Samstag, 14. Februar 2009

Khaled Abu Toameh bringt Fakten

14.2.2009

Zufälle gibt es: im letzten Eintrag in Uris Tagebuch schrieb ich über einen Krimi (übrigens kommt, vorerst in English, ein dritter Band heraus) und machte auf die Beschreibung des palästinensischen Lebens in der Westbank und die noch weit schlimmere Situation in Gaza aufmerksam. Die Krimis von Matt Rees sind Romane und man könnte, wenn so motiviert, sagen, es sei alles Fantasie. Gestern sandte mir jemand einen Vortrag mit anschliessenden Frage und Antwort des bekannten palästinensischen Journalisten Khaled Abu Toameh englischer Sprache zu, kurz darauf erhielt ich dessen deutschsprachige Version, die ich hier, mangels Link, wiedergeben will. Die deutsche Uebersetzung ist nicht gerade professionell, wer damit Mühe hat, kann problemlos auf das englische Original zurückgreifen (siehe Link).Es sind viele Seiten aber wichtig und, so denke ich, seit Jahren das wichtigste Dokument zum Thema der innerpalästinensischen Zerfleischung über die Jahrzehnte. Khaled Abu Toameh bringt Fakten, klagt nicht an und ist gerade deshalb überzeugend. Hier, bitte sehr, der vollständige Vortrag und Diskussion. Die Krimis von Matt Rees zu lesen, lohnt sich aber immer noch.

Ein Blick hinter die Kulissen des israelisch –palästinensischen Konflikts
Ein Vortrag von Khaled Abu Toameh, palästinensischer Journalist bei der ‚Jerusalem Post‘, vom 1. Februar 2009

Nachdem ich meine Mittelschule beendet hatte, stellten mich die PLO-Büros als Korrespondent an. Ich arbeitete sieben Jahre lang für eine PLO-Zeitung während ich an einer Universität in Jerusalem studierte. Nach Abschluss meines Studiums musste ich mich entscheiden: soll ich weiter für die PLO arbeiten, oder versuche ich ein richtiger Journalist zu werden? In zwei Sekunden fällte ich meinen Entscheid. Ich beschloss, mit den internationalen und den israelischen Medien zu arbeiten.


Was heisst das, wenn ich sage „mit den internationalen Medien arbeiten“? Wir haben Hunderte von ausländischen Journalisten, die in unseren Teil der Welt kommen – jedes Jahr, jeden Monat und manchmal jede Woche – um über die hiesigen Geschichten zu schreiben. Nun gibt es hier zwei Geschichten: eine, die in Israel geschieht und eine in den Palästinensergebieten.

Glücklicherweise ist Israel eine offene Nation, die den Menschen erlaubt über alles zu schreiben. Sie können den Premierminister kritisieren, den Verteidigungsminister, die israelische Armee. Man kann über all die schlimmen Dinge gegen Israel schreiben und sich immer noch im Stadtzentrum von Jerusalem frei bewegen. Aber wenn man über die Palästinensergebiete schreibt, ist das völlig anders. Man kann als ausländischer Journalist nicht einfach am Morgen aufstehen und in ein palästinensisches Dorf fahren. Man kann nicht einfach kommen und sagen „Guten Morgen, ich arbeite für die New York Times. Kann ich bitte zu Hamas sprechen.“ Es funktioniert aus verschiedenen Gründen nicht so. Sie verstehen die Sprache nicht und brauchen einen Übersetzer. Sie kennen sich nicht aus. Und das wichtigste: sie sind nicht sicher.

Deshalb sind ausländische Journalisten, die über die Ereignisse in den Palästinensergebieten schreiben auf sogenannte Fixer (=Mittelsmänner) angewiesen. Und da komme ich ins Spiel. Während den vergangenen zwanzig Jahren habe ich als Fixer, Übersetzer, Berater gearbeitet – man kann das bezeichnen wie man will – mit den meisten ausländischen Medien. Als vor acht Jahren die zweite Intifada anfing, begann ich für die Jerusalem Post über palästinensische Angelegenheiten zu schreiben. Einige Leute fragen mich: „Wann bist du Zionist geworden? Wann bist du pro-Israel geworden?“ Nun, ich bin nicht pro-irgendetwas ausser pro-Fakten und pro-Wahrheit. Als Journalist habe ich kein Problem für irgendeine Zeitung zu arbeiten, die mir die Möglichkeit dazu gibt. Es ist mir egal ob sie jüdisch, christlich, muslimisch, oder gar buddhistisch ist.
Um ehrlich zu sein finde ich es ironisch, dass ich als arabischer Muslim, der in diesem Teil der Welt lebt, für eine jüdische Zeitung oder die internationalen Medien arbeiten muss, um diese Art von wirklichem Journalismus auszuüben. Warum? Weil wir keine freien Medien haben. In den Palästinensergebieten gab es sie nicht als ich dort in den 70er und 80er Jahren arbeitete, wir bekamen sie nicht als wir Yasser Arafat holten um die Palästinenser-Autorität anzufangen, und natürlich haben wir heute keine freie Presse unter Fatah, Hamas und denn übrigen Banden, die das Sagen haben. Und das ist sehr tragisch.


Manchmal wünschte ich mir, dass das Problem mit den Medien das einzige Problem ist, das wir haben, aber wie ihr alle wisst, haben wir eine verfahrene Situation. Ich bin einer, der in den vergangenen fünfzehn Jahren behauptete, dass die Dinge in diesem Teil der Welt sich in der falschen Richtung entwickelten. Einige Monate nach Unterzeichnung von Oslo kamen wir zum Punkt, an dem viele Juden und Araber die guten alten Tage vor dem Friedensprozess vermissten.

Was meine ich damit? Oslo war nicht schlecht. Oslo basierte auf der Idee von zwei Staaten und dem Ende der militärischen Besetzung in der einen oder anderen Form. Die Idee von Oslo war also nicht schlecht. Eine Trennung von Juden und Palästinensern, die nicht zusammen leben wollen. Und in dieser Form unterstützte ich die Idee. Ich dachte sie sei gut.

Aber die Art und Weise wie Oslo umgesetzt wurde brachte für Juden und Araber eine Katastrophe. Damals war die Annahme in den US, in Israel und in vielen Orten Europas, dass, wenn man die PLO und Tausende von PLO Kämpfern in die Westbank und Gaza bringt und ihnen Millionen von Dollar und Gewehre zur Verfügung stellt, sie die Drecksarbeit der Ordnungshüter in der Westbank und Gaza tun würden. Sie würden die Besetzung ersetzen und Hamas und Islamic Jihad bekämpfen. Sie würden alle diese wunderbaren Dinge tun. Warum? Weil wir sie bezahlen.

Die internationale Gemeinschaft und Israel sammelten diese PLO Kämpfer aus der ganzen Welt, entliessen Tausende von PLO Kämpfern aus israelischen Gefängnissen, gaben ihnen Uniformen und Gewehre, und nannten sie Sicherheitskräfte. Das Resultat: Leute, die keine Grundausbildung hatten und die Schule nicht abschlossen, wurden Oberste und Generäle in Yasser Arafats Regierung. Er gründete sechzehn verschiedene Sicherheitsorganisationen mit Hilfe der Amerikaner, der Europäer und der Israelis. Und sie fingen an, diesem Regime, das sie Palästinenserautonomie nannten, Geld nachzuwerfen - Milliarden von Dollar - in der Hoffnung, Arafat würde ihre Wünsche durchsetzen.
Nun muss ich nicht noch mehr sagen. Wie ihr wisst, war Arafat ein Gauner. Das meiste Geld, das der palästinensischen Autorität geschickt wurde, versickerte oder unterstützte die Einkaufswut von Arafats Frau, die in Paris lebte. Statt für uns Spitäler zu bauen, baute Arafat in Jericho ein Casino, wie wenn die palästinensische Revolution vierzig Jahre lang darauf gewartet hätte, ein Casino zu bekommen. Und die Höhe war, dass er dieses Casino vis a vis von einem Flüchtlingslager baute. Die Palästinenser sahen keine Friedensfrüchte.
Meine Überlegung ist folgendermassen: Die Tatsache, dass Arafat ein Gauner war, erstaunte uns Palästinenser nicht. Wir waren nur erstaunt darüber, dass die internationale Gemeinschaft ihm weiterhin Geld nachwarf und sich weigerte, ihn verantwortlich zu machen, wenn er unser Geld stahl. Warum wollten sie das nicht? Sie wollten es nicht glauben.


Als ich versuchte meine ausländischen Kollegen aufzuklären..., dass es in der Palästinenserautonomie Korruption gebe, fragten mich viele, ob ich von der jüdischen Lobby bezahlt sei. Ich wollte wissen: Wo ist diese jüdische Lobby? Falls es eine gäbe, würde sie mich vielleicht sogar bezahlen. Ich sagte ihnen: „Das ist es was ich höre. Die Anzeichen sind da. Kommt und hört, was die Palästinenser sagen.“ Und sie sagten mir, sie seien an dieser Geschichte nicht interessiert. Sie erklärten mir, dass sie Antiisrael Geschichten wollten, weil das ihr Leben viel einfacher mache. Sie erklärten mir, dass sie nichts Schlechtes über die Palästinenser schreiben wollten, dass Arafat ein Mann des Friedens sei und dass man ihm eine Chance geben sollte. Ich hörte das übrigens von bekannten amerikanischen Journalisten. Führenden amerikanischen Journalisten. Ich will euch jetzt die Namen nicht nennen, aber ich war wirklich frustriert. Und wütend. Hört: Während all diesen Jahren griffen wir die Militärbesatzung an. Wie kommt es, dass ihr, wenn ich euch etwas erzähle, was Arafat macht, ihr plötzlich nicht darüber schreiben wollt, und denkt, es sei jüdische Propaganda? Die meisten dieser Journalisten wollten sich nicht einmal die Mühe nehmen.
Was tat Arafat, als er den Leuten kein Geld gab. Er radikalisierte die Palästinenser, die keine Friedensfrüchte sahen. Und das ist der erste Grund warum die palästinensische Gesellschaft radikalisiert ist. Aber es gibt noch andere Gründe.


Grund Nummer zwei. Ihr habt Yasser Arafat Gewehre gegeben, damit er Hamas und Islamic Jihad töten würde. Stattdessen brauchte er diese Gewehre gegen jeden, der Reformen und Demokratie wollte. Arafat brauchte eure Gewehre, eure Waffen, die von den USA bereitgestellt wurden, um die Führer einer neuen Führung zu unterdrücken. Lasst mich ein Beispiel geben. 1997 unterschrieben 29 palästinensische Professoren eine Petition, dass Arafat die Korruption beenden solle. Sie wurden entweder angeschossen, getötet, ins Gefängnis geworfen, oder sie flohen. Das ist keine Geschichte, die man in CNN sehen würde. Ich denke auch, dass nicht einmal die New York Times darüber berichtete. Arafat griff bei den Reformern und den Demokraten durch, und bei den Leuten, die eine integre Regierung wollten. Und den Rest der Leute schickte er in die offenen Arme der Hamas. Er unterdrückte die Reformer und weigerte sich Hamas und Islamit Jihad zu unterdrücken.

Grund Nummer drei. Ihr habt Arafat Geld gegeben, um eine TV- und Radiostation zu bauen. Und in dieser TV- und Radiostation sagte Arafat: „Jihad, Jihad, tötet die Kreuzfahrer, tötet die Juden, tötet die Ungläubigen, tötet alle ausser mich.“ Nun mögt ihr euch fragen, warum Arafat gegen seine Friedenspartner in Israel aufhetzte, warum er gegen die Amerikaner und Europäer aufhetzte, die ihn unterstützten. Es macht keinen Sinn. Nun, für uns macht es Sinn. So überleben unsere arabischen Diktatoren. Sie lasten das Elend unserer Leute ständig den Juden, dem Westen, den Kreuzfahrern, den Ungläubigen, der zionistischen Lobby und den Imperialisten an. Sie brauchen all diese Schlagwörter. Die arabischen Führer müssen immer sicher sein, dass ihre Leute jemand anderen hassen, vor allem die Juden und die Amerikaner. Sonst könnten ihre Leute ja rebellieren, und – noch schlimmer – Reformen verlangen.

Genau das tat Arafat auf Arabisch. Die internationale Gemeinschaft – ja sogar die Israelis – wollten nicht auf das hören, was Arafat auf Arabisch sagte. Nur auf das, was er auf Englisch sagte. Sie sagten, was er auf Englisch sagte, sei gut. Ich sagte: „Entschuldigt bitte, aber auf Arabisch sagt Arafat dem Volk, es solle euch töten.“ Aber sie wollten nicht auf die Hetze hören. Sie unterschätzten das. Sie sagten: „Ihr Araber seid alle korrupt und wisst nichts von Demokratie. Deshalb verdient ihr eine Diktatur.“ Diese Hetze trieb die Menschen in die offenen Arme der Hamas. Arafat sagte den Leuten wie böse die Juden seien, und die Leute erwiderten: “Hamas hat Recht. Die Juden sind Nachkommen von Affen und Schweinen. Warum sollen wir mit ihnen Frieden machen?“


Der vierte Grund, der meiner Meinung nach viel weniger wichtig ist, besteht darin, dass Israel die PLO in die Palästinensergebiete brachten, sie bewaffnete, ihr half all diese Sicherheits-Bürgerwehren, Verbrecher und Mafiosi aufzubauen, und dann sagten, dass sie sich vor ihren Friedenspartnern schützen müssten. Und wie schützten sie sich? Indem sie Behinderungen und Ausgangssperren verhängten, und die palästinensischen Ortschaften mit Strassenkontrollen umgaben. Warum? Weil sie sich vor den Bürgerwehren und Mafiosi, welche sie in die Westbank und nach Gaza brachten, schützen mussten. Auf diese Art verloren die Palästinenser den Glauben an den Friedensprozess.
All dies radikalisierte die palästinensische Gesellschaft bis zu dem Punkt an dem Hamas, als sie sich entschloss, an den freien und demokratischen Wahlen unter dem Banner von „Veränderung“ und „Reform“ teilzunehmen, siegte. Das war alles absehbar. Die Zeichen waren klar. Irgendjemand, der damals Arafat entgegentrat, hätte gewonnen. Sogar Ehud Olmert, falls er an den palästinensischen Wahlen teilgenommen hätte mit dem Versprechen von Veränderung, Reform und Demokratie. Weil es im Januar 2006 bei den Parlamentswahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten hauptsächlich um interne Reformen in den Palästinensergebieten ging.
Hamas war bereit zu zeigen, was sie konnten. Was taten sie? Sie kamen zu den Palästinensern und sagten: “Hört mal. Ihr habt es mit diesen PLO Leuten versucht. Sie sind korrupt. Sie sind böse. Arafat war ein Dieb. Auch Abu Mazen ist ein totaler Versager. Diese Kerle haben euer Geld gestohlen. Diese Kerle sind US Agenten, sie sind Geheimdienstler. Warum versucht ihr es nicht mit uns? Wir werden euch zeigen, dass wir eine gute Regierung auf die Beine stellen können. Im Übrigen seht was wir für euch getan haben seit 1988. Wir haben ein verbreitetes Netz von Erziehungs-, Sozial-, Gesundheits-, und Wirtschaftsdiensten aufgezogen. Arafat baute ein Casino, während wir zwei Universitäten bauten. Arafat gab seiner Frau monatlich 100‘000 $, damit sie ihre Einkäufe machen kann, aber wir gaben den Armen Geld. Arafat baute in Ramallah Trinkstuben und Restaurants, während wir Waisenhäuser und Wohltätigkeitsinstitutionen bauten.“ Deshalb sagten sich die Palästinenser: “Versuchen wir's mal mit der Hamas. Wenn sie an die Macht kommen, können sie nichts mehr stehlen. Sie können nicht noch korrupter sein als die PLO.“ Das war ihr Hauptargument. Ich sage nicht, dass alle, die 2006 für Hamas stimmten, eine Proteststimme einlegten. Wir müssen da sehr vorsichtig sein. Hamas haben viele Anhänger. Ich sage nur, wenn es die Proteststimmen gegen die PLO nicht gegeben hätte, wäre Hamas nicht an die Macht gekommen. Warum? Weil ich von Christen weiss, die für Hamas stimmten. Ich weiss von gemässigten Palästinensern, die für Hamas stimmten. Ich weiss sogar von PLO- Leuten, die für Hamas stimmten, weil es damals hiess „Lasst uns die PLO bestrafen.“ Und wie macht man das? Indem man für den Hauptrivalen, die Hamas stimmt. Es klappte. Hamas kam an die Macht.


Was seither passiert ist ebenfalls sehr interessant. Die US Regierung ging mit Hilfe von einigen Europäern und einigen Israelis - nachdem Hamas die Wahlen gewonnen hatte - zu den Kerlen, welche die Wahlen verloren hatten und sagten „Leute, hier sind Waffen und einiges an Geld. Geht und entmachtet dieses demokratisch gewählte Regime.“ Was war das Resultat als die US sich in die palästinensischen Angelegenheiten einmischte? Es war ein Eigengoal. Es half der Hamas und gab ihrer Popularität Auftrieb. Was dachten die Palästinenser als sie sahen wie sich Condoleeza Rice und George W. Bush offen gegen diese demokratisch gewählte Regierung stellten? Ihre Sympathien wandten sich dieser demokratisch gewählten Regierung zu, auch wenn sie Hamas heisst. Wenn Palästinenser PLO Leute sehen - Fatah Leute - die offen mit den Amerikanern und Israelis gemeinsame Sache machen, um diese demokratisch gewählte Regierung abzusetzen, werden sie die PLO noch mehr hassen......

Sie wehrten sich. Einige sagen sie putschten. Sie warfen die Fatahleute aus Gaza. Weniger als 10‘000 Hamaskämpfer besiegten 70‘000 Fatah Polizisten, die von Amerika unterstützt wurden. Die Frage ist, wie machten sie das? Die Antwort ist ganz einfach. Sobald Hamas zu schiessen anfing, kämpften diese Leute nicht. Sie rannten davon. Sie ergaben sich der Hamas. Sie gingen einfach zu Hamas und sagten: „Nein, nein, Hamas, bitte. Wir geben euch alle Waffen. Alles. Nur lasst uns in Ruhe.“ Und sie rannten davon.

Zuerst rannten sie in Richtung Ägypten. Aber Mubarak ist nicht dumm. Er versiegelte die Grenze. Ich war dort als es geschah. Israel war das einzige Land in der Welt, das Truppen, Helikopter, Flugzeuge und Ambulanzen schickte um Muslime vor Muslimen zu schützen, die sie abschlachten wollten. Israel nahm sie und verfrachtete sie in die Westbank.

Und wo stehen wir heute? Ich erklärte ihnen bereits, dass ich einer von denen bin, die eine Zweistaatenlösung befürworten. Ich finde es eine wunderbare Lösung. Aber schlussendlich werden wir eine andere Zweistaatenlösung bekommen. Wir haben zwei separate Gebiete. Eines ist Gaza, das andere die Westbank. Gaza ist ein von Hamas regierter islamischer Staat, der von Ahmedinejad, Syrien und Hisbollah unterstützt wird. Einige sagen, auch von Al Qaida und der Moslembruderschaft. Das ist eine sehr gefährliche Situation. Als ein gemässigter Muslim ist das der letzte Ort auf der Welt, in dem ich wohnen möchte.

In der Westbank haben wir das säkulare, korrupte, machtlose Regime der PLO. Abu Mazen und all diese Abus. Die Arafat-Vertrauten, welche ihr Volk während fünfzehn Jahren betrogen. Welche die Wahlen im Januar 2006 wegen Korruption verloren. Welche aus Gaza herausgeschmissen wurden, weil sie versagten. Welche die Kontrolle über die Hälfte der Palästinenser verloren, die in diesem Teil der Welt leben. Sie sitzen in Ramallah. Diese Leute sind nur im Amt wegen der Präsenz der israelischen Armee in der Westbank. Wenn die israelische Armee morgen früh die Westbank verlassen würde, täten diese PLO Leute in fünf Minuten den Schirm zu und Hamas würde die Macht übernehmen.

Die Frage, die wir uns bei dieser Konstellation stellen sollten ist diese: gibt es wirklich einen Partner auf der palästinensischen Seite für irgendeine Abmachung, geschweige denn ein Friedensabkommen. Irgendeine Übereinkunft. Gibt es wirklich einen Partner auf der palästinensischen Seite? Die Antwort ist einfach. Nein. Hamas ist kein Partner für irgendein Friedensabkommen, weil Hamas sich nicht verändern wird. All die Leute, die glauben, dass Hamas eines Tages seine Ideologie ändern wird, dass Hamas einmal pragmatische Führer haben wird, leben unter Illusionen. Hamas wird sich nicht ändern. Man muss zugeben, dass ihre Aussagen sehr klar sind. Es sind dieselben Aussagen in Arabisch und Englisch. Sie sind sehr ehrlich. Sie sagen: Leute, wir werden Israel nie anerkennen. Wir werden uns nie verändern. Wir werden den Weg des Widerstands nicht verlassen.“ Sie reden Klartext. Nachdem sie die Wahlen gewonnen hatten, ging die internationale Gemeinschaft zu Hamas und sagte: „Hört, wir wollen mit euch verhandeln. Anerkennt Israel und dann wird alles ok sein.“ Hamas war sehr ehrlich. Sie sagten: “Nein. Wir werden dem Terrorismus nicht abschwören. Wir werden frühere Abkommen zwischen Palästinensern und Israel nicht anerkennen. Wir werden Israels Existenzrecht nicht anerkennen.“ Sie reden Klartext. Auch heute.

Zehn Tage vor dem Putsch in Gaza wurde ich von einigen US Diplomaten eingeladen, um ihnen zu sagen, was geschehen wird. Ich erklärte ihnen: “Hamas wird demnächst die PLO Leute aus Gaza vertreiben, weil ihr für die PLO seid, und das hat sie für den Durchschnittsbürger in Misskredit gebracht. Ihr bewirkt, dass sie wie Geheimdienstagenten aussehen.“ Die US Diplomaten sagten: „Du weisst nicht wovon du redest. Die PLO hat 70‘000 Leute. Wer ist schon Hamas? Sie werden Hamas vernichten. Du wirst sehen.“ Meine Voraussage war nicht 100% richtig, weil ich erwartete, dass das nach drei Wochen geschehen würde. Es geschah nach zehn Tagen. Das war vorauszusehen.“

Es gibt viele Dinge, die in diesem Teil der Welt klar sind, die aber internationale Führer, Diplomaten und all die Leute im Westen, die mit den Palästinensern zu tun haben, ignorieren und nicht sehen wollen... Hier ein kleines Beispiel. Vor den Parlamentswahlen im Januar 2006 gingen die PLO Leute zu Condoleeza Rice und sagten: “Sie machen einen riesigen Fehler, wenn sie uns zwingen, freie und demokratische Wahlen durchzuführen. Unsere Leute trauen uns nicht. Wir sind korrupt und wir werden verlieren. Hamas wird gewinnen. Bitte keine Wahlen. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt.“ „Macht euch keine Sorgen“ sagte sie, “Lasst Hamas mitmachen. Hamas wird nicht gewinnen. Alles wird ob sein.“ Sie fragten sie, wie sie wisse, dass Hamas nicht gewinnen wird. Sie erwiderte, dass sie die Palästinenser gewarnt habe und sie bestrafen würde, wenn sie für Hamas stimmten. Diese Warnung gab übrigens der Hamas zehn Punkte mehr. Hamas nahm diese Äusserungen und machten daraus riesige Plakate: Condoleeza Rice sagt nein zu Hamas. Obwohl Rice wusste, dass Hamas eine Terrororganisation ist, stellte sie keine Vorbedingungen für die Teilnahme von Hamas an den Wahlen. Sogar in Israel führten Hamas-Kandidaten in aller Offenheit einen Wahlkampf.....

Was bewog Rice, nachdem die Wahlen gewonnen waren, zu sagen, dass Hamas eine Terrororganisation sei? Waren sie dann vor den Wahlen keine Terrororganisation? Sie ist dafür verantwortlich, dass Hamas an die Macht kam. Das war ein gigantischer Fehler. Statt etwas aus ihren Fehlern zu lernen, nachdem Hamas an die Macht kam, machte sie weitere Fehler. Schaut nur das Durcheinander, in dem wir uns befinden. Ich weiss nicht wie man dieses Problem lösen kann. Heute über einen Palästinenserstaat zu sprechen ist ein Witz. Wo würde dieser Staat errichtet? Israel kontrolliert beinahe die Hälfte der Westbank. Diese PLO Leute haben zu wenig Autorität. Wenn Israel die Westbank aufgibt, muss man nach Kairo oder Amman gehen, um nach Amerika zurückzufliegen, weil die Scharfschützen auf den Hügeln über dem Ben Gurion Flugplatz sitzen.
Wenn ihr diese Politik weiterverfolgt, eine Partei gegen die andere auszuspielen, wird es noch mehr Anarchie und Gesetzlosigkeit geben und Gott weiss, was sonst noch passieren wird. Das ist ein unerfreuliches Bild. Es ist sehr düster. Ich weiss.


Frage von Anthony Cordesman vom Zentrum für strategische und internationale Studien: ...Auf Grund von dem, was sie sagten, wie wird das den Kampf in Gaza und in der Westbank beeinflussen?
Antwort: Alle sprechen davon, wie Hamas jetzt am Ende sei oder demnächst zusammenbricht oder dass es nur eine Sache der Zeit sei, bevor die Palästinenser im Gazastreifen gegen Hamas aufstehen. Ich teile leider diese Einschätzung nicht. Hamas hat vielleicht einen grösseren Schlag bekommen. Viele ihrer Institutionen sind zerstört worden. Sie wurde in mancher Hinsicht unterminiert. Aber mir macht Sorge, dass Hamas immer noch viel politische Unterstützung bekommt. Hamas ist weiterhin stark wie in Gaza. Warum? Ich habe das schon seit Jahren gesagt: Hamas kann man nur unterminieren und schlussendlich zum Aufgeben bringen, wenn man den Palästinensern eine bessere Alternative bringt. Nicht indem man ihre Hauptquartiere bombardiert oder ihre militärische Kapazität zerstört. Das ist zwar gut, aber es ist nicht genug.


Wenn ich – nachdem Hamas zur Macht kam - die Amerikaner und die Europäer wäre, wäre ich zu den PLO Leuten gegangen, welche die Wahl verloren, und statt ihnen Waffen und Geld zu geben, hätte ich ihnen gesagt: „Hört Leute, Hamas ist an der Macht wegen eurer Korruption, euer Misswirtschaft und weil ihr Diebe seid. Reformiert euch doch. Schmeisst diese korrupten Leute in der PLO oder Fatah heraus. Stellt eine Jugendpartei auf die Beine und fordert bei der nächsten Wahl die Hamas heraus.“ Das ist eine Möglichkeit.

Aber ich befürchte, dass Hamas unter den gegenwärtigen Umständen noch lange weitermacht. Viele Palästinenser werden euch heute sagen, dass Mahmoud Abbas ein Verräter ist, dass diese Leute in den Hauptquartieren der israelischen Armee waren und dem Krieg zuschauten. Hamas sagt bereits, dass Mahmoud Abbas Informationen an die Israeli weitergab über den Aufenthalt der Hamas Führer. Diese Anschuldigungen sind übrigens gravierend. Ich weiss nicht ob sie meine Geschichte in der Jerusalem Post lasen, wie Hamas in den vergangenen 48 Stunden massiv gegen die Fatah in Gaza vorging. Sie haben vielleicht 100 Fatah Leute getötet oder verwundet. Sie schleppen sie auf die Strasse und schiessen sie in die Beine. Sie haben sogar bei einigen die Augen ausgestochen. Vielleicht gehen sie jetzt dann zum Mittagessen. Deshalb will ich ihnen nicht im Detail beschreiben, was dort mit der Fatah geschieht. Aber Fatah ist wirklich unter Beschuss, und ich sehe niemand, der sie retten möchte.Ich sehe keine Massenbewegung gegen Hamas. Jedenfalls jetzt nicht. Ich habe mit vielen Leuten in Gaza gesprochen. Nicht eine Person hat Hamas für die Zerstörung seines Hauses verantwortlich gemacht. Ich höre viele Stimmen gegen Israel und gegen die arabischen Staaten. Und viele sind auf Mahmoud Abbas wütend. Dieser Krieg macht, dass die gemässigten Araber wie Toren dastehen, wie wenn sie auf der falschen Seite stünden. Wenn Al Jazeera, die populärste Fernsehstation in der arabischen Welt, Tag und Nacht gegen arabische Führer aufwiegelt und den Leuten Gelegenheit gibt zu sagen, dass unsere arabischen Führer Verräter seien, dass unsere arabischen Führer mit den Israeli unter einer Decke stecken, dass unsere arabischen Führer hoffen, in israelischen Panzern in Gaza einzumarschieren...dann weisst du, das kommt an. Die meisten Proteste in Kairo, in Khartum, in Jemen, wo immer du hingehst, sind in erster Linie gegen die arabischen Führer und Mahmoud Abbas gerichtet, und erst in zweiter Linie gegen Israel und Amerika.

Und jetzt sagen alle, man müsse Mahmoud Abbas nach Gaza bringen. Entschuldigung, aber wenn Mahmoud Abbas nach Gaza käme, würde er innerhalb weniger Minuten öffentlich hingerichtet. Man hat all diese Bürgerwehren in den Strassen. Die meisten kämpften nicht. Sie versteckten sich. Sie wurden zu „Zivilisten“ sobald die Israeli angriffen. Sie haben sich alle versteckt oder zogen sich zivil an. Wenn sie in die Spitäler gebracht wurden, hatten sie keine Waffen. Man zählte sie zu den Zivilisten. Ich weiss nicht genau, was dort drüben passiert, aber ich sehe keine Anzeichen, dass die lokalen Palästinenser oder andere Leute der Hamas offen entgegentreten….

In meinen Augen ist Khaled Abu Toameh wesentlich glaubwürdiger als jeder ausländische Kommentator, ob gerade in Israel oder nicht. Der Araber Abu Toameh sagt und schreibt, was die grosse leidende Mehrheit der Palästinenser unter ihren eigenen Verbrecherbanden und als Folge davon auch von der israelischen Armee zu leiden hat. Der einfache Palästinenser in der Westbank und in Gaza, ist so vollständig eingeschüchtert, dass er zu einem Widerstanden gegen die Gangs nicht in der Lage ist - in allen totalitär geführten Ländern - da gehören die meisten arabischen und muslimischen Staaten dazu - gibt es keine Meinungsfreiheit, schon gar nicht eine freie Presse, es wird gemordet, eingesperrt, gefoltert, Verrat gertrieben und Korruption kennt Grenzen. Dass Israel dies für seinen Nachrichtendienst ausnützt ist verständlich und kann ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. Aber ob diese Lage für Palästina eine Zukunft hat, wage ich, sagen wir mal, zu bezweifeln.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Palästina als Kriminalroman

11.2.2009

Bevor ich zum Thema komme, eine Bemerkung über die gestrigen Parlamentswahlen. Wie erwartet, fand ein gewaltiger Rechtsrutsch statt. Das ist schwer zu verdauen. "Unsere" Parteien, Arbeitspartei und Meretz, haben ein Resultat einstecken müssen, das sie fast von der politischen Landkarte fegt. Eine Regierung der Rechtsextremisten unter dem Feigenblatt Netanjahus wäre zwar eine kurzfristige Katastrophe für den Nahen Osten, sie würde sich damit höchsten noch in der Religion, soweit vorhanden, von Machthabern unserer Nachbarländer unterscheiden. Aber, im Unterschied zu diesen Nachbarn, kann auch eine extremistische israelische Regierung wieder abgewählt werden. Bedingung dafür ist, dass sich die zwei oben erwähnten Friedensparteien zu einer glaubhaften Alternative aufrappeln. Das braucht ein oder zwei Jahre, vielleicht auch mehr, aber ein Israel ohne Parteien mit menschlichem Gesicht, kann auf die Länge nicht überleben. Diese Art Integration in die orientalische Welt brauchen wir nicht. Der Grund zum gestrigen Resultat haben vor allem die extremistischen jihadistischen Parteien unserer Nachbarn, ihre über Tausend auf Israel geschossenen Raketen zu verantworten, auch wenn, das ist nun mal so, die Zahl der israelischen Opfer kleiner ist, als die Zahl palästinensischer Opfer. Das stört, so mein Eindruck, einige Frieden um jeden Preis (Friedhof?) suchende Gutmenschen, die eine ausgeglichene Opferbilanz vorziehen würden – anders kann ich den anklagenden Vergleich über die Diskrepanz zwischen den palästinensischen und israelischen Opferzahlen nicht deuten. Dem Volk sind die Raketen aus Gaza und Libanon schliesslich auf den Geist gegangen und es will nun eine endgültigere Reaktion darauf. Hamas sei Dank für Lieberman, Marzel und Konsorten. Der zweite Grund ist das Benehmen der israelischen Araber in ihrer sichtbaren Mehrheit, die sich in den vergangenen Jahren leider öfters als antiisraelische und sogar judenhassende Minderheit im Lande gezeigt hat. Sie sägt am Ast, auf dem sie sitzt und macht damit ihren Freunden (ich zähle mich dazu) wenig Freude. Hoffen wir, dass unsere arabischen Bürger endlich einmal kulturellen Ballast abstreifen werden, statt Clans zu wählen, die sich hinter den rein arabischen Minderheitsparteien verstecken. Diese arabischen Parteien, die nichts für ihre eigene Klientel tun, sind eine Verschwendung wertvoller Wählerstimmen. Besser wäre es, dass statt Ra'am und Balad (die kommunistische Hadash zähle ich nicht dazu) zu wählen, arabische Israeli sich von ihnen wohl gesinnte gesamtisraelische Parteien wie eben Meretz und die Arbeitspartei vertreten lassen würden. Hoffen wir, dass der faschistoide Spuck in der israelischen Politik, auf jüdischer und auch auf arabischer Seite, bald vorüber gehen wird. Mehr als zwei oder drei Jahre gebe ich ihm nicht, doch, wie vieles, ist auch die Politik keine Einbahnstrasse. Aus diesem Grund sehe ich den möglichen Rückzug der Meretz und Arbeitspartei aus Gründen ihrer Verantwortung für das Wohlergehen des Staates zurzeit als nicht opportun. Ich hoffe, dass wer immer die kommende Regierung bilden wird, sich auf eine möglichst breite politische Bandbreite einlässt, die aber keine Rechtsextremisten beinhalten darf.

Jetzt zu wirklich Wichtigem, dem oben angekündigten Krimi. Es sind eigentlich zwei. Heute beendete ich "Der Verräter von Bethlehem" von Matt Rees und begann umgehend mit der Lektüre dessen zweiten Buches "Ein Grab in Gaza". Zwar lese ich die Bücher in der original englischen Version, doch hoffe ich die deutschen Ausgaben, die schon herausgekommen sind, seien gut übersetzt. Was auch immer – im bin begeistert. Der Autor, ein britischer Journalist, der schon lange Jahre in Jerusalem lebt und die Westbank und ihre Gesellschaft kennt, hat mit diesen Krimis eine Beschreibung des dortigen Lebens geliefert, die genau und spannend eine Gesellschaft der Angst wiedergibt – fast wie in einem soziologischen Textbuch. Wie die palästinensische Gesellschaft von ihren als Freiheitskämpfer getarnten Verbrecherbanden terrorisiert wird, wie Christen von muslimischen Nachbarn verfolgt werden, wie die vollständige Korruption dieser Gesellschaft durch eben Korruption, Machtmissbrauch, einem kulturbedingten archaischen Ehrenkodex, religiösem Fanatismus und gegenseitigem Hass, sich selbst und ihre Zukunft zerstört, all das wird von Rees in faszinierender Dichte detailliert beschrieben. Er beschreibt auch die stete Bedrohung, die ein Einzelner erfährt, der sich dagegen stellt, weil er eine in dieser Gesellschaft unübliche Zivilcourage besitzt und die Wahrheit sucht und politisch inkorrekt denkt, spricht und handelt. Israel wird als fast unsichtbare, sich hinter dem Horizont befindende Bedrohung dargestellt, die Korruption der palästinensischen Gesellschaft für ihren eigenen Zweck nutzend und damit palästinensischen Banden und Politikern eine Begründung, eine Ausrede für ihr Tun liefernd. Doch, das sehe als wichtig an, die Akteure dieser Gesellschaft sind nicht Israelis, sondern ausschliesslich Palästinenser. Zudem sind die zwei Bücher (es werden, so hoffe ich, weitere folgen), nicht nur gut beobachtete Gesellschaftsanalysen, sonder auch ausgesprochen gute Kriminalromane.

Ich besprach das Buch mit meinem drusischen Freund Hani Hasisi, der, nachdem ich es ihm beschrieben hatte, zustimmte und meinte, in der Westbank sei es fürchterlich, Spuren davon seien auch unter israelischen Arabern zu finden (z.B. Ehrenmorde, Judenhass), aber in Gaza sei es zehnmal schlimmer. Es sei nicht nur ein palästinensisches Phänomen, sondern diese interne Gewalt und Terror seien genau so ausgeprägt in anderen arabischen Ländern, in denen jihadistische, aber auch säkulare "Freiheitskämpfer" ihr Volk terrorisieren – dort sogar ohne die Ausrede "Israel" zu besitzen. Ausgerechnet Amnesty International berichtet heute aus Gaza an sich nichts neues, nämlich die Morde der Hamas an mehreren Dutzend Menschen und vielen mehr gefolterten Menschen in ihrer Gewalt. Einige waren für die Sicherheitsbehörden der PA oder Fatah tätig, also Gegnern der Hamas, wurden von dieser entführt und später tot aufgefunden. Das palästinensische Menschenrechtszentrum spricht von 32 auf diese Weise durch Hamas getöteten Menschen. Es ist wohl logisch anzunehmen, dass erstens, diese Zahl unvollständig ist und zweitens, diese Toten, zusammen mit Leichen aus Leichenhallen und ähnlicher Herkunft, den Opfern "israelischer Aggression" hinzugezählt worden sind.

Montag, 9. Februar 2009

1. Wie erkennt man Israelis und 2. der Nebelspalter von 1956



9.2.2009

Es sollte eigentlich nicht erstaunen zu welchen Längen unsere lieben Freunde, die Jihadisten gehen, um Israelis und Juden überhaupt als solche zu identifizieren um sie einzufangen. Obenstehende Gebrauchsanweisung der Al-Kaida beschreibt mit grosser Genauigkeit in bestem Arabisch, das Aussehen besonders jener israelischen Jugend, die nach den Jahren des Militärdienstes die Welt bereisen. Ziele dieser Reisen sind hauptsächlich Indien, der Ferne Osten und Südamerika. Der Al-Kaida Beschreibung stimme ich zu: langes unordentliches Haar, Krock-Sandalen, in Israel äusserst populär, und die althergebrachten Heilandsandalen, meist aus Leder. Es ist kein Geheimnis, dass Jihadisten, ob Hamas oder Hisbullah, ob unter der Oberaufsicht von Iran oder Al-Kaida, ihren dämonischen Hass auf Juden und ihren Staat Israel geschickt dazu realisieren, Israelis und Juden zu entführen, als Geisel zu benutzen wie Gile'ad Shalit und die toten Geiseln im Libanon oder phantasievoll zu ermorden, wie das gefilmte Köpfen des Daniel Pearl, das Quälen und Töten des Rabbinerehepaars und seiner Gäste in Mumbai, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Beschreibung junger israelischer Touristen gibt einen Fingerzeig, wie weit diese Verbrecher, in der westlichen Welt von links-grünen Sympathisanten "verstanden" und wortreich unterstützt, gehen, um ihre Ziele zu erreichen.
Im Internet und in der e-mail sehe ich fast täglich wiederholt dieselbe Nebelspalter-Seite von F. Behrendt aus der Ausgabe vom 28. November 1956. Das waren noch Zeiten. Israel war gerade acht Jahre alt, wurde unter dem Beifall der arabischen Welt (symbolisiert vom damaligen Präsidenten und Diktatoren Ägyptens Gamal Abdel-Nasser) von Terroristen beschossen und anderweitig gequält. Bis dann, im Jahre 1956, sich Israel wehrte – und die arabische Welt in grosser Betroffenheit weinte und die Hände verwarf. (Dass in diesem Krieg die zwei Partner Israels, England und Frankreich, ganz andere Ziele hatten, hat wenig mit der Motivation Ben-Gurions zu jenem Zeitpunkt zu tun. Er nutzte schlicht die gute Gelegenheit).







Die geniale Darstellung der damaligen Geschehnisse durch Behrendt war eine prophetische Sicht der nächsten Jahrzehnte, sogar bis heute, auch wenn sich einiges geändert hat. Israel hat viel vom Geist seiner ersten zwanzig Jahre verloren, der humanistische Pioniergeist des gesamten Volkes ist einem fanatischen Nationalismus relativ weniger, die egalitäre Sozialdemokratie der Gründerväter ist dem schweinischen Kapitalismus gewichen und soziale Verantwortung wurde in vielem privatisiert. Aber der Hass der arabischen und muslimischen Völker auf Israel – ob sozialistisch oder kapitalistisch, ist unverändert, wenn nicht sogar verstärkt, seit der Jihadismus der antisemitischen Muslim-Brüderschaften von Hassan Al-Banna und Sayyed Qutb in Ägypten erdacht und heute zur Grundlage des Jihadismus geworden ist. Ich schreibe bewusst der "arabischen und muslimischen Völker", denn einige derer Regierungen haben inzwischen das Licht erkannt und gemerkt, dass Israel erstens, Ahmedinejad paraphrasierend, nicht von der Landkarte zu radieren ist und zweitens, gerade da Israel eine jüdische und westliche Zivilisation und deren dynamischen Lebensstil vertritt, davon in der Nachbarschaft profitiert werden könnte und, drittens, die heute einzige Alternative zu den heutigen arabisch- muslimischen Machthabern ein jihadisches Shihadstaatssystem wäre, dem die heute Regierenden zuerst zum Opfer fallen würden.

Behrendts Zeichnung ist betitelt Israels "Aggression", in Anführungszeichen, wie es sich auch heute noch gehört. Auch wenn Versteher und Apologeten jihadistischen Judenmordes das anders sehen wollen. Ich denke da beispielsweise auf die Schweiz bezogen, auf die verquerte Opferpornografie eines Geri Müllers oder Daniel Vischers, der erstere motiviert durch eine Diät von Schriften selbsthassender Juden (es gibt einige, sogar in der Schweiz) und judenhassender Nichtjuden, die ihre, bei Besuchen in der besetzten Westbank empfangene Hirnwäsche bestätigen, ein Phänomen, das eigentlich für fast alle "Israelkritiker" auf eine oder andere Art gilt. Bitte nehmt zur Kenntnis, dass Amos Oz, der vielgepriesene Autor und Vertreter des Friedenslagers, Hamas Verbrecher nennt, nicht einmal den stolzen Titel "Terroristen" will er ihnen zugestehen.

Für morgen stehen in Israel Wahlen an, völlig unnötig aber trotzdem Weichen stellend. Auch heute ist mir noch nicht klar, wem ich die Stimme geben werde. Lea und ich schwingen im Zehnminutentakt zwischen Kadima, Arbeitspartei und Meretz hin und her, jeder von uns zwei hat seine eigenen Prioritäten. Alle haben wir Angst vor Lieberman und, etwas weniger, vor Netanjahu. Zippi Livni hat, so steht zu lesen, aufgeholt und es könnte wirklich ein Photofinish werden, zwischen Bibi und Zippi. Trotzdem sind wir besorgt, denn das nationalistische Lager ist gewachsen, jüdische Faschisten machen sehr viel Lärm – es scheint dass dieses Lager es leichter haben wird eine Mehrheit im Knesset zusammenzukriegen. Die einzige Hoffnung wäre eine grosse Koalition, die alle vernünftigen Grossparteien (und eine Kleine, Meretz) einschliessen würde und damit Lieberman an der Verwirklichung seiner dunklen Pläne gegen unsere einheimischen Araber, hindern würde, auch wenn ernstlich wir alle überzeugt sind, dass er damit nie durchkommen würde.

Auch ich bin besorgt über diese Entwicklung, doch Freunde aus dem Ausland, die mir ihre eigenen Bedenken mitteilen, müssen sich in Gottes Namen bewusst werden, dass dieser israelische Rechtsrutsch ein Resultat arabisch-jihadistischer Gewalt gegen uns ist. Mir passt das nicht, vielen anderen auch nicht. Vielleicht braucht es eine gewisse menschliche Grösse und vor allem einen klaren Kopf, um sich nicht von davon in eine extrem antiarabische Ecke hineinreissen zu lassen. Über Tausend israelische Tote und Tausende fürs Leben gezeichnete jüdische und arabische Israelis, Kinder und Erwachsene, können nicht grosszügig übersehen werden, noch weniger, wenn wir der pausenlosen Propaganda des Judenhasses und seiner Endlösung ausgesetzt sind. Ich behaupte, dass zweitausend Jahre der Judenverfolgungen den Juden die Kraft zum Überleben gestärkt haben, ohne sie jedoch in ihrer Mehrheit zu Rassisten zu machen.

Zum Abschluss eine Bemerkung zu einer Antwort auf meinen Leserbrief in der NZZ vom 5. Februar. Ich fragte warum das weltweit überrissene Interesse an Israels Benehmen in keinem Verhältnis stehe zur Grösse des Konfliktes im Vergleich zu anderen Konflikten in unserer Welt. Ich las die Antwort einer Frau Lenzlinger: "Die Antwort auf seine [Uri Russaks] Frage könnte aber auch sehr viel simpler sein: Israel findet mehr Beachtung, weil das Land und die unter uns lebenden Juden uns viel näher sind als die Hutu, Sudanesen und Afghanen." Das könnte sein, doch ist diese Sicht aus zweierlei Gründen bedenklich. Erstens, wieder einmal dürfen sich Schweizer Juden freuen, indirekt für Israels "Taten" verantwortlich gemacht zu werden. Zweitens, ist das "uns näher sein" ein Rassismus übelster Sorte gegenüber den Millionen Opfer des Völkermordes im Sudan, Zentralafrika und Afghanistan, die es offensichtlich nicht wert sind, von Schweizerischen Gutmenschen wie der Hausfrau Y. Lenzlinger in Zürich, zur Kenntnis genommen zu werden und in ihrem Überlebenskampf gegen massenmörderischen Rassisten in Darfur (Sudan), verfeindeten Stämmen in Zentralafrika und Steinzeitislamisten in Afghanistan unterstützt zu werden.

Also, gehen wir morgen wählen.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Die Darfuris von Zichron Ya'akov (Teil 1)

3.2.2009

"Ich freue mich immer auf den nächsten Mittwoch", sagte Kobi, ein Freund in Zichron Ya'akov. Jeden Mittwoch um fünf Uhr nachmittags, geht er mit zwei neunjährigen Buben und seinem Sohn Pizza essen. Die zwei Buben sind Flüchtlinge aus Darfur, die mit ihren Familien ein Heim in Zichron Ya'akov gefunden haben. Vor kurzen ging ich mit zur "American Pizza", ass mit und unterhielt mich mit den zwei sehr fröhlichen und lachenden Jungen. Jetzt verstehe ich Kobi, denn nach dem Horror des Völkermordes in Darfur, den diese Kinder und ihre Familien in den letzten Jahren durchlebt haben, macht es nicht nur Eindruck, sondern auch Freude, mit ihnen zusammen zu sein. (Im Bild: (v.l.n.r.) Amr und Mudassr mit Kobi beim wöchentlichen Pizza essen). Es sind drei darfurische Familien, die in Zichron seit einem Jahr leben, sich gut integriert haben und inzwischen autark geworden sind. Wie kam es dazu?

Die Hintergründe sind bekannt. Im sudanesischen Darfur findet seit Jahren ein rassistischer Völkermord an Schwarzafrikaner statt, egal ob Muslime, Christen oder Animisten. Hunderttausende sind umgekommen, ganze Ortschaften werden zerstört und wer nicht fliehen kann, wird von den Janjaweed, einer von der Regierung des Sudans unterstützten islamistischen Miliz, getötet. Die mir erzählten Grausamkeiten möchte ich an dieser Stelle lieber nicht detaillieren. Flüchtlinge aus Darfur leiden an einem posttraumatischen Syndrom, das, trotz ihrer angeborenen Fröhlichkeit, vor allem die Kinder nicht so schnell loslässt.

In Zichron Ya'akov leben heute drei Darfuri Flüchtlingsfamilien. Die Familien sind Muslime, doch von einer freieren und toleranteren Art, als sie in unserer Region üblich ist. Sie flohen aus Darfur erst in den Sudan und dann nach Ägypten. In beiden Ländern wurden sie verfolgt, verprügelt und ausgegrenzt. Wie viele andere hörten sie von Israel und wollten dorthin fliehen. Sie gaben ihr letztes Geld an beduinische Fluchthelfer aus, die sie in die Nähe der israelischen Grenze im Sinai bringen. Viele dieser Flüchtlinge werden von der ägyptischen Armee gefangen, viele werden von ihr erschossen, egal ob Männer, Frauen oder Kinder. Oft geschieht, dass israelische Soldaten von der anderen Seite der Grenze dies mitverfolgen und nichts dagegen tun können. Wie mir von israelischen Soldaten berichtet wird, schliessen sie und ihre Offiziere sehr oft beide Augen, um Darfurflüchtlinge "ungesehen" durchzulassen, damit sie diese nicht, wie schon geschehen, wieder nach Ägypten ausweisen müssen. Laut Kobi, Professor der Neurobiologie an der Universität Haifa, werden Flüchtlingsfamilien aus Darfur in Israel erst interniert, Frauen und Kinder nach kurzer Zeit, die Männer etwas später, freigelassen. Es wird versucht, meist mit Erfolg, Arbeitsstellen zu vermitteln.

Die drei Familien, alle Muslime, lebten, bevor sie nach Zichron Ya'akov geholt wurden, nach ihrer Entlassung aus der Internierung im Kibbuz Kerem Shalom, nahe dem Gazastreifen. Kerem Shalom lag jedoch im Dauerbeschuss von Hamas-Raketen. Besonders für die Kinder, durch ein posttraumatisches Syndrom belastet, war dies wiederum eine schwierige Zeit – Amr erzählt noch heute in Kerem Shalom habe es jeden Tag "Bum-Bum" gegeben - und der Kibbuz beschloss, die Familie in eine ruhige Gegend zu verlegen. Kobi und seine Freunde boten sich an, da sie sich für eine solche Aktion vorbereitet hatten. Kobi erzählte mir, dass in Kerem Shalom beim Abschied Tränen geflossen seien, man hatte die Familien lieb gewonnen. Die Gruppe mit Kobi, dem Professor, besteht neben ihm aus Sharon, einer Amerikanerin, dem Ehepaar Nicole (Chile) und Steward (USA), dem Buchprüfer Muhammed und seiner Frau Farida aus dem Wadi Ara und Ro'i einem Rechtsanwalt. Was sie motiviert ist die Gleichgültigkeit der Welt gegenüber dem Leiden anderer. Im Gegensatz zu palästinensischen Flüchtlingen, an die Milliarden verteilt werden, gehen Flüchtlinge aus Darfur, wie praktisch alle anderen, leer aus. Weder Europa noch die UNO interessiert sich für sie, das weltweite Gutmenschentum nimmt den Genozid in Darfur nicht wahr. Die Gruppe hatte Geld gesammelt, die Beträge von 100 Schekel bis zu einigen Tausend, je nach finanzieller Kraft des Gönners, und brachten die drei Familien im Hotel Havat Habaron unter, wo sie kleine Apartments erhielten. Schnell fanden die Männer und etwas später die Frauen Arbeit und nach recht kurzer Zeit wurden die Familien selbstversorgend. Nur das israelische Krankenversicherungssystem, erlaubt ihr Status noch nicht. Wie mir Kobi erklärt, habe die israelische Regierung inzwischen ein Gesetz erlassen, das eine grosse Zahl dieser Flüchtlinge als permanente Einwohner anerkennt und ihnen so sämtliche Bürgerrechte (ausser dem aktiven und passiven Wahlrecht) mit allen Sozialversicherungen. Das wird in wenigen Wochen der Fall sein, sodass die Kasse der Betreuungsgruppe entlastet werden wird. Permanente Niederlassung wird aber nur Flüchtlingen vor Völkermord und Rassismus erteilt, Wirtschaftsflüchtlinge erhalten sie nicht.

Unsere darfurischen Familien sind nicht gross. Omar und Malak haben einen Sohn, Amr. Die damals achtzehnjährige Safa heiratete Nassr in Zichron Ya'akov und gebar vor kurzem ihr erstes Kind, ebenso mit dem Namen Malak, im Hillel Yaffe Spital im nahen Hadera. Die dritte Familie, Abdul Shakur und Hadija haben zwei Kinder, den Sohn Mudassr und das Töchterchen Arafa. Muttersprache der Darfuris ist Arabisch.

Bei der Integration spielt Zichron Ya'akovs Bürgermeister Eli Aboutboul, Mitglied der Arbeitspartei, eine sehr wichtige Rolle. Weder sein Sozial- noch das Schulamt waren begeistert, Flüchtlinge betreuen zu müssen, doch Eli befahl ihnen völlig unbürokratisch, die Familien als volle Bürger von Zichron Ya'akov zu betrachten und entsprechend zu behandeln. Es gehe nicht an, dass im jüdischen Staat verfolgten Menschen nicht geholfen werde. Die Kinder gehen vom ersten Tag an in die Schule oder in den Kindergarten. Die gesamten Familien besuchen einen Ulpan (Sprachschule) um Ivrit (Hebräisch) zu lernen, Sie sprechen es heute schon gut, ich merkte sogar, dass die neunjährigen Mudassr und Amr miteinander Ivrith sprechen. Bürger Zichron Ya'akovs bieten sich als Freiwillige an. Sie geben Nachhilfestunden in Hebräisch, sind Babysitter, gehen mit den Familien einkaufen, bis sich diese damit auskennen und pflegen freundschaftliche Kontakte. Morgen werden sie beim Einzug in die eigene Wohnung mithelfen.

Es gibt auch Reibereien. Allerdings kaum mit den Einwohnern unserer Stadt, sondern mit den Einwohnern unserer muslimischen Nachbarstadt Faradis. Wie schon erwähnt, sind unsere Flüchtlinge aus Darfur Arabisch sprechende Muslime, aber der entspannten Art, die von vielen Palästinensern und israelischen Arabern nicht gerne gesehen wird. Eine der drei Frauen wurde im benachbarten muslimischen Faradis angepöbelt und offenbar eingeschüchtert und trägt seither manchmal ein Kopftuch. Doch nach den Erfahrungen mit der Janjaweed in Darfur nehmen sie das gelassen. Allerdings erinnert die Reaktion unserer einheimischen Araber an den arabischen Rassismus gegenüber Schwarzafrikanern, sogar wenn diese Muslime sind – ein eigentlicher Widersinn für eine Religion, die sich als umfassende Weltreligion sehen will. Es erinnert auch daran, dass der arabische Sklavenhandel mit Afrikanern bis heute noch nicht ganz ausgestorben ist.

Aktionen, wie hier über Zichron Ya'akov beschrieben, gibt es in Israel viele. Vor allem sind bei humanen Aktionen dieser Art traditionell Kibbuzim involviert, doch, wie Zichron Ya'akov beweist, helfen auch nicht kommunardische Gemeinschaften vom Tode bedrohte Flüchtlingen, um ihnen ein normales Leben zu verschaffen.

Probleme gibt es auch heute noch genug. Die Regierung fürchtet sich vor einer Überschwemmung durch Flüchtlinge aus der muslimischen Welt. Sie versucht sudanische Wirtschaftsflüchtlinge von Flüchtlingen aus Darfur, die vor dem Völkermord flüchten, auseinander zu halten. Das ist nicht leicht, besonders wenn beide aus demselben Land, dem Sudan, kommen. Es kam und wird auch weiterhin Konflikte zwischen "Staatsraison" und menschlichem und humanem Anstand geben, eine Situation, die sehr stark an die Schweiz erinnert, die sich 1935 bis 1945 erst mit jüdischen Flüchtlingen mehr schlecht als recht auseinandersetzte und später mit Flüchtlingen aus Afrika und dem Balkan konfrontiert wurde und noch wird. In einer Filmreportage der Fernsehsenders ARTE aus dem Jahre 2007 wird die Situation vor zwei Jahren beschrieben, die sich ein wenig geändert hat, werden doch inzwischen Flüchtlinge aus dem Sudan in arabische Wirtschaftsflüchtlinge und nichtarabischen Darfuris, die sich vor Völkermord retten wollen, eingeteilt und nicht pauschal gleich behandelt. Die Letzteren werden eine Chance bekommen, so hoffe ich, in Israel bleiben zu dürfen. Die ersten haben es schon geschafft.

Eine vielleicht gar nicht kuriose, aber verständliche Reaktion einiger Darfurflüchtlinge in Israel während dem vor kurzem zu Ende gegangenen Krieg in Gaza, waren die zahlreichen Anträge darfurischer Männer, in die israelische Armee dienen zu dürfen und für Israel gegen Araber zu kämpfen. Wenn sie in einigen Jahren volle israelische Bürgerschaft erhalten werden, können sie sich auch diesen Traum erfüllen.

Montag, 26. Januar 2009

Das Vakuum

26.1.2009

Eine Freundin, aus Amerika stammend und politisch schön patriotisch nach rechter Manier, erklärte mir kürzlich eine ihrer Theorien, die zu verstehen mich erst etwas Zeit kostete, ich sie jedoch, nachdem der Zwänzger gefallen war, als originell und fast, aber nicht ganz, aber ein wenig, richtig fand. Sie meinte, Europa habe im vergangenen Jahrhundert seine Juden ausgerottet. Als Ersatz dafür und das entstandene Vakuum füllend, wurde es mit dem Einzug von rund zehnmal Mal mehr Muslimen bestraft. Dies als Strafe zu sehen macht Sinn, denn während die Juden Europas sich bestens integrierten und der europäischen Kultur und Wirtschaft unendlich viel beigetragen haben, verweigern sich muslimische Einwanderer der Integration und wollen ihre mitgebrachte Kultur parallel und völlig separat weiterführen und sogar soweit gehen, die Gesetze der Länder, in denen sie heute leben, abzulehnen und durch ihre mittelalterliche Scharia zu ersetzen. Selbstverständlich gibt es europäische Muslime, die gerne in der freien Gesellschaftleben des Westens leben, doch werden auch sie von totalitären Glaubensgenossen bedroht. Jihadisten werden, das ist ein wirkliches Kuriosum, von einigen Europäern (auch einige Juden sind darunter) sogar unterstützt. Es gibt schon zahlreiche Fachleute aus Hochschulen, Medien und Politik, die fest glauben, dass es zur Rettung Europas vor der Islamisierung schon zu spät sei. Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber eines ist klar: die Strafe für die Judenvernichtung ist eingetroffen. Dass der von dieser muslimischen Völkerwanderung nach Europa, der von ihnen mitgebrachte Judenhass eine Renaissance des europäischen Antisemitismus ausgelöst hat, ist kaum Zufall.

Das oben angesprochene ist ein Teil des Phänomens "Vakuum", das nie lange leer bleibt und umgehend gefüllt wird. Im wirklich Grossen gesehen lässt sich das in der neueren Weltgeschichte mit wenigen Worten beschreiben. Nach den Wirren nach Ende des Ersten Weltkrieges füllten Hitler und seine Nationalsozialisten das entstandene Vakuum und wurden, zusammen mit Japan, zur weltweiten Bedrohung. Nach seiner Vernichtung füllte Stalins Kommunismus das wiederum entstandene Vakuum und wurden von der freien Welt als existenzielle Bedrohung gesehen. Der Kommunismus kollabierte und wer füllte das neue Vakuum? Der islamistische Jihadismus, der erst im Namen einer herzigen Multikulti-Ideologie im Westen willkommen geheissen wurde, diesen aber heute bedroht. Ich glaube, dass weder der sowjetische Kommunismus (als Mitglied des jüdisch-zionistisch-marxistischen Jugendbundes "Haschomer Hazair", sah auch ich, wenn auch mit Zweifeln, Stalin als Überonkel. Doch davon ist im Haschomer Hazair von heute keine Spur mehr zu finden), noch die Nazis eine solch riesige Vertretung ihrer Interessen in der westlichen Welt hatten, wie der Jihadismus heute. Er wird nicht nur von Muslimen, sondern auch von nicht wenigen Akademikern (man denke an die britischen Aufrufe zum Boykott Israels, an die rabiaten Studenten in Kanada und den USA), Politiker der extremen Linken und Grünen, wie auch Teile der Medien – alle nach der dem philosophischen Motto "Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihre Metzger selber", denn sie nehmen nicht zur Kenntnis, dass sie gerade auf jenem Ast sitzen, an dem ihre "Freunde" sägen.

Samstag, 24. Januar 2009

Na ja!

23.1.2009

Im April 2002, nach einer Welle von Selbstmordanschlägen in Israel, denen mehr als Tausend israelische Araber und Juden zum Opfer fielen, wurde in der Westbank im Rahmen der Militäraktion "Verteidigungsschild" ein von palästinensischen Terroristen bewohntes und als Terrorzentrale benutztes Quartier (Grösse ca. 100 x 100 m) in Jenin von der israelischen Armee zerstört. Erst wurde ein Massenmord mit 5000 Opfern gemeldet, dann auf 1500 reduziert und am Ende auf 56 festgelegt und offiziell von der UNO anerkannt – als ob es eine solche Anerkennung braucht. 23 der wirklichen Opfer waren israelische Soldaten, die anderen fast nur Terroristen. Die IDF-Soldaten wurden Opfer israelischer Anstrengung, zivile Opfer zu vermeiden. Die Lehren dieses Einsatzes wurden im Libanonkrieg von 2006 vergessen, aber im gerade abgeschlossenen Gaza Feldzug erfolgreich angewendet. Die Armee hat davon gelernt, auch wenn bis heute nichtjüdische und jüdische als Israelkritiker getarnte Antisemiten ganz fest an die 5000 Opferlüge glauben. Israelkritik und Judenhass sind ja schon längst reinen Glaubenssache, Ideologie oder Religion geworden, die mit Realität kaum noch etwas zu tun haben.

Heute lese ich, dass in einem Interview von Lorenzo Cremonesi in der italienischen Zeitung "Corriere de la Sera" vom 21. Januar 2009, wie ein aus Angst um sein Leben anonym bleiben wollender palästinensischer Arzt aus dem Shifa Spital in Gaza City, die von Hamas und ihren Fan verbreitete Zahl von über 1300 Toten als weit übertrieben bezeichnete. Die mögliche Zahl der Opfer sei 500 – 600, aber nicht mehr. Davon seien hauptsächlich bewaffnete 17 bis 23-jährige gewesen, die von Hamas rekrutiert und in den Tod geschickt worden waren. Der Arzt sieht eine klare Parallele zum Lügenskandal über Jenin.

Zurückblickend sehe ich vor mir wieder die Bilder aus Gazas Spitäler, wie ein krebskrankes haarloses Mädchen als Opfer der Israelis präsentiert wird oder drei kleine Kinder, die auf einer Bahre neben einem schlafenden und völlig unverletzt scheinenden Mann spielen und ebenfalls ebenfalls Bombenopfer sein sollen. Ähnliches spielte sich schon in 2002 ab, als, beispielsweise gefilmt wurde, wie eine Leiche von der Bahre fiel, aufstand und davon rannte. Zudem ist oft genug zu hören, dass palästinensische Terrorbanden Leichenhallen plündern, um bei Bedarf Opferzahlen aufzublähen. Das Traurige daran ist, dass all dies, auch wenn bewiesen, von der Jihad-Fangemeinde in aller Welt mit Wonne und ohne hinterfragt zu werden, geschluckt wird – denn sonst würde ihre Liebe zum Israel- und Judenhass in Frage gestellt.

Wie ich lese, sind vier Schweizer Nationalräte im Anmarsch nach Gaza, um ihre Hamasfreunde zu besuchen. Ich bin keine Bibelleser, wurde aber auf Deuteronomium 28.28. aufmerksam gemacht (und habe es kontrolliert), in dem folgendes steht: "Schlagen wird dich der Ewige mit Wahnsinn und Blindheit und mit Betäubung der Sinne" (Ausgabe Leopold Zunz/Goldschmidt Verlag, Basel, 1980). Trefflicher kann man diese Gutmenschen, ob jüdisch oder atheistisch links-grün, nicht beschreiben. Gott hat bei ihnen offenbar schon zugeschlagen. Früher meinte ich, diese Paragone des Friedens seien einfach naiv – doch inzwischen bin ich zum Schluss gekommen, sie seien schlicht bösartig.

Eine Frage, auf die ich nie eine wirkliche Antwort erhalten habe, ist die: Warum spielt der Konflikt zwischen der arabischen Welt und Israel im Vergleich mit allen andern Konflikten dieser Welt eine so überragende Rolle? Es gibt so viele andere Konflikte, die unvergleichlich mehr Opfer produzieren, aber weder von den Medien noch von der Welt links-grüner Gutmenschen in dem Masse beachtet werden, wie der Streit zwischen Israel und der jihadistisch-arabischen Welt. Gemeinsam mit fast all dieser anderen Konflikte, in denen Völkermord wirklich eine Rolle spielt – denken wir an den Sudan, an Afghanistan, Pakistan, Somalien, Tschtschenien und Irak habe diese eines: sie werden von Jihadisten verursacht und Israel hat damit nicht das Geringste zu tun. Die zentralafrikanischen Völkermorde sind da die Ausnahme, es gibt sie auch ohne Islam. Aber nur in Israel sind zwölf- bis fünfzehntausend Presseleute konzentriert, nur gegen Israel schwappen Wellen ideologischen Hasses aus links-grünen Apologetenkreisen oder, wenn man Leserbriefe liest, aus Kreisen bürgerlicher Ignoranten und Dummköpfe. Auf eine glaubhafte Antwort zu dieser Frage, warte ich schon seit Jahren – wahrscheinlich gibt es nur eine: Judenhass!

Abschliessend eine Aktualität zum Thema Israel: 60'000 israelische Bürger, keiner älter als fünfzig Jahre (wer älter war, wurde disqualifiziert), standen stundenlang Schlange, um sich einem Bluttest zu unterziehen. Die Eltern eines kleinen Mädchens namens Amit, das an Leukämie leidet, haben eine Aktion losgetreten, um für ihr Töchterchen einen Stammzellenspender zu finden. Heute haben sich, wie gesagt, 60'000 Spendewillige gemeldet, deren Blut nun zur Eignung untersucht wird. In sehr vielen Shoppingzentren wurden Anlaufstellen errichtet, der Andrang war dermassen gross, dass zeitweise die Reagenzgläser ausgingen. Ich nehme an, dass mit einer solch grossen Auswahl von Kandidaten, der geeignete Spender gefunden werden kann. Wir werden das bald erfahren. Verwandt zu diesem medizinisch-gesellschaftlichen Thema ist auch die Tatsache, dass in israelischen Spitälern viele Palästinenser behandelt, operiert und gepflegt werden, ja sogar Fatah-Funktionäre aus Gaza, von Hamas misshandelt und schwer verletzt, wochenlang in Israel lagen und am Schluss sich weigerten nach Gaza zurückzukehren – weil sie Angst hatten, von Hamas ermordet zu werden. Darüber waren "live" Interviews zu lesen und zu hören. Interessanterweise war und wird international nichts darüber berichtet. Warum wohl?

Mittwoch, 21. Januar 2009

Heute geschehen

20.1.2009
Palästinenser machen Israelferien

Lea und ich machten heute einen Ausflug. Wir tun das gerne, aber nicht oft genug. Wir fuhren nach Akko, parkten das Auto im Hafen bei den Fischerbooten und Jachten und spazierten bis ans Ende der Mole. Viel Besucher gibt es zurzeit in Akko nicht. Im Hafen von Akko gibt es auch zwei oder drei Touristenschiffe verschiedener Grössen. Wir fragten einen jungen Mann der bei der Anlege eines kleinen gelb-weissen Tourbootes, ob wir mit ihm eine kleine Tour den Mauern Akkos entlang machen könnten. Es war gerade eine geschlossene Gruppe von etwa zwanzig Männern auf dem Boot und deren Reiseleiterin war einverstanden. Samer, der junge Mann, der uns empfangen hatte, einer der zwei Partner der "Reederei", antwortete auf meine Frage, woher diese Leute kämen, sie seien Palästinenser. Da in den vergangenen Jahren israelische Araber begonnen hatten, sich "Palästinenser" zu nennen, fragte ich Samer, ob sie aus den besetzten Gebieten wären. "Nein", sagte er, "aus Palästina". Meine politisch nicht korrekte Taktlosigkeit war mir zwar nicht peinlich, doch nahm er es mir auch nicht übel.

Wir kamen ins Gespräch. Er habe einen Schwager in Zürich, der dort Rechtsanwalt sei. Er und sein Partner zeigten mir stolz Fotos ihres Schiffes, erklärten die spezielle Form des Rumpfes und wiesen auf die bemerkenswert ruhige Fahrt im nicht ganz ruhigen Meer hin. Dann durfte ich für fünf Minuten das Schiff steuern, wobei mir meine alten Segelkenntnisse zu Gute kamen. Auch fotografierten wir uns gegenseitig.

Es stellte sich heraus, dass diese Gruppe Palästinenser aus den besetzten Gebieten waren, Angestellte der israelischen Paz-Tankstellen aus dem Gebiet um Nablus und Tulkarem, von patriotischen Juden Samaria genannt. Ich sprach mit einigen der palästinensischen Passagiere. Sie freuten sich wie kleine Kinder, die meisten waren noch nie auf einem Schiff gewesen und waren ängstlich, da sie nie schwimmen gelernt hatten. Paz hatte sie für drei Tage nach Israel eingeladen, als Anerkennung für ihre Arbeit, aber auch um etwas auszulüften und zu erleben, wie es heute in Israel aussieht. Diese Firmeninitiative freute mich, sie geschieht im Stillen und beweist, das vieles möglich ist, das Leben der Palästinenser zu erleichtern, sie nicht nur zu sekkieren, zu kontrollieren, verdächtigen oder gar zu verhaften. Diese Männer, einfache Arbeiter, waren fröhlich, lachten viel unter sich und mit der arabisch sprechenden aus Russland eingewanderten Reiseleiterin verstanden sie sich prima. Die Gruppe erinnerte mich an die vor Jahren mit Palästinensern aus Gaza durchgeführten Israelreisen, mit denen vor allem Jugendlichen ermöglicht wurde einen kurzen Blick auf Israel zu werfen und ein wenig zu erleben, das Land und dessen Menschen, die zu hassen sie angehalten wurden und werden, aussieht. Genützt hat das, so scheint mir, nicht viel. Warum das so ist, wäre ein separates Thema. Trotzdem, die drei Israeltage für diese Paz-Angestellten oder die Tatsache, dass ich mit einem rabbinischen Koscher-Zertifikat versehene Tchina aus dem palästinensischen Nablus im israelischen Supermarkt kaufe – das sind doch Beweise, dass es auch einen friedlichen Umgang geben könnte, ohne Hass und Gewalt. Aber Ideologie, Religion und Politiker denken da anders.

RA Felix Rüttimann und Klaus Stöhlker

Vor zwei Jahren stiess ich rein zufällig auf einen höchst antisemitischen Brief eines RA Felix M. Rüttimann im Website von Klaus Stöhlker. Meines Wissens reagierte Stöhlker selbst dann nicht, als er darauf aufmerksam gemacht worden war. Rüttimanns Brief wurde, so weit ich mich erinnern kann, aus dem Website entfernt. Die Angelegenheit hatte ich schon vergessen.

Rüttimann hat ein Elefantengedächtnis. Ich erhielt von ihm eine ganz persönliche E-Mail, die ich hier unverändert wiedergebe:

Guten Tag Uri,

hier meldet sich der von Dir gehasste RA DR. FELIX M. RÜTTIMANN, Zürich, z.Hd. von Dir und Deinem rassistischen, interessengleichen Umfeld:

Kurze Empfehlung für Deine Lebensentwicklung:

1. Solange die Mehrheit von Euch Isras (!) KRIEGSVERBRECHER (SHARON, jetzt OHLMERT UND LIVNI, u.v.a.) in die Regierung wählt und sich seit 1973 an keine UN-Resolution hält, dafür islamische Staaten dafür - freilich via die von Euch "Illuminaten" kontrollierte USA und UN - zur Pseudo-Verantwortung zieht;

2. Solange Ihr Euren "Talmud" und den "Schulchan Aruch" Euren Kindern ins Hirn programmiert, wonach jeder Nicht-jüdisch-Gläubige "soviel wert wie der Esel im Stall ist" und man jeden "Goy" (eben nicht Eurem Glauben folgenden
Menschen) betrügen und gar totschlagen darf (die Zitate kennst Du freilich selbst, sonst liefere ich sie Dir);

empfehle ich Dir dringend:

"Bilde Dich endlich" - wie liberale Isras es tun - oder: "Halt einfach ewig Dein Maul"!


RA DR. FELIX M. RÜTTIMANN, Zürich

* * * * *

Copy zHv: Herrn Dr. Klaus Stoelker zur Info und mit herzlichem Dank für meinen über Monate in Ihrem Blog - gegen alle widerlichen Widerstände (!) - stehen gelassen Blog-Eintrag!

Seit ich persönliche antisemitische Angriffe erhalten habe – wie seinerseits im Tages-Anzeiger Magazin und nun vom RA Rüttimann – fühle ich mich – mit kleinen Unterbrüchen – zusätzlich zum Weitermachen angetrieben, zum Stellung beziehen und zur Kritik an den Geschehnissen rund um Israel, schweizerischer und anderer Antisemitismus. Es zeigt, dass Hass, nicht nur Judenhass, überall gedeiht und zurzeit auch in meinem Geburtsland aus dem Schrank gelassen wird. Ich weiss, dass jüdische Organisationen, Gemeinden und Prominente weit häufiger antisemitische Fanmail erhalten als ich. Wie sie damit umgehen, weiss ich nicht – es fallen darüber gelegentliche Andeutungen, doch scheint mir, diese Korrespondenz wird vor allem säuberlich abgelegt. Davon halte ich wenig, Antisemiten müssen ans Licht gezerrt, Antisemitismus muss diskutiert, seine Vertreter als bösartige Hasser und Lügner blossgestellt und Ursachen wie Hintergründe analysiert werden. Vorträge über Judentum in Schulen sind ein Anfang – ob sie genügen, das bezweifle ich. Ich weiss, ich lebe im jüdischen Staat Israel, der Judenhass von ausserhalb seiner Grenzen erfährt, nicht von Nachbarn, Politikern und zugereisten Muslimen. Soll ich darum schweigen? Ich denke nicht, andere mögen anderer Meinung sein. Hier ist die Adresse meines persönlichen Judenhassers, aus dem Telsearch.ch entnommen:

RA Rüttimann, Felix M.
Hofstrasse 66/2
8032 Zürich/ZH
Tel. 044 251 94 46 – felix.rüttimann@postmail.ch

Ich habe in Klaus Stöhlkers Website ein wenig gewühlt und ganz so appetitlich scheint mir das vorliegende nicht. Rüttimanns Geschwätz ist zwar verschwunden, doch was Meister Stöhlker heute selbst schreibt ist nicht unbedingt sympathisch. Ich denke, es ist für ihn die Zeit gekommen, klar Stellung zu seiner Einstellung zu uns Juden, Israel und Antisemitismus zu nehmen. Ich überlasse es meinen Tagebuch lesenden Freunden, aus dem vorliegenden Material Schlüsse zu ziehen.

Sonntag, 18. Januar 2009

Verpönte Menschlichkeit

18.1.2009

Während einer Nachrichtensendung auf Kanal 10, rief ein Nachrichtensprecher Dr. Ezzeldeen Abu al-Aish in Gaza an, um Neuigkeiten zu hören. Dr. Abu al-Aish berichtet über diesen Sender seit längerer Zeit aus Gaza und ist vielen Israelis bekannt. Der Arzt, ein Gynäkologe, arbeitete früher in den israelischen Spitälern Soroka in Beer Sheva und Sheba (Tel Hashomer) bei Tel Aviv. Er arbeitet heute im Shifa Spital in Gaza. Dr. Abu al-Aish spricht perfekt Hebräisch (das tun die meisten arabischen Ärzte, oft besser als viele israelische Juden), ist ein Friedensaktivist und für verschiedene israelisch-arabische medizinische Projekte tätig.

Durch eine israelische Granate in seine Wohnung verlor er Minuten vor dem Anruf drei seiner Töchter, Bisan (22), Mayar (15) und Aya (14) sowie eine Nichte Nour Abu-Aish (14), die in seiner Wohnung im Flüchtlingslanger Al-Jabaliya weilte. Zwei Töchter wurden verletzt. Der Nachrichtensprecher versuchte auf der Stelle die Armee zu kontaktieren, um der Familie zu helfen (Dr. Abu al-Aish's Frau war vor wenigen Monaten an Krebs gestorben und hinterliess ihren Mann mit acht Kindern).

Wie sehr vielen Israelis, ging mir das Gespräch mit dem extrem aufgeregten (ein besseres Wort fällt mir nicht ein) Arzt tief unter die Haut. Dr. Abu al-Aish rief Gott an, weinte und brachte es dennoch fertig, konkrete Angaben über die Lage seiner Wohnung zu geben. Die Armee reagierte schnell. Er und seine zwei verwundeten Töchter wurden von einer Ambulanz abgeholt und in den Tel Hashomer in Tel Aviv Spital gebracht. Der Nachrichtensprecher, während dem Gespräch um seine Fassung kämpfend, verliess nach dem Gespräch seinen Sitz, er war offensichtlich nicht mehr in der Lage, die Sendung weiter zu begleiten.

Gemäss israelischer Armee soll ein Scharfschütze aus dem Wohnhaus des Arztes auf israelische Soldaten geschossen haben, Dr. al-Aish hingegen sagt, es sei niemand, schon gar nicht ein Hamasterrorist, dort gewesen. Das wird nun abgeklärt.

Dr. Abu al-Aish ist ein Mann mit einem grossen Herzen. Sogar in den Momenten grösster Trauer und Erregung sagte er, dass falls die Armee wirklich einem Irrtum erlegen sei, könne er ihr verzeihen. Jeder Mensch könne sich irren.


Im Spital wurde eine Pressekonferenz durchgeführt, in der er nicht nur wie die Geier von der Presse belagert wurde (siehe Bild), er wurde auch von Soldatenmüttern angegriffen – ein Misston der mir zu schaffen macht. Zwar ist es leicht, diese Frauen zu verstehen, doch sie benahmen sich auf eine Art, die dem Verhalten des Doktors nicht entspricht. Als würden sie, die von Dr. al-Aish ausgestrahlte Menschlichkeit trotz tiefster Trauer, nicht wahrnehmen oder gar ablehnen. Eine Art verpönte Menschlichkeit, als hätten sie Trauer exklusiv für sich gepachtet.

Soweit zu diesem traurigen Vorfall, der nur einer von vielen ist, doch wegen der Bekanntheit des Betroffenen, weite Wellen gezogen hat.

Heute Abend in den Nachrichten durften wir Premierminister Olmert und seine Gästen Merkel, Sarcosy, Brown, Berlusconi (Berlusconi schien am Prominententisch zu schlafen und musste geweckt werden) und noch Zwei, deren Namen mir entfallen ist, an einer Pressekonferenz zuhören, bevor sie sich zum feinen Diner begaben. Diese Staatsfrauen- und Männer wollen Israel helfen im Gazastreifen den Frieden zu waren – sie hätten sagen sollen die Ruhe zu wahren, denn wer glaubt schon an Frieden in unserer Zeit - und die Wiederaufrüstung der Hamas zu verhindern. Tönt schön, aber wie sie es tun werden, ist mir völlig unklar und sie sagten es auch nicht. Immerhin, ich hatte Gelegenheit Französisch, Deutsch und schönes, wirkliches Englisch zu hören. Danach schalteten wir den Fernseher ab.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Mehr wäre Dresden

Die Israelis sind völlig anders als wir. Im Gegensatz zu uns,
finden sie menschliche Schutzschilder keine gute Idee.

15.1.2009

Ohne ein Dresden anzurichten, muss, so denke ich und viele meiner Freunde, der kleine Feldzug im Gazastreifen abgeschlossen werden. Ganz wohl ist es damit aber kaum einem Israeli. Es sei denn, die Hamasbrüder wollen weiter sich und den Rest der Zivilbevölkerung opfern. Menschliche Schutzschilder werden ihnen irgendwann einmal ausgehen, sei es aus Mangel an Menschen oder durch eine plötzlich aufkommende Welle palästinensischer Zivilcourage, mit der sich Gazas erwachsene Zivilbevölkerung vor ihre Kinder stellt und ihren Peinigern, der Hamas, weitere "Mitarbeit" verweigert. Die einzig andere Alternative wäre eben ein "Dresden", aber so etwas kommt für Israel nicht in Frage, auch wenn es Hamasapologeten anders sehen wollen.

Israels Vorzeige-Ministerpräsident Ehud Olmert will sich scheinbar ein Denkmal setzen, denn er ist entschlossen, entgegen dem fachmännischen Rat seines Verteidigungsminister Ehud Barak, den Krieg weiterführen. Natürlich muss es für einen Waffenstillstand harte und kontrollierbare Bedingungen geben, wie eine totale Verunmöglichung des Waffenschmuggels und absolut, ich wiederhole, absolut keine Raketen mehr auf Israel. Das sollte möglich sein – hoffen wir wenigstens.

Lea und ich sorgen uns um unseren Enkel Adam, der in Gaza kämpft. Ich schrieb einem Schweizer mosaischen Glaubens, dass in meinen Augen unser Adam mit seinen Kameraden als Soldat im Gazastreifen gegen Jihadisten und Terroristen kämpfend, sein Leben nicht nur für Israel sondern für das gesamte jüdische Volk einsetzt. Dafür wurde ich verhöhnt. Das tut weh, umsomehr, als bei palästinensischen Demonstrationen, der Ungeist des Judenhasses völlig offen aus der Flasche gelassen wird, für jeden zu sehen und zu hören. Das macht Angst, aber zu dieser Angst kann man stehen und nicht nach Ausflüchten suchen. Aber bei weitem nicht alle Schweizer Juden verweigern Solidarität und fühlen sich Teil des ganzen jüdischen Volkes – was sich vielleicht an der Zahl jüdischer Teilnehmer an der Berner Demonstration für Israel am kommenden Samstag, 17. Januar 2009 messen lassen wird. Auf der anderen Seite habe ich Verständnis für jüdische Freunde in der Schweiz, die, wie mir einer davon schrieb, echte Angst vor antisemitischen Attacken hat. Das geht soweit, dass aus diesem Grund auch keine Leserbriefe an die Zeitungen geschrieben werden. Wenn mir jemand sagt, er oder sie habe Angst, respektiere ich das und die damit verbundene Ehrlichkeit. Sie steht im Gegensatz zu jenen jüdischen Helvetiern, die mit vordergründig schlauen Argumenten wie "Das bringt doch nichts", "Wir verurteilen alle Kriege" und ähnlichem, damit den Jihadismus mit seinen Opfern gleichsetzend. Vergessen wir nicht den Angriff auf die World Trade Türme in New York in 2000, nach der die arabische Welt auf den Strassen tanzte und Bonbon verteilte um dann zu behaupten, dieser bisher schlimmste Terrorakt sei das Resultat einer jüdischen Verschwörung. Immerhin sind jetzt SIG und PLJS (Plattform der liberalen Juden der Schweiz) auf den von der GSI (Gesellschaft Schweiz-Israel) geführten Zug aufgesprungen und werden sich an oben erwähnter Demo öffentlich mit Israel solidarisieren. Jetzt bin ich zufrieden.

Ein sehr interessantes Phänomen war bei der Bewegung "Frieden Jetzt" in Israel zu erleben. Ich bin Mitglied und beobachte interessiert, wie sich Mitglieder und Führung verhalten. Eine sehr grosse Zahl Mitglieder hat sich gegen eine Teilnahme von "Frieden Jetzt" an Demonstrationen gegen den Krieg in Gaza ausgesprochen. Nicht nur sind sie überzeugt, dass dieser Krieg berechtigt ist, sie wollen auch nicht mit Antisemiten, Antizionisten und anderen Fanatikern gemeinsame Sache machen oder gar mit diesen identifiziert werden. Frieden ja, nationaler Selbstmord nein ist die heutige Devise der gesunden Linken, mit der ich mich identifizieren kann. Nicht weniger erfreulich war zu vernehmen, dass in der Schweiz auch Schomrei Schabbat (die Schabbatgesetze befolgende Juden) an der an einem Samstag stattfindenden Demo in Bern teilnehmen wollen, mit der Begründung, dies sei ein Fall von "Pikuach Nefesch" (ein lebensrettender Notfall), denn es gehe um das Überleben des jüdischen Staates. Pikuach Nefesch hat Priorität vor der Heiligkeit des Schabbats, einem jüdischen Prinzip, gemäss welchem Leben vor allem andern geschützt werden muss - eine Sicht, die der von Hamas und dem Jihadismus allgemein, diametral entgegensteht.

In den vergangenen Tagen erhielt ich eine Menge Zuschriften und sogar einen Telefonanruf aus der Schweiz. Mit einer Ausnahme werde ich in meinem Versuch uns Schweizer Juden den Rücken zu stärken, unterstützt. Einige bedankten sich, dass ich sie auf die Berner Demo aufmerksam gemacht habe, andere sandten mir eine Kopie ihres Briefes an die Bundesversammlung, in dem sie sich über die Unflätigkeiten von Geri Müller beschwerten, ich erhielt nette Worte von Unbekannten, die das Tagebuch nur aus dem Internet kennen, viele schrieben, sie würden meine Tagebucheinträge stets an andere weitersenden, andere schrieben über ihre Ängste, mit denen sie zur Zeit konfrontiert werden.

Zum Abschluss ein kleiner Ausschnitt aus einem Interview mit Joschka Fischer aus der letzten Ausgabe "Der Zeit":

ZEIT: Was antworten Sie denen, die beklagen, dass es auf der einen Seite durch Raketenbeschuss in sieben Jahren 32 Tote gibt, auf der anderen über 500 binnen weniger Tage?
Joschka Fischer: Aber was heißt das denn? 32 Tote sind vertretbar – und 500 nicht mehr? Dann wären wir bei einer modernen Form von Auge um Auge, Zahn um Zahn. Nein – die Opferzahlen sind schlimm, aber sie zeigen auch die katastrophale Fehlkalkulation der Hamas. Denn darin drückt sich auch das militärische Kräfteverhältnis aus.

Sonntag, 11. Januar 2009

Motivationen

11.1.2008

Ich möchte hier einen Ausschnitt des Briefes vom 2.1.2009 von Dr. Karl Mörschel, Präsidenten der GSI Bern, zitieren, in dem er seinem Zorn über die bisherigen Reaktionen der Schweizer Öffentlichkeit und der Terror-Versteher Luft macht und gleichzeitig eine Aktion plant:

… die Palästinafreunde inklusive die Sympathisanten von Hamas und Ajmadinedjad, Vischer und Geri Müller, haben sich vorgestern in Zürich mit Lügen, Beleidigungen, Verbrennen einer israelischen Fahne wieder einmal von ihrer wahren Seite gezeigt. Dasselbe unwürdige Spektakel wird heute in Bern stattfinden.

Zur gleichen Zeit ziehen Juden in Israel, auch 20-jährige Soldatinnen und Soldaten, in den Krieg, um ihre Heimat einmal mehr und wie schon so oft zu verteidigen. …..

Dürfen wir all dem schweigend zusehen? Ist es etwa zuviel von uns verlangt, wenigstens mit einigen israelischen Fahnen, Flugblättern und Transparenten der Schweizer Öffentlichkeit zu zeigen, dass Israel hier auch Freunde hat? Wenn wir das nicht tun, nicht einmal dieses Wenige, sollten wir uns nicht nur schämen, sondern auch ängstigen. Denn dann müssen wir uns allmählich um unser eigenes Wohlergehen im noch sicheren Westen Sorgen machen. Wenn wir nämlich der islamistischen Hetze und Verdummung, die sich gerade jetzt wieder einmal so dreist zeigen, so wenig entgegenzusetzen bereit sind, haben wir schon verloren.


Das offizielle Schweizer Judentum könnte sich ein Stück von Karls Enthusiasmus und Bereitschaft, sich einer wirklichen Herausforderung zu stellen, abschneiden. Das Selbe gilt auch für Vreni Müller-Hemmi, die sich mit einem Einsatz sondergleichen in die öffentliche Diskussion zum Thema Hamas-Terror und dem daraus ausgelösten momentanen Krieg eingeschaltet hat. Wir Schweizer Juden, ob in der Schweiz oder schon in Israel wohnend, schulden diesen zwei und vielen anderen nichtjüdischen Schweizer Freunden sehr viel und ich hoffe, dass dies auch honoriert wird. Sie retten das Ansehen der Schweiz, das durch die Demonstrationen gewalttätiger Jihadanhänger und den Aussagen politisch links und grün stehender Terrorapologeten leidet.

Irgendwie kommt mir die heutige Diskussion um das Recht Israels, sich zu verteidigen und das Klagen um die armen palästinensischen Zivilopfer (von denen die meisten bärtige Hamas-Terroristen sind) vor, wie die Klagen über die armen deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs, die sich seit Ende jener Katastrophe über ihr selbstverursachtes Leiden selbst bemitleiden. In 1944-45 waren es die recht primitiven V-1 und V2-Raketen der Nazis, die, relativ gesehen, weit weniger Schäden in England anrichteten, als die Bombenangriffe der Alliierten auf deutsche Städte. Zusammen mit der gewaltigen Bodenoffensive der Russen aus dem Osten und der Landung der westlichen Alliierten in der Normandie, trugen diese Bombenangriffe auf Nazideutschland bei, diesem den Rücken zu brechen und den Krieg zu beenden. Das Prinzip ist das Selbe. Wie in Deutschland nach dem Sieg über die Nazis in 1945, wollte kein einziger Deutscher Nazi gewesen sein, sie seien die schweigende und leidende Mehrheit gewesen, die von einigen wenigen Nazis unterdrückt worden seien. Vom Prinzip her ähnlich sehe ich das in den heutigen arabischen Ländern, wo eine kleine Minderheit von fanatischen Islamisten offenbar die Politik des Jihadismus bestimmt, dazu allerdings problemlos Millionen Menschen auf die Strasse bringt, um gegen eine Welt der offenen Gesellschaft zu protestieren und für den Tod aller Juden, Israels, der USA und aller anderen "Ungläubigen" zu demonstrieren. Sollte der jihadistische Spuck einmal vorbei sein, werden sich Muslime bestimmt auch als verhinderte Antijihadisten bezeichnen. Und wie in den dreissiger und vierziger Jahren, als es weltweit Sympathisanten der Nazis gab, man denke an die Amerikaner Lindbergh und Henry Ford, den Schweizer Divisionär Bircher und andere seiner Landsleute, gibt es heute Sympathisanten des internationalen Jihad, auch in den aufgeklärten Ländern der westlichen Welt. Damals war es die politisch Rechte, heute sind es Teile der politisch Linken. Die heute einzige Motivation dieser Leute, vor allem in der linken und grünen Szene, beruht vielleicht auf Mitgefühl für die Armen und Unterdrückten dieser Welt, ohne jedoch deren Situation wirklich analysieren zu wollen und irgendeinen Kontext wahrzunehmen. Es wird, politisch korrekt, Israel als Verantwortlicher angeklagt, auch wenn damit die Juden gemeint sind, denn das wäre es eben politisch nicht korrekt. Das Konzept der Selbstverantwortung existiert nicht, ausschliesslich Aussenstehende müssen die Verantwortung tragen, man traut sie Drittweltvölkern erst gar nicht zu, denn die Armen dieser Welt sind in den Augen der Gutmenschen unfähig sich selbst zu helfen. Ihre Fähigkeit zur Selbsthilfe beschränkt sich darauf, sich mittels hirnlosem Terror Luft zu machen. Diese gönnerhafte Sicht ist, so denke ich, Rassismus im alten Stil, so wie vor hundert Jahren Englands Kolonialisten die liebenswerten, aber zivilisatorisch zurückgebliebenen "Neger" Afrikas sahen, wie etwa in Edgar Wallaces "Sanders vom Fluss" Geschichten. Das Schwarz-Weiss Denken dieser Gutmenschen scheint noch in der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts gefangen zu sein, mariniert im dumpfen Antisemitismus und Antiamerikanismus unserer Tage.

Soweit zu einer Seite gutmenschlicher Motivation. Die andere ist eine gehörige Portion Judenhass (ich finde das Wort besser als Antisemitismus, es ist klar und muss nicht erklärt werden) und auch weitgehende geschichtliche Ignoranz über den Nahen Osten, gepaart mit einer grundsätzlichen Verweigerung ungeliebte Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Der oft gehörte Einwand, man kenne die Materie perfekt, denn man besuche die armen Palästinenser oft und wisse um deren Nöte, kann nicht stimmen, denn er zeigt nur die eine, die manipulierte Seite des Konflikts. Nur eben, die Palästinenser, Weltmeister manipulativer Öffentlichkeitsarbeit, sind nur ein Teil des Problems – über die anderen Teile wollen gute Menschen nichts wissen und verlassen sich auf ihre Vorurteile.

Es gibt noch eine Motivation oder vielmehr ein totaler Mangel an Einfühlungsvermögen dieser Apologeten. Sie scheinen zu denken, dass alle Denkschemen weltweit ohne Unterschied identisch sind. So sind sie, im vorliegenden Fall Gaza, schlicht unfähig die traurige Wahrheit akzeptieren, dass Hamas in Gaza Waffenlager, Stellungen, Raketenabschussrampen und Kommandostellen in Wohnhäusern, Moscheen und Schulen unterbringt. Oder es wird, trotz einschlägigen Beweisen, geleugnet oder schlicht übersehen. Zivilisten – palästinensische oder israelische – sind für Hamas, Hisbollah und andere Jihadisten einfach Verbrauchsmaterial zur Manipulation der Öffentlichkeit.

Zum heutigen Abschluss ein herzliches Dankeschön an unsere Schweizer Freunde der GSI für ihren Einsatz zur Solidarität mit Israel. Ich hoffe, der Anlass in Bern am 17. Januar 2009 wird zum Erfolg und bin gespannt darüber einen Bericht zu erhalten.

Freitag, 9. Januar 2009

Hass, purer Hass

9.1.2009 – Hass, purer Hass

Mein lieber Freund Roger Guth regt sich, ausser wenn er schläft, fürchterlich über die Schreiber von Leserbriefen in den Schweizer Zeitungen (vor allem die BaZ) auf. Nicht auf alle, doch es gibt genügend solche, die aus dem hohlen Bauch über einen hohlen Kopf Dinge von sich geben, die einen gähnenden Mangel an Grundkenntnissen über das Judentum, Israel, dessen arabische Feinde und der Geschichte Palästinas/Israels wenigstens der letzten hundert Jahre demonstrieren. Mehrheitlich kommt noch ein heute offener Antisemitismus dazu, der sich durch Terror-Versteher der grün-linken Schweizer Politszene gestärkt und legitimiert sieht und zum Motivator antiisraelischer Schwätzer geworden ist.

Fast täglich rate ich Roger Guth keine Foren und Leserbriefe mehr zu lesen und plumpse darauf prompt selbst in die Falle, missachte meinen eigenen guten Rat, lese dort Unerträgliches und schreibe dann einen Brief mit eigener Sicht der Ding – schwups, bin ich da drin, gefangen in einem Strudel, aus dem es schwierig ist, wieder herauszufinden. Ganz besonders, wie schon passiert, man persönlich angegriffen wird und einen Schwall von purem Judenhass auslöst, der sogar die Redaktion (es war der Tages-Anzeiger) verängstigte und sie diesen Artikel und dessen Forenbriefe hastig aus dem Web entfernte. Nur nebenbei, das Establishment der Schweizer Juden hatte sich in klassischer Art entschlossen, diesen Fall extremen Judenhasses nicht weiter zu verfolgen und der Tagi kehrte die Angelegenheit unter den Teppich – beide wollten keine "Wellen" machen und hatten Angst vor einer offenen Diskussion über Judenhass und dessen Zwillingsbruder, dem Antizionismus. Das als Reminiszenz.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Der gelungene Versuch aufzuzeichen, wie Terrorapologeten und Antisemiten funktionieren

6.1.2009 Im fabelhaften Website "Lizas Welt" fand ich untenstehenden satirischen Artikel von Stefan Frank, der, wie kaum etwas von mir bisher Gelesenes, die Mentalität der Gutmenschen, Terrorapologeten und Jihad-Versteher blossstellt. Das gilt für Schweizer Grüne dieser Neigung, denen für den gerechten Frieden in Palästina und weiteren Geistesverwandten. Die von Stefan Frank angedeuteten Vergleiche bieten sich jedem mit der momentanen Gazakrise (wie auch im zweiten Libanonkrieg von 2006) beschäftigten an, sind überhaupt nicht neu, nun aber endlich ausgesprochen.

Wie ein Hamas-Versteher die weltpolitische Lage Ende 1944 kommentieren würde

VON STEFAN FRANK

Schon einmal, von 1914 bis 1918, hat Großbritannien gegen Deutschland Krieg geführt. Deutschland blieb im Felde unbesiegt, und langfristige Stabilität wurde nicht erreicht, wie die Ereignisse seit 1939 zeigen. Aber die britische Regierung hat daraus nichts gelernt. Mit völlig unverhältnismäßigen Bombardements in dicht besiedelten Gebieten reagiert sie darauf, dass in London immer wieder primitive selbstgebaute V2-Raketen niedergehen, die zwar Angst und Schrecken verbreiten, aber kaum Schäden anrichten.

Doch auch mit brachialer Gewalt kann Großbritannien diesen Krieg nicht gewinnen. Denn selbst wenn es gelänge, die gesamte Führungsebene der NSDAP auszuschalten, wäre die Organisation noch lange nicht am Ende. Es stehen genug frustrierte, radikalisierte junge Männer bereit, um die Plätze von getöteten NSDAP-Mitgliedern einzunehmen. Die NSDAP ist keine Terrorgruppe, sondern eine Massenorganisation, die Wohlfahrtseinrichtungen betreibt und durch Wahlen legitimiert wurde. Auch ein vollständiger Stopp des Beschusses Großbritanniens ist nach Meinung von Experten nur kurzfristig zu erreichen. Zwar schwäche die Offensive die Infrastruktur der NSDAP, aber langfristig werde sie wieder in der Lage sein, Raketen auf britisches Gebiet abzufeuern.

„Es wird keinen Sieger in diesem Krieg geben“, fasste ein Europaexperte seine Einschätzung der Lage zusammen. „Die NSDAP wird kurzfristig den Raketenbeschuss einstellen und sich dann rächen – vielleicht sogar mit Selbstmordanschlägen in Großbritannien.“ Profitiert von der britischen Offensive haben bis jetzt nur die extremistischen Organisationen in ganz Deutschland. Durch den Krieg werden die gemäßigten Kräfte innerhalb der NSDAP geschwächt, während die radikalen neue Anhänger dazu gewinnen.

Ein sofortiger Waffenstillstand ist notwendig. Adolf Hitler und Rudolf Hess haben in der Vergangenheit angedeutet, dass sie unter bestimmten Bedingungen dazu bereit sind. Einen langfristigen Frieden in Europa kann es indessen nur geben, wenn Großbritannien sich aus den deutschen Kolonien zurückzieht und die soziale und wirtschaftliche Lage in den Deutschengebieten entscheidend verbessert. Nur aus Verzweiflung über das an ihnen jahrzehntelang begangene Unrecht haben die Deutschen einen Weltkrieg begonnen. Das muss London endlich einsehen.

Sonntag, 4. Januar 2009

Israel wehrt sich

4. Januar 2009

Er musste kommen, dieser Krieg gegen die Hamas, enorm viel wird darüber geschrieben und enorm viel davon wird von Teilen der internationalen Presse auf missverstandene Art dargestellt und kommentiert. Zurzeit ist die israelische Armee erfolgreich und für einmal ist Hamas mit heruntergelassenen Hosen überrascht worden. Die Verluste an Menschen- und Terroristenleben der Palästinenser Gazas sind gross. Und wir, Eltern und Grosseltern von Soldaten, sorgen uns um deren Unversehrtheit. Zwei unserer Enkel sind zurzeit in der Armee. Wir wissen wo sie sind. Wohl fühlen wir uns dabei nicht. Eltern und Grosseltern wie uns gibt es Tausende in Israel.

Das jihadistische Prinzip, die eigene Bevölkerung zur Geisel zu nehmen, bewährt sich wieder, auch wenn die überwiegende Zahl der Toten Hamasverbrecher sind. Denn tote Palästinenser, besonders Zivilisten und Kinder, sind für Jihadisten Verbrauchsmaterial zu antijüdischer Propaganda. Ein ganz klares Beispiel wurde gestern bei der Liquidation eines der blutrünstigsten Hamasführer, Nitzar Rayan, demonstriert. Seine Liquidation kostete mindestens vier seiner Ehefrauen (so las ich in Haaretz) und zehn seiner Kinder das Leben. Inzwischen werden Bewohner von Gebäuden, die dem Abbruch durch die israelische Luftwaffe vorgesehen sind, einige Stunden vor dem Angriff gewarnt, damit sie sich in Sicherheit bringen können. Bei Rayan war das anders, er weigerte sich – im Gegensatz zu anderen Hamas Grössen – in den Untergrund zu gehen. Das Resultat ist bekannt. Wie mir zugetragen worden ist, soll Rayan für die Brutalität gegen Fatahoffizielle und Fatahanhänger während der gewalttätigen Machtübernahme in Gaza verantwortlich gewesen sein. Dazu gehörte auch der damals populäre "Häusersturz" von Fatahleuten von den Dächern zahlreicher Hochhäusern Gazas.

Es gibt Grundsätzliches, das schon seit Beginn des internationalen Jihad und dem Beginn terroristischer Angriffe auf Israel jedem Journalisten und jedem der mitreden will, bekannt sein sollten. Hier, zum wiederholten Mal, seien einige davon in Erinnerung gerufen:

Der seit den zwanziger und dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts bestehende Jihadismus richtet sich gegen die gesamt westliche moderne Welt. Fast von Beginn an war Judenhass ein wesentlicher Teil davon, der dann mit Hilfe des deutschen Nationalsozialismus verstärkt wurde und sich heute in Wort, Tat und Stil vom Nazi-Antisemitismus kaum unterscheidet. Es ist interessant dieses Phänomen vermehrt auch in Leserbriefen und Foren der Schweizer Presse zu erkennen.

Zum gegenseitigen bebomben: hier gibt es zwischen Israel und Hamas, Hizballah und anderen Terroristen zwei grundlegende Unterschiede. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird, schiesst Israel nur aus einem Grund: als Gegenwehr und Reaktion auf jihadistische Angriffe. Da sich deren Stellungen fast ausschliesslich in Wohngebieten befinden, findet dort die von Jihadisten (in unserem Fall Hamas, in 2006 Hisbollah) arrangierte Opferung von Zivilisten statt. Raketen und Mörser der Hamas werden nicht auf militärische Ziele abgeschossen, sondern ausschliesslich auf zivile. Ihr erklärtes Ziel ist die Maximierung ziviler Opfer. Verglichen mit der Effizient israelischer Artillerie ist ihr Erfolg für Hamas frustrierend klein. Vor allem die heutige Demonstration israelischer Effizienz im Zivilschutztechnik und Disziplin und die mehr von Fanatismus als von Können getragene palästinensische Schiesstechnik, kann auch eine Rolle spielen. Seien wir froh darüber.

Es ist an der Zeit die Lösung eines ähnlichen Problems in Syrien von 1982 in Erinnerung zu rufen. Der damalige Präsident Hafez-al-Assad war mit der Bedrohung durch die Islamische Bruderschaft konfrontiert, die ihn zu stürzen drohte. Er identifizierte das Zentrum dieser Jihadisten, die Stadt Hama, fuhr seine Armee auf, die in einer viele Tage dauernden Artilleriebeschiessung die eingeschlossene Stadt völlig zerstörte und gegen dreissigtausend Opfer produzierte. Seither ist das jihadistische Problem des völlig säkularen Syriens gelöst. Es geht auch so. Ohne höfliche israelische Warnungen vor einer Bombardierung das Haus zu verlassen und ohne israelische Rücksichtsnahme auf zivile Verluste, sondern mit effektvoller Opfermaximierung. Wir Israelis können stolz darauf sein, ein anderes Denkmuster zu besitzen.
Es kann sein, dass die westliche Welt noch nicht gemerkt hat, dass der Streit zwischen den Arabern und Israel vom Streit um ein Stückchen Land zum unlösbaren Religionskrieg degeneriert ist. Er ist damit Teil des internationalen Jihad geworden. Damit haben Vernunft und kritisches Denken vom Versuch zur Krisenlösung Abschied genommen. (Inzwischen sind auch Ansätze fundamentalistisch frommer Denkungsart unter Israels Juden zu finden – wofür ich mich schäme).

Es wird dauernd darauf hingewiesen, Hamas sei als Resultat fairer demokratischer Wahlen an die Macht in Gaza gekommen. Ganz nach dem System aller radikaler Islamisten und Faschisten: "Ein Mann, eine Stimme, ein Mal". Das ist der Grund, dass eine grundsätzliche Einigung mit ihr nicht möglich ist, sie wäre bestenfalls zeitlich begrenzt – bis sie sich stark genug fühlt, das Judenkillen wieder aufzunehmen. Ihr Hass auf den Anderen (wir Juden und Israel sind da nur die Vorspeise) ist so gross und ihre Liebe für den Tod so alles durchdringend, wie es Fathi Hamad, ein Hamasführer, am 29. Februar 2008, in einer Sendung der hamaseigenen Al-Aqsa Fernsehstation beschrieb (von mir übersetzt):

"Für das palästinensische Volk ist der Tod zu einer Industrie geworden, in der sich Frauen auszeichnen wie auch andere Leute in diesem Land: ältere Menschen zeichnen sich aus, Jihadkämpfer zeichnen sich aus und auch Kinder zeichnen sich aus. Entsprechend stellen sich [Palästinenser] als menschliches Schild gebildet aus Frauen, Kindern, alten Menschen und Jihadkämpfern gegen die zionistische Bombardierungsmaschinerie, als würden sie den Zionisten damit sagen: "Wir erstreben den Tod, so wie ihr das Leben erstrebt".