Dienstag, 25. August 2009

Die L.m.a.A. Reaktion

Nun sind wir nach kurzen Wochen in Zürich wieder in Israel. Politisch war es in der Schweiz langweilig, zum Zeitung lesen hatte ich kaum Zeit, zum Fernsehnachrichten schauen schon gar nicht. Ich fiel nach unserer Rückkehr völlig aus den Wolken, all die Geschehnisse der Tage vorher zu Kenntnis zu nehmen. Diese News brachten mich, wenn auch nur kurz, auf den fliehenden Gedanken, unser Haus in Zichron Ya’akov abzutragen und irgendwo auf einer Südseeinsel wieder aufzubauen – fern islamischer und auch jüdischer Hasser, die alles ablehnen, das anders ist und anders denkt, als sie selber. Doch dann, innert Minuten, erinnerte ich mich, dass Menschen und ganz besonders Juden im eigenen blühenden, freien und demokratischen, aber doch mit vielen Problemen belasteten Staat, weder dem Schicksal noch ihren Problemen davonlaufen dürfen oder können. Israel hat uns gelehrt, sich für Familie und die eigene freie Gesellschaft einzustehen, statt sich zu ducken oder gar kopflos zu fliehen.

Hier ein Skandälchen, das mir die Rückkehr nach Zichron Ya’akov versüsste:
Israel wird in einer schwedischen Zeitung angeklagt Araber zu entführen, sie auszuschlachten und mit ihren Organen einen schwungvollen Handel zu treiben. Das wird nicht belegt, sondern bleibt eine Behauptung, entstanden durch anonyme antisemitische Phantasien. Es ist eine typische L.m.a.A. (Leck mich am A.) Situation. Treten wir mit einer trockenen Antwort an die internationale Oeffentlichkeit, werden wir in eine lächerliche Diskussion verwickelt, die wir nicht gewinnen können, denn mit Rationalität hat das nichts zu tun. Deshalb vielleicht ist doch die L.m.a.A. Haltung die vernünftigste. Allerdings sind Israels Medien und die Regierung wieder einmal auf einen Köder hereingefallen – hätten sie das von dieser schwedischen Zeitung in die Welt gesetzte Thema einfach ignoriert, mit einem schweigenden L.m.a.A. quittiert, wäre bestimmt alles schon vergessen. Denn diese Lüge ist so wild und so unmöglich, dass sie bestenfalls müde belächelt werden sollte. Im übrigen will ich daran erinnern, dass ähnliche verlogene Mythen des Judenhasses, wie jüdischer Kindermord um Blut zum Matze backen zu gewinnen, gar nichts neues sind. Sie gehören zur Geschichte des Antisemitismus und, zusammen mit anderen neuzeitlichen Fantasien (wie eben der Organhandel), seit Jahrhunderten zum Repertoire jedes Antisemiten, der etwas auf sich hält. Die heutige arabisch-islamistische Durchschnittskultur der etwa letzten achzig bis hundert Jahre, von den ägyptischen Muslimbrüdern eingeführt und in den Dreissiger und Vierziger Jahren zur bis heute währenden Blüte gebracht, hatte schon damals den Judenhass des aufkommenden Nazismus adoptiert und bis in die heutigen Jahren weiterentwickelt. Matthias Küntzel schrieb dazu ein Buch: „Djihad und Judenhass“, im Blog rechts oben zu finden. Bei dieser neuesten Affäre hat sich vor allem die israelische Regierung falsch verhalten. Dass ein demokratischer Staat wie Israel von einem anderen demokratischen Staat, Schweden, eine Entschuldigung für eine ad absurdum geführte Mediendummheit eine staatliche Entschuldigung verlangt, ist an sich absurd und demonstriert vor allem Aussenministers Liebermans fehlendes Verständnis von Demokratie und freier Gesellschaft. Sein Verständnis erinnert an das Demokratieverständnis Russlands, wenn nicht sogar der Sowietunion und ist davon geprägt. Für Lieberman scheint Pressefreiheit kein Rechtsgut, sondern ein Manipulationswerkzeug extremistische Politiker zu sein, etwas, das er auch der arabischen Welt abgeguckt haben könnte. Ich denke zwar, nachdem der Skandal inzwischen so sehr aufgeblasen worden ist, die schwedische Regierung eine Stellungname dazu abgeben sollte – aber sich entschuldigen für etwas, das sie nicht zu verantworten hat und bestenfalls eine Uebersteigerung demokratischer Pressefreiheit ist, wäre falsch. Ich weiss, dass in den USA, in der Pressefreiheit noch unveräusserlicher ist und fast schon exzessiv wahrgenommen wird, noch weit dümmeres und weit rassistischeres berichtet wird. Und, bitte sehr, vergesst nicht den haarstäubenden und höchst gefährlichen Rassismus aus islamistischen, neonazistischen und linksextremen Quellen, im Internet und anderen Medien von jedermann gratis zu geniessen.

Ins gleiche Kapitel gehören die quellenlosen Anklagen, Israel Armee habe mit Bedacht und Wonne palästinensische Zivilisten im kürzlichen Gazakrieg umgebracht. Sämtliche dieser Behauptungen stammen aus anonymen Quellen, aus dritter oder vierter Hand, hängen völlig unbestätigt und unbewiesen in der Luft und scheinen nur den Zweck gehabt zu haben, Israel wieder einmal in die Pfanne zu hauen. Ist auch da die – ich gebe zu – arrogante, aber einzig vernünftige L.m.a.A. Haltung zu empfehlen? Dass nichts dahintersteckt, scheint inzwischen den meisten Israelkritikern klar geworden zu sein, das Thema scheint vom Tisch.

Denken wir an die Lügen über das „Massaker“ von Jenin mit seinen nicht existenten fünftausend Opfern, die einmal entlarvt, heute nur noch von ganz besonders engagierten Judenhassern geglaubt werden. Weil solche Zeitungsenten, wenn blossgestellt, nur noch als Glaubensartikel für „Israelkritiker“ beklatscht werden. Denn Glaubensartikel haben mit Fakten und Wahrheit nichts mehr zu tun. Das gleiche gilt für das sattsam in den Medien breitgeschlagene und von einem Fernsehjournalisten arrangierte Mohammed Al-Dura Schauspiel, das inzwischen in Frankreich gerichtlich demaskiert worden ist.

Ich hatte heute Gelegenheit mit meinem Enkel Adam, vor kurzem aus der Armee entlassen, zu reden. Adam war als Kompaniefeldweibel (dem entsprechenden Schweizer Rang seines Jobs) einer Aufklärungseinheit der Givati-Brigade beim Frühlingskrieg in Gaza an vorderster Front dabei. Auch er, geboren in einem Kibbuz des sozialistischen (allerdings lange nicht mehr marxistischen) Haschomer Hazair und aufgewachsen in einem Haus, in dem Meretz gewählt wird, erlebte nichts, das nicht „kosher“ war und den heutigen Regeln „humaner“ Kriegskunst (auch Genfer Konvention genannt) entsprechen würde. Es ist anscheinend so, dass die Genfer Konvention von Armeen eingehalten werden müssen, aber für Terroristen wie Hamas oder Hisbullah nicht gilt. Am relativ „geringfügigen“ Fall des von der Hamas aus Israel entführten Soldaten Gilad Shalit, der im völligen Gegensatz zur Genfer Konvention nicht vom Roten Kreuz, aber auch nicht von der Familie besucht werden darf (ganz im Gegensatz zu den in Israel gefangenen palästinensischer Terroristen), ist diese Situation ganz leicht und kommentarlos zu demonstrieren. Dazu eine Neuigkeit: soeben las ich in Haaretz, die Regierung habe bestimmt, dass wegen Sicherheitsvergehen im Zuchthaus sitzende Palästinenser ab sofort keinen Familienbesuch mehr erhalten dürfen. Das als etwas primitive Antwort auf die Politik von Hamas, die Shalit, wie oben erwähnt, versteckt und incommunicado hält. Eine verständliche, doch von mir gesehen, primitive Reaktion. Denn das Wohlergehen ihrer Mitbürger ist auf der Liste palästinensischer Politik weit unten angesiedelt und bestenfalls den Familien vorbehalten.

1 Kommentar:

umfrage.nahostkonflikt hat gesagt…

Guten Tag,

bei meiner Diplomarbeit besteht im Rahmen einer Umfrage zum Nahostkonflikt die Möglichkeit seiner Meinung eine Stimme zu geben. Da ich alle Ansichten berücksichtigen muss, ist es unvermeidbar, dass einige Fragen überaus provokant wirken müssen. Hierfür bitte ich um Ihr Verständnis. Der Link lautet:
http://ww3.unipark.de/uc/umfrage_nahostkonflikt/

Vielen Dank für Ihre Hilfe!