Freitag, 19. Juli 2013

Wie Israel mit politischem Druck aus Europa umgeht

Dieser Artikel ist in redigierter Form im Journal21 erschienen


Bei Israels Nachbarn krachts und donnerts.  Zigtausende werden umgebracht - Israel schaut zu. Hoffentlich döst es nicht. Israel pflegt in seinen Spitälern Verletzte aus dem syrischen Bürgerkrieg und gestattet Ägypten Tausende von Soldaten in den Sinai zu senden um islamistische Terroristen – meist gutbezahlte, von Hamas und Iranern geführte Beduinen – zu bekämpfen. So wie sie es früher mit Opfern der libanesischen Bürgerkriege tat. Israel schaut zu und fühlt sich – wohl zu Recht – sicher. 

Vielleicht gerade deswegen hat die EU Israel dieser Tage Bedingungen gestellt, die den Grossisraelwahn eines beträchtlichen Teils der Regierungsparteien und einer, das muss einmal gesagt werden, Minderheit der Bevölkerung, vor den Kopf schlägt. Sie reagierten grossenteils schockiert, Sündenböcke werden gesucht, Europa als Hort von Antisemiten beschimpft – kurz, eine Reaktion in palästinensischem Stil. Das ist billig und Israel nicht würdig. Auch wenn Europa nicht von Israel, sondern von Islamisten bedroht ist und auch damit wenig Sinn für wirkliche Prioritäten zeigt. Doch was wenn Europa auch nur teilweise recht hat? Ich denke es ist mehr Symbolik als Substanz, Israel daran zu erinnern, dass es kein Grossisrael gibt, auch nicht geben soll. Der demokratische Staat Israel besteht westlich der „Grüne Grenze“ genannten Waffenstillstandslinie von 1948. Der genaue Grenzverlauf muss ausgehandelt werden. Die Westbank war erobertes Gebiet, erst waren es die Türken, dann die Engländer, dann Jordanien, seit 1967 Israel. Zu Recht ist Israel durch den Sechstageskrieg dorthin gelangt und wird voraussichtlich noch einige Jahre dort bleiben. Doch Israel darf nicht über fremde Völker herrschen. Das hat mit Liebe zu Palästinensern gar nichts zu tun, sondern ist angewendeter humanistischer Zionismus. Es ist ethisch nicht vertretbar, ist zutiefst unjüdisch und hat unseren Staat, ganz nach Professor Yeshayahu Leibowitz, korrumpiert und jüdisch-reaktionären Kräften an die Macht geholfen. Sollten wir so weiter machen, bleiben uns fast nur noch evangelikale Apokalypter als „Freunde“. Ein Albtraum! Israels muss aus der Westbank abziehen, solange ein Abzug der Armee sicherheitsmässig vertretbar ist. Das sicherzustellen ist die Aufgabe der israelischen Regierung. 


Europa weiss genau was es tut und es kennt den Zustand zwischen Israel und seinen Nachbarn sehr gut. Es weiss auch, dass es keinen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern geben kann, solange die letzteren ihren Judenhass weiterhin in Schulen und Öffentlichkeit formalisieren. Auf der anderen Seite frage ich mich, warum israelische Gesetze in den besetzten Gebieten (Judäa und Samaria) angewendet werden, obwohl diese Gebiete nicht zu Israel gehören, sondern „temporär“ besetzt sind. Auch Europa weiss, wie Ariel Scharons Mut, Israel aus dem Gazastreifen abzuziehen, von den Palästinensern belohnt worden ist. Auch Europa weiss, dass aus der Westbank Raketen nach Israel fliegen würden, sobald Israel – Siedler und Armee – abziehen würden. Niemand kann abstreiten, dass diese europäische Politik nicht neu ist. Seit Jahren wurde Israel verständlich gemacht, dass die Besetzung der Westbank illegal ist – eigentlich ist es erstaunlich, dass die heutige Stellungnahme erst jetzt erfolgt ist. Sie war zu erwarten.


Ariel Sharon machte mit dem Gazastreifen zwei Fehler die nicht wiederholen werden. Der erste Fehler war nicht zu vermeiden: 

Ein Abzugsabkommen mit der Hamas in Gaza war nicht möglich, denn Islamisten gehen keinerlei glaubhafte Abkommen ein. Ihr Judenhass verbietet ihnen das, einem Friedensabkommen ist nicht zu trauen. Der zweite Fehler war, die dortigen Siedler zum Abzug zu überreden und letztlich zu zwingen ihre wunderschönen Siedlungen und blühenden landwirtschaftlichen Betriebe zu verlassen.

Trotzdem, Israel hat eine Regierung fürchtet sich vor eigenen Entscheidungen und will nicht wahrhaben, dass rund Dreiviertel der Israelis bereit sind, auf besetzte Gebiete zu verzichten. Vielleicht denken viele vertrauensvoll, die Palästinenser würden dafür sorgen, dass daraus nichts wird – womit sie, wie die Geschichte beweist, leider Recht haben könnten. Die Israelis haben das inzwischen gemerkt und die vergangenen Wahlen haben das bestätigt. Nethanyahu und sein Kabinett sind unfähig oder unwillig eigene Visionen in eine klare Politik umzusetzen. In Jiddisch sagt man „nischt ahin und nischt aher“ – nicht dahin und nicht dorthin – in Englisch sagt man „wishy-washy“, in Deutsch "weder das Eine, noch das Andere".

Aber Israel, ein Land mit modernen westlichen Normen, wenn auch aus Gründen des Überlebens ein klein wenig an seine barbarische Nachbarschaft angepasst, darf auf diese Normen nicht verzichten. Seine Regierung muss alles in ihrer Macht tun, mit seinen Nachbarn eine friedliche Lösung zu erlangen. Israel darf nicht als Friedensverweigerer dastehen, sondern alles tun, das zu verhindern, solange es Israels Sicherheit nicht gefährdet. Die Erfahrungen seit der Staatsgründung in 1948 zeigen, dass Friedensbemühungen stets vor der Unterzeichnung eines Abkommens von palästinensischer Seite torpediert worden sind. Das war so mit Yassir Arafat und wiederholte sich mit Mahmud Abbas. Inzwischen ist die Friedenssehnsucht auch in gewissen israelischen Kreisen ein wenig erkaltet, wenn es auch eine Araberfeindschaft analog zum arabischen Judenhass, kaum gibt. Palästinensisch-islamistischer Terror und Intifada 2 haben dazu beigetragen. Israelis sind lernfähig.

An einem kürzlich gehörten Vortrag von Dan Bielski, Nachrichtenchef des israelischen Radios Kol Israel, hörte ich seinen Vorschlag zum Abzug Israels aus der Westbank , sollte sich die politische Möglichkeit dazu ergeben. Denn Bielski ist der Meinung, dass sich Nethanyahu vor den Siedlern, die eigentlich nur einen kleinen Teil der israelischen Bevölkerung bilden, fürchtet, eine Annahme, die stimmen könnte:


Die Regierung fasst den mutigen Entschluss nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens Armee und Siedler abzuziehen, sie nach Israel zu repatriieren. Sie teilt den Siedlern mit, an welchem Datum (auf Grund der Zahl der Siedler und der Siedlungen gestaffelt) das geschehen werde. Ebenso teilt sie den Siedlern mit, dass dafür Autobusse bereitgestellt würden. Wer nicht abziehen, sondern in den Siedlungen bleiben wolle, könne das tun, werde aber nicht mehr von Israels Armee betreut und geschützt. Punkt.


Dieses Szenario klingt surreal, scheint jedoch die einzige Möglichkeit zu sein einen solchen Abzug der Siedler durchzuziehen, ohne dass es zu bürgerkriegsähnlichen Szenen kommt. Wie Bielski meint, habe der Staat die Siedler aus Gaza, dem Sinai und aus Siedlungen der Westbank abgezogen – es sei möglich, es auch aus der gesamten Westbank – gemäss einem israelisch-palästinensisch Friedensabkommen – zu tun. Israels Regierung braucht endlich mutige Entschlüsse und einen offenen Plan, wie sie ihre Politik umzusetzen gedenkt. Die Begründung sich hinter möglichen palästinensischen Angriffen zu verstecken, auch wenn es echte Gründe dazu gibt, muss zur zurückgestellt werden. Dem palästinensischen Friedenspartner muss unter allen Umständen klargemacht werden, dass Israel mit extremer Härte auf palästinensische Gewaltaktionen gegen Israel reagieren werden. Die Amerikaner sagen „carry a carrot and a big stick“. Einen sehr grossen Stick.


Kann sein, dass all das reines Wunschdenken ist. Um einen Friedensvertrag zu unterzeichnen braucht es mindestens zwei, die ihn wollen. Da die Arabische Liga eben dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas grünes Licht für Verhandlungen mit Israel gegeben hat, könnte dieser sich aufraffen und den Kontakt zu Nethanyahu suchen, diesem seine Ängste nehmen und seriös verhandeln. In den heutigen Nachrichten sind Schalmeiklänge zu hören. Der amerikanische Vizepräsident Kerry habe es fertiggebracht ein Treffen zwischen Abbas und Nethanyahu zu arrangieren. Glauben kann man das allerdings erst, wenn beide tatsächlich am Verhandlungstisch sitzen. Abbas muss den Mut haben, sich der Wut islamistischer Judenhasser und Nethanyahu ähnlicher Wut reaktionärer, fundamentalistischer Siedler und ihrer Rabbiner zu stellen, ja zu ignorieren und sich durchzusetzen. 


Anders als mit der Westbank, muss mit der Golan und Ostjerusalem umgegangen werden. Eine gewaltige Mehrheit der Israelis – man spricht von neunzig Prozent – will diese behalten. Dazu gehöre auch ich, aus zwei Gründen:

  • In Israel ist kaum Willen zu finden, die Golanhöhen Syrien zurückzugeben. Es gibt in der Golan keine islamistischen Widerstände, es gibt kaum Araber, sondern neben den rund 15‘000 Israelis (vorwiegend linker Überzeugung in Kibbuzim und Moshavim) fast ausschliesslich Drusen, die sich heute noch mehr als früher, mit Israel identifizieren wollen, ein Resultat des syrischen Bürgerkrieges. In steigender Zahl verlangen und erhalten sie israelische Bürgerschaft, besonders die Jüngeren unter ihnen. Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Vorgänge in Syrien, in denen auch drusische Familien der Golanhöhen Schaden genommen haben.

  • Was Ostjerusalem betrifft, erinnern sich noch viele daran, wie vor dem Sechstagekrieg in 1967, als es der damaligen Besetzungsmacht der Westbank Jordanien war, über die Mauern und Zäune, die den jordanischen Osten vom jüdischen Westen trennten, geschossen wurde und viele israelische Opfer forderte. Jüdische Stätten waren geschändet worden, wie beispielsweise der grosse jüdische Friedhof auf dem Ölberg. Damals waren es relativ vernünftige Jordanier, heute wären es durchgedrehte Islamisten. Zudem gibt es keinen vernünftigen Grund, dass Jerusalem nicht gemeinsam als doppelte Hauptstadt für ein allfälliges Palästina und für Israel dienen könnte.

Oben aufgeführte Gedanken sind nicht Hirngespinste, sondern Vorstellungen für eine realistische und humane Politik – etwas Seltenes in diesen Breitengraden. Die Zeit ist gekommen, darüber ernsthaft nachzudenken. Für die israelische Regierung besteht ein Handlungsbedarf, der gerade in der heutigen Zeit der gewaltigen Krisen in der arabischen Welt, vielleicht besser realisiert werden könnte als es früher der Fall war. Natürlich braucht es auch heute einen palästinensischen Partner. 


Die Aberkennung israelischer Rechte auf die Westbank ist ein Schuss vor den Bug Israels. Soweit es von Israels Politik abhängt, muss dieses Problem bereinigt werden. Von Israel, nicht der EU.

Sonntag, 14. Juli 2013

Ist der Islamismus am Ende?





Israel schaut zu
Der Islamismus, muslimischer Erbe des deutschen Nationalsozialismus, steht unter Druck. In Ägypten wurde er von demokratischen Kräften aus der Macht geputscht und in Syrien ist völlig unklar ob die Assad bekämpfenden Islamisten den Bürgerkrieg gewinnen werden. Alles ist offen, doch der Islamismus hat einen Schuss vor den Bug erhalten. Und Israel, obwohl sich das alles vor seiner Haustür abspielt, schaut nur zu.
Ägypten, Sinai und Gaza

Nach demokratischen Grundsätzen beurteilt, ist der ägyptische Putsch illegal. Mursi war demokratisch gewählter Präsident und als solcher nur durch Wahlen aus dem Amt zu entfernen. Vielleicht berechtigt der ägyptische Putsch zum Schluss, die arabische Welt habe keinerlei demokratisches Selbstverständnis. Wahlen allein, und seien sie noch so frei, machen noch keine Demokratie aus. Minderheitenrechte, Frauenrechte, Gewaltentrennung und all die anderen Voraussetzungen für ein freies Leben in einer Demokratie, sind in keinem arabischen Land zu finden. Das ist der Grund, warum für politisches Verhalten in arabischen und auch vielen islamischen Staaten und Gemeinwesen, andere Massstäbe angelegt werden müssen. Das ist auch der Grund, warum westliche Friedensaktivisten grundsätzlich auf dem falschen Dampfer sitzen, wenn sie diese Welt mit westlichen Massstäben beurteilen. Wie mein guter Freund, Rabbiner Tovia Ben-Chorin aus Berlin (früher Zürich) meint: „Man kann nicht eine westliche Denkform auf den Nahen Osten zwingen“. Deswegen liegt man als westlich denkender Demokrat falsch, den Stab über das ägyptische Militär und die religiös nicht extremistisch denkenden Ägypter zu brechen, als wäre dieser Putsch beispielsweise in der Schweiz, mit deren demokratischen Traditionen, geschehen. Altpräsident Mursi war auf dem besten Weg, die Abschaffung demokratischer Grundsätze wie die Gewaltentrennung und Rechtsgleichheit zu formalisieren. Er stellte sich – als Repräsentant der Islamisten - über die Gerichte, ganz traditioneller arabischer Diktator, wenn auch der frommen Art. Die ägyptische Wirtschaft vernachlässigte er in einem Mass, das seine Bürger im Endeffekt fast verhungern liess.
Verschiedene Massstäbe
Mursi hatte, so schien es, keine Liebe für den Gazastreifen. Es schien, als wäre die Hamas sogar für ihn zu extrem und zu blutdürstig. Schon unter ihm wurde die Grenze in den Sinai wiederholt gesperrt. Die neue Regierung, d.h. die ägyptische Armee, zerstört heute hunderte von Schmuggeltunnels und unterbindet damit den Waffenschmuggel – in beide Richtungen. Hamas rüstet auf und wartet darauf, wieder Israel angreifen zu können. Hamas beliefert aber auch beduinische Terroristen im Sinai, die unter ihrer und iranischer Anleitung Terroranschläge gegen Israel und nicht weniger auch gegen ägyptische Ziele verüben, mit Waffen. Gut bezahlt und für viel Geld morden und vergewaltigen diese Beduinen fast alles was ihnen über den Weg läuft – sie sind die heutigen Söldner, die Mercenaries der arabischen Welt, ohne irgend einen Glauben an irgend eine Sache zu besitzen, doch für gute materielle Entschädigung.
Die ägyptische Armee fing vor kurzem an diesen Terror im Sinai zu bekämpfen. Mit Methoden, für die Israel schon lange vor dem UNO-Sicherheitsrat gelandet wäre. Doch Araber dürfen alles was Israel verboten ist. Heute bestraft die ägyptische Armee Palästinenser in Gaza und im Sinai und die Welt steckt ihren Kopf in den Sand. Ägypten darf den Gazastreifen abriegeln und seiner Bevölkerung Treibstoff und Lebensmittel vorenthalten. Das gerade während dem soeben begonnen Ramadan. Medien, Menschenrechtsorganisationen und antiisraelische Gutmenschen sind dazu weder zu hören noch zu sehen.
Tausende von Gazanern sitzen auf beiden Seiten der ägyptischen-gazanischen Grenze fest. Palästinenser erhalten heute die Quittung für das jahrelange Einmischen in innerarabische Angelegenheiten. Viele Experten sind heute überzeugt, dass, sollte Mursi seinen Präsidentenjob zurückerhalten, er diese Antipalästinenserpolitik der Armee weiterführen würde. Doch damit ist kaum zu rechnen. Das Militär wird dafür sorgen. Es bleibt zu hoffen, dass die ägyptischen Muslimbrüder nicht einen Bürgerkrieg auslösen werden; ein zweites Syrien braucht diese Region nicht. Doch Verstand ist in dieser Region Mangelware – alles ist möglich.
À propos Syrien, auch in Israel finden Debatten statt, was wohl besser für Israel sei – Assad oder die verrückten Islamisten. Was sind die zwei Alternativen?
1.    Sollte Assad gewinnen, bliebe die iranische Hegemonie quer durch den Mittleren Osten (Iran – Syrien – Libanon) bestehen. Sie wird von Russland unterstützt. Die iranische Gefahr bliebe unverändert, doch mit der neuen iranischen Regierung ist möglicherweise etwas mehr Intelligenz und weniger Fanatismus in dessen Politik eingezogen. Die heutige Situation hat für Israel den einen Vorteil: man kennt den Feind.

2.    Sollten die Gegner Assads gewinnen und an die Macht kommen, wäre der schiitische Einfluss von Iran aus der Region verbannt und die Hisbollah verlöre ihre Macht, ja könnte sogar verschwinden. Jedoch wäre mit Bestimmtheit ein riesiger Machtzuwachs extremster islamisch-sunnitischer Terrororganisationen zu erwarten. man denke nur an Al-Kaida, die Salafiten und aus Saudi-Arabien importierter Jihadismus. Quantitative Unterschiede im Blutvergiessen wären kaum festzustellen, davon sind in Israel die meisten überzeugt.
 
Wie meist, wenn im Mittleren Osten die Kanonen krachen und Araber sich gegenseitig zu zehntausenden und mehr umbringen, sitzt Israel ruhig da und schaut zu, hoffend, nicht in das Schlamassel hineingezogen zu werden. Und stellt sich stets die Frage: „Ist das gut oder schlecht für Israel?“ Antworten dazu gibt es wie Sand am Meer.
Noch was:
Liebe Gutmenschen, zur Zeit bringen sich Araber gegenseitig in Massen um, ihr sagt aber gar nichts dazu. Ihr seid in Deckung gegangen. Kriegt ein palästinensischer Terrorist eine israelische Ohrfeige, tagt der UNO-Sicherheitsrat und ihr, meine lieben Friedensaktivisten, übt euch im Israel hassen. Daher die Frage: seid ihr im Schock? Oder seid ihr am Tüfteln, wie man Israel für all das zur Verantwortung ziehen könnte? Man kann doch der arabischen Welt keine Selbstverantwortung aufbürgen - das wäre doch gänzlich gegen eure Ueberzeugungen. 
PS in eigener Sache: Ich hoffe mit diesem Tagebucheintrag meinen Schreibunterbruch/Schreibstau beendet zu haben. Evangelikales und dessen jüdische Trabanten hielten mich auf Trab, sodass kaum noch Energie für anderes blieb. Doch das ist, so hoffe ich, vorbei.
 
 


Montag, 24. Juni 2013

Die Frechheit des Jahres

In seinem neusten Artikel in Haaretz vom 20. April 2017 hat Gideon Levy wieder einmal zugeschlagen. Wie ich haben einige tausend Leser ihr Abo von Haaretz annulliert sehr viele davon, wieder wie ich, mit der Begründung den von Gideon Levy geschrieben Hass auf Israel, seine Lügen zur selbst verursachten Not der Palästinenser in den besetzten Gebieten der Westbank und letztendlich sein absolutes Desinteresse für die Opfer palästinensischen Terrors seien ein Skandal. Nach der Kündigung meines Abos rief mir zweimal ein Mitglied der Haaretz-Redaktion an und wollte wissen warum. Nachdem ich ihm mein Missfallen über Gideon Levy ausdrückte und sagte, dass ich denke Gideon Levy sein eigenes Geschreibsel kaum selbst glauben werde, sagte mir der Redaktion, ich könnte da Recht haben. Levis hier erwähnter Artikel in Haaretz (http://www.haaretz.com/opinion/1.784352), von dem ich den Eindruck erhielt er sei in zwei verschiedenen Versionen veröffentlicht worden, ist eine Beleidigung jedes Lesers, der sich seinen Manipulationsversuchen verweigert. Durch meine Tätigkeit in einer grossen arabischen Kunstgalerie hatte ich die Ehre Gideon Levy wenige Male persönlich zu treffen und mit ihm Worte zu wechseln. Die Einseitigkeit seiner Interessen und seine totale Humorlosigkeit stiessen mich ab.

Seine Persönlichkeit ist wundervoll dargestellt in Tuvia Tenenboms Buch «Catch the Jew!» S. 119 125. Ich besitze nur die englische Orginalausgabe. Hier daraus ein paar punktuelle Juwelen, von mir zum Teil selbst übersetzt:

·        Frage an Levy: Ist die israelische Nation von Natur aus brutal? Antwort: Absolut nicht: Aber in einem sind sie (die Israeli) anders in ihrer Mentalität als andere Nationen: in ihrem Glauben sie seien das auserwählte Volk ...., seien besser als andere, es gebühre ihnen mehr als anderen ......

Mein Kommentar: auch wenn das mit dem «auserwählten Volk» ein völliger Käse ist, bleibt diese Aussage die traditionelle Ansicht eines Antisemiten oder jüdischen Selbsthassers.

·        Levy: «ich vergleiche Israel mit Südafrika während der Apartheid».

·       Gideon Levy spricht nicht Arabisch. Als Antwort auf die Frage, wie er denn über die fürchterlichen Dinge, welche Israels Armee in der Westbank anrichte berichten könne ohne Arabisch zu verstehen, weist er darauf hin, dass sein Team aus Arabischsprechern bestehe. Damit sind diejenigen, die nicht Arabisch sprechen, ihren Übersetzern völlig ausgeliefert und unfähig sich selbstständig eine eigene Meinung zu bilden.

·        Eine interessante Aussage von Levy: «Ich denke», sagt er Tenenbom, «dass der durchschnittliche Palästinenser zweifellos mehr den Frieden will, als der durchschnittliche Israeli». Sind in dieser Aussage arabische Israeli eingeschlossen? Auch sagt er im gleichen Abschnitt: «Alle meine Freunde sind Israelis. Ich habe keine palästinensischen Freunde». Ein trauriges Geständnis. Levy widmet sein ganzes Leben der palästinensischen Sache, doch kein Palästinenser befreundet ihn. Da ihn das nicht zu stören scheint, könnte man auf den Gedanken kommen, die Palästinenser als Menschen seien ihm eigentlich egal.

·        Er sei ein israelischer Patriot, sagte er zu Tenenbom. Er wolle dass sein Israel, seine Juden zum einem Volk der Übermenschen werden und Gewehrkugeln mit einem Kuss beantworten würden, statt sich zu verteidigen. Kurz: Juden sollen Jesus sein und am Kreuz sterben. Ich nehme an, dass diese Auslegung levyscher Ideologie von Tenenbom stammt.

Levy geht wöchentlich leidende Palästinenser in der Westbank besuchen, deren Leiden er dann in der Wochenendausgabe von Haaretz publiziert. Das kann ich bestätigen, denn noch immer lese ich diese Ausgabe. Über israelische Terroropfer (Juden und Araber) berichtet er nicht, das interessiert ihn nicht.

Gideon Levy hat eine Marktlücke entdeckt, die er endlos ausquetscht. Diese Marktlücke heisst «Israelische Besetzung und die Leiden der Palästinenser», ohne dies in irgend einen Kontext zu setzen. Damit wurde er völlig und ohne wirklichen Grund zum zum anerkannten Guru westlicher antiisraelischer Kreise und «Experten» dieses Themas. Einen Kontext für das von ihm berichtete und kritisierte damit wiederhole ich mich unterlässt er grundsätzlich zu erwähnen.

Ich nehme an, dass er mit dieser seiner Marktlücke gut verdient und auch israelische Einkommenssteuer zahlt, mit denen die bösen Israelis die armen Palästinenser sekieren können. Nevermind deren Terror und Judenhass und dessen israelische Opfer, Juden und Araber.

Es gibt vieles in Israel, das stark verbesserungswürdig ist. Wie beispielsweise die Regierungspolitik im Zusammenhang mit dem Gesundheits- und Schulwesen. Die Verteilung staatlich-finanzieller Mittel ist skandalös, Religion wird in jeder Hinsicht missbraucht, nicht gegenüber arabischen Bürgern, sondern gegenüber jenen Bürgern (auch jenen der arbeitenden Minderheiten), die dem Staat beitragen, statt ihn durch unberechtigte finanzielle Ansprüche oder Verweigerung bürgerlichen Pflichten zu plündern. Das sind Probleme, die ich hier nur als die wirklichen Probleme Israels nenne. Die Not der Palästinenser ist vor allem ein politisch motivierter Etikettenschwindel, fast ausschliesslich beruhend auf palästinensischer Lügenpolitik und der absolut Korruption und internen Gewalttätigkeit  palästinensischer Politik und ihrer Vertreter. Das ist ein Thema dem Gideon Levy noch nie ein Wort gewidmet hat. 
 

Dienstag, 11. Juni 2013

Im Journal21 habe ich einen israelkritischen Artikel von Judith Bernstein "Frieden Ade" kommentiert. Ihr seid eingeladen beides zu lesen.

Samstag, 8. Juni 2013

Endzeit-Sehnsüchte und Träume von Gross-Israel




Am 7.6.2013 wurde im Journal21 der zweite Teil meines Berichtes über eine von Evangelikalen beherrschten Gruppe von Israelaktivisten veröffentlicht.

Samstag, 1. Juni 2013

Rückzug

Ich wollte auf dieser Tagebuchseite einen auf den ersten Blick interessanten Artikel veröffentlich. Doch es stellte sich heraus, dass dessen Herkunft äusserst fragwürdig ist und ich habe ihn aus diesem Grund entfernt.

Ich bitte um Entschuldigung. Uri

Dienstag, 30. April 2013

Liebe Freunde von Uris Tagebuch aus Israel. Ihr seid eingeladen meinen heutigen Artikel im Journal21 zu geniessen. Danke. Euer Uri

Montag, 15. April 2013

Mein fotografierender Enkel



Lea und ich sind mit neun Enkeln gesegnet. Natürlich sind sie alle Genies. Hier einer davon: Yonathan. Er ist der drittälteste und der, der bei seiner Brit Mila (Beschneidung) auf meinen Knien lag. Das war noch in Rüschlikon am Zürichsee. Also bin ich nicht nur sein Opa, sondern auch sein Sandak, so eine Art Götti.  

Heute ist Yonathan Berufsoffizier in der IDF (im vergangenen Jahr wurde er "Katzin Mitztajen" des Militärabschnitts Norden) und ein fabelhafter Photograph. Mir geht es mit diesem Tagebucheintrag um letzteres. Anlässlich Leas und meines gemeinsamen hundertfünfzigsten Geburtstages im vergangenen Sommer, sagte Yonathan in einer von uns nicht erwarteten kleinen Ansprache, er habe die ersten Grundsätze der Fotografie von mir gelernt - aber heute bringe er mir moderne Fotografie bei. Genau so ist es!

Ich möchte hier und in folgenden Einträgen einige seiner Photographien zeigen. Es sind keine Schnappschüsse, sondern Arbeiten, an denen Yonathan zu einem grossen Teil viele Stunden arbeitet.

 Selbstportät mit Schwester Na'ama - © Yonathan Russak


Golanhöhe im Winterwetter - © Yonathan Russak


© Yonathan Russak
 
Blick auf Hauaf - © Yonathan Russak

Samstag, 13. April 2013

Frühe Empathie


 

In der Times of Israel war heute ein erleuchtender Artikel zu lesen, der die Empathie und die Offenheit gegenüber der vorauszusehenden arabischen Minderheit im kommenden Staat der Juden dokumentiert.
 
 
Drei Offizielle, der kommenden Regierung Israels, darunter der spätere Minister Bechor-Shalom Sheetrit, machten sich in den Tagen vor der Staatsgründung Gedanken, wie der Staat Israel auf Arabisch genannt werden sollte. Ein Dokument dazu wurde am vergangenen Donnerstag (11.4.2013) vom Staatsarchiv freigegeben. Es handelt sich um eine Empfehlung für den Namen des Staates Israel in arabischer Sprache aus dem Mai 1948, in der folgendes rapportiert wird:

Das Dokument erwähnt drei Optionen: Palästina oder Filastin, Zion oder Sayoun, Israel oder Eesra‘il (Isra’il). Die drei Offiziellen arbeiteten unter zwei Annahmen: ein arabischer Staat würde, gemäss UNO-Resolution 181, neben dem Staat Israel entstehen und der jüdische Staat werde eine grössere arabische Minderheit enthalten, deren Gefühle berücksichtigt werden müssen.
Der Name Palästina wurde abgelehnt, da der zu entstehende arabische Staat neben Israel, voraussichtlich diesen Namen tragen würde. Das würde für Verwirrung sorgen. Der Name „Zion“ (Sayoun) wurde ebenfalls abgelehnt, da das Wort Zion (oder Zionist) in der arabischen Welt zu einem abschätzigen Ausdruck geworden war. Das Wort „Zion“ würde es arabischen Israelbürgern erschweren, sich mit dem neuen Staat zu identifizieren. Am Ende entschied sich die Kommission für die Bezeichnung Eesra’il, oder Israel. 

Dieses Detail aus der frühen Geschichte Israels, dokumentiert die Tatsache, dass es unter den Gründervätern unseres Landes solche gab, die sich über die Gefühle der Araber im Land Gedanken machten. Ebenso zeigt es, dass diese Gründerväter und Offiziellen, sich über arabische Gefühle klar waren und sie berücksichtigen wollten. Ein Fall menschlicher Empathie und Rücksichtnahme auf den Schwächeren. Diese Tatsache, die der verlogenen und von „Israelkritikern“ erfundenen These, Israel hätte von Anfang seines Bestehens an die Vertreibung der lokalen Araber und der Verhinderung einer arabischen Minderheit geplant widerspricht, sollte etwas Sand in die Argumente dieser Israelhasser streuen.

Dieser Bericht repräsentiert sicherlich nicht die politische oder menschliche Einstellung aller damaligen Politiker Israel, auch wenn es damals keinen jüdischen Nationalismus gab, der sich mit dem heutigen einiger faschistoider rechtsextremistischer Parteien vergleichen lässt. Aber die Reaktion der arabischen Welt auf die Ausrufung des Staates Israel, machte alle vorherigen friedenspolitischen Anstrengungen hinfällig. Aus einer guten Nachbarschaft wurde nichts. Nicht dass Israel vom Angriff der Palästinenser und ihren arabischen Sympathisanten völlig überrascht worden war, doch war es bereit mit seiner uneingeschränkten Akzeptanz der UNO-Resolution 181, seiner künftigen arabischen Minderheit das Leben in einer demokratischen Gesellschaft mit jüdischer Mehrheit und der Wahrung und Ausübung ihrer eigenen Kultur zu ermöglichen. Doch die Araber Palästinas wussten es besser und das Resultat davon ist heute für die gesamte Welt klar zu sehen - wenn diese es sehen will.

Donnerstag, 11. April 2013

2 X Persönliches



Holocaust-Gedenktag im Dor Tiv’on

Lea und ich sind umgezogen. Seit dem 31. Dezember 2012 leben wir aus gesundheitlichen Gründen in einer sogenannten Alters-Residenz. Ich beschreibe sie gerne als eine Kreuzung von Luxushotel und Kibbuz. Ein wunderschönes grosses Haus im Grünen mit fast zweihundert Wohnungen und etwa 250 AKs, („alte Kacker“), einer treffenden amerikanisch-jiddischen Bezeichnung. AKs mit Format. Ein neuer Lebensabschnitt für ältliche aschkenasische Juden. Uns gefällt‘s. Wir kochen selbst oder gehen aus oder gehen zu Freunden. Wir sind selbstständig und frei, haben unser Auto und können tun und lassen was wir wollen. Der Swimmingpool ist göttlich, die Folterkammer, in die ich nicht darf, ebenso. Zudem gibt es einen Theatersaal für 250 Personen, in dem wöchentlich verschiedene kulturelle Anlässe stattfinden, eine fabelhafte dreisprachige Bibliothek (Hebräisch, Englisch, Deutsch), Billard und Pingpong, ein grosser Raum für Malerei, Töpferei und ähnlichem und, nicht zu vergessen, ein Raum für Bridgespieler/innen. Einen Coiffeursalon hat es auch. Dort wurde mir für vierzig Schekel innert drei Minuten das Haar auf einen Millimeter kurz geschoren. Es sieht aus, als hätte ich eine rasierte Glatze. Oder wie ein Rekrut der amerikanischen Marines. Ich fühle mich kahl. Meiner neuen Freundin, der blonden Betriebschefin Nira, gefällt‘s, meiner Lea nicht.

Für uns ist es zum Teil eine Rückkehr in den Kibbuz, in dem Teilnehmen und Beitragen gross geschrieben wurde. Neben dem Schwimmen, mache ich in einer englischsprachigen Poesiegruppe mit, es ist a lot of fun, die Leute sind unterhaltend und ich fühle mich dort ausgezeichnet. Für nächstes Mal habe ich eine hervorragende englische Übersetzung von Christian Morgensterns „Die unmögliche Tatsache“ bereit. Das, obwohl ich eigentlich für Poesie nie viel am Hut hatte. Dann gibt es einen wöchentlichen Runden Tisch, an dem ich mich vergass und dreissig Minuten lang über mich selbst quatschte (ich musste mich vorstellen) und niemand mich unterbrach. Gott, sind die Leute höflich. Und dabei herzlich. Dann gibt es einen monatlichen Vortrag im Kultursaal zu einem Thema der Antike. Bisher über den Gilgamesch-Epos und dessen Parallelen zu Erzählungen im Alten Testament und anderen Religionen des östlichen Mittelmeeres und Mittleren Ostens. Dann ein Vortrag über den Trojanischen Krieg. Diese Vorträge, in bestem Hebräisch gehalten von einem Jecken meines Alters, sind ein Vergnügen. Yehuda Adler, so heisst er, besitzt einen dramatischen Stil, seine Stimme, manchmal vehement, dann wieder ruhiger aber nie leise, fasziniert mich. Wie hypnotisiert sitzen die Leute da und saugen sich die Erzählungen ein. Einmal war ich an einem Shabbatabend an einem Jazzkonzert. Ich kam einige Minuten früh und setzte mich vorne in die zweite Reihe. Der Saal war fast leer. Nach einigen Minuten Konzert, drehte ich mich um und stellte fest, dass der Saal fast völlig voll besetzt war – voller AKs, vor allem Frauen, die mit Händen und Füssen den Rhythmus mitschlugen. Flotte Weiber! Das Konzert war sehr schön und wurde von einem Altisten und einem russischen Akkordeonisten hervorragend bestritten. Ich kannte das Akkordeon bisher kaum als Jazzinstrument, bestenfalls beim Zydeko, der jazzigen Musik der Cajuns in Louisiana. Nach Konzertschluss fachsimpelte ich noch zusammen mit meinem neuen Freund Sam (85) und dem Saxophonisten. Auf Hebräisch nennt sich der gebürtige Amerikaner Sam Israel. Er ist Berufsmusiker, Hansdampf in allen Musiksparten und Besitzer einer Unzahl Musikinstrumente, Tuba, Gitarre, Posaune und was noch. Singen tut er auch.

Unsere Alters-Residenz heisst Dor Tiv’on und ist, dem Namen entsprechend in Tiv’on, einem Ort, nicht so lebendig wie Zichron Ya’akov, aber ebenso schön. Dazu nur zwanzig Autominuten von unserer Tochter Dvorit in Haifa entfernt.

Vor wenigen Tagen fand im Theatersaal die Feier für den Holocausttag statt. Wie ich hörte, sind etwa dreissig Prozent der Bewohner Dor Tiv’ons Holocaustüberlebende. Im Gegensatz zu den Feiern, die man im Fernsehen betrachten kann, war ich sehr beeindruckt – denn wir haben inzwischen einige dieser Holocaustüberlebenden kennengelernt. Es wurden sechs Kerzen angezündet, jede von einen Holocaustüberlebenden. Eine Kerze für jede Million ermordeter Juden.
 
Unsere Holocaustüberlebenden gehören nicht zu den vielen, die heute im Staate Israel notleiden. Sie haben es, trotz ihrem Schicksal, geschafft nach dem Krieg in Israel ein normales Leben aufzubauen. Wer das nicht konnte wird bis heute von der Regierung vernachlässigt, eigentlich betrogen. Schon David Ben Gurions Regierung, der seinerzeit mit Konrad Adenauer (gegen den Willen von Menachem Begin und seinen Rechtsextremisten) den Vertrag für deutsche Wiedergutmachung aushandelte, unterschlug deutsche Gelder und integrierte sie ins israelische Budget, statt sie den Holocaustüberlebenden weiter zu geben. Nur jene, die ihre Renten direkt von Deutschland beziehen, kamen zu ihrem Recht. Diese Tradition der Schande hält bis heute an. Das ist eine der grossen, der Öffentlichkeit im Grossen und Ganzen unterschlagenen Skandale. Heute sterben täglich, so war in Haaretz zu lesen, 37 Holocaustüberlebende. So spart die Regierung Geld. Zum ersten Mal wurde dies von Nethanyahu anlässlich seiner Rede an der offiziellen Feier in Jerusalem thematisiert. Wer weiss, vielleicht hat dies eine Verbindung zum neuen Finanzminister Israels, Yair Lapid, dessen Vater Tommy auch ein Holocaustüberlebender gewesen war. Es wäre höchste Zeit, diesen Schandfleck der Geschichte Israels zu entfernen. Im Gegensatz zu den Problemen mit seinen Nachbarn und den Palästinensern, ist dieses völlig  hausgemacht. Ich hoffe sehr, dass dieses Problem, das eigentlich mit dem Regierungsbudget gar nichts zu tun haben sollte, sind es doch vor allem deutsche Gelder, verschwindet.

Positiv ist heute, dass dieses bisherige Fehlverhalten israelischer Regierungen endlich thematisiert worden ist. Gerechtigkeit ist in Sichtweite – hoffentlich habe ich Recht.

Das Geburtsrecht Steine zu werfen - mein Brief an Haaretz

Ich finde Haaretz eine sehr gute Zeitung. Für Leute, die keine Kritik vertragen, ist sie allerdings ein rotes Tuch. Eigentlich eine Eigenschaft ganz in meinem Sinne. Trotzdem habe ich mein Abo annulliert, da sie Schreibern wie Amira Hass und teilweise auch Gideon Levy, Gelegenheit gibt Israelhetze zu betreiben und im vorliegenden Fall, Fräulein Hass ein Honorar dafür bezahlt den Versuch palästinensischer Gewalttäter mir und anderen Israelis mit Steinbrocken den Kopf einzuschlagen, als empfehlenswert betrachtet. Das passt mir nicht und ich kündigte. Ich hoffe, exzellenten Haaretz-Journalisten wie Ari Shavit, Aluf Benn, Nehemia Strassler und anderen, damit nicht ans Eingemachte gegangen zu sein.

Rabotai,

After having read more than once Amira Hass' article "The inner Syntax of throwing stones" in past Wednesday's issue I wish, after much deliberation, to cancel my subscription of Haaretz with immediate effect.

Amira Hass' "understanding" of everything, even hurting and killing by Palestinians is her right and freedom of expression. It is also my right to react to it the way I do. Palestinians have as little right to kill as do Israelis right wingers and settlers. To my mind Amira Hass suffers from something similar to the Stockholm Syndrome. To her and Gideon Levy as well, Palestinians possess the freedom to commit any crime as long they connect it to their so called fight for freedom, whatever that means in their culture, that since the past Twenties, introduced and  promoted by the Mufti Hadj Amin al-Husseini and the Muslim Brothers' Hassan al-Banna, both Nazis admirers and activists of the first hour, seems to be their main aim in live. Arabs, for the whole world to see, seem to be unable to deal with freedom. At least that is the impression provided by the happenings in their world.

Also I refuse to identify myself with the settler movement (far from it) and support basically the today called Palestinians to have their own state. However,  Palestinian education to Jew hatred and their activities in this respect, dissuades anyone with an open mind, independent of ideology, to support them today. It seems to me, that all Zionist parties (even Meretz) in Israel have come to similar conclusions.  

As long as Amira Hass and to some extend Gideon Levy are given space in Haaretz to provide their poisonous input for the "Israel critical" world, providing them with the excuse to say "Jews themselves say so“ I shall not keep my subscription of Haaretz. Sorry!

Please confirm my cancellation, Paul Russak

PS: a copy of this letter is sent to a number of friends.

Übrigens, meine Annullation ist bisher noch nicht bestätigt worden.