Donnerstag, 17. Februar 2011

Politischer Islam und ein Blick in Vergangenheit und Zukunft

Seit Arabien das Revolutionieren entdeckt hat überbieten sich westliche Regierungen in vorauseilendem Gehorsam und westliche Medien sind zu ebenso gehorsamen Apologeten des politischen Islams – dem fundamentalistischen Islam, der die Welt bedroht – mutiert. Allen voran die Schweiz, die Mubaraks Schweizer Bankkonten (falls es solche gibt) sperren lässt, obwohl sie mit dem gestürzten Diktator bis anhin gute Geschäfte gemacht hatte. Doch „la vache qui rit“ und ihre Bundesräte gaben der Welt eine Lektion in Realpolitik, von der vielleicht auch Kissinger noch etwas lernen könnte. Man stelle sich vor, ähnliches wie die ägyptische Revolution würde in Iran passieren, das im Unterschied zu Ägyptens autoritärem Regierungsstil, einer totalitären islamistischen Diktatur frönt, am besten vergleichbar, wenigstens im islamischen Bereich, mit dem Reich der Hisbollah und der Hamas, letztere ein Ableger der ägyptischen Muslimbrüder, die nun von westlichen Sympathisanten in den Medien hochgejubelt werden. Dabei wird vergessen, dass diese Moslembrüder, die Ende der Zwanzigerjahre im vergangenen Jahrhundert von Beginn an ihren Judenhass am Nationalsozialismus ausgerichtet hatten und diesem bis heute anhängen, allerdings diese erst in Gaza durch ihre Hamasjünger praktisch anwenden können, denn dort haben sie Macht. Juden werden von dort mit Raketen traktiert, Christen mit Mord- und Brandanschlägen, wie auch Bücherverbrennungen (eine andere nazistische Tradition) und das gemeine Volk wird mittels Religions- und Sittenpolizei, Denunzianten terrorisiert. Inzwischen, so wissen wirkliche Fachleute, ist die Führungsriege der Hamas nicht weniger korrupt wie ihre Vorgänger der Fatah. Allerdings wird immer wieder bemerkt, dass Hamas doch durch die freiesten demokratische Wahlen der arabischen Welt (Chimelli, TA 12.2.2011) an die Macht gekommen ist – was stimmt. Unerwähnt bleibt, dass jeder Wähler Gazas eine Stimme hatte, einmal abstimmen durfte und das war’s. Solange Hamas an der Macht bleibt, wird es solche Wahlen nicht wieder geben. Nach diesen demokratischen Wahlen brachte Hamas die Mitglieder der Fatahopposition schlicht um, stürzte sie von Hochhäusern und errichtete einen kleinen aber feinen islamofaschistischen Einparteienstaat, von Islamisten der Welt beneidet und von westlichen Gutmenschen (ich habe diesen Ausdruck schon lange nicht mehr benutzt, als Alternative dazu schlage ich „nützliche Idioten“ vor) bewundert. All das wird von Journalisten wie Claudia Kühner und Rudolph Chimelli in der Ausgabe des Tages-Anzeigers vom 12. Februar 2011 unterschlagen.



Mubarak war, wie alle arabischen Herrscher, ein Diktator, der sich auf Kosten seines Volkes privat bereichert haben soll – etwas, das erst nach seinem Fall zum Thema wurde. Er war ein Freund der internationalen Gemeinschaft aller Politiker, die ihn allerdings wie eine heisse Kartoffel fallen liessen, als es ihm an den Kragen ging. Garantiert ein Schock für die Herren Assad, Ghaddafi, König Abdullah von Saudiarabien und dem kleinen und wirklich sympathischen König Abdullah von Jordanien, um einige zu nennen. Genau gesehen führte Mubarak nur die politische Tradition der ägyptischen Diktatoren Nasser und Sadat fort. Nasser war weit brutaler und rücksichtsloser – aber sein Volk liebte ihn, obwohl er es nicht weniger an der Nase führte und und mit seinem „Sozialismus“ in den Ruin trieb. Auch soll er nicht korrupt gewesen sein, was er mit Adolf Hitler, Stalin, Mao Tse Dong, Pol Pot - um einige Namen ehrlicher Massenmörder zu nennen – gemeinsam hatte.

Der Staat Israel besitzt ein mustergültiges Gesundheitssystem westlicher Art, das Teil des israelischen Wohlfahrtssystems ist, wie Pensionskassen, Arbeitslosenversicherung und was sonst noch dazu gehört. Nun schreibt auch der oben erwähnte Rudolph Chimelli in seinem Artikel „Schluss mit der Heuchelei“ in seinem oben erwähnten Tagiartikel unter anderem wortwörtlich über den politischen Islam, womit er die Muslimbrüder meint: „Obwohl sie verboten waren, haben die Muslimbrüder ihr Netzwerk von Ambulatorien, Kindergärten, Sozialhelfern über das ganze Land ausgebreitet. Im Gegensatz zu den Funktionären des Regimes stehen die Brüder nicht im Ruf, zu stehlen. …“. Das war und ist in vielen Ländern so, in denen totalitäre Ideologien mit solchen sozialen Angeboten auf Menschenfang gehen, weil die Bevölkerung von ihrer korrupten Regierung vernachlässigt wird. Oder gar, wie in Nazi-Deutschland, soziale Dienstleistungen als Teil der totalitären Ideologie dem Volk angeboten wird, wenn auch nur für Arier.

Wie viele denke ich, dass das ägyptische Volk erst einen kleinen Teil der Demokratie entdeckt und benutzt hat: den der freien Meinungsäusserung und den freie Versammlungs- und Demonstrationsrecht. Von anderen Teilen demokratischen Lebens ist noch nicht die Rede: sei es Rechtsgleichheit für Frauen und Minderheiten, Gewaltentrennung der Legislative, Exekutive und Judikative, Religionsfreiheit (für und von), um nur einige zu nennen. Ich hoffe das ägyptische Volk wird den Weg dazu finden, auch wenn Grundbedingungen wie der gegenwärtige Analphabetismus und steinzeitliche religiöse und kulturelle Zwänge diesen Weg lang und schwierig machen.

Zum Schluss noch einige historische Beispiele zum Thema Demokratie in islamischen Ländern:

• Erinnert euch an die iranische Revolution, als viele verschiedene Menschen in die Strassen strömten und Freiheit verlangten? Mahmud Ahmadinejad ist jetzt Präsident.

• Erinnert euch an den Beiruter Frühling, als Menschen in die Strassen strömten und Freiheit verlangten? Heute regiert Hisbollah den Libanon.

• Oder nochmals: Erinnert euch and die freien Wahlen der Palästinenser? Hamas tyrannisiert heute Gaza.

• Erinnert euch an den Wunsch für Demokratie in Algerien? Hunderttausende wurden im folgenden Bürgerkrieg ermordet.

In Ägypten und auch in Tunesien muss es nicht so werden. Aber diese Beispiele beängstigen. Die Binsenwahrheit, dass Demokratie sich mit Religion - ganz besonders mit fundamentalistischen Varianten - sich nicht verträgt, wurd durch die moderne Geschichte eindeutig bewiesen. Die Kombination Demokratie und Religion ist ein klassisches Oxymoron und gilt für Christentum, Judentum und heute besonders aktuell, für den Islam.

Kommentare:

Reinhard Meier hat gesagt…

Lieber Uri: Noch ein fragwürdiges Beispiel zum Thema Demokratie, das Du nicht erwähnt hast: Netanyahu ist aufgrund demokratischer Wahlen zum zweiten Mal an die Macht in Israel gekommen - und fördert jetzt unbeirrt die religiös-fundamentalistisch motivierte Siedlungsexpansion in den besetzten Gebieten. Damit handelt er nicht nur gegen den ausdrücklichen Rat und Wunsch von Israels engesten Verbündeten und wichtigstem Geldgeber. Er untergräbt gleichzeitig Israels völkerrechtliche Legitimation und moralische Glauwürdigkeit, was das Land wie nie zuvor in die weltpolitische Isolation treibt. Man kann im Interesse Israels nur hoffen, dass das Wahlvolk beim nächsten Urnengang dieser destruktiven, neokolonialen Arroganz Einhalt gebieten wird. Auch in Israel wäre ein "politischer Frühling" bitter nötig. Sonst könnte auch in diesem Fall - trotz erprobter demokratischer Tradition innerhalb der anerkannten Grenzen Israels - Gorbatschews ominöses Diktum aktuell werden: Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte.

Uris Tagebuch hat gesagt…

Lieber Reini, deinen Kommentar habe ich sofort freigegeben, was ich immer tue, ausser wenn jemand Unflätigkeiten von sich gibt. Was Du schreibst habe ich schon einige Male behandelt, vor allem in der Form des aufkommenden Rassismus. Ich muss Dir ehrlich gestehen, das ganze Phänomen macht mich fertig. Es ist so total unjüdisch und ist Teil der Siedlungspolitik, vielleicht nicht für alle sofort erkennbar. Es sind die Faschistoiden, ob in der frommen oder in der nationalistischen Form. Allerdings bin ich noch immer der Meinung, das Siedlungsproblem der Westbank sei weit überbewertet und wird als Feigenblatt für den herrschenden Antiisraelismus missbraucht. Gaza hat gezeigt, dass Israel abziehen kann, ob 8000 Siedler oder 250'000 is only a matter of degree. Ich bin überzeugt, dass sogar Nethanyahu genau weiss, was getan werden muss. Israel muss weg aus der Westbank, aber beeilen muss es sich nicht, solange die palästinensische Erziehung zum Judenhass und die Unterschiede zwischen palästinensischen Reden in Arabisch oder Englisch sich so offenkundig diametral idersprechen. Dein Uri