Freitag, 5. September 2008

Der Patriotismus des drusischen Restaurateurs

5.9.2008

Als Vorspeise ein kleiner Hinweis auf eine neue Vorschrift der Armeeführung an die Soldaten der Strassensperren in den besetzten Gebieten. Der Muslime wichtigster Feiertag, der einen Monat dauernde Ramadan, begann am 1. September. Während dem Ramadan dürfen die Gläubigen von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang weder essen, trinken noch rauchen. Die Soldatinnen und Soldaten der Strassensperren wurden angewiesen, bei Anwesenheit von Palästinensern aus Respekt für deren religiöse Observanz ebenfalls nicht zu essen, zu trinken und zu rauchen. Muslime sind während dieser Fastenzeit ganz besonders reizbar und die Armee will darauf Rücksicht nehmen, obwohl Nichtmuslime vom Ramadan nicht betroffen sind. Interessanterweise las ich diesen Hinweis auf der Website der palästinensischen Ma’an News Agency.

Diese Woche wurden Lea und ich von Hani und Seham Hasisi ins Restaurant „Lev HaKfar“ (Herz des Dorfes) ausgeführt. Es liegt im Touristen und Auswärtigen wenig bekannten historischen Teil von Daliat Al-Carmel (heute heisst es eigentlich zusammen mit dem eingemeindeten Ussefiya amerikanisiert „Carmel City“), einem Quartier, das mit seinen sauberen und engen Gassen romantisch wirkt. Lev HaKfar ist als Restaurant guter arabisch-drusischer Durchschnitt, seine Salate sind sehr gut, doch in Umm El-Fahm isst man allgemein besser. Aber – und das ist der grosse und einmalige Unterschied – neben dem Restaurant des Betriebes befindet sich ein gemütlicher Salon mit Polstersesseln, Sofa, den üblichen Kissen und Matratzen auf dem Boden, Tischchen und Tischen sowie unzähligen Fotos an den Wänden. Die Fotos zeigen meist den Beizer Safa und seine Frau mit den VIPs und gewöhnlichen Leuten, die sein Etablissement schon besucht haben. In diesem Salon wird Kaffee serviert, zusammen mit Gebäck und Früchten. Soweit so gut. Das wirklich Spezielle des Lev HaKfar ist die jahrlange Tradition, wöchentlich jeden Montag Gruppen israelischer Soldaten einzuladen, jedes Mal zwischen dreissig und sechzig, wie Safa sagte. Sie werden verpflegt, es wird ein fünfzehnminütiger Film über die drusische Kampfeinheit der israelischen Armee gezeigt, sie treffen lokale junge Leute und sollen sich zu Hause fühlen. Dies sei sein persönlicher Beitrag zur gemeinsamen und friedlichen, ja gar freundschaftlichen Existenz zwischen der jüdischen Mehrheit des Landes und seinen Minderheiten. Diese Einladungen sind völlig frei und die eingeladenen Soldatinnen und Soldaten seien seine Gäste. Denn die Armee sei auch seine Armee und der Staat sei auch sein Staat. Das gefürchtete Herev Batallion (Schwert-Batallion), die drusische Einheit der Armee gehöre dem ganzen Staat. Dazu möchte ich allerdings hinzufügen, dass drusische Soldaten in allen Einheit zu finden sind, als Soldaten und als Offiziere.

Solche Ansichten möchte ich auch im muslimischen Umm El-Fahm hören, werde dazu jedoch noch lange warten müssen. Zwar merken die Araber Umm El-Fahms langsam, dass sie statt jammern, besser sich selbst helfen sollten. Mein Freund Said Abu-Shakra steht ihnen fast schon aufdringlich als Beispiel täglich vor der Nase. Die Drusen haben das schon früher gemerkt und internalisiert, auch wenn ihre Kultur und ihre Tradition sich westliche „Eigenheiten“ wie Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, erst noch erarbeiten müssen. Dazu ein Beispiel, das Seham Hasisi erzählte, als ich sie fragte, ob sie gelegentlich in ein drusisches Bethaus gehe, von denen ich einige in der Altstadt gesehen hatte. Genau so wie bei uns Juden, den Muslims und Christen ist traditionelle Religion zum Stolperstein und Hindernis jeglicher Weiterentwicklung geworden. Seham antwortete, es sei ihr verboten ein Bethaus zu besuchen, denn sie lebe keinen religiösen Lebensstil. Sie müsste dazu erst den Scheich um Einwilligung bitten, der ihr als erstes den Führerschein wegnehmen würde, sie zwänge das traditionelle schwarze Kleid und den weissen Schleier der drusischen Frau zu tragen, keinen Beruf zu erlernen und bestenfalls als Putzfrau zu arbeiten. Die Sitten scheinen streng zu sein – auch in Saudi Arabien ist Frauen das Autofahren und einiges anderes verboten und wird vom Staat und seinen Sittenpolizisten durchgesetzt. In Israel kann das höchsten der Ehemann tun – ob es vorkommt, könnte ich bestenfalls raten und das will ich nicht. Doch immer wieder erlebe ich Überraschungen, wie den Patriotismus von Safa, dem drusischen Beizer. Dessen Frau noch immer ein schwarzes Kleid und weisses Kopftuch trägt. Patriotismus hat halt mit Frauenemanzipation wenig zu tun.

Sonntag, 31. August 2008

Lynn Hasisi und die wilden Weiber des Friedens


Wie für meine Enkelin Hadass beginnt am kommenden Montag die 12. Klasse, die Maturaklasse der israelischen Schulen, auch für Lynn. Sie besucht die Mittelschule des Kibbuz Ein Hashofet. Wir sind mit ihren Eltern befreundet, sitzen alle paar Wochen mit ihnen und Lynn bei einem guten Essen und interessanten Diskussionen in unserer Stube.

Lynn erzählte von ihrer Polenreise, die von den Schulen für Elftklässler organisiert wird, um den Schülern den Schoa zu vermitteln. Diese Reisen finden seit Jahrzehnten statt, sind zu einer Industrie geworden und werden manchmal auf eine Art durchgeführt, die mir nicht gefällt, wie nationalistisches Gehabe mit zu vielen Fahnen, einseitigem Reiseprogramm, das ausschliesslich auf die nazistische Vernichtungsindustrie konzentriert, ohne geschichtliche Hintergründe zu vermitteln, ohne den jüdischen Widerstand in den Konzentrationslagern und bei den Partisanen zu erwähnen, ohne die jüdische Kultur von einst und das nichtjüdische Polen von heute zu besprechen und letztlich, ohne Kontakt zu den Polen und Polinnen von heute zu suchen oder gar mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Das Besondere dieser Reise ist die Tatsache, dass Lynn keine Jüdin sondern Drusin ist, deren Eltern ihr eine fortschrittliche Schulausbildung vermitteln wollen, modern, israelisch und vor allem einer freien Gesellschaft entsprechend. Deshalb geht sie in eine Kibbuzschule. Mit Lynn zu sprechen ist ein Erlebnis, ein Vergnügen, das ich gerne und wiederholt auskoste. Ihr Hebräisch ist das einer Sabra, es ist nicht der geringste arabische Akzent zu hören, sie spricht spontan, hat eigene moderne Ansichten und scheut sich nicht, diese ins Gespräch einfliessen zu lassen. In vielem erinnert sie mich an meinen Enkel Jonathan, dem politisierenden Jugendbundleiter, der vor drei Wochen zusammen mit seinem Gar’in (Kerngruppe) in die Rekrutenschule einrückte. Bei den Drusen herrscht Militärpflicht, doch nicht für Mädchen und deshalb, so sagte sie, sei sie die erste Drusin, die den freiwilligen zweijährigen Zivildienst absolvieren werde. Das ist zwar nicht die Armee, doch auch so wird sie die erste Drusin sein, die diesen freiwilligen Dienst tut, genauso wie sie die erste Drusin war, die sich der für Juden (mehr oder weniger) obligaten Polenreise anschloss.

Auf dem Flug nach Polen sass sie zusammen mit dem mitreisenden Zeitzeugen, einem Holocaustüberlebenden, der mit den Jugendlichen bei diesen Reisen mitfährt und ihnen vor Ort seine Erlebnisse erzählt. Es wäre seine dreizehnte Polenreise als Zeitzeuge gewesen und es werde ihm mit jeder Reise schwierigen, seine Erinnerungen den jungen Menschen zu erklären, hatte er ihr erzählt. Er sei fast vom Sitz gefallen, als er erfuhr, dass Lynn keine Jüdin, sondern Drusin sei. Seiner Meinung nach, sei es wohl das erste Mal, dass ein nichtjüdischer Schüler als Mitglied einer jüdischen Schule mitreise.

Die Reise sei sehr streng gewesen, nach den Besuchen von Konzentrationslagern, ehemaligen Ghettos, Museen und ähnlichem sei die Gruppe jeden Abend zusammen gesessen, habe die Erlebnisse des Tages besprochen, Revue passieren lassen und abschliessend versucht, Lehren abzuleiten. Um zehn Uhr seien alle schon im Bett gewesen, um elf Uhr war Licht aus. Das hörte sich ganz anders an, als ich es in der Zeitung gelesen und wie es mir mein Enkel Adam nach seiner Reise erklärt hatte. Man habe keine polnischen Juden, keine polnische Nichtjuden getroffen, Gespräche mit diesen waren nicht im Programm vorgesehen gewesen. Fahnen habe man keine getragen, nur einmal, bei einer Feier, seien zwei kleine Fähnchen gehalten worden. Immerhin, nie seien die Teilnehmer abends in einer Bar herumgehangen und alkoholisiert ins Hotel zurückgekehrt. Das könnte der Einfluss der Kibbuzschule sein, in der vielleicht noch die Regeln des Jugendbundes Haschomer Hazair hochgehalten werden. Lynns Eindrücke und Empfindungen waren fast physisch fühlbar. Die Besuche in Auschwitz und bei der Rampe von Birkenau, in KZ Maydanek, im Ghetto von Lodz und ähnlichen Orten sind ihr unter die Haut gegangen. Das Wissen um die schiere Zahl der Opfer, der industrielle Massenmord, die Anlagen dazu und die Öfen mit den hohen Kaminen hätten sie geschüttelt. Sie erzählte von dem kleinen Jungen, der jemanden im KZ fragte wo seine Eltern seien. Man habe auf den Rauch, der aus den Kaminen quoll gezeigt und gesagt: „Siehst du den Rauch? Das sind sie“.

Dazu ist zu bemerken, dass Hani, Lynns Vater, vor Jahren versuchte einen drusischen Verein zu gründen um israelischen Minderheiten den Holocaust nahe zu bringen. Er bat mich um Hilfe, wir druckten Flugblätter und hielten lange Sitzungen ab, bei denen mein Freund Adam Teller, Geschichtsprofessor an der Universität Haifa (Geschichte der polnischen Juden ist sein Fach) teilnahmen. Hani musste leider aufgeben, nicht, weil er sich mit drusischen Judenhassern, die es auch gibt, auseinandersetzen musste, sondern weil jüdische Holocaustprofis in ihm eine Konkurrenz sahen und sich verweigerten. Da ohne Juden der Holocaust einem unwissenden Publikum kaum erklärt werden kann, verlor Hani den Mut. Doch gute Freunde sind wir geblieben.

Wir waren heute in der Galerie in Umm El-Fahm. Zufällig war eine Gruppe jüdisch-russischer „Frauen für den Frieden“ anwesend und wir schlossen uns ihnen beim Gespräch mit Said Abu-Shakra an. Anschliessend zeigte ich meiner Frau Lea und unserer Freundin Aviva die fotografische Ausstellung über die Geschichte der Stadt (mein Tagebucheintrag 30.6.3008). Die Frauen für den Frieden waren da und wir betrachteten die die gleichen Bilder. Auf einem Schwarzweissfoto von 1948 war ein primitives Haus aus Lehm zu sehen, vor dem einige arabische Männer und israelische Soldaten zu sehen waren. Auf dem Haus war eine kleine weisse Fahne mit einem handgezeichneten, aber schwer zu erkennenden Davidstern zu sehen. „Das stört mich“, erklärten einige dieser Damen ungefragt. Auf einem anderen Foto war ein Jeep mit israelischen Offizieren zu sehen – alles aus dem Jahr 1948. „Die hassen wir!“, riefen dieselben Damen des Friedens. Als ich sie milde auf die Tatsache aufmerksam machte, dass in 1948 die Palästinenser und arabische Staaten das soeben geborene Israel angegriffen hätten und dass der daraus entstandene Krieg zwischen Israel und der arabischen Welt ausschliesslich deshalb entstanden sei und ebenso ausschliesslich das palästinensische Flüchtlingsproblem kreiert habe, wurde ich hysterisch angeschrieen: „Was du bist auch so einer, der die Besetzung unterstützt.“ Aviva zog mich weg und erklärte mir, dass man mit solchen Fanatikerinnen nicht vernünftig reden kann und besser jedem Gespräch aus dem Wege gehe. Das magische Wort „Besetzung“, mit dem jedes Argument erschlagen werden kann, ist zwar erst nach dem Sechstagekrieg in 1967 entstanden und ist mit der Eroberung der Westbank verbunden – eine Eroberung, die nur durch den Eintritt Jordaniens in diesen Krieg ausgelöst wurde. In 1967 hatten nicht einmal unsere eigenen jüdischen Spinner Eroberungsgelüste. Doch verbunden mit dem Unabhängigkeitskrieg von1948 ist dieses Wort schlicht die prinzipielle Ablehnung des jüdischen Staats. Dann wurde mir gesagt, dass beim betrachten der Bilder klar werde, dass Israels Araber ihren Lebensstil verloren hätten. Ich weiss nicht wie die Gedanken dieser Tanten funktioniert, sie meinen wohl den Lebensstil der Lehmhäuser, der Vielweiberei, dem Analphabetentum, der Abhängigkeit von ihren Feudalherren. Ich bin ratlos, wie sich jüdische Frauen dafür verwenden können, denn es geht um ihr eigenes Überleben und kann doch nicht aus der verantwortungslosen und verlogenen Ideologie entstanden sein, die bei sogenannten „Friedensgruppen“ in der Schweiz, in Europa und in den USA zu finden ist und eigentlich Israel zum nationalen Selbstmord bewegen will. Das Benehmen dieser Damen ist seltsam.

Strassensperren in der Westbank

24.4.2007

(Dieser Tagebucheintrag ist schon weit über ein Jahr alt, aber so aktuell wie dann. Deshalb finde ich, das er einen Platz im Blog verdient)

Ich bin zurzeit in Diskussionen verwickelt. Es geht um Israels Besetzung der Westbank – den Gazastreifen sind wir ja dank Arik Scharon losgeworden – und das Verhalten dort, besonders im Zusammenhang mit Strassensperren und der „Mauer“, wie der Sicherheitszaun, zu 94% aus Draht bestehend, genannt wird. Bevor ich mich in diesem Tagebucheintrag darüber auslasse, finde ich es richtig, meine Stellung zum Thema Besetzung seit 1967 ein für alle Mal zu präsentieren, obwohl das eigentlich für meine lesenden Freunde unnötig sein sollte. Sie wissen, was ich denke.1. Ich bin der Meinung, dass wir in der Westbank nichts zu suchen haben. Nach dem Sechstagekrieg wurde die Westbank wie auch Gaza, als Pfand für Frieden betrachtet, bis Rabbiner Levinger im Dezember 1975 in Sebastia bei Hebron, mit Tricks und Lügen die in diese Sache schwache israelische Regierung und die Armee hinters Licht führte und den Grundstein für das Siedlerwesen (oder Unwesen) legte. Heute sollen bereit 400'000 jüdische Siedler in der Westbank leben, die offizielle Zahl ist etwa 250'000.2. Ich bin der Meinung, dass der Sicherheitszaun eine Notwendigkeit ist, der statistisch bewiesen eine Menge israelischer Leben gerettet hat. Seit er besteht sind Terrorattentate ganz selten geworden. So lange bis nicht ein verlässlicher Frieden mit Israels Nachbarn besteht, wird dieser Zaun bestehen bleiben. Dass er nicht auf der Grünen Linie geführt wurde, ist ein Schönheitsfehler, der korrigiert werden muss und zum Teil schon korrigiert worden ist. Der Verlauf des Zaunes ist jedoch weit weniger wichtig, wie das Retten menschlichen Lebens vor palästinensischem Terror.3. Ich bin der Meinung, dass die meisten, wenn nicht sogar alle Strassensperren in der Westbank heute überflüssig sind. Es gibt genügend unbewachte Strassen und Wege für Fahrzeuge und Fussgänger, die Palästinensern ermöglichen, ihr Ziel unkontrolliert zu erreichen. Alle Betroffenen wissen das, sie werden und wurden von der Presse fotografiert. Deshalb sind diese Strassensperren heute nichts anderes als ein bewusstes Schikanieren palästinensischer Zivilisten. Je nach Charakter oder ideologischer Überzeugung der einzelnen Offiziere und Soldaten, kann das gemäss Vorschrift geschehen oder Einzelne lassen ihren lädierten Charakter walten. Wir wissen, dass seit sehr langer Zeit in der Westbank keine Terroristen in Strassensperren erwischt worden sind. Die Tatsache, dass es noch immer zu langen Schlangen vor diesen Kontrollposten kommt, hat mit der politischen Lethargie der palästinensischen Bevölkerung zu tun, die auch bei vielen israelischen Arabern im politischen Leben zu beobachten ist. Israels Armee kann froh sein, dass es in der palästinensischen und arabischen Welt keinen Gandhi gibt, der die Menschen überredet, Konflikte prinzipiell gewaltlos zu lösen. Man stelle sich vor, wie einige hundert palästinensische Zivilisten als Gruppe singend auf eine Strassensperre zugehen würden, mit dem Ziel diese ohne Gewalt und friedlich zu durchqueren. Würden israelische Soldaten auf Kinder, Frauen und andere Zivilisten schiessen? Ich bin überzeugt, dass sie es nicht tun könnten, nicht tun würden. Ich wäre froh, mich hier zu irren, aber Gandhis gibt es in der arabischen Gesellschaft nicht, einer Gesellschaft in der nur Lethargie oder extreme Gewaltbereitschaft die Norm sind.4. Israels gegenwärtige Regierung ist, obwohl es einige gute Leute darunter hat, als Gesamtes gesehen eine völlige Katastrophe. Olmert und Peretz hätten nach dem Misserfolg des zweiten Libanonkrieges sofort zurücktreten müssen, doch fehlt ihnen dazu das demokratische Verständnis und der Sinn für persönliche Verantwortung. Der iranischen Bedrohung der arabischen Welt (dazu gehören wir wenigsten gemäss klar verkündeten iranischen Absichten) haben wir zu verdanken, dass arabische Regierungen einzulenken scheinen und Israel Friedensverhandlungen anbieten. Ein ungeheurer Wandel seit den drei Neins von Khartum vor vierzig Jahren, mit seinen „keine Anerkennung, keine Verhandlungen, keinen Frieden“ mit Israel. Obwohl Olmert nach einem Kick in den Hintern aus den USA und Europa, äusserst zögerlich und mit Ausflüchten und Vorbedingungen reagiert. Ich denke, dass noch nie seit Staatsgründung, Israel so nahe war, mit der arabischen Welt ins Gespräch über Frieden, Normalisierung und schlussendlich gemeinsamer Stellung gegenüber der iranischen Bedrohung zu kommen. Es scheint, dass das für Israel abschreckende Thema der Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge kein Stolperstein zu sein braucht, denn vor kurzem ist eine saudische Stellungnahme, ganz im Sinne Israels, durch Memri der nichtarabischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, in dem die bisherige Sicht der ausschliesslichen Schuld Israels an diesem Drama mehr als nur relativiert wird. Da es in der arabischen Welt keine eigentliche Pressefreiheit gibt, bin ich überzeugt, dass dieser Artikel mit behördlicher Bewilligung und Unterstützung publiziert worden ist. Auch deshalb ist zu hoffen, dass unser famoser Premierminister, die ausgestreckte arabische Hand ergreift und ohne Vorbedingungen zu Gesprächen bereit sein wird. Sesselkleben und Angst haben machen keinen Staatsmann. Durch eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Verhandlungsangebot der Araber, unter Führung Saudi Arabiens und ernsthaften Gesprächen könnte, entgegen bisherigen Erwartungen, aus Olmert vielleicht doch noch ein richtiger Premierminister werden.Meine Diskussion, am Anfang dieses Tagebucheintrages erwähnt, findet mit einem Freund statt, der sich auf einzelne nicht immer schöne Phänomene der israelischen Politik in den besetzten Gebieten konzentriert und darüber die Sicht fürs Ganze und die Sicht auf die Hintergründe israelischen Tuns verloren hat. Das sind die Strassensperren und der Sicherheitszaun, der Israel vor Terroristen schützt. Die Damen der „Machsom Watch“, die täglich an den Strassensperren das Geschehen beobachten, berichten und manchmal sogar helfend eingreifen, tun das nicht nur aus humanitären Gründen, sondern weil sie gegen die Besetzung der Westbank und gegen das Beherrschen eines anderen Volkes durch Israel sind. Dafür verdienen sie viel Respekt. Aber auch sie wissen warum diese Strassensperren erstellt worden sind und sie wissen inzwischen auch, dass diese Strassensperren, wie ich weiter oben schrieb, zum grössten Teil Ihrer Aufgabe entwachsen sind. Viele wissen es, nur die israelische Regierung hat das noch nicht begriffen. Ganz allgemein befremdet mich zu sehen, wie sich Aussenstehende auf irgendeinen Schwachpunkt Israels stürzen und versteifen, als ob er sämtliche und zum grössten Teil beträchtliche Leistungen des Staates Israel repräsentieren würde.

Dienstag, 5. August 2008

Wahrnehmung?

4.8.2008

Die arabische Welt sollte mit ihrem öffentlichen und offiziellen Judenhass der westlichen Welt und den Paragonen des Antirassismus und der Menschenrechte genau so ins Auge stechen, wie es in den Dreissiger und Vierziger Jahren die Naziideologie, die in ihrer damaligen Form als Vorbild ihrer heutigen Vertreter, dem politischen Islam, gesehen und benutzt wird, hätte tun sollen. Arabischer Antisemitismus der heutigen Tage führt nahtlos in Stil und Aussage die Naziideologie fort, als deren Erbe sich die islamische Welt betrachtet. Zwar gibt es wenige, im Westen lebende Muslime und Araber, die sich dagegen aussprechen und sich schämen, doch Führer arabischer Staaten und Terrorfunktionäre sprechen in bewährter Manier in Englisch und anderen westlichen Sprachen das schiere Gegenteile dessen aus, was in arabischer Sprache in der arabischen Presse, in den Moscheen, in den Schulen und in den Parlamenten in Judenhass gesagt und gelehrt wird. In der Hamas Charta (http://usahm.info/Dokumente/Hamasdeu.htm) sind die Ziele der Hamas klar und deutlich beschrieben, so klar wie damals in Hitlers Bestseller „Mein Kampf“. . Mühelos ist es heute möglich solches und anderes im Original oder in Übersetzung zu lesen und zu sehen – Memri macht’s möglich. Es lohnt sich in diesem Website etwas zu wühlen.
Ein hervorragend recherchiertes und auch vom Laien relativ einfach zu lesendes Buch zum Thema ist „Djihad und Judenhass“ von Matthias Küntzel (ça ira-Verlag, Freiburg, 2003) Auf 184 Seiten inklusive Anmerkungen und Index legt Küntzel den Hintergrund, beginnend mit Hassan Al-Banna, dem Begründer der Muslimbrüderschaft, der Mitte der 1920er Jahre diese erste jihadistische Bewegung begründete, die schon damals einen extrem reaktionären Islam entwickelte, der in der bisher extremsten Form von den Taliban in Afghanistan ausgelebt wird. Al-Banna gründete eine populistische Bewegung, die vieles, was von totalitären Gruppen der modernen Zeit, wie die Nazis, der osteuropäische Kommunismus Lenins, Stalins und Mao Zedongs früherer Zeit betrieben wurde und heute von der Hisbollah, Hamas, Castros Kuba und Chavez’ Venezuela und anderen betrieben wird, ablehnte, aber, so sehe ich es, in einer religiös statt ideologisch verbrämter Form weiterführt. Darin wird das Volk arm gehalten, aber mit dem Notwendigsten wie Kindergärten, Kliniken, Schulen, Lebensmitteln am Leben gehalten und damit von diesen Organisationen oder dem von diesen vertretenen Staat in eine Abhängigkeit getrieben, von der sich die Meisten nicht befreien könne oder wollen.

Im Jihadismus von Al-Banna sind die Dogmen der Rechtlosigkeit und Unterwerfung der Frau, die Ablehnung der Demokratie und die Staatsführung gemäss Sharia, dem islamischen Recht, die rabiate Ablehnung alles westlichen, als sinnlich gesehenen zu finden. Küntzel beschreibt das so: „………… ist doch zumindest zu konstatieren, dass die Muslimbrüder ihre eigenen libidinösen Wünsche und Träume auf die Welt der Ungläubigen projizieren. Projektion ist eine Abwehr, in der das Subjekt dem anderen Gefühle und Wünsche, die es ablehnt oder in sich verleugnet, unterstellt. Folgerichtig musste sich die Aggression, mit der die Muslimbrüder die eigenen sinnlichen Bedürfnisse verleugneten, als Hass gegen „westliche Dekadenz“ und „jüdische Sittenlosigkeit“ austoben, bestand doch die einzig erlaubte Annäherung and das verbotene Begehren und das begehrte Verbotene darin, es zu zerstören.“ (Seite 20). Ähnliches ist uns aus extrem religiösen christlichen und jüdischen Kreisen auch bekannt, doch nicht in diesem, in diesem masslosen psychotischen Hass, der alles nicht in sein Schema passende tötet.

Al-Bannas Jihadismus als Reaktion auf den Versuch der ägyptischen Frauen, sich 1923 als gleichberechtigte Menschen der Gesellschaft durchzusetzen (mindestens zum Teil beeinflusst durch die säkulare Revolution im selben Jahr, der bis anhin muslimischen Türkei durch Mustafa Kemal, der sagte: „Nichts in unserer Religion verlangt, dass Frauen den Männern unterlegen sein müssten“, rechtliche Gleichstellung verordnete und als erster den Schleier verbot) (S. 21). Obwohl 1928 gegründet, erreichte die Mitgliederzahl der Muslimbrüder Ägyptens erst 1948 500'000 Mitglieder, wurden dann aber vom „sozialistischen“ Gamal Nasser aufgelöst und heute von Mubarak unterdrückt – doch heute sind sie die mächtigste Gruppierung der Palästinenser (Hamas) und im Libanon (Hisbollah, wenn auch als Schiiten) und gefährliche Störfaktoren in Algerien, Pakistan und Afghanistan, sowie mindestens ideologisch in Saudiarabien vertreten. Al-Banna wurde im Februar 1949, erst 43 Jahre alt und auf dem Höhepunkt seines Einflusses, ermordet.

Die Muslimbrüder lehnten anfänglich den Rassismus der Nationalsozialisten ab, doch heute wird in der arabisch-muslimischen Welt ein Antisemitismus praktiziert, der sich, man sehe sich die antijüdischen Zeichnungen in der Presse an, man lese die extremen judenhassenden Texte in Schulen und Medien, höre sich auch Aussagen von Funktionären politischer Parteien und Berufsverbänden an –nahtlos an den „Stürmer“, der Parteipostille der Nationalsozialisten an, als dessen Erben sich der heutige Jihadimus sieht.. Diese These wird geschichtlich durch die Kollaboration des palästinensischen Muftis Hadj Amin Al-Husseini von Jerusalem in den Kriegsjahren belegt, als er für Nazideutschland eine Muslimdivision aufstellte und bei Hitler ein meist gern gesehener Gast war.
Vier von den Muslimbrüdern als Neuerungen deklarierte Auslegungen des Korans, möchte ich hier nennen:

1. Der kulturelle Kampf gegen sinnlichen und „materialistischen“ Westen, gegen westliche Dekadenz und jüdische Sittenlosigkeit.
2. Die Wiederherstellung patriarchalischer Dominanz und die Abkehr von erreichten Frauenrechten.
3. Nicht nur der formalisierte Judenhass, sondern auch der eine grosse Vorteil, den Jihadisten heute mehr denn je ausspielen, ist die Todeskultur, gegen die die freie Welt noch kein Mittel gefunden hat. Al-Banna schrieb dazu in 1938 das Buch „Die Todesindustrie“. Unter dem Titel „Kunst des Todes“ schrieb er in einem Leitartikel über die „Todesindustrie“, nämlich darüber wie man edel stirbt. Was wir heute in unserer Region und anderen Teilen der Welt täglich am Fernsehen mitverfolgen, fand in den 40er Jahren schon in Kairo statt.
4. Den Jihad (Anstrengung) für materielle und soziale Ziele lehnte die Brüderschaft schon damals als Verstoss gegen den Koran ab. Jihad sei der Kampf gegen das absolut Böse und das seien die Juden.

Die ideologische Grundlage dieses von Al-Banna ideologisch verfeinerten Jihadismus wurde in den Schriften des Sayyed Qutb unterstützt, dessen überbordender Judenhass den heutigen jihadistischen Judenhass gewaltig beeinflusst. Qutb wurde 1966 wegen seinen Schriften als Aufrührer in Kairo gehängt.

Ich empfehle Matthias Küntzels Buch, das in klarer Sprache darlegt, wie der islamische Judenhass nicht durch soziale Ursachen und Hintergründe ausgelöst worden ist. Die wohlmeinenden Gutmenschen des Westens der heutigen Tage, die so inniglich an dieser Mär hängen und ausschliesslich daran die Hintergründe von terroristische Massenmorde, Terroraktivitäten, Frauenunterdrückung und Hass der Moderne und anderem durch arabische und islamische Gruppierungen verschiedener Couleur sehen, wird der Spiegel ihrer Dummheit vorgehalten. Ob das bei ideologisch so sehr festgenagelten Kreisen etwas hilft, das darf bezweifelt werden.

Montag, 28. Juli 2008

Der Austausch 2

17.7.2008
Obwohl mit dem „Austausch“ einverstanden kommt mir das grosse Kotzen. Deshalb mache ich es mir hier leicht und zitiere hier einen Abschnitt aus dem Blog „Lizas Welt“ von heute mit dem Titel „Die Fratze der Barbarei“:

Neben der Gewissheit der Familien Regev und Goldwasser über das Schicksal ihrer Söhne“ – die heute beerdigt werden – „ist die eindrucksvolle Bestätigung der Niederträchtigkeit ihrer islamistischen Feinde das einzig Positive, was sich über den ‚Gefangenenaustausch’, der keiner ist, sagen lässt“, resümierte Claudio Casula. „Was lernen wir also aus diesem faulen Handel? Dass Israel gut daran täte, bei nächster sich bietender Gelegenheit die heute hämisch grinsende Visage Nasrallahs in den Staub zu drücken – und die seiner Horden gleich mit.“ So müsse der jüdische Staat auch in Gaza verfahren, wenn dem ebenfalls entführten und von der Hamas gefangen gehaltenen Gilad Shalit etwas zustoße. In einer zivilisierten Welt sei für Barbaren wie Hizbollah und Hamas kein Platz, schloss Casula. Das Weblog Letters from Rungholt ergänzte: „Natürlich mag es im palästinensischen Volk Menschen geben, mit denen wir einen Friedensprozess führen könnten, die ähnliche Ziele haben wie wir. Nur: Wo sind sie? Wo hört man ihre Meinung? Wenn es sie gibt, ist ihre Einstellung jedenfalls lebensgefährlich, und sie behalten sie für sich. Die große Masse der arabischen Welt ist trunken von Hass gegen uns. Nichts, was Israel getan oder angeblich getan hat, rechtfertigt diesen Hass.“

Dem schliesse ich mich voll an, auch den Aussagen von Rungholt. Was bleibt, sind nur noch tapfere Entscheide einer starken israelischen Regierung.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Der "Austausch"

16.7.2008

Bei jedem, mit dem ich heute spreche, fühle ich einen Zorn, eine Wut, die ich schon lange nicht mehr erlebt habe. Diese zornigen Israelis sind nicht etwa die üblichen Araberhasser vom Dienst, nationalistische Siedlertypen, Kahanisten oder andere dieser Zunft. Es sind normale, vernünftige Leute mit liberalen Ansichten über Israels Existenz im Mittleren Osten, über den Umgang mit unseren arabischen Bürgern, den Palästinensern und der arabischen Welt ganz allgemein. Die Wut richtet sich gegen Olmert und seine Regierung, die es wieder einmal zuliess, israelische Leichenteile gegen islamische Kindermörder auszutauschen. Einen Teil dieser Wut teile ich. Doch meine Wut richtet sich nicht auf Olmert, sondern auf die arabischen Terrorbanden.

In israelischen Gefängnissen sitzen, meines Wissens, etwa elftausend gefangene Araber. Darunter sind Palästinenser aus der Westbank und Gaza, Libanesen, Jordanier und andere. Die meisten sitzen dort, weil sie Terror ausgeübt haben. Vom Massen- und Kindermörder, verhinderten Selbstmordattentäter, vom politischen Strippenzieher der andere losschickt um seine üblen Ideen auszuführen. Einige sitzen aus zweifelhaften Gründen, denen die israelische Justiz noch nicht auf den Grund gekommen ist. Aber alle werden vom Roten Kreuz besucht und ihre Haft von dieser überwacht, Freunde und Familienbesuche finden statt – kurz, offiziell ist bekannt wo sie sich befinden und wie es ihnen geht.

Ganz anders steht es mit israelischen Gefangenen in arabischer Gefangenschaft, vor allem Gefangene der Hamas und der Hisbollah. Besuche sind keine gestattet, nicht einmal vom Roten Kreuz. Niemand weiss ob sie überhaupt leben und wo. Weder Hamas noch Hisbollah geben Informationen über ihren Zustand bekannt, Israels in Gefangenschaft geratenen Soldaten werden als Schachfiguren zynisch gegenüber Israel und der Welt ausgespielt, ihre Familien verhöhnt – die gesamte unmenschliche Philosophie islamistischer (ob islamisch oder islamistische spielt inzwischen keine Rolle mehr, da synonym) Menschen- und Lebensverachtung wird ausgespielt – für die ganze Welt zu sehen. Ob von dieser aber wahrgenommen, ist eine andere Frage. Diese offene Diskrepanz des menschlichen Niveaus liegt für jeden sichtbar vor.

Heute wurden die (vermutlichen) Leichenteile von Ehud Goldwasser und Eldad Regev an der UNO-Grenzstation Rosh Hanikra gegen einen der übelsten Mörder in der Geschichte des Landes, dem Drusen Samir Kuntar, ausgetauscht. Obwohl libanesischer Druse, brachte er es fertig im Namen Allahs drei Menschen umzubringen, dabei ein dreijähriges Mädchen, dem er den Kopf an einer Wand zerschlug. Das war vor dreissig Jahren. Heute kam er frei und wird im Libanon als Held gefeiert. Reue zeigt er keine, er will mit seiner Tätigkeit fortfahren, dort wo er vor dreissig Jahren aufgehört hat. Diese Demonstration menschlicher und religiöser Bösartigkeit sollte eigentlich bei jedem anständigen Menschen Brechreiz auslösen – wie weit dies geschehen wird, werden wir vielleicht in den kommenden Tagen in der Presse verfolgen können. Soll die Jüdischkeit seiner Opfer ihn zum Helden der arabischen Welt stempeln? Abu Mazen, unser Möchtegernfriedenpartner, gratulierte Kuntar ebenso, wie andere Mitglieder der PA. Es wird, so die Presse, nicht ausgeschlossen, dass in den besetzten Gebieten und Gaza ebenso gefeiert wird, wie im Libanon. Mein drusischer Freund Hani, meinte, der damals sechzehnjährige Kuntar, sei derselben Hirnwäsche unterzogen worden, wie die meisten anderen Terroristen, die vor allem auf Judenhass getrimmt, sämtliche natürlichen menschlichen Hemmung verlieren und sich als Erben nazistischen Judenhassens sehend, entsprechend aufführen. Das hat Geschichte, die noch vor der Gründung Israels begonnen hatte.

Mein Eindruck ist, dass die Mehrheit des Volkes sich gegen den Regierungsentscheid zum Gefangenenaustausch gewendet hat. Der Zorn ist tief und beruht fast ausschliesslich auf Emotionen. Emotionen allein sind billig, doch sollten sie geachtet und zur Kenntnis genommen werden. Die Witwe von Kuntars Opfern hingegen sagte öffentlich aus, dass sie nichts gegen die Auslieferung des Mörders ihrer Familie hätte. Kuntar sei nicht ihr persönlicher Gefangener und der Regierung stehe es frei, mit ihm zu tun, was dem Interesse des Landes nütze. Solche menschlichte Grösse ist auch in Israel selten zu finden, doch sie besteht. Genau so wie sie bei palästinensischen und jüdischen Familien zu finden ist, die Organe ihrer durch die Armee irrtümlich getöteten Kinder an jüdische und arabische Kranke freigaben. (Ein faszinierendes Thema, das einen separaten Artikel verdient). Diese menschliche Grösse ist zu beobachten, wenn Familienangehörige von Opfern beider Seiten, sich versöhnlich verständigen und statt Hass zu pflegen, Verständigung fördernde Aktivitäten aufnehmen.

Von nur von wenigen realisiert ist die Tatsache, dass Hisbollahs Hass gegen Israel rein ideologisch-religiöser Natur ist. Hisbollah ist eine libanesische Organisation des schiitischen Islams. Ansprüche auf Land, wie palästinensische Terrorbanden anmelden können, haben sie keine, denn aus religiöser Überzeugung töten sie Juden weil sie Juden sind und Juden nicht in dieser Region leben oder gar einen eigenen Staat haben dürfen. Das ist die Motivation Hisbollahs, gestützt durch seine Sponsoren, dem Iran der Mullahs und deren Ahmedinejad, die sie im Libanon vertreten, assistiert von Syrien.

Dienstag, 1. Juli 2008

Die Geschichtsträchtigkeit des arabischen Israeli



Neben dem im letzten Tagebucheintrag besprochenen Tauschgeschäft mit Hisbollah und Hamas gibt es dieser Tage ein weiteres Thema, das aber von Presse und Regierung diskreter behandelt wird. Es geht um zwei miteinander verflochtene Gesetze, die, falls von der Knesset angenommen, Israel plötzlich in einen rassistischen Staat verwandeln würde, das Wort Apartheid wäre dann nicht mehr so völlig deplatziert wie bisher. Es geht, kurz gesagt, darum, unseren arabischen Mitbürgern die Ehe mit palästinensischen Bürgern aus der Westbank, Gaza oder andern arabischen Ländern zu verweigern – vordergründig aus Gründen der Sicherheit. Als hätten wir keinen Shin Beth, die sich seit Jahrzehnten erfolgreich um Sicherheit des Landes vor Mord und Terror aus palästinensischen und anderen Kreisen kümmert. Der damit verbundene zweite Gesetzesentwurf, würde dem Innenministerium, einer ohnehin traditionell religiös-rassistischen Behörde, völlige rechtliche Unabhängigkeit verschaffen – seine Entscheidungen könnten nicht mehr vor Gericht angefochten werden. Es gibt Leute, zu denen ich mich zähle, denen solchen Bedrohungen demokratischer Grundsätze aufs Gemüt schlagen, Der Versuch diese Problematik offen zu legen findet gar nicht immer Beifall.

Zu obigem direkt verbunden sehe ich die gestern eröffnete Photoausstellung in unserer Kunstgalerie in Umm El-Fahm. Das Thema ist die Geschichte Umm El-Fahms und seiner Region, dem Wadi Ara, photographisch dokumentiert seit 1903. Ich sehe diese Ausstellung, als bisher wichtigstes Unterfangen der Galerie. Es sind rund 450 Bilder mit dazugehörigen Legenden zu sehen, aus aller Welt zusammengetragenen und vor allem durch das von Said Abu-Shakra ins Leben gerufene Archiv arabischer Geschichte, das, geleitet von Dr. Mustafa Kabha und seinen jüdischen und arabischen Mitarbeitern in Freizeitarbeit schon eine enorme Arbeit geleistet hat. Die Ausstellung wurde vom Kurator Guy Raz eingerichtet und bleibt bis Dezember 2008 geöffnet.

Der Eindruck, den diese Ausstellung vermittelt, ist friedfertig und unbedrohlich, ich selbst sehe sie als versöhnlich. Diese Feststellung, so deplatziert sie auch klingen mag, muss gemacht werden, denn es gibt noch immer viele jüdische Israelis, denen jede arabische Aktivität und Initiative verdächtig ist. Die Ausstellung stellt höchsten bestehende Vorurteile in Frage, wie etwa den uralten Slogan „Ein Land ohne Volk, für ein Volk ohne Land“, das in den Urzeiten des politischen Zionismus im Trend lag, zwar von Theodor Herzl abgelehnt worden ist, aber inzwischen nur noch von rechtsextremer Seite gelegentlich hervor geschleppt wird – als gäbe es keine wirklichen Argumente für den jüdischen Staat.


Es ist zu sehen, wie Umm El-Fahm vor der Staatsgründung in 1944 aussah, es wird bildlich dokumentiert wie die heutige Autobahn durchs Wadi Ara als Kamelweg in 1925, als ungeteerte Landstrasse in 1935, bis zum ersten Ausbau durch die israelische Regierung in 1962 und als heute vierspurige Autobahn und Hauptverkehrsader in den Norden des Landes entstanden ist.
Es gibt Bilder, oder ganze Wände davon, die mir unter die Haut gingen. Wie zum Beispiel Familienbilder, zum Teil mehrere Generation alt, darunter sogar eine muslimische „Ktuba“, einen Ehevertrag.
Die Ausstellung ist in sich geschlossene Räume unterteilt in
Themen wie Familien, Konflikte damals und heute, alte Menschen, Kinder, Besuche der militärischen Behörden in den Jahren der militärischen Administration dieser Region Israels (1948 bis 1966), Arbeit damals und heute, es gibt Bilder „freundschaftlicher“ Besuche (jüdischer)
Palmachsoldaten in 1948, es gibt Bilder arabischer Aufrührer und deren Anführer aus der britischen Mandatszeit, Sportklubs (vor allem Fussball, hauptsächlich seit 1948).


Der deutsche Journalist Ulrich W. Sahm fasste aus seiner Sicht die Ausstellung im N-TV zusammen. Hier der Link dazu.

Zusammenfassend werden an dieser historischen Ausstellung Mythen aus vorisraelischer Zeit, als die damals noch nicht Palästinenser genannten Araber fröhlich ihrer Arbeit nachgingen, unter Olivenbäumen rasteten und Kaffee tranken, friedfertig mit einander umgingen und gegen niemanden auch nur die geringsten Animositäten hegten, widerlegt. Das nostalgisch verfälschte Vorgaukeln einer früheren Romantik (zugegebenermassen auch in anderen Kulturen zu finden), von Apologeten der palästinensischen Sache wie beispielsweise Sumaya Farhat-Naser in bestem Deutsch unter die Gläubigen gebracht, wird hier fotografisch nicht nur in Frage gestellt, sondern widerlegt.
Wie hat sich das arabische Leben vor und seit dem Entstehen Israel entwickelt? Hier eine kleine Auswahl:
· Dem grassierenden Analphabetismus (ganz besonders unter Frauen) hat die israelische Schulpflicht ein Ende gesetzt. Nur noch ältere Generationen sind noch davon betroffen.
· Statt auf dem Land im feudalen Westen lebender Grossgrundbesitzer, der sein Land dem jüdischen Nationalfonds verkaufte und so seine für ihn als eine Art Leibeigene schuftenden Fellachen um ihr Einkommen brachte – denn Besitz hatten sie ja keinen – studieren viele Araber, lernen Berufe und haben selbständige Existenzen. Industrien, auch High Tech, haben in der hiesigen arabischen Gesellschaft Einzug gehalten.
· Arabische Israelis besitzen heute den mit grossem Abstand höchsten Lebensstandard aller Araber im Mittleren Osten, nicht nur materiell, sondern vor allem auch sozial, durch das Leben in einer freien Gesellschaft, statt in einer in der arabischen Welt üblichen Gesellschaft der Angst (Society of fear).
· Arabische Israelis nehmen als Teil der freien israelischen Gesellschaft an staatlichen Diskurs teil, auch wenn sie traditionell noch nicht völlig demokratische Gepflogenheiten verstehen. Ihre Politiker sehen sich grösstenteils noch als Vertreter der muslimischen Umma, statt als Vertreter ihrer Wähler.
· Dem Clansystem der Grossfamilien (Chamullah) geht, wenn auch sehr langsam, der Schnauf aus. Sehr langsam werden die autoritären Bindungen innerhalb der Grossfamilie schwächer, Söhne (und gelegentlich auch Töchter) ziehen es heute vor, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und nicht den Eltern oder dem Clanältesten hörig zu bleiben. Selbständigkeit hält Einzug, was aber kein Grund sein muss, das Familienleben grundsätzlich zu beeinträchtigen.

Trotzdem ist etwas geblieben, das uns Westlern mit unserem Kult fürs Jungsein und dem wirtschaftlichen (ausser als Konsumentensegment) und gesellschaftlichen Abschreiben ältere Menschen leider verloren gegangen ist, nämlich Höflichkeit und Respekt vor Eltern und älteren Mitmenschen.

Parallel zur oben beschriebenen Ausstellung werden in den Räumen der Kinderkunstschule photographische Arbeiten einer Gruppe junger arabischer Damen, die eine Ausbildung als Sozialwissenschaftlerinnen im Beit Berl College absolvierten. Die sieben klassenbesten Mädchen dieser Abschlussklasse drücken ihre Empfindungen als arabische Töchter in der Form grossformatiger Photographien aus. Im Katalog dieser kleinen Präsentation „Open Mind“, in Deutsch etwa mit „Aufgeschlossener Geist“ zu übersetzen). In diesem schmalen Büchlein sind Dinge zu lesen, die man aus traditioneller arabischer Feder nicht erwartet, schon gar nicht aus der Feder von Frauen.

Maysa Abu Ammar (21 Jahre)


Mit einer Offenheit sondergleichen wird die gesellschaftliche Stellung der arabisch-palästinensischen Frau beschrieben, die Erziehung zum Schweigen, zur Unterwürfigkeit gegenüber Männern (und sei es der eigene Bruder), denen all das gestattet ist, das der Frau verboten wird, ihre Reinheit als Repräsentantin der „Familienehre“, das Fehlen sexueller Information durch die Mütter and andere, mit der offenen israelischen Gesellschaft nicht zu vereinbarende Tabus arabischer Traditionen bis hin zur Beschneidung muslimischer Frauen, die unter palästinensischen Frauen durch die Bücher von Ayaan Hirsi Ali thematisiert worden ist. Maysa fragt wie eine islamische Gesellschaft Mädchen so behandeln könne. Instruktiv sind die Gedanken der Mädchen zur Heirat. Alle Sieben entwarfen Inserate, in denen ein Ehemann gesucht wird und das inserierende Mädchen sich selbst beschreibt und sein Vorstellungen bekannt gibt. Ein Teil der Inserate wurde im Namen der Eltern entworfen. So beschreibt sich Maysa im Inserat ihrer Eltern als gut erzogen, höflich, respektvoll, religiös und schön. Sie sucht einen ebenso religiösen jungen Mann, respektvoll, gut erzogen und gut etabliert. In ihrem eigenen Inserat steht hingegen: Sunni Muslim Mädchen sucht einen passenden Mann für sich selbst. Sie sei arabische muslimische Palästinenserin, gut gebildet, gut aussehend, ambitiös, religiös, unabhängig, modern und es würde ihr nichts ausmachen, in einem anderen Land zu leben. Maysa will einen respektvollen, verständnisvollen, religiösen, hart arbeitenden, offenen jungen Partner. Passende Anfragen an …..

Nadia Abu Muck (20 Jahre)

Nadia sucht einen hochgebildeten, gut aussehenden, grossen jungen Mann bis 26 Jahre alt, der gerne reist, konservativ und respektvoll zu anderen ist. Rawid beschreibt sich als Muslima, gebildet und schöne palästinensische Lady, in Israel lebend und 20 Jahre alt. Sie sucht einen Arzt bis 34 Jahre alt, der sie unterstützt und ihre Studien weiterführen lässt. Marwa sucht einen liebenden und sorgenden Mann für ein muslimisches Mädchen. Der Bräutigam soll aufgeschlossen sein und Marwa so akzeptieren, wie sie ist. Er soll sie zum Weiterführen ihres Studiums und zur Arbeit ausserhalb des Hauses ermuntern. Der gutaussehende Kandidat soll nicht älter als 25 Jahre alt und Muslim sein sowie einen respektvollen Job besitzen. Ein guter Familien „Background“ ist auch wichtig. Das waren einige Beispiele.

Respekt ist ein Hauptkriterium, die Angst ihr Studium nicht weiterführen zu dürfen ein weiteres. Der Eindruck, den diese sieben Mädchen vermitteln ist (Maysa vielleicht ausgenommen), durch das Fenster ihrer Ausbildung in einem jüdischen College, die Freiheiten einer offenen Gesellschaft gesehen und ein Stück weit erfahren zu haben. Nun wollen sie in den Genuss dieser Freiheit kommen ohne auf der anderen Seite auf die Sicherheit ihrer eigenen familiären Traditionen zu verzichten, vor allen aus Angst vor der weiten Welt, denke ich. Doch sie sind ein Beweis der von mir weiter oben vertretenen These der langsamen Auflösung der traditionellen palästinensischen Grossfamilie.


Diese Ausstellung ist eine Reise nach Umm El-Fahm wert.

Freitag, 27. Juni 2008

Gemischte Gefühle

27.6.2008

Der ist von Ruben Mechanicus und passt so schön zum Ende dieses Tagebucheintrags:

Eine Krähe sass auf einem Baum und tat den ganzen Tag nichts. Ein kleiner Hase sah die Krähe und fragte sie: "Kann ich mich auch so hinsetzen und den ganzen Tag nichts tun?" Die Krähe gab zur Antwort: "Sicher, warum denn nicht." So setzte sich der kleine Hase auf den Boden unter der Krähe und ruhte. Plötzlich kam ein Fuchs, sprang auf den kleinen Hasen und frass ihn. Management Lektion: Um herumzusitzen und nichts zu tun, musst du sehr, sehr weit oben sitzen!

Nun zur Sache:

„Morgen“, wann immer das sein soll, werde der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah stattfinden. Die zwei Soldaten Regev und Goldwasser sollen gegen einen arabischen Massenmörder namens Samir Kuntar, der in Nahariyas eine Familie zerstörte – zum Teil ideologisch stilgerecht auf Naziart, einem vierjährigen Kind den Kopf gegen die Wand schmetternd. Kuntar, in typisch israelischer Weichherzigkeit, durfte im Gefängnis heiraten und im Fernstudium einen B.A. erwerben. Als Gegenleistung hat er nun verkündet, dass er nach einer möglichen Freilassung seine Terrorkarriere wieder aufnehmen werde. Neben Kuntar sollen noch einige libanesische Gefangene gegen die zwei Soldaten ausgetauscht werden. Das heutige Tauschgeschäft ist buchhalterisch besser als das letzte, als 450 arabische Terroristen gegen ein paar tote Israelis, beziehungsweise deren noch vorhandenen Körperteile und einen israelischen Drogenhändler ausgetauscht worden sind. Vergessen wir nicht den gefangenen Soldaten Gilad Shalit, der irgendwo in Gaza in einem Keller gefangen gehalten wird (so wird berichtet) und um den heute mit der Hamas ebenso gefeilscht wird, wie mit den Hisbollah um die zwei Reservesoldaten Regev und Goldwasser.

Aber man muss sich fragen: ist es richtig, einen verurteilten blutdürstigen Terroristen wie Samir Kuntar freizusetzen, um zwei israelische Soldaten zu befreien? Soldaten, die vielleicht nicht mehr leben. Ich denke, es ist ein notwendiges Übel dies zu tun, jedoch unter der klaren Bedingung, dass Goldwasser und Regev lebend zu ihren Familien zurückkehren. Aber niemand weiss, ob die Beiden noch leben, denn im Gegensatz zu in Israel gefangenen Terroristen, die von ihren Familien und vom Roten Kreuz Familien besucht werden, weiss bei Gefangenen der Hisbollah und anderen Terrororganisationen niemand, ob sie überhaupt noch leben, wo sie sind, wie es ihnen geht, denn niemand darf sie besuchen. Deshalb kann es ohne weiteres sein, dass beim „morgigen“ Gefangenenaustausch ein quietschlebendiger Massenmörder und seine Kumpane gegen Leichenteile getauscht werden.

Israel ist, Ausnahmen in heimischen Extremistenkreisen ausgenommen, nicht in der Lage sich wie seine jihadistischen Feinde Hamas, Hisbollah, Ahmedinejad und andere, zu benehmen. Terror ist, im Gegensatz zu muslimischen Staaten, nicht integraler Teil des israelischen Regierungsprogramms. Im Gegensatz zum Jihadismus, heute tonangebend in der muslimischen Welt, lieben wir das Leben und nicht den Tod. Für Märtyrer haben wir wenig übrig, für solche, die den Tod für sich und andere suchen noch weniger.
Auch heute wissen wir nicht, wie die Verhandlungen und Abkommen mit der Hamas im Süden und der Hisbollah im Norden enden werden. Die Familien der drei entführten Soldaten haben die Medien und das Gericht eingeschaltet, sie fühlen sich von der Regierung verraten und ignoriert.

Noch selten fühlte sich das israelische Volk innerlich so zerrissen und von Zweifeln geplagt. Ist es richtig mit der Hamas einen Waffenstillstand zu vereinbaren, der es ihr erlaubt in Ruhe ihr Waffenarsenal auszubauen und ihre Unterdrückungsmechanismen gegen die eigene Bevölkerung, dazu gehören auch etwas dreitausend Christen, deren Kirchen und Bücher verbrannt und die im Namen Allahs auch ermordet und verprügelt worden sind, zu perfektionieren?

Wir werden den Eindruck nicht los, dass unsere Regierungsmitglieder die heutige Situation für ihre persönlichen Ziele missbrauchen. Die Regierung schwankt und wird vielleicht zusammenbrechen. Sogar innerhalb der Regierungsparteien sind die persönlichen Positionskämpfe derart unverschämt, dass die Interessen des Staates und seiner Bürger dabei vergessen gehen.

Ohne die Fussball Europameisterschaft in der Schweiz, in Österreich und im Fernsehen könnte man verzweifeln.

Samstag, 14. Juni 2008

Ein Lichtblick aus Kibbuz Nir Elijahu

14.6.2008

Es wurde bekannt gegeben, der Kibbuz Nir Elijahu habe eine muslimische Araberin als Mitglied aufgenommen. Das ist ein erstmaliges und hoffentlich nicht einmaliges Ereignis dieser Art, denn in einen Kibbuz wird nicht einfach jeder aufgenommen, der gerne möchte, sondern nur Menschen, die von einer Aufnahmekommission erst geprüft und dann der Kibbuzversammlung vorgeschlagen werden. Im Falle von Anal Carmiya, arabische Krankenschwester und Mutter zweier Kinder, ging das problemlos, Amal's Kinder gingen im Kibbuz zur Schule und vor einigen Jahren wurde sie dort als Krankenschwester angestellt. Man kannte sie und Kibbuzmitglieder sind mit ihr befreundet. Obwohl Neta Be’eri, ein Fachfrau über Bevölkerungswachstum und Entwicklung der Kibbuzbewegung, es bestreitet, ist dieser Akt eine symbolische Demonstration, die so sehe ich es, vor allem gegen den jüdisch-religiösen Extremismus gerichtet ist. Da mit Ausnahme der wenigen religiösen Kibbuzim, die Kibbuzbewegung sekulären Ursprungs ist, früher dem Marxismus frönte (das ist völlig wohlwollend gemeint), zeigt eben die Kibbuzbewegung damit auf, dass die heutige Kibbuzidee, obwohl von Juden geschaffen, für alle Menschen guten Willens eine alternative Lebensart anbietet. Die uralte Idee der „Avoda Ivrit“ (jüdische Arbeit), einem Leitmotiv der frühen Pioniere, ist schon lange tot, wurde jedoch in den heutigen Tagen von rassistischen, nationalistischen und religiösen Kreisen in Israel in einem neuen Kontext übernommen, in dem jede Art des Zusammenlebens mit Arabern torpediert werden soll. Aus eben diesen Kreisen wird der Kibbuz wegen Amal Carmiya’s Aufnahme als Vollmitglied angriffen, ihm sogar „Jüdischkeit“ abgesprochen. „Die Kibbuzmitglieder stimmten für Amal den Menschen, nicht für Amal die Araberin. Von dieser Sicht sind leider noch viele jüdische Israelis entfernt, denen es gar nicht gefällt, dass, wieder einmal die Kibbuzbewegung zeigt, wie man als nichtreligiöser Israeli ein weitaus besserer Jude sein kann, als unser Gegenstück zur Hamas und ähnlichem Gesindel, den religiösen und/oder nationalistischen Hassern aus eigener Küche. Vielleicht, so Neta Be’eri, bestimmt unbewusst in Anlehnung an bekannte antijüdische Mythen (z.B. siehe Emanuel Hurwitz: „Bocksfuss, Schwanz und Hörner“): „Wenn Leute realisieren werden, dass Araber keine Hörner haben, wird unser Beispiel Schule machen.“

Dienstag, 3. Juni 2008

Kleiner, aber Besser

1.6.2008

Das Website „Lizas Welt“ ist für Israel- und Fussballfreunde eine wilde Mezie (Schnäppchen). Da ich mich für beides Interesse, lese ich mit Freude engagierte Meinungsäusserungen, bin nicht immer mit allem einverstanden, aber mit dem grössten Teil des darin Publizierten halt eben doch. Zudem hat Lizas Welt den Vorteil in deutscher Sprache zu erscheinen, was mich davon befreit, meinen Tagebuchlesern immer wieder Englisches zumuten zu müssen (dass ich meist zu faul zum ins Deutsche übersetzen bin, bleibt mein Geheimnis).

Nun bitte, zu Shlomo Boldes, der den neuen Historikern und Postzionisten eine Absage erteilt. Liza wirft zwar Ilan Pappé und Avi Shlaim in den selben Kübel wie Tom Segev, was dieser aber nicht verdient. Tom Segev ist und bleibt Zionist und weigert sich, sich „Israelkritikern“ und verschämten Galutjuden als Feigenblatt anzudienen. Das Selbe gilt noch stärker für Benny Morris, der sich zu einer Neuauslegung der damals entdeckten Fakten durchgerungen hat. Zudem bin überzeugt, dass nach dem Totalangriff auf das gerade geborenen Baby Israel erst von lokalen, dann noch Araber genannten Terroristen und umgehend von der arabischen Welt, Israel das tat, was die Siegermächte nach über ihrem Sieg über die Nazis und Faschisten ebenfalls taten – sie haben den Sieg konsolidiert. Ich habe Boldes’ Artikel leicht redigiert, damit er besser ins Tagebuch passt.

Zu den bevorzugten Quellen, auf die sich die „Israelkritiker“ aller Couleur berufen, gehören die Arbeiten der so genannten Neuen Historiker in Israel. Diese „Postzionisten“ befassen sich vor allem mit der Geschichte des Zionismus sowie der israelischen Staatsgründung. Wer heute behauptet, der arabische Angriff auf Israel hätte die heute Palästinenser genannten Araber des Landes befreien sollen, weiss (falls er die Fakten zur Kenntnis nehmen will), dass die Angreifer Irak, Jordanien, Syrien und Ägypten sich nur einen Anteil Palästinas unter den Nagel reissen wollten. Insofern ist es heute nicht anders, als die palästinensischen Flüchtlinge als solche von der arabischen Welt gehasst und als Manövriermasse betrachtet und behandelt werden. Einige der neuen Historiker behaupten der „Nahostkonflikt“ gehe nahezu vollständig auf das Konto Israels: Die arabischen Staaten hätten nämlich gar keinen Plan zur Vernichtung des jüdischen Staates gehabt und seien Israel während seiner Gründungsphase auch nicht kräftemäßig überlegen gewesen; die meisten Palästinenser seien im Zuge „ethnischer Säuberungen“ gewaltsam vertrieben worden; der Friedensprozess scheitere nicht an der Unnachgiebigkeit der Araber, sondern regelmäßig an Israel. Benny Morris schert da aus. „Verändert hat sich meine Haltung, als ich die Studie „Righteous Victims“ über den israelisch-arabischen Konflikt von 1881 bis zum Jahr 2000 schrieb“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der Zeitschrift konkret.* Übrigens, „ Righteous Victims“ ist ein leicht zu lesendes wenn auch dickes Buch, dessen Lektüre sich lohnt. Folgt man neuhistorischer Schlussfolgerungen, dann handelt es sich bei Israel um nichts weniger als einen beispiellosen Terrorstaat, dessen Historie eine einzige Kriminalgeschichte ist und der deshalb im Nahen Osten seit seiner Gründung 1948 das Friedenshindernis schlechthin darstellt. Was man den Neuen Historikern vor allem vorwerfen kann, ist das völlige Vernachlässigen des Kontexts, in dem Israel in seinen Freiheitskampf hineingezogen wurde, ihn führte und gewann. Damit setzt sich Shlomo Boldes auseinander.

Kleiner, aber besser

Von Shlomo Boldes

Wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass der Gründungsprozess des Staates Israel ein feinerer, eleganterer gewesen sein könnte als der anderer Staaten – auch wenn kein Staat der Erde 60 Jahre nach seiner Gründung ein solches intellektuelles, technisches, demokratisches und historisches Niveau erreicht hat. Nehmen wir Deutschland zum Vergleich. Wann setzen wir die deutsche Staatswerdung an? Mit Otto dem Großen? Mit Friedrich dem Großen? 1870? Dann müssten wir Israel 2008 mit Deutschland 1930 vergleichen! Oder Frankreich. Seien wir gnädig, erlassen wir den Franzosen den sonnigen Louis und wählen wir das in der Rückschau vergleichsweise vorteilhafte Jahr 1789. Dann hat die Wiege der Aufklärung im Jahre 1849 ihren Sechzigsten gefeiert. Waren die Verhältnisse damals wirklich humaner als im heutigen Israel? In den USA im Jahr 1826? In der Sowjetunion von 1977?

Eigentlich hinkt der Vergleich, denn in Bezug auf Deutschland müssen wir die Phase der territorialen Grundsteinlegung betrachten, also die Zeit, als die Deutschen Orden mit den Polen und anderen slawischen Völkern im Osten aufräumten. Die französische Katholisierung und die englische Entkatholisierung – verliefen sie humaner als die vorgeblichen „ethnischen Säuberungen Palästinas“? Das, was „ethnische Säuberung“ genannt wird, ist ein historischer Prozess, der tragischerweise Bestandteil jeder Nationenbildung war – nur die israelische soll nach Meinung der arischen Mehrheit frei davon bleiben?

David gegen Goliath – ein unzulässiger Mythos? Die israelische Gründungssaga sei historisch falsch, sagen Israelkritiker, weil die Israelis in Wahrheit die besseren Waffen als die Araber gehabt hätten. Wenn ich die Geschichte recht erinnere, hatte auch David die bessere Waffe. Er war kleiner, aber besser. David gegen Goliath – die Allegorie passt wie der Stein aufs Auge! Welcher Selbstgerechte erhebt da einen Vorwurf?

Natürlich hat Ben Gurion aus taktischen Erwägungen heraus 1947 dem UN-Teilungsplan zugestimmt. Natürlich war der Plan für ihn „unannehmbar“. Natürlich ist Israel auch heute noch zu klein, wenn man das Staatsgebiet mit der Fläche der arabischen Staaten vergleicht und ins Verhältnis zur Zahl der Juden einerseits und der Araber andererseits setzt. Aber den politisch dämlichen Fehler, den Teilungsplan abzulehnen, hat die arabische Seite begangen. Soll Israel sich politische Klugheit und taktische Raffinesse vorwerfen lassen? Sind die Israelis schuld an der Blödheit der arabischen Führer?

Was soll da bewiesen werden? Dass Deutschland heute noch viel größer wäre, wenn es weder Hitler noch Wilhelm II. gegeben hätte? Genau so ist es! Und es gäbe auch längst ein Palästina, wenn die arabische Seite das nicht verhindert hätte. Vielleicht hätten die palästinensischen Staatsbürger schon 1949 um die Annexion durch Jordanien gebettelt. Menschlich nachvollziehbar und politisch durchführbar wäre das gewesen.

Oder anders: Sollen wir Juden dankbar sein, dass der Aufstand im Warschauer Ghetto niedergeschlagen wurde, da man uns ansonsten bis heute die grausame Tötung zahlloser SS-Männer hätte vorwerfen können?

Und was, bitte, ist eine „autochthone Bevölkerung“? Die einstigen Volksdeutschen an der Wolga oder in Siebenbürgen, im Sudetenland und im Elsass, die „heim ins Reich“ geführt wurden? Die türkischen Deutschen in Berlin-Kreuzberg sind heute längst „autochthon“ – ebenso wie die jüdischen Bewohner Jaffas.

Was beweisen zudem die Tagebücher Ben Gurions, so lange man sie nicht mit denen von Wilhelm II., Robespierre oder Napoleon, von Heinrich VIII. oder Lenin, von Fürst Metternich oder Josef Pilsudski vergleicht? Nichts – außer, dass Politik in Zeiten der Revolution und des Krieges ein hartes Geschäft ist.

Der Vorschlag, „die Palästinenser zu deportieren“, hört sich in deutschen Ohren sofort nach Eichmann und Endlösung an. So hätte es Julius Streicher dargestellt. Dahinter steckt aber, historisch betrachtet, nichts anderes als das, was die jüdische Bevölkerung der gesamten arabischen Welt – von Marokko bis zum Irak – nach 1948 erlebte und Europa seit dem Ende des Römischen Reiches bis 1945. David Ben Gurion (Foto, Mitte) wird von Monsieur Eric Rouleau korrekt zitiert: „Diese Maßnahme hat nichts Unmoralisches"!

Ilan Pappé stellt darüber hinaus richtig fest, dass diese Maßnahme – wenn man Pappé eins zu eins übernimmt, ohne es zu begründen – in einer Reihe mit den Maßnahmen (fast) aller anderen Völker steht. Jetzt aber ist diese Zeit Geschichte geworden – „Narrativ“ der einen wie der anderen Seite wird so etwas heute gerne genannt. Damit sind die Geschichten gemeint, die sich die Enkel und Urenkel der vertriebenen arabischen Einwohner Jaffas ebenso wie deutsche Touristen erzählen – die Letztgenannten, wenn sie Verdun oder die Strände der Normandie besuchen, wenn sie in Danzig und Stettin auf Spurensuche gehen.

Die vertriebenen Palästinenser leben heute im Libanon und in Syrien oder in der Westbank, so wie die Schlesier und Ostpreußen in Bayern und Niedersachsen leben. Für die Integration haben diejenigen zu sorgen, die diese Menschen in Verantwortung für die Folgen ihres kriegerischen Handelns aufgenommen haben. Wenn sie das zu teuer kommt, mögen sie sich bei ihren einstigen Führern und deren historischer Weitsicht (siehe oben) bedanken. In Friedland gibt es kein Schlesier-Lager mit Menschen, die darauf warten, endlich wieder nach Breslau ziehen zu dürfen. Und es gibt heute auch keinen Versuch einer deutschen Bundesregierung mehr, aus einem solchen Umstand Forderungen an Polen abzuleiten.

Erinnert sich noch jemand an das in den achtziger Jahren legendäre Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“ des Uruguayers Eduardo Galeano? Was sind die Argentinier, Chilenen und Brasilianer anderes als die Erben der „ethnischen Säuberungen“ von Spaniern und Portugiesen? Wohin konnten die Inkas und Mayas fliehen? Argentinien sollte sich um sein Existenzrecht Sorgen machen!

Vor diesem Hintergrund ist es überhaupt nicht „verwunderlich“, dass die internationale Gemeinschaft die „Gräueltaten“ Israels nicht verurteilt hat. Denn beim Anblick der Ereignisse 1948 ff. hat sie in den Spiegel gesehen. Nicht nur Deutschland mit seinem Menschheitsverbrechen, auch Großbritannien, Frankreich, die USA. Diese zivilisierte Welt ließ danach in Indien, Algerien und Vietnam noch einiges folgen, was die Pläne von zionistischen Hardlinern wie Zeev Jabotinsky als Fantasien eines Schwächlings erscheinen lässt.

Man mag es Unrecht nennen, was der arabischen Bevölkerung Palästinas in Teilen widerfahren ist, wie den Indianern Nord- und Südamerikas im 18. und 19. Jahrhundert, den Slawen im Osten des Heiligen Römischen Reiches oder den Iren vom 16. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts – ja, man kann sogar den Normannen bei der Einnahme der keltischen Insel 1066 ihr Unrecht vor Augen halten. Steht deshalb das Existenzrecht Großbritanniens in Frage? Muss die Krone endlich dieses Unrecht anerkennen, „um ein normaler Staat zu werden“? Oder das Nato-Mitglied Türkei die Massaker an den Armeniern öffentlich bedauern, bevor man den Türken die territoriale Integrität zugesteht?

Die Welt, auch die jüdische, muss aufhören, die Staatswerdung Israels als etwas Heiligeres zu betrachten, als es die Herausbildung anderer Nationalstaaten war. Umgekehrt kann niemand, der bei Verstand ist, auch nur den geringsten Zweifel haben, dass die Zeitspanne, in der der immer noch sehr junge jüdische Staat in einem wahrhaftigen Friedenszustand mit allen seinen Nachbarn leben und gedeihen wird, um Jahrhunderte kürzer sein wird, als sie es etwa im Falle Deutschland/Frankreich oder Irland/Großbritannien war.

Wo also, bitte, ist das Problem?

* „Wenn sie die Bombe kriegen, werden sie Israel zerstören“. Interview mit Benny Morris und Nasrin Amirsedghi, in: konkret 6/2008, S. 28f. (nur Printausgabe)

PS: Im übrigen verfasste Efraim Karsh zum Thema einen längeren Artikel in Commentary unter dem Titel „1948, Israel, and the Palestinians — The True Story“, mit Fussnoten und allem was dazu gehört.

Sonntag, 25. Mai 2008

Die Rückkehr brauner Ideologie im TagiMagi Forum

24.5.2008

In meinem Tagebucheintrag vom 7.5.2008 schrieb ich über den Artikel „Böses Israel“ von Reto Wild im Tages-Anzeiger Magazin 2000/20. Ich wies auf die dummen antisemitischen Leserbriefe hin. Ich amüsierte mich darüber, doch das war falsch. Inzwischen sind im TagiMagi Leserbriefe erschienen, die nahtlos an die Rassenpolitik und Ideologie des Dritten Reiches anschliessen. Ich rief die Redaktion heute darüber an, sprach mit dem stellvertretenden Chefredaktor, der so schien mir, aus allen Wolken fiel, und innert kurzer Zeit wurde der Artikel mitsamt allen Leserbriefen aus dem Website entfernt. Vorsichtshalber hatte ich das gesamte Dossier, Artikel und alle Leserbriefe, vorher ausgedruckt. Ich hoffe sehr, dass die Chefredaktion des Magazins in der Samstagsausgabe des Tages-Anzeigers eine eindeutige Stellungnahme zur Tatsache, dass nationalsozialistisches Gedankengut in ihrem Website veröffentlicht wird, erscheinen lässt. Es ist mir wichtig zu sehen, wie der Tagi zu diesen skandalösen Leserbriefen und zu dieser braunen Welle Stellung nimmt.

Ich persönlich hatte während meiner Jugend und auch später wenig antisemitische Erlebnisse. Damals spielte Scham noch eine Rolle, Antisemitismus wurde unterdrückt, latent war er, so wird heute bewiesen, stets vorhanden. Jetzt, da Israel zum Bölimann der Welt stilisiert worden ist, sind die Bremsen des Anstands gelöst und der Antisemitismus der Gegenwart, als Antiisraelismus getarnt, ist hoffähig geworden. Israel machte im Laufe seiner Geschichte viele Fehler, der grösste davon ist die Besiedlung der Westbank. Um es ganz klar zu stellen: damit meine ich nicht die Besetzung dieses Gebietes in einem Verteidigungskrieg, der ihm aufgezwungen worden ist, sondern die Besiedlung aus religiösen und mythischen Gründen, die mit der Sicherheit des Landes nichts zu tun hatten. Das Herrschen über ein anderes Volk, die Palästinenser oder wie immer man sie auch nennen will, hat unseren Staat moralisch geschädigt. Schon Yeshayahu Leibowitz, ein gesetzestreuer Denker und überzeugter Zionist, bezeichnete die Besetzung als "Gewaltherrschaft über die Palästinenser" und sah darin eine Bedrohung des demokratischen Charakters des Staates Israel. L. kritisierte vor allem die Verbindung von Staat und Religion in Israel und eine Instrumentalisierung der Religion durch den weltlichen Staat. Das ist auch der wesentliche Grund, um grundsätzlich einen Abzug der jüdischen Siedlungen aus diesem Gebiet voran zu treiben. Aber, mit der Feindschaft der muslimischen Welt gegen Israel und das jüdische Volk als Ganzes hat das wenig zu tun. Der über Hundert Jahre alte Hass, der heute herrschende Islamismus mit seiner Feindschaft gegenüber der gesamten westlichen Welt, dem Judentum und dem Christentum, dieser islamistische Hass, der den Streit um Land um die entscheidende religiöse Komponente erweitert hat, lässt einen militärischen Abzug aus der Westbank nicht zu. Israel hat aus seinem, auch von mir und der Mehrheit der Israelis gewollten, völligen Abzug aus Gaza, gelernt. Ein judenfreies Westjordanien würde von islamistischen Terroristen übernommen und wir hätten eine Situation, wie sie heute in Gaza besteht: Raketenhagel auf israelische Zivilisten. Dazu stelle ich mir allerdings die Frage, warum soll das kommende Palästina eigentlich judenfrei sein – unsere israelischen Araber sind (wenigstens vor dem Gesetz) volle Bürger des Staates.

Einer der Schreiber nazistischen Gedankengutes im TagiMagi, sich tapfer anonym als Fux Uli ausgebend, möchte die Juden der gesamten Welt, vor allem jenen der USA, Israels und der Schweiz in einem völlig unbewohnten Teil der Erde ansiedeln, er schlägt die Antarktis vor. Meine Freundin Hanna Zweig schrieb mir dazu folgendes:

Juden in die Kälte - Nazipläne

In der Literatur wird ausführlich beschrieben, dass die Nationalsozialisten nach ihrer „Machtergreifung“ eine stufenweise sich steigernde Isolierung, Entrechtung, Beraubung und Vertreibung der Juden betrieben. Diese weitete sich vom „Deutschen Reich“ über „Grossdeutschland“ und nach Kriegsbeginn auf die besetzten Staaten und die Satellitenstaaten aus. Die Nazi-Ideologie trachtete danach, „judenreine“ Gebiete zu schaffen.
Zwei Varianten, die im Leserbrief des „Fux Uli“ aufgegriffen werden, gehen auf die nationalsozialistischen Vorschläge vor dem Sommer/Herbst 1941 zurück: Weit bekannt ist der sog. Madagaskar-Plan, der schon vor Kriegsbeginn, besonders dann nach dem Zusammenbruch Frankreichs 1940 unter den Nazi-Grössen im Gespräch war. Sie stellten sich dabei ein riesiges Konzentrationslager unter SS-Aufsicht vor, in welchem die dorthin deportierten Juden durch die klimatischen Verhältnisse, durch Hunger und Seuchen dezimiert werden sollten. Auf Grund der Kriegslage, besonders der Haltung Grossbritanniens, aber auch aus weiteren logistischen Gründen erwies sich diese „Lösung der Judenfrage“ als undurchführbar.
Im März 1941 wurde von Heydrich und Alfred Rosenberg ein weiterer Plan vorgestellt: Die Deportation „aller“ europäischer Juden in den hohen Norden Russlands. „Rosenberg selbst erwähnte etwas Derartiges in einer Rede vom 28. März, in der er von der Deportation der Juden Europas unter in ein Gebiet ausserhalb Europas sprach, “.[1]
[...] Nach Beginn des Feldzuges erwähnte Hitler den neuen Territorialplan mehrfach [...] Es erscheint nahezu sicher, dass Hitler den Abschluss des Ostfeldzuges abwarten wollte, bevor er einen endgültigen Entschluss fasste.
[1] Götz Aly, Endlösungen, Völkerverschiebung und der Mord an den deutschen Juden, Frankfurt a.M. 1995, S. 195-201. zitiert nach Friedländer, Die Jahre der Vernichtung, Das Dritte Reich und die Juden 1939-1945, München 2006, S. 162
[1] Saul Friedländer, Die Jahre der Vernichtung, S. 162. Friedländer merkt dazu an: „Es gibt keinen direkten Hinweis auf das Datum, an dem Heydrich Görings Befehl (d.h. Hitlers Befehl) erhielt, eine neue territoriale Lösung der Judenfrage anstelle des Madagaskar-Plans vorzubereiten. Auf der Grundlage von Dokumenten, die von Eichmanns Vertreter in Paris, Theodor Dannecker, und von Eichmann selbst stammen, muss der Befehlt aber irgendwann Ende 1940 ergangen sein. Götz Aly, Endlösungen S. 271-274
Um zu zeigen, wie wenig sich der heutige Schweizer Antisemitismus vom früheren unterscheidet, präsentiert Hanna Zweig Dokumente, die sie auf der Suche nach persönlichen, sie selbst betreffende Informationen im Bundesarchiv fand. Sie beschreibt, wie wenig lernfähig Schweizer Offizielle schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren, nachdem die sie, wie alle in Besitz der fürchterlichen Informationen über die 60 Millionen Opfer dieses Krieges waren und besonders den Holocaust in jeder Einzelheit zur Kenntnis nehmen mussten.

Geistige Landesverteidigung nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Stimme eines kantonalen Polizeikommandanten am 22. Mai 1947:
Es ist bedauerlich, dass es so viele Leute gibt, die sich augenscheinlich gar keine Vorstellung machen, welche Auswirkungen Einbürgerungen haben und welches die Folgen für unser Land und Volk sind. Die schlechte Erfahrung mit vielen Eingebürgerten dürfte doch die beste Lehrmeisterin sein und wenigstens die Behörden zu äusserster Vorsicht mahnen. Darauf ist keine Rücksicht zu nehmen, dass denen das rechte Verständnis abgeht, die sich für Bewerber einsetzen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass alle aus der Vergangenheit lernen.[2]

Warnte der Polizeikommandant vor einem Verbrecher, einem Tunichtgut oder gar einem Kommunisten ? Aber nein, es ging um ein 16-jähriges staatenloses Judenmädchen, gegen welches vom Direktor der Schule, das es besuchte, zwar „klar zu fassende Vorwürfe nicht gemacht werden können“, nichtsdestotrotz „unser Urteil in der Schwebe bleibt, auch deshalb, weil viele Erfahrungen der letzten Jahre die gerechte Erfassung rassenmässig anderer Menschen als schwierig und unsicher“ beurteilt wurde.[3]
Der Pädagoge konnte sich auch ein Jahr später nicht von seinem Rassismus distanzieren, denn nun schrieb er: „Geblieben ist die starke Betonung des rein Intellektuellen und ein Zurücktreten des Gefühlsmässigen, was z. T. rassebedingt sein mag.“[4]
[1] Kommando des aarg. Polizei-Korps an Polizeidirektion Aarau, StaAAG 10057 B.21.
[1] Rektor der Kantonsschule an die Justizdirektion, 1. März 1948, StaAAG 10057 B 21.
3 Rektor der Kantonsschule an Justizdirektion, 24. Jan. 1949, StaAAG 10057 B.21.

Seit wir in Israel leben, haben wir in der Schweiz eine beträchtliche Zahl neuer Freunde gewonnen. Uris Tagebuch spielte und spielt dabei eine Rolle. Diese Freunde sind Nichtjuden und Juden, wobei ich gestehen muss, dass sich in meiner Erfahrung der vergangenen acht Jahre, nichtjüdische Freunde und Bekannte furchtloser und draufgängerischer mit dem wieder erstarkten Antisemitismus befassen, Israel aktiv und vor allem öffentlich unterstützen. Dabei sind nicht nur Mitglieder des GSI (Gesellschaft Schweiz-Israel), sondern auch Leute aus Medien, Politik und Private. Deswegen ist die heutige Situation nicht mit derjenigen vor siebzig Jahren zu vergleichen. Ob antisemitische Psychopaten - denn Antisemitismus ist eine psychische Erkrankung, die man sich aber nicht gefallen lassen muss - behandelt werden können, weiss ich nicht, sich aber von ihnen einschüchtern zu lassen kommt nicht in Frage. Das hat Israel mich gelehrt.



Kontext, Kontext und nochmals Kontext

22.5.2008

Ich bin in der Vergangenheit stets auch für jene Journalisten eingestanden, die offensichtliche Unwahrheiten durch die ausländische Presse verbreiteten. Lügen sind nicht immer nur schlichte Unwahrheiten, sondern die Weigerung Tatsachen in den richtigen Kontext zu setzen und Auslassungen von Fakten, die Vordergründiges ins Gegenteil seiner Aussage verdrehen kann. Mark Twain sagte dazu: „Sammle erst die Fakten, dann kannst du sie verdrehen, wie es dir passt“. Daran dachte ich, als ich heute mit dem inzwischen zum engen Freund gewordenen Hani Hasisi nach Haifa fuhr. Hani ist Druse, moderner Geschäftsmann und Mitglied der israelischen Arbeitspartei, in deren Zentralkomitee er sitzt. Durch und mit ihm lernte ich wiederholt bekannte Mitglieder dieser Partei kennen, sie besuchen ihn, er besucht sie und gelegentlich bin ich dabei.

Wir sprachen über Bethlehem, in der gestern die Palestine Investment Conference eröffnet wurde. Zu dieser Konferenz hat, so Hani Hasisi, die Palestinian Authority eingeladen, doch die Idee und Initiative dazu stammt von Shimon Peres und seinem Friedensinstitut. Peres hatte einige der ihm nahe stehenden Parteimitglieder vor langem informiert, doch offiziell gebührt der Kredit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Salaam Fayad, einem der wenigen Pragmatiker der palästinensischen Politik. Es seien schon, so die Fernsehnachrichten, über Projekte finanziert von den arabischen Golfstaaten entschieden worden. Diese sollen 10'000 neue Arbeitsplätze in Palästina schaffen. Es nehmen auch Geschäftsleute aus arabischen Staaten teil, die keine diplomatischen Beziehungen zu Israel haben. Israel selbst ist natürlich sehr an der wirtschaftlichen Entwicklung der Palästinenser interessiert, denn eine solche würde, so hofft man, palästinensischem Extremismus und Terror entgegenwirken. Das palästinensische Volk müsse sich, so Hani, auf ihr überragendes Talent für Handel und Industrie besinnen, das ihnen von fanatischen Jihadisten und Nationalisten seit Jahrzehnten vorenthalten wird.

Im Gespräch über Bethlehem erinnerte ich mich an den Artikel in der Basler Zeitung zu dieser Konferenz, in der diese relativ kurz erwähnt und im Titel verbraten wird. Doch der Artikel ist ein Musterbeispiel antiisraelischer Stimmungsmache, in dem der Kontext der Aussage völlig unterschlagen wird. Darüber sprach ich mit Hani. Der leider viel zu früh verstorbene christliche Bürgermeister Bethlehems, Elias Freij (25 Jahre Oberhaupt dieser Stadt), wusste genau was er tat, als er schon 1982 die Anerkennung Israels durch die PLO vorschlug und, nach Arafats Machtübernahme, die israelische Regierung ersuchte, Bethlehem zu Jerusalem einzugemeinden. Er fürchtete sich schon dann vor der Muslimisierung seiner Stadt, in der seit jeher über 80% Christen mit 20% Muslimen lebten. Er sollte Recht behalten – heute ist der Anteil der Christen in Bethlehem auf 20% gesunken, Tendenz weiter sinkend. Zwar ist, sogar mit den Stimmen der Hamas, noch immer ein christlicher Bürgermeister im Amt – gegenüber der Welt ist Bethlehem eines der wichtigsten Zentren des Christentums – doch die wirkliche Macht üben die Moslems aus, die Unterdrückung der Christen dort und im Rest der besetzten Gebiete schreitet weiter. In Hamas Gaza werden Christen offen terrorisiert, verfolgt und ermordet. In BAZ Artikel wird auch über die „Mauer“ geklagt, die Bethlehem von Jerusalem trennt, eine Situation, die ohne weiteres auch als Schutz Jerusalems gegen Terrorattacken von, gemäss BAZ, „militanten“ Terroristen gegen die Bevölkerung verübt wurden, betrachtet werden darf. Die BAZ benutzt die Gelegenheit der oben erwähnten Konferenz zum wiederholtem „Israel Bashing“, ohne sich im Detail mit dem Inhalt und Resultaten dieser wichtigen Konferenz zu befassen. Denn, so ist mein Eindruck, palästinensische Wirtschaft und Entwicklung wird völlig uninteressant, wenn man stattdessen über das böse Israel schreiben kann. Kontext, Kontext und nochmals Kontext – sonst kann Information zur Lüge werden.




Donnerstag, 15. Mai 2008

Lustiges? - jüdisches Selbstverständnis

15.5.2008

Zum Aufwärmen Muster palästinensischer Lügenpropaganda, neue und nicht ganz neue, wie sie vom palästinensischen Jihad selbst und dessen selbsternannten Vertretern im Ausland (z.B. Daniel VögeliVischer, die Jüdinnen und Juden für „den gerechten Frieden ohne Juden in Palästina“, Sumaya, der massgebende Teil der JLG Kulturkommission) begeistert vertreten werden. Es sind Beispiele, über die man ohne weiteres lachen darf, obwohl sie traurig sind. Mit solchen Lügen, werden Menschen im Westen einvernahmt, Unschuldige, die es nicht beurteilen können und Schuldige, die es freudig akzeptieren, obwohl sie wissen, dass es, wie praktisch die gesamte jihadistische Propaganda im Zusammenhang mit Israel aber auch mit dem Westen als Ganzes, auf Lügen beruht. Diese Lügen werden gerne geschluckt, vor allem von denjenigen, die damit ihren Antisemitismus rationalisieren können und (das gilt auch für Juden) bei anderen eine braune Zunge erlecken wollen. Bei letzterem kommt mir die heute wieder im Radio gehörte Reportage in den Sinn, in der an einer Sitzung des Likud Zentralkomitees (Israels grösstem Stellenvermittlungsbüro) Limor Livnat, die schlechteste Erziehungsministerin aller Zeiten, auf die Mitglieder des ZKs einhämmerte: „Meint ihr wirklich, wir Minister und Knessetmitglieder der Partei kämen hier zu euch und würden unsere Zeit damit verschwenden, euren A… zu lecken?“ Worauf ihr im Chor der Zweitausend ZK-Miglieder ein lautes „Jaaa“ erschallte.

Hier, bitte, Beispiele:

Der Untote

Es ist erstaunlich, wie immer wieder „Opfer“ israelischer „Grausamkeiten“ vom Tode zum Leben zurückkehren. Muhammad al-Harrani, Vater von sechs Kindern in Gaza, wartete auf die Bewilligung, um nach Israel einreisen zu können und dort seinen Krebs durch eine Operation behandeln zu lassen. „Ärzte für Menschenrechte“ erhielt von der Familie die Meldung, Muhammad al-Harrani sei gestorben, er habe die Wartezeit nicht überlebt und machte die Sicherheitsbehörden dafür verantwortlich. Die „Ärzte für Menschenrechte“ klagten die israelischen Behörden der Grausamkeit an, müssen sich jedoch äussert dumm vorgekommen sein, als am folgenden Tag, Wunder über Wunder, gemeldet wurde Muhammad sei noch sehr lebendig, sein Bruder habe nur verhindern wollen, dass er für ein Gespräch zur Einreisebewilligung erscheine, denn es bestanden Verdachtsmomente im Zusammenhang mit terroristischer Tätigkeit. Der Bruder sorgte sich wohl, Muhammad könnte etwas ausplaudern. Wieder einmal haben sich Palästinenser in den eigenen Fuss geschossen, denn mit dieser Dummheit haben sie den Tausenden palästinensischen Patienten, die in Israel behandelt werden, einen Bärendienst erwiesen und ihrer eigenen Glaubwürdigkeit weiter geschadet. Dazu passt das Zitat von Mark Twain: „Sammle erst die Fakten, dann kannst du sie verdrehen, wie es dir passt“ – etwas, das von einigen ausländischen Medienvertretern in Israel grossartig beherrscht wird.

Ich erinnere mich auch gern an ein Detail der Lügenkampagne über Jenin vor sechs Jahren, als gefilmt wurde, wie eine tote Leiche auf der Bahre weggetragen wurde, dann von dieser Bahre fiel und davon rannte. Die Szene wurde von einer fliegenden Drohne gefilmt und hatte an einer Pressekonferenz grossen Unterhaltungswert.

Die GV

Im Tachles der vergangenen Woche liess Freund Jacques Ungar in einem Essay mit Titel „Gefährlicher Prioritäten-Wirrwarr“ seine Gedanken zum Thema jüdischer Beziehung zu Israel schweifen, vor allem die Beziehung der Galut- (pardon Diaspora) Juden zu diesem Land. Es ist ein Thema, das auch ich mehr als nur gelegentlich anschneide. Er beschreibt die wachsende Distanz vieler Diasporajuden zum Land ihrer Väter und – denn was liegt näher – den Gemütszustand des durchschnittlichen Schweizer Juden, wenn dieser mit für ihn als Schweizer Jude unangenehmen Reaktionen aus Israel zu Schweizer Politverhalten konfrontiert wird. Ich weiss - da wiederhole ich mich wieder einmal - private und möglichst diskrete Unterstützung israelischer Sozialwerke und ähnlichem geschieht durch einzelne Schweizer Juden und das sehr grosszügig. Chapeau! Aber es fehlt die öffentliche grundsätzliche Identifikation mit dem jüdischen Staat, unabhängig davon, ob einem dessen politisches Verhalten zur Zeit gerade gefällt. Die von Jacques Ungar als Beispiel gebrachte Reaktion offizieller Juden zu Micheline Calmy-Reys Aufwartung bei Ahmedinejad und ihr schamloses Verhalten in Teheran, in Form eines beschämenden Briefes an Bundespräsident Couchepin, der sich bestimmt seine Gedanken zur Stärke des Rückengrates der Offiziellen des Schweizer Judentums machte. Jacques Bezeichnung „…. schweizerischen Bürgern mosaischen Glaubens“, auch von mir wiederholt benutzt, war schon lange nicht mehr so augenfällig wie in den heutigen Tagen.

Heute Abend findet die GV der JLG Or Chadasch in Zürich statt. Meine Freunde in dieser Gemeinde regen sich schon seit Jahren über die Politik der Verehrung palästinensischer Gewalt gegen Israel oder auch nur das „unschuldige“ zur Verfügung stellen der JLG Räumlichkeiten auf. Jetzt hat es ihnen den „Nuggi herausgerissen“, das Thema wird heute Abend diskutiert. Es geht um den Charakter dieser Gemeinde. Will sie Teil der weltweiten jüdischen Schicksalsgemeinschaft sein, eine Alternative zu anbieten oder ganz einfach nur ein unverpflichtender Kreis lieber Leute, denen es fast ausschliesslich ums beschauliche Beten geht? Wird ihre Kulturkommission weiterhin und eigenmächtig anti-jüdische und anti-israelische Aktionen durchführen dürfen – oder tut sie das wirklich im vollen Einverständnis der Gemeinde und ihrer Mitglieder. Ich hoffe, dass sich Or Chadasch mutig entschliessen kann, wirklich Stellung zu beziehen.

Noch eine Kleinigkeit in Sachen MCR, nämlich der folgende Brief einer Iranerin in der Schweiz an die helvetische Aussenministerin. Dieser Brief spricht für sich selbst und erweitert die Schande, die MCR, Vischer und Genossen (etc. siehe oben) über die Schweiz und andere anständige Menschen bringen.

Offener Brief an Micheline Calmy-Rey

Ihre Exzellenz,liebe Frau Calmy-Rey!Ich bin eine iranische Frau im Schweizer Exil, und es ist mir eine Ehre, Mitglied der SP zu sein. Auf Ihre sozialen Fähigkeiten war ich einmal sehr stolz.Seit etwa 22 Jahren kann ich den Iran nicht mehr besuchen. Ich musste mein Land verlassen, so wie Millionen meiner Landsleute. Mir wurde das grundlegende Recht genommen, meine Kleidung selbst zu wählen; stattdessen hatte ich einer staatlichen Kleiderordnung zu gehorchen. Mit totalitären Gesetzen werden iranischen Frauen zudem viele weitere Rechte geraubt, beispielsweise die Reisefreiheit, die freie Wahl des Arbeitsplatzes, die Möglichkeit der Ehescheidung, das Sorgerecht für Kinder, das Recht zu tanzen, Opern zu singen, jeden Sport auszuüben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen und frei im Meer zu schwimmen. Die Konsequenz daraus ist eine Geschlechterapartheid, in der die iranischen Frauen als Menschen nur halb so viel wert sind wie die Männer. Ein Jahrhundert lang haben Frauen dafür gekämpft, ihre Kleidung frei wählen zu können, aber sie haben in den letzten 30 Jahren alles verloren, durch fortgesetzte Inhaftierung, Folter und Mord.Liebe Micheline Calmy-Rey, ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass es – anders, als Sie am 3. April bei der Eröffnung des Gleichstellungskongresses im Zürcher Volkshaus behauptet haben – nicht nur ein dünnes Stück Stoff war, das Sie da auf Ihrem Kopf trugen, sondern vielmehr ein Affront gegen alle Versuche und Bemühungen von Frauen im Iran und anderen Ländern in der Region, die freie Wahl ihrer Kleidung durchzusetzen und aufrecht zu erhalten.Womit Sie Ihr Haar bedeckt haben, ist das Symbol für die Demütigung der iranischen Frauen sowie für die Verletzung ihrer Rechte durch die Männer und das patriarchalische Regime im Iran. Im Patriarchat werden Frauen systematisch von Männern dominiert. Das religiöse Patriarchat schließt Frauen überdies systematisch von einer Funktion innerhalb der religiösen Autorität aus; dem liegt die Annahme zugrunde, dass Gott männlich ist. Das ist das Symbol des frauenfeindlichen, barbarischen Regimes der terroristischen Mullahs im Iran, die sich nicht um die universelle Erklärung der Menschenrechte kümmern. Und es klafft eine große Lücke zwischen dem Mullah-Regime und der säkularen Regierung der Schweiz. Konsequenterweise sind die Mullahs strikt gegen freie, demokratische und fortschrittliche Regierungen, die für die Menschenrechte, eine zivilisierte Gesellschaft und die Rechtsstaatlichkeit eintreten.Liebe Micheline Calmy-Rey, die Mullahs kennen viele verschiedene Tricks, um einer Isolation zu entgehen, und sie sind sehr glücklich über die wirtschaftliche Vereinbarung mit Ihnen, die sie ohne negative Konsequenzen seitens Ihrer Regierung und anderer unterzeichnen konnten. Das Regime ist sehr glücklich, wenn es den Iranern den Wohlstand rauben kann, während der Bevölkerung – der eigentlichen Besitzerin dieser Ressourcen – die Früchte dieses Vertrags vorenthalten werden.Liebe Micheline Calmy-Rey, Ihre Tat ist leider ziemlich erschütternd und bricht die Herzen vieler Iraner. Sie schließen einen Kontrakt mit einem fanatischen, frauenfeindlichen und terroristischen Regime, und dabei sabotieren Sie den schmerzhaften Kampf iranischer Frauen für ihre Mindestrechte. Sie haben dadurch, dass Sie als Zeichen des Appeasements das Kopftuch trugen, teures Lehrgeld an das despotische, faschistische, reaktionäre, mittelalterliche, korrupte und kriminelle Mullah-Regime gezahlt. Dieses Regime, das Dissidenten steinigt, deren Hände und Füße amputiert und seine Gegner öffentlich erhängt, verdient keine Legitimation. Die große Mehrheit der Iraner hat die jüngsten iranischen Parlamentswahlen boykottiert.Als Anwältin für Frauenrechte habe ich tiefen Respekt vor Ihnen, und ich hätte nicht gedacht, dass Sie einen Dialog mit einem früheren Henker wie Ahmadinedjad führen würden. Diejenigen, die für Demokratie und Freiheit kämpfen, erwarten von den europäischen Politikern einen Boykott der so genannten Islamischen Republik Iran, um das Leiden der iranischen Bevölkerung zu mindern – einer Bevölkerung, die das derzeitige inhumane, verbrecherische Regime durch eine demokratische Regierung ersetzen will.Ich hoffe auf Ihre Solidarität mit der iranischen Bevölkerung, insbesondere mit den Frauen, die seit nunmehr fast 30 Jahren von den im Iran regierenden Kriminellen als Geiseln genommen werden. Das iranische Regime sollte wegen Verbrechen gegen die Menschheit vor Gericht gebracht werden.

Hochachtungsvoll

Dr. Zahra Erfani/Zürich, Schweiz

(Quelle: www.lizaswelt.net)

Ich wünsche Micheline Calmy-Rey beim Stellensuchen bei der UNO viel Glück.

Dienstag, 13. Mai 2008

Die Antis

7.5.2008

Als Golda Meir Premierministerin war, versuchte sie Henry Kissinger dazu zu bringen, Israel zu einer Toppriorität zu machen. Kissinger schrieb ihr einen Brief: „Ich möchte Sie informieren, dass ich erstens amerikanischer Staatsbürger, zweitens Aussenminister und drittens Jude bin“. Golda schrieb ihm zurück: „In Israel lesen wir von Rechts nach Links!“. Das hat zwar mit dem untenstehenden Thema wenig zu tun, aber jüdische Witze sind immer willkommen.

Im TagiMagi, dem Tages-Anzeiger Magazin des vergangenen Wochenendes war ein erstaunlicher Artikel von Reto E. Wild, in dem er die übliche Presseberichterstattung über Israel und dessen freundliche Feinde seiner Nachbarschaft aufs Korn nimmt. Viele meiner Freunde und Tagebuchleser machten mich darauf aufmerksam und ich will nicht auf dessen Inhalt eingehen. Denn, wie es scheint, machte dieser Artikel Furore, die sich auch in den dem Artikel nachfolgenden Leserbriefe ausdrückt. Foren sehe ich kaum je an, ausser eben in dieser besonderen TagiMagi Ausgabe. Ich hatte den Plausch, schrieb gleich dreimal, wurde attackiert, beschimpft und schrieb eiscool zurück – mein Blutdruck bleib normal. Wer mehr darüber erfahren will, soll den Artikel und diese Briefe lesen (siehe obigen Link).

Seit gestern um Mitternacht, als ich in meine Mail guckte und die Pressemitteilung der Gesellschaft Schweiz-Palästina fand, bin ich verärgert. Daniel (Vögeli)Vischer, dem man, nachdem er den Prozess gegen David verloren hat, heute gerichtlich geschützt nachsagen darf, er sei ein Unterstützer palästinensischen Terrors, hat eine kleine Gruppe nationalrätliche Palästinafans nach Palästina gebracht, um mit der Hamas zu reden. Da sie nicht auf israelischen Boden treten wollen, flogen sie nach Amman um von dort aus über den Jordan westwärts in Heiligen Land einzureisen. Vischers Reisearrangement beinhaltet die übliche Hirnwäsche über die von Israel gewollte Armut, die Strassensperren, Interviews mit Hamas-Vertretern und anderen uns Juden freundlich gesinnten Arabern, alles ausschliesslich in der Westbank, dem auch von mir „besetztes Gebiet“ genannten zukünftigen Palästina. Allerdings denke ich, dass dieser Staat wegen NR Daniel Vischer nicht zu früh erstehen darf, denn dann hätte er nichts mehr zu tun und müsste sich, ähnlich wie Jean Ziegler, eine neue Hass fördernde Nebenbeschäftigung suchen. Warten wir ab, wie sich das entwickelt.

Zum Thema des gar nicht mehr latenten sondern mutig offenen Antisemitismus und dem damit eng verbundenen Antizionismus gehört eine Definition des Rassisten als Menschentyp. Nach gründlicher Analyse der sozialpsychologischen Funktionen, wie Feindbild und Sündenbock, erfand ich eine kleine Zusammenfassung der Ursachen rassistischer Weltanschauung in sieben Punkten – nicht komplett, aber für einen Amateur doch recht sinnvoll und vor allem verständlich, da ohne Jargon:

1. Nur wer echtes Selbstbewusstsein hat, kann sich Toleranz leisten. Wem das Selbstbewusstsein fehlt, der benötigt Feindbilder.
2. Für Fremdenfeindlichkeit trifft zu: „Hasst du was, bist du was!“
3. Vorurteile zwischen Gruppen kann man mit einer Waage vergleichen: Was der Fremdgruppe negativ angelastet wird, erscheint bei der eigenen Gruppe positiv. Aufwertung durch Abwertung, Weißmalerei durch Schwarzmalerei.
4. Mit Vorurteilen kann man Verantwortung abschieben: Für das eigene Versagen oder für Frust wird ein anderer verantwortlich gemacht. Die andere Gruppe wird zum „Sündenbock“, zum "Feindbild".
5. Vorurteile zwischen Gruppen werden vor allem dann gefährlich, wenn kein Gleichgewicht der Kräfte besteht. Für Minderheiten kann das sehr bedrohlich werden. Steigt zum Beispiel die Arbeitslosigkeit, heißt es rasch: "Ausländer raus!"
6. Oft "bekriegen" sich Minderheiten untereinander. Da die „Hauptgruppe“ (die Mehrheit der Gesellschaft) zu stark ist, suchen sie sich eine andere Minderheit, eine „Außenseitergruppe“, als Gegnerin.
7. Jugendliche werden in ihren Vorurteilen durch Erwachsene bestärkt, die ähnlich denken, sich aber nicht trauen, es zu sagen.

Eines der Zitate von Mark Twain trifft auf den Menschentyp des Rassisten wunderbar zu: „Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Persönlichkeitsentfaltung“. Was Mark Twain nicht sagt, ist die gern vergessene Tatsache, dass durch rassistische Taten immer andere leiden und der Rassist meist nicht dafür geradestehen muss.