Sonntag, 4. September 2011

Verschiedenes

Gilgulistik

Mein Enkel Gil in Zürich, noch keine sechs Jahre alt, hat immer das letzte Wort. Man ruft ihn meist Gilgul. Gilgulismen, Originelles aus seinem Mund, gibt es inzwischen zuhauf. Den Neuesten will ich hier wiedergeben. Er ist Weltklasse:
Beim Abendessen ermahnt seine Mutter (meine Tochter) Michal, ihren älteren Sohn Matan (bald 11), nicht so schnell zu essen. Einen kurzen Moment später wird Matan wieder ermahnt: „Iss nicht so schnell“, diesmal von Gilgul, seinem kleinen Bruder. Michal sagt ihm, das soll er nicht tun, Matan sei sein Bruder und nur Mami oder Papi dürfen ihm solches sagen. Gilgul: „Wenn ich gross bin, werde ich auch Kinder haben und dann darf ich sie ermahnen, denn dann bin ich der Papi“. Michal: „Richtig, aber jetzt bist du noch klein und tust das nicht!“ Gilgul: „Aber ich muss doch üben!“. Das als Einstieg.

Zwischen Antisemitismus und Israelkritik

In der Zeitschrift Cicero ist unter diesem Titel ein Artikel und Buchauszug erschienen, dessen Aussagen, sagen wir mal, zu neunzig Prozent auf die Schweiz übertragbar sind. Es geht um den Antizionismus der deutschen Linken. In der Schweiz könnte man vielleicht sagen der Grünen und Teilen der Linken (SP).

Der Text ist eine gekürzte Version eines Kapitels des gleichnamigen Buches von Timo Stein und gibt in relativer Kürze die Entwicklung des linken Antizionismus und Antisemitismus wieder. Im Klappentext dieser nur 120 Seiten dicken Broschüre steht:

„Antisemitismus ist bei weitem kein allein am rechten Rand vorkommendes Phänomen. Der Antizionismus, der sich mit Beginn des arabisch-israelischen Sechs-Tage-Krieges innerhalb der Linken durchzusetzen begann, generierte in seiner radikalsten Ausprägung antisemitische Inhalte. Dieser antizionistische Antisemitismus in der Linken ist bis heute aktuell und bis hinein in die Antiglobalisierungs-Bewegungen zu verfolgen. Timo Stein zeichnet den Antisemitismus von links historisch-analytisch nach und benennt Ursachen und Quellen.“ Lesen lohnt sich.

Von der vor allem durch die sozialistischen Kibbuzim ausgelösten Begeisterung für Israel wird der Leser bis zum als Antizionismus getarnten Judenhass der heutigen Tage geführt.

Die Parallelen zur Schweiz sind frappant. Namen und Organisationen könnten mit Leichtigkeit ausgewechselt werden. Die „Juden und Jüdinnen für den gerechten Frieden in Palästina“ sind gedanklich und in ihren Aktivitäten fast identisch mit der unappetitlichen Zeitschrift „Der Semit“ des Abraham Melzer. Lesen lohnt sich hier nicht, doch sollte man grundsätzlich darüber informiert sein. Menschen wie diese, die der jüdischen Gesellschaft nichts Positives beizutragen haben, sondern mit extremistischer Zerstörungswut nur niederreissen wollen, was andere erbaut haben, geben anständigen Juden einen schlechten Namen. Ich frage mich immer wieder, was sie motiviert. Aber auf eine befriedigende Antwort bin ich noch nicht gekommen, ausser vielleicht eine stark gestörte Wahrnehmung gepaart mit dem verwirrten Drang sich damit zu profilieren. Mit Gutmenschentum hat das viel zu tun, mit gutes tun aber nichts.

Wie man Alte über den Tisch zieht

Lea und ich sind vor einem Jahr von unserem zweistöckigen Häuschen in eine Wohnung umgezogen, Treppensteigen ist für Lea schwierig geworden. Jetzt können wir ohne eine einzige Stufe ins unsere neue, lichte und geräumige Wohnung gelangen – traumhaft.

Trotzdem wollte ich, einfach aus Prinzip, wissen wie es in den in Israel heute sehr populären und offenbar überfüllten Altersresidenzen aussieht und zu welchen Bedingungen man dort unterkommt. Ich war vor Jahren einmal Verwandte in der Altersiedlung „Century Village“ in Deerfield Beach besuchen und war beeindruckt. Seinerzeit bezahlten sie für eine geräumige und sehr bequeme Zweizimmerwohnung mit Lift und stufenlosem Zugang US$ 24'000. Die Preise haben sich bis heute vervierfacht, im Durchschnitt kostet heute eine Wohnung US$ 100'000. In Israel sind das heute etwa 400'000 Schekel. Kosten für Reinigung und ähnlichem sind ca. US$ 250 monatlich. Dieses Century Village besitzt drei 18-Loch Golfplätze und ein enormes Zentrum mit Theatersaal (1000 Sitzplätze) und Festsaal mit 3000 Plätzen, in dem die Omas und Opas Bar/Batmizwas und Hochzeiten ihrer Enkel feiern können. Dazu kommen etwa 20 Schwimmbecken. Golf und Schwimmen sind in den Kosten inbegriffen, die vielen Kurse, die Bibliothek etc. auch. Es gibt keinen Supermarkt, keine Geschäfte, die Pensionäre sind so gezwungen in die Stadt zu fahren um einzukaufen, womit sie den Kontakt zur Aussenwelt nicht verlieren. Heute wohnen dort, so las ich, rund 30'000 Rentner, zu 90% Juden. Man findet sie oft in Gesellschaft ihrer schwarzen, in weiss gekleideten Pflegerinnen an der Sonne sitzen und ihre alten Knochen wärmen.

Hier in Israel funktioniert das anders. Wir besuchten das Pensioniertendorf in Nordiya, wo wir zu einem Symphoniekonzert der Symphonietta Raanana eingeladen waren und wollten uns schlau machen. Auch wollte ich endlich wissen, wie so ein Dorf in Israel aussieht, was es kostet und was es bietet. Es liegt nahe dem Damenzuchthaus Neve Tirza.

Mit einem amerikanischen Retirement Village lässt es sich in keiner Weise vergleichen. Zwar sind die von uns besuchten Wohnungen sehr hübsch, aber auch klein. Die Anlage ist schön und sehr luxuriös aber Golfplätze gibt es keine und es ist nur ein einziges Schwimmbecken vorhanden. In der Grösse lässt sich natürlich nichts vergleichen. Was mich jedoch erst stutzig machte und dann verärgerte ist die Finanzierung. Man kann nicht einfach eine Wohnung kaufen, sondern man überreicht dem Heim einen festgelegten Preis als Depot. Nehmen wir ein Beispiel, das sich leicht rechnen lässt: das verlangte Depot beträgt 1'500'000 Schekel und wird nicht verzinst, ist aber an den Teuerungsindex gebunden. Jährlich nimmt das Heim 3% des Depots als Miete vom Kapital und das für zwölf Jahre. Dann ist ein Drittel des Depots weg. Zudem zahlt der Pensionär eine monatliche Servicegebühr von ca. 8'000 bis 10’000 Schekel, je nach Grösse der Wohnung, beinhaltend wöchentliche Reinigung, Wäsche, Strom, Kurse, Benützung der Anlagen und die Sicherheitsleute. Auch das ist an den Teuerungsindex gebunden.

Jahreskosten dieses Beispiels sind also rund 140'000 Schekel, d.h. monatlich fast 12'000 Schekel. Essen in der Wohnung oder im Esssaal gehört nicht dazu, Krankenversicherung, Steuern etc. auch nicht. Sollte man, Gott behüte, nach zwölf Jahren noch immer leben, behält das Heim die Zweidrittel des Depots in seiner Obhut, aber zieht keine jährliche 3% mehr ab. Dir Frage ist: was tut diese Altendorfverwaltung mit diesem riesigen Kapital von zig Millionen Schekel aller Mieter. Sie verzinst sie nicht und darf anscheinend damit tun was sie will, an der Börse damit spekulieren - was immer am profitabelsten ist. Wenn dann die Alten einmal unter der Erde sind, erhalten die Erben den restlichen Zweidrittel des Depots, immer teuerungsgebunden und wie erwähnt, völlig zinslos.

Da in Israel die USA stets als das grosse nachahmenswerte Beispiel für fast alles herhalten muss, scheint noch niemandem aufgefallen zu sein, dass die dummen Alten in Israel für diese, wenn auch luxuriöse Art zu Wohnen viel zu viel zahlen. Mit einem Bruchteil oben erwähnter Summe kann man sich eine sehr schöne Wohnung kaufen und eine live-in Haushalthilfe halten. Wird man altersschwach und ist auf Pflege angewiesen, liegt statt der Haushalthilfe auch ein Pfleger/in drin. Und wird man zum wirklichen Pflegefall muss man auch in Nordiya die schöne Wohnung aufgeben und ins angebaute Pflegeheim ziehen.

Als ich mir überlegte unter so vielen Alten zu wohnen, dachte ich, unter solchen Umständen würde ich kein Jahr überleben, freiwillig meine Freiheit und einen grossen Teil meines Kontaktes zu Aussenwelt verlieren – auch wenn man theoretisch frei ist zu tun, was man will – sogar mit eigenem Auto. Das ist das Eine.

Als Zweites finde ich die unverschämte Art, wie sich solche Luxusaltenabsteigen finanzieren, ein über den Tisch ziehen argloser Pensionäre. Und keiner sagt was.

Also nichts für mich.

Kommentare:

Alexander Scheiner hat gesagt…

Lieber Uri, da bereits etwa 1.8 Milliarden Muslims, plus 135 jüdische Schweizer und dazu noch etwa 1400 globale Juden, beide aus dem linken Lager, entweder stur oder gleichgültig gegen Israel sind, möchte ich mich nicht negativ über die "Alten in Israel" äussern. Dafür komme ich, hoffentlich diesmal ganz ohne Polemik, auf den Juden- und Israelhass in der Schweizerpresse zurück. Inzwischen, Dein Alexander Scheiner

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