„Die islamische Welt fühlt sich entmündigt und erniedrigt: Das arabische Unglück, die arabische Frustration und die allgemeine Hoffnungslosigkeit – an allem soll Amerika, an allem soll der Westen schuld sei.“. 

Na ja. Ein Kompliment für die heutige arabische Kultur ist das nicht. Wieder die arabische Sündenbocktheorie, als Ablenkung vom allgemeinen Versagen arabischer Gesellschaft und Politik in praktisch allen Bereichen. Ideen der Selbsthilfe und des Selbsttuns werden nicht erwogen, sondern bewusst ausgeklammert. Es ist einfacher nie Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und stets Sündenböcke in griffnähe zu haben.

Montag, 17. September 2012

Zum Teufel mit der Politik - mal was anderes

 
 
  
Immer über Mittelost-Politik, Nethanyahus, die Superfrommen, Westbanksiedler und andere Nationalisten, aber auch  zu schreiben macht müde. Es kotzt einem sogar öfters als nicht schlicht an und macht die Notwendigkeit eines Ausgleichs dringender als je. Davon habe ich zwei: Jazz und Blues sowie Fotografie. 
 
Deshalb entschloss ich mich nach einigen Stunden entspannendem Blues und Jazz der rassigen Dee Dee Bridgewater's und ihrer wunderschönen Tochter China Moses etwas davon in meinem Tagebuch weiterzugeben. Als ich vor einigen Monaten einmal etwas über Blues und New Orleans schrieb, erhielt ich Kommentare, die mich ausserordentlich freuten - es gibt unter meinen Lesern zahlreiche Fans meiner Musik.
 
Habt Spass, Euer Uri
 
Uebrigens, der letzte Song, "Strange Fruit" (seltsame Früchte) ist nun halt doch sehr politisch. Die besungenen seltsamen Früchte sind von amerikanischen weissen Rassisten gelynchte und auf Bäume gehängten Schwarze - dieses Lied ist ein Klassiger aus jener Zeit, berühmt geworden durch die grösse aller Blues und Jazz Sängerinnen, Billie Holiday. Hier die Worte (Lyrics) dazu:
 
Billie Holiday Strange Fruit Lyrics
 
Southern trees bear a strange fruit,
Blood on the leaves and blood at the root,
Black bodies swinging in the southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees.

Pastoral scene of the gallant south,
The bulging eyes and the twisted mouth,
Scent of magnolias, sweet and fresh,
Then the sudden smell of burning flesh.

Here is fruit for the crows to pluck,
For the rain to gather, for the wind to suck,
For the sun to rot, for the trees to drop,
Here is a strange and bitter crop.
 
 
Dee Dee Bridgewater and her daughter China Moses in Paris
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Samstag, 15. September 2012

Es geht um Werte - sonst nichts!

 

 
Ich verstehe wieder einmal nicht, warum sich westliche Politiker nach dem heute gerade in muslimischen Ländern und Kreisen gewalttätig angeklagten, aber von der Mehrheit bestimmt nicht gesehenen Film über den Propheten Mohammed erst einmal für den Film entschuldigen und beteuern, er sei dumm, geschmacklos und offensiv sei. Das stimmt zwar, ist aber völlig unwesentlich. Genau so unwesentlich, wie die Tatsache, dass der Produzent dieser „Komödie“ ein Kopte, also ägyptischer Christ ist. Statt, wie vorgesehen, Jude oder gar Israeli.  
 

Wesentlich darf für uns demokratische Westler nur eins sein: sind die Werte des heutigen Islams, der sich so gewalttätig gegen die vermeintliche Blasphemie dieses Films aufbäumt, mit unseren eigenen Werten zu vereinbaren oder nicht. Sie sind es nicht. Die hier für die ganze Welt sichtbaren „Werte“ des in Libyen, Aegypten und vielen anderen muslimischen Staaten (aber auch in Europa) repräsentierten Islams religiös-ignoranter Mobs, die im Namen Gottes morden, lynchen und brandschatzen, sind nicht unsere Werte, sie sind deren Gegenteil. Jede Ausrede wird von ihren Führern benutzt, ihre hysterischen und brutalen Massen zu aktivieren, sei es heute dieser idiotische Film über Mohammed, früher die brillianten Zeichnungen aus Dänemark oder einige Worte des Papstes in Osteuropa. Es ärgert mich, mit welcher Feigheit westliche Politiker, statt sich damit, also den so extrem unterschiedlichen Werten zu befassen, sogar Verständnis für den göttlichen Zorn dieser gottesfürchtigen Demonstranten zeigen. Vor Jahrhunderten fanden in Europa religiösen Verfolgungen von Juden und Christen, letztere je nach deren spezifischen Glaubensrichtigung, statt. Juden wurden verbrannt, Christen auch. Religionskriege fanden statt, Millionen kamen ums Leben, im Namen des lieben Gottes. Heute befindet sich, so scheint mir, die muslimische und besonders die arabische Welt in eben dieser Periode ihrer Entwicklung, sie haben einige hundert Jahre Nachholbedarf in Sachen Werten, Kultur und allem was dazu gehört. 

Diese islamistischen Werte sind nicht unsere Werte. Ist der Westen zu weich und furchtsam geworden, dies offen zu sagen und von der Welt zu verlangen, eben unsere Werte zu respektieren. Respekt ist keine Einbahnstrasse, auch wenn Islamisten so denken. Hier geht es um die Meinungsfreiheit des erwachsenen Bürgers. Das ist ein Begriff, der in der Welt des Islams ganz offensichtlich weder verstanden noch respektiert wird. Es ist diesen randalierenden und mordenden Fanatikern unverständlich, dass Produkte öffentlich zugänglicher Kultur, wie Filme, Bücher, Kunst, die Medien ohne Aufsicht der Regierung oder Kleriker funktionieren können und dürfen. Da Verschwörungstheorien seit jeher in der arabischen Welt blühen, wird nicht verstanden und daher nicht akzeptiert, dass ein Film, wie der hier besprochene, ohne offizielle Bewilligung, ja Unterstützung erstellt werden kann. Dass da keine politischen Absichten Obamas dahinter stehen. Irgend eine üble Macht, so gemäss diesem Denkschema, muss dahinter stecken. Das wird in einer Kultur der Tyrannei, der Dikatoren, der extrem unfreien Gesellschaft und der extremen Obrigkeitshörigkeit schlicht nicht anders verstanden.  

Mag sein, dass in diesen äusserst gewalttätigen und mörderischen Anti-Film-Demos „nur“ jeweils einige zehntausend muslimische Hysteriker teilgenommen haben und wohl noch weiter teilnehmen werden. Es ist mir auch klar, dass diese Demos gesteuert werden, denn woher sollen diese Demonstranten auch wissen, dass etwas „anti-islamisches“ in einem fernen Land geschehen sei. Sogar wenn dieser Film by YouTube zu sehen ist. Relativ
zu den 1,53 Milliarden Muslimen der heutigen Welt (Wikipedia, 2009) ist das vielleicht ein Tropfen auf den heissen Stein. Das gilt sogar für die Tahrir-Demonstrationen in Kairo. Es darf nicht übersehen werden, dass alle
totalitären Bewegungen klein angefangen haben. Denken wir an die bescheidenen Naziversammlungen im Münchner Hofbräuhaus oder die kommunistische Partei im alten Russland des Zaren. Glauben wir den Medien, ist der islamistische Hass auf den Westen, Amerika und Israel allumfassend. Genau so wird er auch von westlichen Menschen empfunden. Es sei denn, sie wären ideologisch umgepolt worden. 
 

Hinzuzufügen ist, dass in der arabischen Welt kaum Leute zu finden sind, die sich trauen offen für eine freie Gesellschaft mit allem was das bedeutet, einzustehen. In Israel kenne ich den Sari Nusseibeh und wundere mich, dass er noch immer lebt. Der moderne und politisch bewusste arabische Mensch in einem arabischen Land führt sein Leben auf einen Drahtseil. Er passt auf, dass er weder links noch rechts abrutscht und sich das Genick bricht. Denn diese mutigen Menschen werden von ihren eigenen Extremisten physisch bedroht. Ich kenne einige von ihnen in Israel. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass in der Westbank und in Gaza diese Situation um ein vielfaches ausgeprägter ist als in Israel selbst. Das ist der Hauptgrund, dass man kaum offen versöhnliche Araber findet, denn auch wenn diese wollten, brächten sie aus vorgenannten Gründen den Mut dazu kaum auf.

Zusammengefasst: die zivilisierte Welt muss sich endlich zusammenreissen und dem Islamismus den Tarif durchgeben. Nicht, dass wir sie ändern können, das ist wohl zu viel verlangt. Doch die Staaten der „erleuchteten Welt“ können es sich nicht leisten, sich weiterhin unter den islamistischen Zug zu werfen. Denn, wie gesagt, sie könnten von der arabischen Welt lernen, Respekt für eigene Werte zu verlangen, auch wenn diese nicht die unseren sind. Nur eben, möglichst ohne die Methoden derer arabischen Welt.

Sonntag, 9. September 2012

Ein musikalisches und swingendes Rosh Hashana








שנה טובה


A Happy New Year - Shana Tova

Ein glückliches Neues Jahr


Laura Lea & Uri Russak

Mittwoch, 5. September 2012

Die Schande


 
Ich habe eine etwas besondere Beziehung zum Trappistenkloster in Latrun. 1967, im Sechstagekrieg, war ich der erste israelische Soldat, der diesen Ort betrat. Ich sprach Deutsch mit den Mönchen und sie offerierten mir ein Gläschen Wein.

Inzwischen habe ich das Kloster einige Male besucht, es ist sehr hübsch, man könnte sich in Zentraleuropa fühlen. Die meisten Mönche sprechen heute Hebräisch. Als Trappisten sprechen sie unter sich wohl sehr wenig, aber mit uns Besuchern sind sie nicht schüchtern. Allerdings scheinen heute mehr und mehr externe arabische Mitarbeiter die Geschäfte im Weinladen zu führen und mit den Besucher in Kontakt zu kommen, was die Attraktivität als christliches Kloster ein wenig reduziert, auch wenn diese arabischen Christen nicht weniger nett sind als die Brüder. Zwar bin ich nicht sicher, doch scheint es, dass das inzwischen zu einem Touristenziel gewordene Kloster, seine frühere romantische Zurückgezogenheit etwas verloren hat. 

 
Gestern haben jüdische Vandalen das Kloster angegriffen. Sie setzten Feuer an die antike hölzerne Eingangstüre und Fenster und verschmierten Wände, auf die sie sprayten „Jesus ist ein Affe“, ganz im Stile islamistischer Beschimpfungen, in denen Juden „Söhne von Affen und Schweinen“ genannt werden. Ein unverständlicher Text im Zusammenhang mit der israelischen Siedlungspolitik beweist, dass die Täter in der extremistischen Siedlerjugend, die das Wort „Preis Etikette“ (Price Tag) als ihren Kampfschrei benutzen. Als Preis für palästinensischen Terror. Nur eben haben christliche Klöster mit dem primitiven Niveau juden- und christenhassender Islamisten und europäischer Nazis und israelkritischer Linksextremisten bewegt, gar nichts zu tun, ganz besonders nicht, wenn es sich um ein Kloster mit europäischen Mönchen, wie Latrun, handelt. Es ist zu hoffen, dass sich im heutigen Israel, das zu einem Zufluchtshafen für verfolgte Christen aus der muslimischen Welt geworden ist, sich nicht eine Parallelbewegung zu religiösem Hass auf nichtjüdisches entwickelt. Ansätze dazu scheint es offenbar schon zu geben, wenn auch nur unter einer kleinen aber aktivistischen Minderheit. Noch ist es möglich, diesen Trend zu unterbrechen, doch muss dazu der politische Wille der Regierung vorhanden sein. Ist er das?

Zusätzlich klickte der antiisraelische Reflex politischer palästinensischer Kreise sofort ein, in dem durch christlich-palästinensische Offizielle der Kirchen sofort auf den allgemein in Israel herrschenden Christenhass hinwiesen wurde, eine bewusste und üble Lüge, die von den heutigen Christenverfolgungen in der muslimischen Welt ablenken soll.

In den letzten Tagen warfen, mit Teilerfolg, zwei zwölfeinhalbjährige Buben aus orthodoxen Siedlerkreisen Molotowcocktails auf ein Privatauto in dem eine sechsköpfige palästinensische Familie fuhr. Diese wurden zum Teil schwer verletzt. Gleich gelagert ist der ein paar Tage früher stattgefundene Versuch einer Bande jüdischer Teenager in Jerusalem drei Palästinenser zu lynchen. Woher kommt das heute wachsende Phänomen einer Art, sagen wir mal, jüdischer Hitlerjugend, die alles hasst, das nicht jüdisch ist und im Anderen ausschliesslich und gedankenlos Amalek sieht? Ist das zionistische Projekt mit seiner humanistischen Grundlage gescheitert, gekapert von irrwitzig Ewiggestrigen, die angeleitet von kriminellen Rabbis, genau das Gegenteil tun, was uns echten Zionisten bisher vorgeschwebt hat und gelungen ist? 

Es ist zu hoffen, dass die Regierung ganz allgemein und nicht nur im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Kloster Latrun, endlich einmal gegen Terroristen aus jüdischen Reihen durchgreift und sie nicht mit Seidenhandschuhen behandelt und gar implizit unterstützt. Es darf kein Unterschied zwischen muslimischen und jüdischen Verbrechern dieser Art gemacht werden – alle verdienen die selbe polizeiliche Anstrengung und selbe strenge gerichtliche Bestrafung. Das schulden wir den Opfern und, wenn nicht sogar noch mehr, dem guten Namen Israels als liberaler demokratischer Staat, in dem religiöser Hass weiterhin ein ethisches und rechtliches Tabu bleiben muss.

Montag, 3. September 2012

Updated



Vor etwa drei Jahren schrieb unter dem Eindruck des allgemeinen Wissensmangels und eines persönlichen Aergers über jüdische Israelfeinde einige Zeilen, die ich, soweit ich mich erinnern kann, nie veröffentlichte. Ich habe nun diese Artikel à jour gebracht in mein Tagebuch eingefügt, da ich denke etwas Wissens- und Denkauffrischung könnte nicht schaden. Also hier bitte:
 
Beim Lesen von Zeitungsberichten und Kommentaren über die Ereignisse im Nahen Osten bin ich immer wieder erstaunt, wie wenig viele der Berichterstatter, sogar jene vor Ort, über die Geschichte und Hintergründe des jüdisch-arabischen Konflikts unserer Zeit wissen. Einige scheinen nur an einzelnen Sensationen interessiert, ein "Warum" zu fragen interessiert sie nicht, Hintergründe und Kontext sehen sie als Störfaktoren. Andere wieder haben ihre Seele einseitig der palästinensischen Sache verkauft, lehnen israelische Darstellungen prinzipiell ab, denn der „Schwächere“ hat aus Prinzip immer recht. Aber es gibt Journalisten, die einen wirklichen Durchblick wollen, kritisch, sogar selbstkritisch sind und keine Angst davor haben, einen „Liebesverlust“ der palästinensischen Pressebehörde und derer Inszenierungskünstler zu riskieren. Ich bin stolz eine kleine Anzahl solcher Presseleute zu kennen, bei denen ich weiss, dass wenn sie Negatives (davon gibt es mehr als genug) über Israelisches schreiben, dieses der Wirklichkeit entspricht. Noch mehr gilt das für Leserbriefschreiber, auch wenn es bei diesen mehrheitlich um seelenhygienische Vorgänge handelt, mit denen Dreck verspritzt und damit Druck abgelassen wird. Doch auch diese Leserbriefschreiber beziehen ihr „Wissen“ neben eigenen Vorurteilen auch aus den Medien, die damit eine grosse Verantwortung übernommen haben.

Das hat mich auf den Gedanken gebracht einige ausgesuchte Punkte des Konfliktes in den ihnen gebührenden Kontext zu setzen und, soweit wie möglich, stichwortartig, aber nach wenigen Themen geordnet, zu erklären. Was hier niedergeschrieben ist, erhebt auf keinen Fall den Anspruch auf Vollständigkeit. Dafür gibt es genügend Literatur.  

Vorerst eine persönliche Klarstellung: in Israel gelte ich als Linker, in der Schweiz werde ich meist als politisch Rechts stehend empfunden und einige mögen mich deshalb nicht. Ich wähle Meretz oder Arbeitspartei und bin Mitglied von „Frieden Jetzt“. Damit stehe ich nicht allein und kann damit vorzüglich, ja sogar erfüllt, leben. Ende der fünfziger bis Mitte der sechziger Jahre haben wir noch Stalin angehimmelt, das war im Haschomer Hazair und seinen Kibbuzim so üblich. Relativ schnell wurden wir davon geheilt. Ich habe gewisse Überzeugungen wie: 

·       Israelische Araber sind volle Bürger Israels, mit allen Rechten, aber auch allen Pflichten, die sie bis heute nur begrenzt wahrnehmen wollen. Es gibt leider auch Benachteiligungen, die ihnen von der jüdischen Gesellschaft gesetzt worden sind, worunter Araber mit technologischen Berufen leiden, da gegen sie besonders oft Sicherheitsrisiken vorgebracht werden. Statistisch gesehen sind diese aber nicht begründet. Auf der anderen Seite würde mehr Engagement für den Staat, in dem sie leben, ihr Ansehen bei sehr vielen ideologisch nicht belasteten Juden steigern und jüdischen Araberhassern den Wind aus den Segeln nehmen. Ich habe enge arabische und drusische Israelis, die das begriffen haben, zu Freunden und bin in Projekten mit ihnen aktiv.

·       Ich denke, die Besiedelung der Westbank war und ist ein Fehler. Die militärische Besetzung wurde uns jedoch durch den jordanischen Angriff auf Israel aufgezwungen. Heute können wir aus diesem Gebiet nicht heraus, denn was dann geschehen würde, hat der Auszug aus Gaza eindrücklich demonstriert. 1967 habe ich die Westbank „miterobert“ – gewisse Träume aus dieser Zeit begleiten mich bis heute.

·       Ich halte nichts von einem „jüdischen demokratischen“ Staat. Das ist ein Oxymoron. Wir israelischen Juden haben es in der Hand, unseren Staat jüdisch zu gestalten. Mit Religion, ohne Religion, mit Einwanderung, ob Juden oder anderen – um solches zu steuern gibt es demokratische Gesetzgebung und demokratische Grundfesten. Es gibt eine Einwanderungspolitik, wie in jedem demokratischen Land. Israel soll so jüdisch sein, wie die Schweiz schweizerisch, Frankreich französisch und die USA amerikanisch. Aber ein Israel ohne Demokratie kommt für mich nicht in Frage.

·       Religion ist Privatsache. Das Judentum darf nicht nur auf seine Religion reduziert werden, sie ist Teil, aber nicht das Ganze des Judentums. Es geht ohne, auch in Israel. In der Politik darf Religion nichts zu suchen haben, sie zerstört in Israel weit mehr, als sie dem Staat beiträgt und hat einen beträchtlichen Teil zur heutigen Misere beigetragen. Der Zionismus wurde als säkulare Bewegung gegründet, das religiöse Etablissement war für Jahrzehnte mehrheitlich zutiefst antizionistisch. Der Staat wurde 1948 als Demokratie gegründet und verstanden. Religiöser Parasitismus und extremer, das Leben verbitternder Einfluss der Religion in die israelische Politik, ist ein Produkt der letzten Jahrzehnte und existiert in dieser Form nur in diesem Land. Sie ist für undemokratische Seiten des Landes verantwortlich.

1. Zionismus und Judenhass 

Der Zionismus ist das Produkt religiöser und geschichtlicher Sehnsüchte und Erkenntnisse des jüdischen Volkes, die durch Theodor Herzl in einen politischen Rahmen verpackt und durch gesellschaftliche und politische Arbeit von seinen Nachfolgern realisiert wurden. Der Auslöser war für Herzl die antisemitische Affäre Dreyfus in Frankreich, der Hintergrund die zweitausend Jahre alte Geschichte der Juden im Exil, ihrer Verfolgung vor allem durch das Christentum, den Islam und die Mächtigen, die den Judenhass dazu benutzten, ihre eigenen Völker zu manipulieren. Der Zionismus ist die politisch erfolgreichste Bewegung des vergangenen Jahrhunderts und Israel eine Erfolgsstory, nicht nur im Vergleich mit seinen Nachbarländern, die fast alle ungefähr gleich lang als politisch unabhängige Staaten existieren und es zu nichts gebracht haben. 

2. Palästina/Israel

Juden lebten auch in der Zeit des Exils in Palästina. In Jerusalem bilden sie seit über 150 Jahren die Mehrheit. Noch vor Herzls politischem Zionismus besiedelten osteuropäische Juden, meist aus religiöser Motivation, das Land. Es war dünn besiedelt, arm, grossenteils Wüste oder Malaria verseuchte Sümpfe. Araber bildeten die Mehrheit der Bevölkerung. Vor allem während der britischen Mandatszeit, als sich das Land durch die wachsende jüdische Einwanderung wirtschaftlich zu entwickeln begann, liessen sich Arbeit suchende Araber aus anderen arabischen Ländern und Regionen gerne in Palästina nieder.   

3. Jerusalem

Nach der Vertreibung der Juden durch Rom im Jahre 70 unserer Zeitrechnung, wurde Jerusalem zum Zentrum jüdischer Sehnsüchte. Der Ausdruck „Nächstes Jahr in Jerusalem“ ist seither Teil der jüdischen Liturgie, wurde jedoch seit dem Entstehen des politischen Zionismus zur Realisierung des jüdischen Traums der Rückkehr in die Heimat aktiviert. Im Gegensatz zum Judentum gilt Jerusalem im Islam erst als drittwichtigste heilige Stadt der Religion. Im Koran ist sie nirgends erwähnt. Es ist offensichtlich, dass der islamische Anspruch auf Jerusalem neueren Datums ist und fast ausschliesslich als politischer Widerspruch zum zweitausend Jahre alten historischen Anspruch der Juden ins Leben gerufen worden ist. Vor der antisemitischen Politisierung des arabischen Anspruchs auf Jerusalem und dessen islamische Heiligkeit, wurde diese Stadt kaum erwähnt, weder in den Medien noch in den Aussagen der muslimischen Welt. In der Zeit zwischen 1948 und 1967, als Ostjerusalem unter jordanischer Kontrolle war, wurde der riesige jüdischen Friedhof auf dem Ölberg geschändet, Grabsteine zum Bau von Pissoirs verwendet und so arabischer (oder eher islamistischer) Judenhass sogar auf tote Juden der desinteressierten Welt demonstriert. Erst seit dem Sechstagekrieg in 1967 sind sämtliche Heiligen Stätten Jerusalems für jedermann frei zu besuchen.

4. Die Flüchtlinge

Das bis heute durch die arabische Welt und die UNO künstlich am Leben erhaltene Flüchtlingselend der Palästinenser ist vor allem das Resultat ihrer Weigerung die UNO-Resolution (Res. 181/1947, der Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat) anzuerkennen. Israel begrüsste diesen Entscheid, die arabische Welt missachtete ihn. Nach Ausrufen des Staates Israel auf Grund dieser UNO-Resolution zur Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat, griffen palästinensische Freischärler und Armeen arabischer Staaten Israel an. Damit erzeugten sie die „Mutter aller Missachtungen“ von UNO-Resolutionen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israel und der arabischen Welt. Hätte die arabische Welt Res. 181 akzeptiert, wäre kein Krieg ausgebrochen und kein Flüchtlingsproblem entstanden. Mehr die Gier nach mehr Land für ihre Staaten und kaum das Wohl der Araber Palästinas war die Motivation für diesen Angriff auf der einen Seite, der Judenhass des Muftis von Jerusalem die andere. Die damaligen arabischen Flüchtlinge flohen aus Angst vor den Juden, wurden von der arabischen Welt zum Fliehen aufgefordert und teilweise auch von der israelischen Armee verjagt (z.B. siehe Benny Morris: 1948). Es gibt auch verbürgte Fälle von jüdischen Politikern, die Araber vor dem Fliehen hinderten, indem sie ihnen Schutz garantierten (Beispiel: Faradis, ein heute florierendes Dorf neben der jüdischen Stadt Zichron Ya’akov oder die Stadt Haifa). Der arabische Angriff auf Israel in 1948 ist der ausschliessliche Grund für das bis heute dauernde Flüchtlingsproblem der palästinensischen Araber. 

Soweit zu den arabischen Flüchtlingen. In arabischen Ländern lebten in 1945 schätzungsweise 870'000 Juden, jüdische Gemeinden existierten seit über 2500 Jahren. Schon Monate vor der Abstimmung zur UNO-Resolution 181 warnten arabische UNO-Delegierte, eine Teilung Palästinas würde Juden in arabischen Ländern gefährden. Nach der Abstimmung fanden in arabischen Ländern Pogrome statt, die Juden flohen, ihr Besitz wurde konfisziert. Hunderttausende Juden aus arabischen Ländern kamen besitzlos und verarmt in Israel an, wo sie, in völligem Gegensatz zu den arabischen Flüchtlingen aus Palästina, schnell, wenn auch nicht immer problemlos, integriert wurden. Fachleute schätzen, dass 1948 und noch wenige Jahre danach, mehr Juden aus arabischen Ländern fliehen mussten, als Araber aus Israel grösstenteils freiwillig geflohen sind. Man spricht von etwa 900'000 Juden und etwa 800'000 Arabern. Beide Zahlen variieren. Heute sind nur noch einzelne jüdische Familien in arabischen Ländern zu finden. Arabische Israelis bilden inzwischen rund zwanzig Prozent der israelischen Bevölkerung, florieren als gleichberechtigte Staatsbürger, auch wenn es noch immer gewisse Ungerechtigkeiten ihnen gegenüber gibt. 

5. Die „Palästinenser“

Teile des Nachfolgenden entnehme ich aus der Wikipedia, die in diesen Abschnitten die Tatsachen korrekt wiedergibt (was sie nicht immer tut).          

Als Palästinenser galten ursprünglich alle Bewohner des gesamten britischen Mandatsgebiets Palästina, auch die Juden. Heute wird diese Bezeichnung vor allem für die Arabisch sprechenden Bewohner im Westjordanland und dem Gazastreifen, sowie für im Ausland lebende Nachkommen gebraucht. Der heutige Begriff „Palästinenser“ in seiner jetzigen Form existiert in dieser Bedeutung erst seit der ersten Charta der PLO 1964. In UNO-Resolutionen war nur von „Palästinaflüchtlingen“ die Rede. Eine massgebliche Rolle bei der Schaffung eines breiten palästinensischen Nationalbewusstseins spielte Yassir Arafat. Unter seiner Führung wurden die Palästinenser von den Vereinten Nationen zu einem Völkerrechtssubjekt erklärt. Zudem erreichte Arafats PLO die Gründung der Palästinensischen Autonomiebehörde, die heute einen Beobachterstatus innerhalb der UNO besitzt, jedoch keinen Staat im eigentlichen Sinne darstellt. 

Die heutigen Palästinenser besitzen ihr eigenes Nationalbewusstsein und das sollte akzeptiert werden. Die Zeit steht nicht still. Wenn sie einen eigenen Staat wollen, sollen sie ihn haben. Allerdings mit Bedingungen, mit denen ein friedliches Nebeneinander mit Israel garantiert wird: Judenhass darf nicht mehr zum Pflichtfach an den Schulen und bei Predigten in den Moscheen gehören und dem Terrorismus muss völlig und kontrolliert abgeschworen wird.

6. Moderner islamischer Judenhass

Der Ägypter Hassan Al-Banna (später kam auch Sayed Qutb dazu, beide kamen durch Gewalt ums Leben) gründete Anfangs der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Muslimische Brüderschaft. Judenhass war von Beginn an ein wesentlicher Teil seiner Theorien und er wurde fast von Beginn an von Hitlers Rassentheorien beeinflusst. Der Grossmufti von Jerusalem, Hadj Amin El-Husseini, wie Al-Banna schon früh ein Bewunderer Hitlers, wurde sein Anhänger und verbrachte die Jahre es Zweiten Weltkrieges in Berlin. Es entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen Nazideutschland, den Muslimbrüdern und dem Grossmufti. Die damals gemeinsam entwickelten Rassentheorien gegenüber den Juden sind noch immer lebendig. Sie sind die Grundlage des heutigen Judenhasses der arabisch-muslimischen Welt und den dazugehörenden Aktivitäten wie Terror, rassistische Propaganda und Erziehung zum Antisemitismus. Die ägyptischen Muslimbrüder waren, neben Iran, die heutigen Angstgegner der ägyptischen und anderer arabischer Regierungen. Sie bildeten die Grundlage für das Entstehen reaktionärer Terrororganisationen wie Al-Kaida, Taliban, der schiitischen Hisbullah und Hamas und ähnlicher jihadistischer Gruppen, deren Judenhass ausschliesslich auf vordergründigen religiösen Prinzipien des Islams beruht. Das Schicksal der Palästinenser hat damit wenig bis nichts zu tun, sie werden vom extremistischen Islam genauso missbraucht, wie von den Regierenden der arabischen Staaten. Die arabische Politik missbraucht die Juden als Sündenbock, um sich vor Wahrnehmung eigener politischer Verantwortung zu drücken. Islamistische Politik missbraucht das jüdische Volk und Israel, um sie als Repräsentanten westlicher Zivilisation und Lebensart zu zerstören. Es fragt sich, wie weit ein solch grundsätzlicher Hass überhaupt diskutiert werden kann. (Ein hervorragendes Buch zum Thema ist von Matthias Küntzel: Djihad und Judenhass). Neuerdings ist der Präsident Ägyptens ein Muslimbruder, es aber noch zu früh politische Änderungen zu sehen. 

Mein Anliegen an alle, die sich mit Israel-Palästina Berichterstattung und Kommentierung befassen ist auch die schönsten Sensationen ihrer Reportagen im dazugehörenden Kontext zu schreiben und Hintergründe, historische und heutige, einzubeziehen. Das wäre ein grosser Schritt hin zu fundierterer Berichterstattung. Ich wurde schon von Journalisten gefragt, ob denn das von ihnen zum Thema gemachte Vorkommnis wirklich stattgefunden habe. Manchmal hat es stattgefunden, doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass wenn Vorkommnisse aus dem Kontext gerissen werden, dies öfters als nicht, zu Verfälschungen führt – vielleicht unbeabsichtigt, aber eben, das ist mein Verdacht, auch ideologisch beabsichtigt. 

7. Der neue Antisemitismus (Antizionismus) des Westens

Als 1948 der von der UNO-Generalversammlung (UNO-Resolution 181) beschlossene Staat Israel ausgerufen wurde, wurde er von vielen in der westlichen Welt bewundert. Seine militärische Leistung zu überleben war, sind wir ehrlich, vielen nicht ganz verständlich, sogar unverhofft. Seine zivilisatorische Leistung, sein mit dem des Ostblock nicht zu vergleichender lebendiger Sozialismus, der für alle zu beobachtende Fortschritt des Aufbaus einer neuen modernen Gesellschaft beeindruckte. Hunderttausende junge Menschen aus dem Westen kamen in den ersten zwei oder drei Jahrzehnten als Freiwillige nach Israel um dabei mitzuhelfen, lernten Hebräisch und einige blieben im Land, etwas das bis heute andauert, wenn auch in kleinerem Massstab. Israel war der kleine David, der sich gegen die bösen arabischen Angreifer und dessen Terror und Kriege stets mit Erfolg zur Wehr setzte, siegreich überlebte, wuchs und gedieh. Israel ist noch immer der kleine David, aus Notwendigkeit bis zu den Zähnen bewaffnet um zu überleben. 

In den siebziger und achtziger Jahren kehrte sich das Bild. Die Wahrnehmung, aber nicht die Fakten, wurden auf den Kopf gestellt. Plötzlich gab es „Palästinenser“ (siehe oben), sie wurden die alleinigen Vertreter des arabischen Volkes und damit zum kleinen unschuldigen David, der nie etwas böses getan hatte, auch wenn sie gerne Juden terrorisierten und umbrachten. Die heute Palästinenser genannten Araber hatten Israel 1948 grundsätzlich freiwillig verlassen, denn sie griffen im Verbund mit arabischen Staaten den gerade geborenen Baby-Staat an und wollten seine 600'000 jüdischen Bürger ausrotten – etwa im Stil, wie er zur Zeit gerade in Syrien eindrucksvoll demonstriert wird.

Die linken Bewunderer des frühen Israels hatten Pech. Im Gegensatz zum europäischen Sozialismus oder des totalitären Kommunismus, der 1989 vollständig zusammenbrach, wurde der israelische Sozialismus – oder mehr die Sozialdemokratie – zu einem Erfolgsmodell. Später im Kombination mit freierer Marktwirtschaft und High Tech zum wirtschaftlichen verstärkte sich dieser Trend. Auch in Israel gab und gibt es Perioden unfassbarer Teuerung, sozialpolitischer Krise, Armut und Not. Auch die zwischenmenschliche Gewalt ist in den letzten Jahrzehnten leider gewachsen, eine unerwünschte Anpassung an die regionale Kultur. Dazu existiert Israel in einer Ecke der Welt, in der Gewalt, völliger Missbrauch sämtlicher Menschenrechte, extreme Korruption und religiöser Totalitarismus das Leben bestimmen. Israel demonstriert hier seinen Nachbarn, dass es auch anders geht, dass eine freie Gesellschaft auch im Mittleren Osten leben und florieren kann. Ich bin überzeugt, dass diese Tatsache einer der Gründe für die hasserfüllte Feindschaft der muslimischen Welt auf den Staat der Juden ist. Es ist der Zusammenstoss einer freien Gesellschaft mit einer Welt deren Gesellschaft von heute überholten auf Nichtwissen und Aberglauben beruhenden Traditionen des Mittelalters bestimmt werden. Sogar wenn wir berücksichtigen wie heute in der israelischen Gesellschaft Gefahren bestehen, einem nationalistischen und religiös-reaktionären Judentum zum Opfer zu fallen - einem wirklichen Vergleich stellt sich diesem Dilemma nicht. 

Auf die Motivation kommt es an. Bei den heutigen jüdischen „Israelkritikern“, die unter dem Einfluss der mörderischen Vorgänge in der muslimischen Welt relativ schweigsam geworden sind - vielleicht, weil sie herauszufinden versuchen, wie diese Vorgänge Israel angelastet werden könnten. Was nicht klar scheint ist die Motivation dieser Juden, die unbesehen alles unterstützen, mit dem sie ihren Dreck gegen Israel schleudern können. Mit der leider heute bestehenden rechtsradikalen Regierung Israels Nethanyahu hat das nichts zu tun. Es geht, so sehe ich das, darum jede Selbstverteidigungsaktion Israel als unberechtigt darzustellen, als hätte es in Israel nie palästinensischen Terror und Massenmord an Juden gegeben, als wären aus dem Libanon und dem Gazastreifen nie Tausende von Raketen nach Israel geschossen worden. Als hätte der Staat der Juden kein Recht darauf zu überleben. Die vor allem selbst verursachte Not der Palästinenser, soweit vorhanden und nicht herbeigelogen, wird natürlich vollständig Israel angelastet. Der nicht nur auf dem Islamismus, sondern als Weiterführung nazistischer Rassentheorien des noch heute von Islamisten verehrten Adolf Hitlers beruhende Judenhasses, wird von diesen antiisraelischen Zeloten nicht bekämpft sondern impliziert gefördert.

Über die Motivation dieser jüdischen „Israelkritiker“ kann man als psychologischer Laie nur raten. Wollen sie sich durch Israelkritik als „gute“ Juden outen, die sich sonst schämen offen Juden zu sein? Fürchten sie sich doppelter Loyalität angeklagt zu werden? Wollen sie sich schlicht wichtig machen? Die Tatsache, dass sie sich ausschliesslich für palästinensische Menschenrechte interessieren, aber zu allen wirklich horriblen Vorgängen in der arabischen Welt und anderswo tapfer schweigen, macht diese Judenfeinde aus eigenen jüdischen Reihen zu einer gruseligen Ansammlung perverser Persönlichkeiten. Jeder kann in unserer freien Gesellschaft sagen und soweit der Verstand das zulässt, denken was er will. Diese „Gutmenschen“ dürfen das, genau so wie ich. Dafür müssen wir dankbar sein.